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Felix Dörmann: Jazz - Kapitel 21
Quellenangabe
authorFelix Dörmann
titleJazz
publisherEd. Strache Verlag
year2012
isbn978-3-9024-9855-7
editorAlexander Kluy
firstpub1925
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180308
projectid365a1d59
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20.

Die Vormittagsprobe war glänzend verlaufen.

Ihre Ankunft beim Bühneneingang war vom Sascha-Film gekurbelt worden. Ein paar Journalisten hatten gewartet, waren aber an ihren Vertreter Lauterbusch verwiesen worden. Der Direktor des Etablissements hatte sie auf der Bühne mit einem Bukett erwartet, und mit ihm waren ein paar Beteiligte des Hauses gekommen, die vor Neugier brannten, den neuen Star kennen zu lernen.

Marianne tat äußerst vornehm und hielt Distanz. Sie fürchtete, sich zu verraten. So erzielte sie einen fabelhaften Eindruck.

Natürlich probierte sie nur im Trotteurkostüm. Die Körbe mit den Abendkostümen standen wohlverschlossen noch in ihrer Garderobe.

Dort hatte sie herrliche Blumen von Kalmar vorgefunden und achtlos beiseite geschoben. Sie wollte ihn vor der Vorstellung überhaupt nicht mehr sehen. Die Kammerjungfer, die sie seit sechs Wochen hatte, hatte den Auftrag, niemand – auch nicht Herrn Kalmar – vorzulassen.

Aber die Vorsicht war überflüssig – er wich ihr von selbst aus.

Nach der Probe, die von elf bis eins dauerte, fuhr sie ins Hotel zurück, ging sofort in ihr Zimmer, aß rasch ein kleines, leichtes Menü und legte sich hin, um auszuruhen. Sie war eisig geworden, teilnahmslos und ruhig. Sie konnte sogar schlafen!

Für vier Uhr war ihr kleiner Kapellmeister bestellt. Der einzige Mensch, zu dem sie Vertrauen hatte und mit dem sie aus freier Seele reden konnte. Er verstand alles so gut ... Sie nahm ihn mit und fuhr mit ihm eine Stunde lang im Auto. Dann nahmen sie den Tee zusammen, besprachen noch einmal alles Technische. Hinter der Maske des armseligen Klavierpaukers stand ein unerbittlicher Künstler, ein Kenner und Könner – der den physischen Menschen preisgab – aber nicht seine Überzeugung.

Er verschwieg sie nur meistens.

 

Die Stunde des Auftretens war für zehn Uhr festgesetzt.

Um acht Uhr wollte sie in der Garderobe sein.

Die Schneiderin sollte noch einmal kommen und die Kostüme überprüfen, ob alles saß und hielt, ob Stiche vielleicht Neigung zeigten aufzugehen – oder ob der eine und andere Druckknopf vielleicht ungebärdig war. Man mußte an alles denken und nicht die kleinste Vorsichtsmaßregel außer acht lassen. Nichts darf dem Zufall eine Tür öffnen – jeder Zufall beschwört die Gefahr einer Lächerlichkeit und gefährdet den Erfolg.

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