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Felix Dörmann: Jazz - Kapitel 13
Quellenangabe
authorFelix Dörmann
titleJazz
publisherEd. Strache Verlag
year2012
isbn978-3-9024-9855-7
editorAlexander Kluy
firstpub1925
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180308
projectid365a1d59
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12.

Gegen drei Uhr morgens verließ Ernö Kalmar, wie gewöhnlich, den Salon Ankas von Bergen, um sich müde nach Hause zu begeben.

Sein Weg führte über die dunkle Ringstraße zwischen Justizgebäude und Parlament hindurch gegen die Josefstadt zu. Es war der Weg, den er täglich ging.

Er hatte nicht bemerkt, daß im Schatten des Parlamentsgebäudes zwei Gestalten sein Kommen erwartet hatten.

Sie ließen ihn ruhig vorübergehen – dann folgten sie ihm leise.

Ernö Kalmar machte sich weiter darüber keine Gedanken. Er war es gewohnt, bei seinem nächtlichen Nachhauseweg zweideutigen Individuen zu begegnen.

Auf einmal fiel eine schwere, weiche, dunkle Masse über Ernö Kalmars Kopf.

Er wollte schreien. Aber jeder Laut war erstickt.

Er fühlte, wie ein Strick seine Arme zusammenschnürte, fühlte sich gehoben – in einen Wagen geworfen, und dann fühlte er ein Schütteln und Rattern. Er saß in einem wie toll dahinjagenden Auto.

Er wußte: die Weißen ... ein Überfall ... über die Grenze ... nach Budapest ... vors Gericht ... oder vielleicht unterwegs ... er war erledigt ... so – oder so.

Er hörte zwei Männer sprechen – dumpf und undeutlich. Er erkannte nur, daß es Ungarisch war.

Gedankenfluchten jagten durch sein Hirn.

Er war wehrlos.

Die Weißen, welche ihn da entführt hatten, waren sicher gut bewaffnet. Mit dem Chauffeur waren es drei oder vier – wenn neben dem Chauffeur noch einer saß.

Er zermarterte sich das Gehirn und sah doch keinen Ausweg.

Der Wagen ratterte weiter und weiter in wilden Sprüngen.

Sein Gehirn arbeitete fieberhaft und in irrsinnigen Kombinationen.

Er hat jedes Zeitgefühl verloren. Dauert es schon Stunden oder sind es erst Minuten, daß er so dahinrast. Welchen Weg sie wohl genommen haben! Wahrscheinlich sind sie schon nahe an der Grenze, wenn nicht schon gar darüber hinaus.

Und keine Rettung, nirgends Rettung.

Von seinem Herzen aus verbreitete sich entsetzliche Schwäche.

Sie drang weiter und weiter, und er fühlte sie im Gehirn.

Kalter Schweiß überzog seinen Körper.

Müde glitt er vom Sitz herunter.

Ernö Kalmar war bewußtlos geworden.

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