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Jean de La Fontaine: Fabeln

Jean de La Fontaine: Jean de La Fontaine: Fabeln - Der Hase mit den Hörnern
Quellenangabe
typefairy
booktitleTiermärchen aus aller Welt
titleDer Hase mit den Hörnern
authorLa Fontaine
isbn3-570-08739-5
senderhille@abc.de
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La Fontaine

Der Hase mit den Hörnern

Ein Häschen tummelte sich ausgelassen an einem wunderschönen Sommermorgen auf einem freien Plätzchen, das von dichtem Buschwerk umgeben war. Hier fühlte es sich sicher. Vergnügt hopste es über ein paar Heidebüschel, sauste übermütig im Kreis umher und wälzte sich mit Wohlbehagen im sonnengewärmten Sand. Es zersprang fast vor Lebenslust und wußte vor Glück nicht wohin mit seinen Kräften.

Aber plötzlich duckte es sich blitzartig in einer kleinen Erdmulde nieder. Ein Hirsch setzte über die Büsche hinweg, und gleich darauf folgte ein Widder. Danach trampelte auch noch ein schwerer Stier respektlos quer durch das sonnige Morgenreich des kleinen Häschens.

»Unverschämte Bande«, kreischte das Häschen, »mir meinen schönen Morgen so zu verderben!« Kaum hatte es sich wieder aufgerappelt, sprang eine Ziege über die Sträucher. »Halt«, schrie das Häschen, »was soll das bedeuten, wo läuft ihr denn alle hin?«

Die Ziege, die immer zu einem Streich aufgelegt war, schaute lange und ernst auf die Ohren des Häschens, dann meckerte sie munter: »Hast du denn noch nicht von dem neuen Gesetz des Königs gehört? Ein kühner Bruder von mir stieß zufällig den Löwen mit seinen prächtig geschwungenen Hörnern in die Seite. Doch der König verstand keinen Spaß und befahl, daß alle Tiere, die Hörner tragen, sein Land verlassen müßten. Wer heute abend noch hier verweilt, wird mit dem Tod bestraft. Ich muß mich beeilen. Lebe wohl, Meister Langohr.«

»Sonderbar«, dachte das Häschen, welches nicht so schlau war wie sein Großvater, »der Löwe treibt seine Beute aus dem Land? Höchst sonderbar.«

Auf einmal fuhr das Häschen zusammen. jetzt wußte es, warum die Ziege es so seltsam angegafft hatte. Natürlich, das war es. Im Sand erblickte das Häschen die Schatten seiner Ohren. Sie erschienen ihm riesengroß, und es befürchtete, daß der König seine Ohren für Hörner halten könnte.

»Was mach' ich nur, was mach' ich nur?« wiederholte der Hasenfuß und zitterte wie Gras im Wind. »Hier bin ich geboren, hier bin ich aufgewachsen, hier kenne ich jeden Grashalm. Ich mag nicht auswandern. Ach, wären meine Ohren so klein wie die einer Maus.«

Eine Grille hatte die Worte der Ziege vernommen, und als sie nun das dumme Häschen so jammern hörte, lachte sie. »Du dummer Angsthase, die Ziege hat dir nur Hörner aufsetzen wollen. Was du wirklich an deinem Kopf hast, sind ganz gewöhnliche Ohren.«

»Hier aber hält man sie für Hörner«, gab das Häschen traurig zur Antwort. »Was hilft es mir, daß ich, du und der liebe Gott wissen, daß es Ohren sind, wenn es der Löwe nicht glaubt.« Und ängstlich lief das Häschen in ein anderes Land.

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