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Jean de La Fontaine: Fabeln

Jean de La Fontaine: Jean de La Fontaine: Fabeln - Der vielköpfige und der vielschwänzige Drache
Quellenangabe
typefable
authorLa Fontaine
titleDer vielköpfige und der vielschwänzige Drache
senderLorelies.Kuhn@t-online.de
created20011112
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La Fontaine

Der vielköpfige und der vielschwänzige Drache

Es pries einst vor der Höflinge Schar
Frankreichs Gesandter, der in Wien beglaubigt war,
die eigene Macht vor der des Deutschen Reiches.
Ein Deutscher sprach: »Trotz des Vergleiches
wisset: Unsers Kaisers Banner trug
schon mancher Mann, selbst stark genug,
auf eigne Faust ein Heer zum Kampf zu rüsten.«
Drauf Frankreichs Pascha, fein und klug,
erwidert': »Als ob wir nicht wüßten,
was jeder Kurfürst an Soldaten stellen kann!
Das mahnt mich unwillkürlich an
etwas, das ich erlebt, mag's wunderbar auch klingen.
Ich stand an sichrem Ort, da sah durch einen Hag
die hundert Häupter ich der Hydra plötzlich dringen.
Mein Blut erstarrt' – so etwas mag
zur Furcht den Tapfersten wohl bringen!
Doch mir geschah kein Leid: So sehr sie sich auch wanden,
die vielen Köpfe keinen Weg her fanden.
Dann seh' ein zweites Tier, ein vielgeschweiftes, ich,
das bohrt sein Drachenhaupt, sein einz'ges, durch die Hecken..
Zum zweiten Male fühlt' ich mich
von Angst erfaßt und starrem Schrecken.
Haupt, Leib und jeder Schwanz – eins brach dem andern Bahn,
so ward die Fortbewegung leicht dem Tier, dem ungeheuren.
Seht, ganz so scheint's mir angetan
mit unserm Reich und mit dem Euren.«
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