Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Felix Dörmann: Jazz - Kapitel 37
Quellenangabe
authorFelix Dörmann
titleJazz
publisherEd. Strache Verlag
year2012
isbn978-3-9024-9855-7
editorAlexander Kluy
firstpub1925
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180308
projectid365a1d59
Schließen

Navigation:

36.

In einer der dürftigen Gemeinschaftsküchen der Umgebung nahmen sie das Mittagessen.

Inmitten abgezehrter Mittelständler und halbverhungerter geistiger Arbeiter saßen sie.

Als sie nach zwei Uhr nach Hause kamen, berichtete der Portier:

»Ein elegantes Auto hat eine ganze Reihe von Koffern und Körbe für die Baronesse abgegeben. Sie haben im Zimmer nicht Platz gehabt – ich habe sie einstweilen am Gang aufgestapelt.«

Leo verfärbte sich.

Marianne wollte zuerst einen Freudenschrei: »Meine Sachen!« ausstoßen, beherrschte sich dann aber und meinte nur kleinlaut:

»Wir können ja die Sachen wieder zurückschicken ... Allerdings, ein bißchen Wäsche hätte ich schon nötig ... und vielleicht einen Mantel ...«

»Es sind deine Sachen – und ich habe kein Recht, von dir zu verlangen, daß du sie meinetwegen zurückschickst, wo ich dir doch keinen Ersatz bieten kann ...«

Und so behielt Marianne die Sachen und begann sie wieder schüchtern zu tragen – obwohl sie nicht ganz modern, sondern die Mode des vergangenen Jahres waren ... Aber wer ist so streng?!

Auch die Depotscheine über ihre Pelze waren vorhanden – alles bezahlt ... und auch der ganze Schmuck.

Sie wagte nicht, die Kassette zu öffnen. Sie vergrub sie ganz tief am Grunde eines Koffers.

 

Drei Tage lang wartete Kalmar, ob die Koffer zurückkämen – oder der Schmuck wenigstens ... Aber nichts rührte sich. Er war zufrieden.

Der Versuch der Verführung war geglückt!

Die Zeit würde das übrige tun ... Er braucht bloß auf den Tag des Reifwerdens zu warten.

»Es wird mein süßester Triumph sein, diesen weichen, roten, üppigen, widerspenstigen Mund zu küssen und zu wissen: Jetzt bist du die Meine!«

Und im Vorgefühl dieses Augenblickes schloß er die Augen und lehnte sich in den Sessel zurück.

Das Telephon rasselte ... Interurban – Berlin.

»Hier Kalmar!«

»Hier Jacques Zinner. Der Petroleumkonzern kommt zustande. Wir haben die Majorität und können den Marktpreis diktieren. Morgen soll sich die Dobrovic-Gesellschaft offiziell konstituieren. Die polnischen Herren sind schon da. Es wäre gut, wenn Sie auch kämen.«

»Morgen früh bin ich auch in Berlin! Gemacht!«

 << Kapitel 36  Kapitel 38 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.