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Felix Dörmann: Jazz - Kapitel 25
Quellenangabe
authorFelix Dörmann
titleJazz
publisherEd. Strache Verlag
year2012
isbn978-3-9024-9855-7
editorAlexander Kluy
firstpub1925
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180308
projectid365a1d59
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24.

Wenige Tage später erschien zwischen elf und zwölf der alte Portier beim jungen Grafen Leo und meldete:

»Ein Herr und eine Dame sind da. Sie möchten gerne die Festräume und das Haus überhaupt besichtigen. Der Herr sagt: Er hat es gekauft, und in vier Wochen fängt er zu bauen an. Er läßt um die Schlüssel vom ersten Stock bitten.«

Leo zögerte einen Moment. Sollte er brüsk die Schlüssel verweigern? Aber dazu hatte er wohl kein Recht? Also durch den Portier einfach hinunterschicken?

Schließlich entschloß er sich, selbst zu gehen. Er wollte den Mann sehen, der seiner Mutter das Haus zu einem so lächerlichen Betrag abgeschwätzt hatte. Vielleicht wäre doch noch etwas zu machen und der Mann sieht sein Unrecht ein. Er wollte artig sein.

»Bitte, melden Sie den Herrschaften, ich komme selbst.« Leo vertauschte die alte Militärbluse, die er als Hausrock trug, schnell mit einem Rock, nahm Kragen und Krawatte und ging hinunter.

Im schönen Stiegenhaus mit der zweifach geteilten Treppe traf er Ernö Kalmar und Marianne.

Kurze Vorstellung: »Leo Wartenstein ...«

»Baronesse Hartenthurn ...«

»Ernö Kalmar ...«

»Hartenthurn? Vielleicht General Hartenthurn?«

»Ja, mein Vater. Sie haben ihn gekannt?«

»Er war mein Brigadier.«

»O, Sie müssen mir erzählen von meinem Papa!«

»Wenn Baronesse befehlen – ich stehe immer zur Verfügung.«

»Vielleicht machen Sie uns einmal das Vergnügen, mit uns zu speisen. Wir wohnen derzeit im ›Bristol‹«, forderte Kalmar auf. »Wir werden uns sehr freuen, meine Braut und ich ...«

Marianne wird blutrot, nagt an den Lippen – und schweigt.

»Ich werde von Ihrer freundlichen Einladung Gebrauch machen ...« Ein leiser, fragender Blick trifft Marianne.

Die Besichtigung ist rasch vorüber.

Kalmar ist hochbefriedigt. Das war ein guter Kauf!

Man dankt. Man empfiehlt sich artig.

Leo trifft ein längerer und warmer Blick aus Mariannens Augen. Eine geheime Brücke ist zwischen beiden geschlagen. Marianne und Kalmar schlendern über die Kärntnerstraße nach dem »Hotel Bristol«.

Marianne wird erkannt.

Man flüstert den Namen der Tänzerin. Man bewundert ihren herrlichen Pelzmantel. Kalmar ist stolz und bläht sich.

Aus seiner Eitelkeit wächst seine Liebe mit erneuter Heftigkeit empor. Er hat auf einmal das Gefühl: Ich muß es ihr zeigen, ich muß es mir zeigen, was sie mir bedeutet.

Beim Mittagessen trägt Marianne eine herrliche Schnur von Riesenperlen. Aber heute ist sie nicht übermütig wie sonst. Ihre Gedanken sind fern. Sie sieht einen schlanken, jungen Mann, der einem ungarischen Schieber mit eleganter Handbewegung ein Haus übergibt, in dem er groß geworden ist.

Ein feindseliger Blick trifft Kalmar.

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