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Felix Dörmann: Jazz - Kapitel 52
Quellenangabe
authorFelix Dörmann
titleJazz
publisherEd. Strache Verlag
year2012
isbn978-3-9024-9855-7
editorAlexander Kluy
firstpub1925
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180308
projectid365a1d59
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51.

Alle Nachtlokale, Bars und Theater klagen über schlechten Besuch.

Der Steuerdruck steigt, die Abgebauten und Arbeitslosen mehren sich, die Geschäfte verkaufen nichts, Banken und Börsen sind auf flau gestimmt. Alles wartet auf den neuen Aufschwung.

Die Lebenskosten steigen enorm, aber die Rieseneinnahmen und die Riesenverdienste haben nachgelassen.

Die Phantasiekurse bröckeln ab. Die Ängstlichen verkaufen und machen die Situation noch ärger. Die Mutigen und Gläubigen warten und sitzen auf ihren Papieren. Es muß ja wieder besser werden.

Die Banken entdecken mit einem Male, daß sie zu viel Beamte haben. Die Bankbeamten machen keine gut bezahlten Überstunden mehr und keine Geschäfte. Sie demonstrieren und verlangen Gehaltserhöhungen.

Pessimisten sprechen von Bankendämmerung.

So vergeht der Herbst und das neue Jahr 1924 bricht an.

Nach Neujahr muß die große Wendung kommen. Die Stockung muß überwunden werden ...

Dem neuen Reichtum wird schwül – der alte liegt auf der Lauer. Es sind zu viele reich geworden. Die großen Fische hungern darnach – die kleinen aufzufressen.

Eine schwüle Gewitterstimmung beherrscht die Situation.

 

Marianne ist während der Weihnachtswoche in die Villa nach Wien zurückgekehrt. Sie findet die Situation sehr verändert.

Wien ist verdrossen und nervös – es hat seinen Schwung und seinen Leichtsinn verloren. Es ist kein Geschäft zu machen, klagen die Leute. Die leichten Verdienste fehlen. Niemand will etwas ausgeben.

Marianne findet auch Kalmar stark verändert.

Sein Gesicht ist gelb – die Schläfen sind grauer geworden. Eine fiebernde Unruhe treibt ihn. Er kann nicht schlafen, er raucht enorm und pulvert sich mit Kognak auf. Seine Laune ist miserabel. Er schreit mit den Leuten herum und brüskiert alle Welt.

Marianne weicht ihm aus und geht ihre eigenen Wege. Sie hat das Gefühl: Die Katastrophe steht vor der Tür ... Es weht der gewisse Wind ... In der Konditorei Zwieback, wo die mondaine und demimondaine Welt verkehrt, trifft sie sich einmal mit Wiesel. Er kann seine Ungeduld kaum bemeistern. Mit freudig erregter Stimme meldet er von Kalmar:

»Er wackelt ... er wackelt sehr stark. Sein Vizepräsident hat ihn furchtbar hineingelegt, ist nach Holland geflohen und weigert sich zu zahlen. Noch ein Stoß, und er liegt am Boden ... Ich tue mein möglichstes ... Und Sie? Werden Sie Wort halten?«

»Selbstverständlich!«

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