Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Jean de La Fontaine >

Jean de La Fontaine: Fabeln

Jean de La Fontaine: Jean de La Fontaine: Fabeln - Die Schwalbe und die kleinen Vögel
Quellenangabe
typefable
authorLa Fontaine
titleDie Schwalbe und die kleinen Vögel
senderLorelies.Kuhn@t-online.de
created20011112
Schließen

Navigation:

La Fontaine

Die Schwalbe und die kleinen Vögel

Die Schwalbe hatt' auf ihren großen Reisen
gar viel gelernt, und wer viel hat gesehen,
wird manches besser auch verstehen.
Unwetter sah sie vor den andren;
gewarnt von ihr konnten Matrosen
sich retten vor des Sturmes Tosen.
Da nun die Jahreszeit kam, wo der Hanf gesät wird,
sah einen Landmann sie, der ihn in Furchen streut'.
»Ihr Vöglein«, sprach sie, »seid gescheit!
Ihr dauert mich; ich geh', bevor's zu spät wird,
weit fort und berg' mich, wo ich sicher bin.
Doch ihr – seht ihr die Hand dort hin und her ihn schwingen?
Glaubt mir: 's ist nicht mehr lange hin,
dann wird, was jetzt sie streut, Verderben bringen.
Da wird zu eurem Fang manch Netz gar meisterlich
gelegt und mancher Dohnenstrich;
man stellt euch nach, man legt euch Schlingen.
Dann kommt die Zeit der schweren Not,
wo euch Gefängnis oder Tod,
der Käfig oder Bratspieß droht.
Drum rat' ich euch, jetzt wegzufressen
den Samen, Folgt mir und seid klug!«
Die Vöglein höhnten sie vermessen,
sie hatten Futters ja genug!
Man sah das Hanffeld grün sich färben.
Da sprach die Schwalbe: »Schnell! Reißt Halm für Halm jetzt ab
das Gras, das jener Same gab;
sonst bringt es sicher euch Verderben.«
»Unglücksprophet!« schrien sie. »Schwatzhafter Phrasenheld!
Ein schöner Rat, um uns zu retten,
da tausend Mann wir nötig hätten,
jetzt kahl zu mähen dieses Feld!«
Als nun der Hanf nach oben schoß,
da rief die Schwalb': »O Weh!« und schüttelte das Haupt.
»Das böse Kraut! Wie schnell es sproß!
Doch ihr, die ihr bisher noch niemals mir geglaubt,
merkt euch jetzt dies: Seht ihr die Fluren
voll Stoppeln, hat der Mensch sein Feld
fertig für dieses Jahr bestellt;
und folgt als Feind er euren Spuren,
stellt Fallen er und Netze fein
den armen kleinen Vögelein,
dann hütet euch umherzufliegen!
Dann bleibt zu Haus, vielmehr verlaßt dann diesen Ort
wie Kranich, Schnepf' und Storch auf ihren Wanderzügen.
Ach, leider könnt ihr ja nicht fort,
nicht über Land und Meer, wie wir, zum Flug euch rüsten
nach fremden Ländern, fernen Küsten!
Drum, glaubt mir, gibt's für euch nur eine Rettung noch,
euch still zu bergen in ein sichres Mauerloch.«
Die Vöglein, statt der weisen Kunde
zu lauschen, fingen an zu schwatzen: »Oh!« und: »Ach!«
wie der Trojaner Volk, als mit Prophetenmunde
Kassandra einst zu ihnen sprach.
Wie jenen dort ging's jetzt den Kleinen:
Manch Vöglein seufzte, das in Not geriet.
Wir glauben immer nur an unser eignes Meinen
und sehn den Schaden erst, wenn er uns selbst geschieht.
 << Der Kater und die alte Ratte  Der Rabe und der Fuchs >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.