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Jane Eyre, die Waise von Lowood.

Charlotte Brontë: Jane Eyre, die Waise von Lowood. - Kapitel 29
Quellenangabe
typefiction
authorCharlotte Brontë
titleJane Eyre, die Waise von Lowood.
publisherPhilipp Reclam jun.
firstpub1847
translatorMaria von Borch (1853 - 1895)
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon
senderwww.gaga.net
created20060420
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Achtes Kapitel.

Zwei Tage sind vorüber. Es ist ein Sommerabend. Der Kutscher hat mich an einem Orte abgesetzt, der Whitcroß heißt. Für die Summe, die ich ihm gezahlt, konnte er mich nicht weiter mitnehmen, und auf der ganzen Welt besaß ich nicht einen einzigen Schilling mehr. Um diese Zeit ist der Wagen schon eine ganze Meile weit fort. Ich bin allein. Und jetzt entdecke ich, daß ich vergessen habe, mein Packet aus der Wagentasche zu nehmen, wohin ich es der größeren Sicherheit wegen gesteckt hatte. Dort bleibt es, dort muß es bleiben – und ich bin von allen Mitteln entblößt.

Whitcroß ist keine Stadt, nicht einmal ein Marktflecken; es ist nur ein steinerner Pfeiler, welcher dort aufgerichtet ist, wo vier Wege sich kreuzen; weiß angestrichen, damit er in der Ferne und in der Dunkelheit sichtbarer und in die Augen fallender ist, – wie ich vermute. Vier Arme gehen von seiner oberen Spitze aus; die nächstgelegene Stadt, zu welcher diese zeigen, ist der Inschrift nach noch zehn Meilen von hier entfernt; die am weitesten entfernte mehr als zwanzig. Durch die wohlbekannten Namen dieser Städte erfahre ich, in welcher Grafschaft ich ausgestiegen bin. Eine nördliche Binnenland-Grafschaft, mit düsterem Moorland, von Bergen eingerahmt: dies sehe ich. Hinter mir und zu beiden Seiten von mir sind große Torfmoore; hinter jenem tiefen Thal zu meinen Füßen ziehen sich hohe Ketten von Bergen hin. Die Bevölkerung hier muß nur spärlich sein und ich sehe weder Fußgänger noch Reiter auf diesen Straßen; sie strecken sich nach Norden, Osten, Süden und Westen hin – hell, breit, einsam; sie alle sind über das Moor gelegt und das Haidekraut wächst wild und üppig bis an den Grabenrand. Und doch könnte zufällig ein Fußgänger vorüberkommen; ich aber wünsche keinem fremden Auge zu begegnen; man würde verwundert fragen, was ich hier thue, an den Wegweiser gelehnt, augenscheinlich ohne Ziel – verloren! Man könnte mich fragen und ich vermöchte nichts anderes zu antworten als was unglaublich klingt – und dann würde ich Argwohn erwecken. Kein einziges Band verknüpft mich in diesem Augenblick mit der menschlichen Gesellschaft – kein Reiz, keine Hoffnung ruft mich dorthin, wo meine Mitmenschen sind – niemand, der mich hier sähe, würde einen freundlichen Gedanken oder einen guten Wunsch für mich haben. Ich habe keinen Angehörigen außer unser aller Mutter, die Natur! Ich will mich an ihre Brust werfen und um Ruhe flehen!

Ich schritt direkt auf die Haide hinauf; ich hielt mich in einem kleinen Durchgang, welcher die braune Moorerde tief durchfurchte. Ich watete knietief in der dunklen Vegetation, ich folgte all seinen Biegungen und als ich einen moosbewachsenen Granitfelsen in einem verborgenen Winkel fand, setzte ich mich. Hohe Moordämme umgaben mich; die Klippe beschützte mein Haupt. Und über all diesem war der Himmel.

Es verging einige Zeit, bevor ich mich selbst hier sicher fühlte. Ich hatte eine unbestimmte Furcht, daß wilde Viehherden in der Nähe sein könnten, oder daß ein Jäger oder ein Wilddieb mich entdecken könne. Wenn ein Windstoß über die Fläche fortfegte, so blickte ich erschreckt empor und meinte, es könne der ungestüme Anlauf eines Stiers sein; wenn ein Regenvogel pfiff, so glaubte ich, es seien menschliche Laute. Als ich indessen einsah, daß meine Befürchtungen unbegründet seien, und die tiefe Stille, welche beim Hereinbrechen der Nacht herrschte, mich beruhigte – da faßte ich Vertrauen.

Noch hatte ich nicht nachgedacht. Ich hatte nur gehorcht, gewacht, gefürchtet. Jetzt kehrte die Fähigkeit des Nachdenkens wieder.

Was sollte ich beginnen? Wohin mich wenden? O qualvolle, unerträgliche Fragen, wenn ich nichts beginnen, mich nirgendhin wenden konnte! Wenn meine müden, zitternden Glieder noch einen langen, langen Weg zurücklegen mußten, bevor ich menschliche Wohnungen erreichen konnte – wenn ich das kalte Mitleid in Anspruch nehmen mußte, bevor ich eine Unterkunft fand; widerstrebende Barmherzigkeit angerufen, herzlose Zurückweisungen ertragen werden mußten – ehe überhaupt jemand meine Geschichte anhören oder irgend einem meiner Bedürfnisse abgeholfen werden würde!

Ich berührte den Haideboden, er war trocken und noch warm von der Hitze des Sommertages. Ich blickte zum Himmel empor; er war klar; ein freundlicher Stern funkelte gerade über dem Gipfel der Felsenklippe. Der Thau fiel, aber glücklicherweise sehr schwach; nicht ein Windhauch störte die Ruhe. Die Natur schien mir gut und wohlwollend; ich glaubte, daß sie mich arme Ausgestoßene liebe. Und ich, die ich von Menschenkindern nur Mißtrauen zu erwarten hatte, Zurückweisung und Beleidigungen, ich klammerte mich mit kindlicher Zärtlichkeit an sie. Heute Nacht wollte ich wenigstens ihr Gast sein – wie ich ihr Kind war. Mutter Natur würde mir ja Obdach gewähren ohne Geld, ohne Preis, Ich hatte noch einen kleinen Bissen Brot; der Rest einer Semmel, welche ich in einer Stadt gekauft, die wir um die Mittagszeit passiert, gekauft mit einem losen Pfennig – meinem letzten Geldstück. Hie und da sah ich reife Heidelbeeren, wie Jetperlen im Haidekraut; ich pflückte eine Handvoll davon und aß sie zu meinem Brote. Mein zuvor noch nagender Hunger war, wenn auch nicht gestillt, so doch gemildert durch dieses Einsiedlermahl. Zuletzt sagte ich mein Abendgebet und dann suchte ich mir mein Nachtlager.

Neben der Felsenklippe war das Haidekraut sehr hoch. Als ich mich niederlegte, waren meine Füße beinahe darin begraben; an beiden Seiten wuchs es so hoch, daß es fast über mir zusammenschlug und dem Hereindringen der Nachtluft nur wenig Raum gewährte. Ich legte meinen Shawl doppelt zusammen und breitete ihn wie eine Decke über mich; eine unmerkbare, moosige Erhöhung bildete mein Kopfpolster. So verwahrt, spürte ich wenigstens beim Beginn der Nacht keine Kälte.

Meine Nachtruhe wäre vielleicht ruhig gewesen, wenn ein gequältes Herz sie nicht unterbrochen hätte. Es klagte über seine blutenden Wunden, seinen inneren Schmerz, seine zerrissenen Saiten. Es zitterte für Mr. Rochester und sein Schicksal; es beklagte ihn mit tiefinnigem Mitleid; es verlangte nach ihm mit endloser Sehnsucht, und, hilflos wie ein Vogel, dem beide Flügel gebrochen, schlug es noch mit seinen zerstörten Schwingen und machte vergebliche Versuche, zu ihm zu fliegen.

Erschöpft durch diese Seelen- und Gedankenqualen erhob ich mich auf die Knie. Die Nacht war gekommen und ihre Planeten waren aufgegangen; eine schöne, stille Nacht, zu rein und klar, als daß man der Furcht hätte Raum geben können. Wir wissen, daß Gott allgegenwärtig ist; aber gewiß fühlen wir seine Gegenwart am deutlichsten, wenn seine größten und herrlichsten Werke im Glanze vor uns ausgebreitet liegen. Und der unbewölkte Nachthimmel, an dem seine Welten ihren stillen Kreislauf vollenden, macht uns am meisten seine Unendlichkeit, seine Allmacht, seine Allgegenwärtigkeit empfinden! Ich hatte mich auf die Knie erhoben, um für Mr. Rochester zu bitten. Als ich mit thränenblinden Augen aufsah, erblickte ich die gewaltige Milchstraße. Indem ich mich dessen erinnerte, was sie eigentlich sei – welche zahllosen Systeme dort nur wie ein Lichtschein durch den Raum zogen – da fühlte ich die Macht und die Kraft Gottes. Ich war überzeugt von seiner Macht, das erhalten zu können, was er erschaffen hatte; ich war sicher, daß die Erde nicht untergeben könne, noch irgend eine Kreatur, die auf ihr lebte. Dann wandelte ich mein Gebet in eine Danksagung: der Quell des Lebens war auch der Erlöser der Seelen. Mr. Rochester war in Sicherheit; er war Gottes, und Gott würde ihn schützen!

Und ich legte mich wieder an die Brust der Erde und nicht lange dauerte es, so hatte ich im Schlaf allen Kummer vergessen.

Aber am nächsten Tage trat die Not bleich und hager an mich heran. Lange nachdem die kleinen Vögel ihre Nester verlassen hatten; lange nachdem die Bienen während der süßen Jugend des Tages den Honig aus den Haideblüten gesogen, bevor der Thau noch getrocknet – als die langen Schatten des Morgens kürzer wurden und die Sonne Himmel und Erde erfüllte – da erhob ich mich und blickte umher.

Welch ein stiller, warmer, herrlicher Tag! Welch eine goldene Wüste dieses weite Moor! Überall Sonnenschein! Ich wünschte, daß ich in ihm und von ihm leben könnte! Ich sah eine Eidechse über den Felsen huschen; ich sah eine Biene geschäftig zwischen den süßen Heidelbeeren. Wie gern wäre ich in diesem Augenblick Biene oder Eidechse gewesen; dann hätte ich hier hinreichende Nahrung, schützendes Obdach gefunden. Aber ich war ein menschliches Wesen und hatte die Bedürfnisse eines menschlichen Wesens. Ich durfte nicht weilen, wo ich nichts fand, um sie zu befriedigen. Ich erhob mich und blickte zurück auf das Lager, das ich verlassen. Ohne Hoffnung für die Zukunft hegte ich nur den einen Wunsch: daß mein Schöpfer es für gut befunden hatte, während meines Schlafes dieser Nacht meine Seele von mir zurück zu fordern; und daß dieser müde Körper, durch den Tod von allen weiteren Kämpfen mit dem Schicksal befreit, jetzt ruhig der Verwesung anheim gegeben wäre und ungestört seinen Staub mit dem Staub dieser Wildnis vermischen könnte. Aber das Leben war noch immer mein! Das Leben mit seinen Erfordernissen, seiner Verantwortlichkeit und seinen Qualen. Die Bürde mußte getragen werden; die Bedürfnisse befriedigt, die Leiden ertragen werden, der Verantwortlichkeit genügt werden!

Ich machte mich auf den Weg.

Als ich Whitcroß wieder erreicht hatte, schlug ich einen Weg ein, welcher von der Sonne fortführte, die jetzt bereits hoch stand und glühend herabbrannte. Ich wollte meine Wahl durch keinen anderen Umstand bestimmen lassen. Lange ging ich vorwärts, und als ich endlich dachte, daß ich wohl genug geleistet und mit gutem Gewissen der Müdigkeit nachgeben könne, die mich beinahe überwältigte – daß ich dieses angestrengte Gebahren aufgeben könne und mich auf einen nahen Stein setzen dürfe, um mich widerstandslos der Apathie hinzugeben, die sich meines Körpers und meiner Seele bemächtigt hatte – da hörte ich eine Glocke erklingen – eine Kirchenglocke.

Ich wandte mich nach der Richtung, aus welcher der Schall kam, und dort, zwischen den romantischen Hügeln, deren Anblick und Abwechslung ich schon seit Stunden zu bewundern aufgehört hatte, sah ich einen Weiler und einen Kirchturm. Das ganze Thal zu meiner Rechten war voll von Weiden, Kornfeldern und Wäldern; ein glitzernder Strom lief zickzack durch die verschiedenen Schattierungen der Wiesen, des reifenden Korns, der düsteren Wälder und der hellen, sonnigen Fluren. Das schwere Rollen von Rädern lenkte meine Gedanken wieder auf die vor mir liegende Straße; ich sah einen hochbeladenen Wagen hügelaufwärts streben und eine kurze Strecke dahinter erblickte ich zwei Kühe mit ihrem Treiber. Menschliches Leben und menschliche Arbeit waren mir also nahe. Ich mußte mich nun weiter schleppen, versuchen zu leben und zu arbeiten wie die Übrigen.

Gegen vier Uhr nachmittags kam ich in das Dorf. Um Ende seiner einzigen Straße war ein kleiner Laden mit einigen Semmeln und Broten im Fenster. Ich sehnte mich nach einem Laib Brot. Durch solche Erfrischung war es mir vielleicht möglich, einen gewissen Grad von Energie wieder zu erlangen; ohne dieselbe war es mir unmöglich weiter zu gehen. Der Wunsch nach Kraft und Stärke und Widerstandsfähigkeit kehrte zurück, sobald ich wieder unter meinen Mitmenschen war. Ich fühlte, daß es entehrend sei, an der Dorfstraße vor Hunger ohnmächtig zu werden. Besaß ich denn nichts, was ich jenen Leuten zum Tausch gegen eins jener Brote anbieten konnte? Ich dachte nach. Um den Hals hatte ich ein kleines, seidenes Tuch geschlungen; ich hatte auch Handschuhe. Wie sollte ich wissen, was Männer oder Frauen thaten, wenn sie an den äußersten Grenzen der Not angelangt waren? Ich wußte ja nicht, ob die Leute irgend einen dieser Gegenstände annehmen würden; wahrscheinlich würden sie es nicht thun – aber ich mußte es versuchen.

Ich trat in den Laden. Eine Frau war darin anwesend. Als sie eine anständig gekleidete Person sah, eine Dame wie sie vermutete, trat sie mit größter Höflichkeit vor. Womit sie mir dienen könne? Ich kam fast um vor Scham. Meine Zunge konnte die wohlvorbereitete Bitte nicht hervorstammeln. Ich wagte nicht, ihr die abgenützten Handschuhe oder das zerdrückte Seidentuch anzubieten. Außerdem sah ich auch ein, daß es dumm sein würde. Ich bat sie nur um die Erlaubnis, mich einen Augenblick setzen zu dürfen, da ich sehr ermüdet sei. Getäuscht in ihrer Erwartung auf einen Kunden, gewährte sie meine Bitte fast widerstrebend. Sie zeigte auf einen Stuhl; ich brach darauf zusammen. Die Thränen waren mir nahe, und ich befand mich in der größten Versuchung, ihnen nachzugeben. Doch sah ich noch zu rechter Zeit ein, wie unvernünftig eine solche Kundgebung sein würde; deshalb hielt ich sie zurück.

Gleich darauf fragte ich sie, ob im Dorfe eine Schneiderin oder eine einfache Handarbeiterin sei.

Ja, zwei oder drei. Gerade so viele, wie dort Beschäftigung finden konnten.

Ich dachte nach. Ich war aufs äußerste gekommen. Ich sah der Not jetzt Aug' in Aug'. Ich hatte keine Hilfsquelle mehr! keinen Freund! kein Geld! Irgend etwas mußte geschehen. Aber was! An irgend jemand mußte ich mich wenden! Aber an wen?

»Ob sie von irgend einer Stelle in der Nachbarschaft wisse, wo eine Dienerin gebraucht werde?«

»Nein, sie wisse von keiner.«

»Welches der hauptsächliche Handel an diesem Orte sei? Womit die Mehrzahl der Leute sich beschäftige?«

»Einige seien Landleute; viele von ihnen arbeiteten in der Nadelfabrik von Mr. Oliver und in der Gießerei.«

»Ob Mr. Oliver auch Frauen beschäftige?«

»Nein, es sei Männerarbeit.«

»Und womit beschäftigten sich die Frauen?«

»Weiß nicht,« lautete die Antwort. »Einige thun dies, andere das. Arme Leute müssen zusehen, daß sie durchkommen.«

Sie schien meiner Fragen müde zu sein, und in der That, welches Recht hatte ich, sie zu belästigen? Ein oder zwei Nachbarn traten ein. Augenscheinlich brauchte man meinen Stuhl. Ich verabschiedete mich.

Ich ging die Straße hinauf und im Vorübergehen blickte ich jedes Haus zur Linken und zur Rechten an. Aber ich konnte keinen Vorwand, keine Veranlassung finden, irgendwo einzutreten. Ich streifte im Dorfe umher; dann ging ich wieder ins Freie hinaus, um darauf eine Stunde oder später zurückzukehren. Völlig erschöpft und leidend durch den Mangel an Nahrung schlug ich einen Heckenweg ein und setzte mich unter die Hecke. Aber nur wenige Minuten vergingen und ich war wieder auf den Füßen; ich suchte immerwährend nach einem Ausweg oder doch nach jemandem, der mir Auskunft geben konnte. Ein hübsches, kleines Haus mit einem Garten davor stand am Ende des Gäßchens; der Garten war außerordentlich wohl gepflegt und prangte im schönsten Blumenflor. Ich stand still vor demselben. Wie durfte ich mich der weißen Thür nähern oder den blitzenden Klopfer berühren? Wie konnte es irgendwie in dem Interesse der Bewohner liegen, mir behilflich zu sein? Und dennoch trat ich näher und klopfte an. Eine sauber gekleidete, junge Frauensperson mit milden Gesichtszügen öffnete mir die Thür. Mit einer Stimme, von welcher man auf ein hoffnungsloses Herz und einen kranken Körper schließen konnte – einer leisen, stammelnden Stimme – fragte ich, ob man hier ein Dienstmädchen brauche.

»Nein,« sagte sie, »wir halten keine Magd.«

»Können Sie mir denn nicht sagen, wo ich Beschäftigung irgend welcher Art finden kann?« fuhr ich fort, »Ich bin hier fremd, ohne Bekannte oder Freunde am Ort.«

Aber es war nicht ihre Sache, für mich zu denken oder mir eine Stelle zu suchen. Überdies wie zweifelhaft mußten ihr mein Charakter, meine Lage, meine Erzählung erscheinen. Sie schüttelte den Kopf, »es thäte ihr leid, mir keine Auskunft geben zu können,« und die weiße Thür wurde geschlossen, leise und höflich – aber ich war ausgeschlossen! Wenn sie sie noch eine kleine Weile offen gelassen hätte, so glaube ich, daß ich um ein Stückchen Brot gebeten hatte, denn jetzt war es zum äußersten gekommen.

Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, in das geizige, schmutzige Dorf zurückgehen zu müssen, wo sich mir außerdem keine Aussicht auf Hilfe darbot. Ich wäre lieber in einen Wald entwichen, den ich in nicht allzu großer Entfernung sah und der mir mit seinem dicken Schatten einladenden Schutz zu versprechen schien, aber ich war so krank, so schwach, so gemartert durch das natürliche Verlangen nach Nahrung, daß mein Instinkt mich fortwährend in der Nähe menschlicher Wohnungen hielt, wo ich durch Zufall doch vielleicht noch einen Bissen Brot erlangen konnte. Einsamkeit wäre ja keine Einsamkeit gewesen, – Ruhe keine Ruhe – während jener Geier »Hunger« so seine Krallen in meine Seiten schlug.

Ich näherte mich wieder Häusern; ich verließ sie und kehrte doch zurück. Dann wanderte ich von neuem fort, immer wieder fortgetrieben durch das Bewußtsein, daß ich kein Recht zu betteln habe – kein Recht zu erwarten, daß irgend jemand an meiner verzweifelten Lage Anteil nehme. Inzwischen neigte der Nachmittag sich seinem Ende zu, während ich wie ein verlorener, verlaufener Hund umherwanderte. Als ich über ein Feld ging, sah ich den Kirchturm vor mir; ich eilte näher. In der Nähe des Friedhofs, inmitten eines Gartens stand ein kleines aber schön gebautes Haus, welches ich sofort für den Pfarrhof hielt. Es fiel mir ein, daß Fremde, welche in einen Ort kommen, wo sie ohne jemanden zu kennen irgend eine Beschäftigung suchen, sich zuweilen um Rat und Hilfe an den Geistlichen wenden. Es ist das Amt des Priesters, denen zu helfen – wenigstens mit seinem Rat – welche sich selbst helfen wollen. Mir war's, als hätte ich etwas wie ein Recht, mir hier Rat zu holen. So belebte sich denn mein Mut von neuem und indem ich den letzten schwachen Rest meiner Kräfte zusammen nahm, wanderte ich vorwärts. Ich erreichte das Haus und klopfte an die Küchenthür. Eine alte Frau öffnete.

Ich fragte, ob dies das Pfarrhaus sei.

»Ja.«

»Ob der Pfarrer zu Hause sei.«

»Nein.«

»Ob er bald nach Hause kommen würde.«

»Nein, er sei eine ziemliche Strecke vom Hause entfernt.«

»Sehr weit?«

»Nicht so sehr weit – vielleicht drei Meilen. Er sei durch den plötzlichen Tod seines Vaters abberufen; augenblicklich sei er in Marsh End und würde dort wahrscheinlich noch vierzehn Tage bleiben.«

»Ob denn nicht die Hausfrau da sei?«

»Nein, außer ihr niemand, und sie sei die Haushälterin.«

Aber von ihr, mein teurer Leser, konnte ich nicht Errettung aus der Not erflehen, die mich fast zu Boden sinken ließ. Noch vermochte ich nicht zu betteln. Ich kroch weiter.

Wieder löste ich mein kleines Halstuch – wieder fielen mir die kleinen Brötchen in dem Ladenfenstcr des Dorfes ein. Ach, nur eine Brotkruste! Nur einen Mundvoll, um mich von dem grausamen Hungertode zu erretten! Instinktmäßig wandte ich das Gesicht wieder dem Dorfe zu; ich fand den Laden und trat ein, und obgleich sich außer der Frau noch mehr Leute dort befanden, wagte ich doch die Bitte, ob sie mir nicht ein Brötchen für das Seidentuch geben wolle.

Mit augenscheinlichem Mißtrauen blickte sie mich an.

»Nein, sie sei nicht gewohnt, auf diese Weise ihre Ware an den Mann zu bringen.«

Fast verzweifelt bat ich um ein halbes Brot. Sie schlug es mir wieder ab. »Wie könne sie denn wissen, wie ich zu dem Ding gekommen sei?« sagte sie.

»Ob sie denn meine Handschuhe wolle?«

»Nein! Was sie damit anfangen solle?«

Mein Leser, es ist nicht angenehm, bei diesen Details zu verweilen. Es giebt Leute, welche behaupten, daß es Freude gewähre auf qualvolle Erfahrungen der Vergangenheit zurück zu blicken; aber bis auf den heutigen Tag ist es mir schmerzlich, auf die Zeit zurückzusehen, von welcher ich spreche. Die moralische Herabwürdigung zusammen mit dem physischen Leiden bilden eine zu traurige Erinnerung, als daß man jemals gern bei ihnen verweilen möchte. Ich tadelte keinen von denen, die mich zurückwiesen. Ich fühlte, daß es nichts anderes sei, als was ich zu erwarten hatte und was nicht zu ändern war. Ein gewöhnlicher zerlumpter Bettler ist häufig ein Gegenstand des Mißtrauens; ein wohlgekleideter ist es unter allen Umständen stets. Allerdings war das, was ich erbat, Arbeit; aber wessen Sache war es denn, mir Arbeit zu verschaffen? Gewiß nicht die von Leuten, die mich zum erstenmale sahen und durchaus gar nichts über meinen Charakter wußten. Und was die Frau betraf, die mein Halstuch nicht in Tausch gegen ihr Brot nehmen wollte, so hatte sie unbedingt Recht, wenn das Anerbieten ihr verdächtig und der Tausch ihr nicht gewinnbringend erschien. Doch jetzt will ich mich kurz fassen. Der Gegenstand ekelt mich an.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kam ich an einem Meierhofe vorbei, an dessen geöffneter Thür der Pächter saß und sein Abendbrot verzehrte, das aus Brot und Käse bestand. Ich stand still und sagte:

»Wollen Sie mir ein Stück Brot geben? Ich bin sehr hungrig.«

Er warf einen Blick des Erstaunens auf mich; aber ohne zu antworten, schnitt er eine derbe Schnitte von seinem Brot und gab sie mir. Ich vermute, daß er mich nicht für eine Bettlerin hielt, sondern nur für eine excentrische Dame, welche von einem plötzlichen Appetit auf sein Schwarzbrot befallen war. Sobald ich außer Sehweite war, setzte ich mich hin und begann zu essen. Ich durfte nicht hoffen, Zuflucht unter einem Dache zu finden, und deshalb suchte ich sie in dem Walde, den ich früher schon erwähnt habe. Aber es war eine fürchterliche Nacht, ich fand keine Ruhe. Der Erdboden war feucht, die Luft kalt; außerdem kamen Eindringlinge mehr als einmal an mir vorüber und ich hatte wieder und wieder mein Lager zu wechseln. Kein Gefühl von Ruhe oder Sicherheit kam über mich. Gegen Morgen regnete es. Der ganze folgende Tag war naßkalt. Bitte mich nicht, lieber Leser, dir genauen Bericht über diesen Tag abzustatten; wie zuvor suchte ich Arbeit; wie zuvor wurde ich abgewiesen; wie zuvor hungerte ich; nur einmal kam Nahrung über meine Lippen. An der Thür einer Hütte sah ich ein kleines Mädchen, das im Begriff stand, eine Schüssel voll kalten Haferbrei in den Schweinetrog zu schütten.

»Willst du mir das nicht geben?« bat ich.

Sie starrte mich an.

»Mutter,« rief sie dann aus, »hier ist ein Weib, das den Brei haben will.«

»Nun, Mädel,« erwiderte die Stimme von drinnen, »gieb ihn ihr, wenn es eine Bettlerin ist. Das Schwein braucht ihn nicht.«

Das Mädchen schüttete den steifen Brei in meine Hand und ich verschlang ihn gierig.

Als die naßkalte Dämmerung herabsank, hielt ich auf einem einsamen Reitwege inne, den ich schon seit länger als einer Stunde verfolgt hatte.

»Meine Kräfte verlassen mich jetzt gänzlich,« sagte ich im Selbstgespräch. »Ich fühle, daß ich nicht viel weiter gehen kann. Werde ich diese Nacht wieder eine Ausgestoßene sein? Muß ich mein Haupt auf den kalten, durchweichten Erdboden legen, während der Regen in Strömen herabfließt? Ich fürchte, es wird mir nichts anderes übrig bleiben, denn wer sollte mich aufnehmen? Aber es wird furchtbar sein; mit diesem Gefühl des Hungers, der Ohnmacht, der Kälte, der Trostlosigkeit – dieser vollständigen Vernichtung aller Hoffnung. Aller Wahrscheinlichkeit nach würde ich noch vor Tagesanbruch sterben. Und weshalb kann ich mich denn nicht mit der Aussicht auf den Tod versöhnen? Weshalb kämpfe ich, um ein so wertloses Leben zurückzuhalten? Weil ich weiß oder glaube, daß Mr. Rochester noch lebt! Und dann ist es ein Schicksal, vor Hunger und Kälte zu sterben, dem die menschliche Natur sich nicht ruhig unterwirft.

O Vorsehung! halte mich nur noch ein wenig länger aufrecht! Hilf mir! Führe mich!

Mein trübes Auge schweifte über die nebelige, verschwommene Landschaft. Ich sah, daß ich weit vom Dorfe fortgeirrt war; es war meinen Blicken gänzlich entschwunden. Auf Kreuzwegen und Nebenpfaden war ich noch einmal dem Moorlande wieder nahe gekommen, und jetzt lagen nur noch wenige Äcker, die fast ebenso wild und unfruchtbar waren wie die Haide, der sie vor kurzem erst abgerungen, zwischen mir und den nebeligen Bergen.

»Nun, ich will lieber dort drüben sterben, als an der Landstraße oder an einem verkehrsreichen Wege,« dachte ich. »Und besser, viel besser, daß Krähen und Raben – wenn es überhaupt Raben in diesen Regionen giebt – das Fleisch von meinen Knochen nagen, als daß sie in einen Armenhaussarg gelegt werden und in einem Schachtgrabe vermodern.«

So wandte ich mich also den Hügeln zu. Ich erreichte sie. Jetzt blieb mir nur noch übrig, eine Höhlung zu finden, in der ich mich verborgen, wenn auch nicht sicher fühlen konnte. Aber die ganze Oberfläche der Einöde sah eben aus. Es zeigte nur eine Abwechslung, die der Farbe grün, wo Binsen und Moose den Marschboden bedeckten, schwarz, wo der trockne Erdboden nichts trug als Haidekraut. Obschon es bereits dunkel wurde, konnte ich diese Unterschiede doch noch wahrnehmen, wenngleich sie sich auch nur als Abwechslung zwischen Licht und Schatten kennzeichneten, denn die Farben waren mit dem Tageslicht geschwunden.

Mein Auge schweifte noch über die düsteren Anhöhen, und entlang dem Rande des Torfmoors, das sich in die wildeste Scenerie verlor, als plötzlich an einem entfernten Punkt, weit hinein zwischen den Marschen und Höhen ein Licht aufblitzte.

»Das ist ein ignis fatuus,« war mein erster Gedanke, und ich erwartete, daß es bald wieder verschwinden werde. Es brannte indessen ganz stetig; es kam weder näher, noch entfernte es sich. »Ist es denn ein Freudenfeuer, das soeben erst angezündet ist?« fragte ich weiter. Ich beobachtete, ob es sich weiter ausdehnen werde; aber nein; so wenig wie es größer wurde, verkleinerte es sich.

»Es wird Kerzenschein aus einem Hause sein,« vermutete ich dann, »aber wenn es auch der Fall, so werde ich es doch nimmer erreichen können. Es ist viel zu weit entfernt. Und selbst wenn es nur eine Klafter weit von mir wäre, was könnte es nützen? Ich würde doch nur an die Thür klopfen, um zu sehen, wie sie vor mir geschlossen wird.«

Und ich sank zusammen, wo ich stand und drückte das Gesicht gegen den Erdboden. Eine Weile lang lag ich still. Der Nachtwind zog über den Hügel und mich fort und starb ächzend in der Ferne dahin. Der Regen fiel unablässig und durchnäßte mich von neuem bis auf die Haut. Wenn ich nur hätte erstarren können in der freundlichen, barmherzigen Kälte des Todes – so hätte er auf mich herabrieseln mögen, ich hätte ihn nicht gefühlt; aber mein lebenswarmer Körper schauderte zusammen unter seinem erkältenden Einfluß. Es dauerte nicht lange, und ich erhob mich wieder.

Das Licht war noch immer da; es schien trübe aber beständig durch den Regen. Ich versuchte wieder zu gehen; ich schleppte meine erschöpften Glieder ihm langsam entgegen. Es leitete mich schräge über den Hügel durch einen weiten Sumpf, der im Winter unpassierbar gewesen wäre und selbst jetzt im Hochsommer naß und unsicher war. Hier fiel ich zweimal. Aber ebenso oft erhob ich mich wieder und nahm von neuem den Rest meiner Kräfte zusammen. Dieses Licht war mein letzter Wagesatz im Hazardspiel des Lebens – ich mußte gewinnen!

Nachdem ich den Sumpf verlassen, sah ich eine weiße Spur über das Moor führen. Ich näherte mich ihr; es war eine Straße oder ein Pfad, der direkt auf das Licht hinführte, das mir jetzt zwischen einer Gruppe von Bäumen heraus von einer Art Spitze oder Gipfel herab entgegenschien. Die Bäume waren, so weit ich es in der Dunkelheit unterscheiden konnte, Tannen oder Fichten. Als ich näher kam, verschwand mein Stern; irgend ein Hindernis war zwischen ihn und mich getreten. Ich streckte die Hand aus, um die dunkle Masse vor mir zu fühlen; ich unterschied die rauhen Steine einer niedrigen Mauer – darüber etwas, das Palissaden glich, und innerhalb eine hohe und dornige Hecke. Ich tastete mich weiter. Wiederum leuchtete ein weißlicher Gegenstand vor mir; es war ein Thor – eine Pforte; sie bewegte sich in ihren Angeln, als ich sie berührte. Zu jeder Seite stand ein schwarzer Busch – Stechpalme oder Taxusbaum.

Als ich in die Pforte trat und an den Büschen vorüberging, erhob sich die Silhouette eines Hauses vor meinen Blicken. Schwarz, niedrig und ziemlich lang; aber das rettende Licht schien nirgends mehr. Alles war Dunkelheit. Hatten die Bewohner sich zur Ruhe begeben? Ich fürchtete, daß es so sei. Als ich die Thür suchte, kam ich um eine Ecke; da schoß der freundliche Lichtstrahl wieder empor aus den länglichen Scheiben eines kleinen, vergitterten Fensters, das nur einen Fuß hoch über dem Erdboden gelegen war; es war noch kleiner geworden durch die Ranken eines Epheus oder irgend einer anderen Schlingpflanze, deren Blätter den ganzen Teil des Hauses bedeckten, in welchem diese Fensterhöhlung sich befand. Die Öffnung war so verwachsen und eng, daß man Vorhänge oder Fensterladen für unnötig erachtet hatte; und als ich mich hinabbeugte und die grünende Ranke beiseite schob, welche es bedeckte, konnte ich alles sehen, was drinnen vorging. Ich sah deutlich ein Zimmer mit einem reingescheuerten, sandbestreuten Fußboden; eine Kredenz von Nußholz, auf welcher zinnerne Teller in langen Reihen aufgestellt; diese waren so blank, daß der Glanz und der rote Schein eines Torffeuers sich in ihnen spiegelte. Ich konnte eine Uhr sehen, einen weißen Tisch von Tannenholz und einige Stühle. Das Licht, dessen Strahl mein Leuchtturm gewesen, brannte auf dem Tische; und bei seinem Schein strickte eine ältliche Frau, die ein wenig rauh aber peinlich sauber aussah, wie alles umher, an einem Strumpfe.

Ich bemerkte diese Dinge nur flüchtig – es lag nichts außergewöhnliches in ihnen. Am Herde saß eine Gruppe, die mehr Interesse in Anspruch nahm, wie sie sich meinem Auge so von rosigem Frieden und behaglicher Wärme umflossen darbot. Zwei junge, anmutige, weibliche Wesen – Damen in jeder Beziehung – saßen, die eine in einem Schaukelstuhl, die andere auf einem niederen Schemel; beide trugen tiefe Trauer in Crepp und Bombasin; dies düstere Gewand ließ ihre zarten Nacken und schönen Gesichter ganz besonders hervortreten; ein großer, alter Vorstehhund hatte seinen Kopf auf den Schoß des einen Mädchens gelegt; auf den Knieen der anderen lag eine schwarze Katze gebettet.

Welch ein seltsamer Aufenthalt war diese bescheidene Küche für solche Insassen! Wer waren sie? Unmöglich konnten sie die Töchter jener ältlichen Person am Tische sein; denn diese sah aus wie eine Bäuerin, und sie waren ganz Zartheit und Verfeinerung. Nirgend hatte ich Gesichter gesehen, welche den ihrigen glichen; und doch, wenn ich sie ansah, war mir jeder einzelne Zug bekannt. Ich kann sie nicht schön nennen – für dies Wort waren sie zu blaß und zu ernst. Wie sie so dasaßen, jede über ein Buch gebeugt, sahen sie so gedankenvoll, ja, fast strenge aus. Ein Leuchtertisch zwischen ihnen trug eine zweite Kerze und zwei große, schwere Bücher, zu welchen sie häufig ihre Zuflucht nahmen; augenscheinlich verglichen sie sie mit den kleineren Bänden, welche sie in Händen hielten, wie Leute, die ein Diktionär zu Rate ziehen, daß es ihnen bei der Aufgabe des Übersetzens behilflich sei. Dies Bild war so ruhig, als seien alle Figuren nur Schatten und der hell erleuchtete Raum ein Bild; so still war es, daß ich die Asche durch den Rost fallen, die Uhr in ihrem dunklen Winkel ticken hören konnte; und ich bildete mir sogar ein, daß ich das Klappern der Stricknadeln jener alten Frau vernehmen könne. Als daher endlich eine Stimme diese seltsame Stille unterbrach, war sie mir deutlich und hörbar genug.

»Hör doch, Diana,« sagte eine der emsigen Leserinnen, »Franz und der alte Daniel sind bei Nachtzeit zusammen und Franz erzählt einen Traum, aus dem er mit Entsetzen erwacht ist, hör nur!« Und mit leiser Stimme liest sie etwas, wovon mir nicht ein einziges Wort verständlich war; denn es war in einer mir unbekannten Sprache – weder französisch noch lateinisch. Ob es griechisch oder deutsch, vermochte ich nicht zu sagen.

»Das ist stark und kräftig,« sagte sie, als sie zu Ende war, »es gefällt mir.«

Das andere Mädchen, welches den Kopf erhoben hatte, um der Schwester zuzuhören, wiederholte während sie in das Feuer starrte, eine Zeile von dem, was soeben gelesen war. In späteren Tagen lernte ich die Sprache und das Buch kennen; deshalb will ich hier die Zeile anführen, obgleich sie, als ich sie zuerst hörte, nur ein Schlag auf tönendes Erz für mich bedeutete, das keinen Sinn für mich hatte: »Da trat hervor einer, anzusehen wie die Sternennacht, Gut! Gut!« rief sie aus, während ihre tiefen, dunklen Augen funkelten. »Da siehst du einen mächtigen Erzengel in passender Gestalt vor dir stehen! Diese einzige Zeile ist mehr wert als hundert Seiten voll Bombast. »Ich wäge die Gedanken in der Schale meines Zorns und die Werke mit dem Gewichte meines Grimms!« Das gefällt mir!«

Jetzt schwiegen beide wieder.

»Giebt es denn wirklich und wahrhaftig ein Land, wo die Leute so sonderbar reden?« fragte die alte Frau, indem sie von ihrer Arbeit aufsah.

»Ja Hannah, ein viel größeres Land als England, wo sie gar nicht anders reden.«

»Nun, meiner Seel, da begreif ich doch nicht, wie sie einander verstehen können; wenn nun eine von euch dorthin reiste – glaubt ihr, daß ihr jemand verstehen könntet?«

»Wahrscheinlich würden wir etwas von dem verstehen, was die Leute dort sprechen, wenn auch nicht alles – denn wir sind nicht so gelehrt, wie du meinst, Hannah. Wir sprechen nicht deutsch und wir können es nicht lesen, ohne ein Diktionär zur Hilfe zu nehmen.«

»Und was für Gutes habt ihr davon?«

»Wir beabsichtigen, es eines Tages zu lehren – oder doch wenigstens die Anfangsgründe, wie man es nennt; dann werden wir mehr Geld verdienen, als wir jetzt können.«

»Kann schon sein! Aber jetzt laßt das Studieren; für heute abend habt ihr genug gethan.«

»Ich glaube auch. Wenigstens bin ich müde, Mary, bist du es ebenfalls?«

»Todesmüde. Schließlich ist es doch schwere und zähe Arbeit, sich mit einer Sprache abzuplagen, ohne einen anderen Lehrer als das Lexikon zu haben.«

»Das ist es wahrhaftig. Besonders eine Sprache wie dies harte aber herrliche Deutsch. Ich möchte wissen, wann St. John nach Hause kommen wird.«

«Gewiß wird er jetzt nicht mehr lange ausbleiben; es ist gerade zehn Uhr (dabei sah sie auf eine zierliche, goldene Uhr, die sie aus dem Gürtel zog). Es regnet heftig. Hannah, willst du so gut sein und nach dem Feuer im Wohnzimmer sehen?«

Die Frauen erhoben sich; sie öffnete eine Thür, durch welche ich undeutlich einen Korridor sehen konnte. Bald hörte ich, wie sie in einem inneren Zimmer ein Feuer anschürte. Gleich darauf kam sie zurück.

»Ach, Kinderchen!« sagte sie, »es wird mir gar so schwer, jetzt in jenes Zimmer zu gehen; es sieht so einsam und verlassen aus mit dem leeren Stuhl, der in den Winkel geschoben dasteht!«

Sie trocknete sich die Augen mit der Schürze. Die beiden jungen Mädchen, die vorher ernst ausgesehen, wurden jetzt traurig.

»Aber er ist an einem bessern Ort,« fuhr Hannah fort; »wir dürfen ihn nicht wieder her wünschen. Und dann, einen sanfteren Tod als er hatte, hat niemand.«

»Du sagst, daß er unserer gar nicht mehr erwähnt hat?« fragte eine der jungen Damen.

»Er hatte keine Zeit, Kinderchen, er hatte keine Zeit; es war vorüber in einer Minute, ja, in einer Minute. Er war nicht ganz wohl gewesen, wie Tags zuvor, aber es hatte nichts zu bedeuten; und als Mr. St. John ihn fragte, ob eine von euch geholt werden solle, da lachte er ihm gerade ins Gesicht, ja, gerade ins Gesicht. Am nächsten Tage fing es dann wieder mit der Schwere im Kopfe an – das sind nun ja schon vierzehn Tage her – und er fiel in Schlaf und wachte nimmermehr auf. Er war beinahe schon kalt, als Euer Bruder zu ihm ins Zimmer kam und ihn fand. Ach Kinderchen, das war der letzte von dem alten Stamm – denn ihr und Mr. St. John seid von einer anderen Sorte als die, die schon fort sind. Eure Mutter hatte auch viel Ähnlichkeit mit euch und war beinahe ebenso gelehrt. Du bist ihr Ebenbild, Mary; Diana sieht ihrem armen Vater ähnlicher.«

Ich fand sie einander so ähnlich, daß ich nicht begreifen konnte, wo die alte Dienerin (denn jetzt begann ich sie für eine solche zu halten) irgend einen Unterschied zwischen ihnen fand. Beide hatten eine zarte Gesichtsfarbe und waren von schlanker Gestalt. Beider Gesichter verrieten Intelligenz und Distinktion. Das Haar der einen war allerdings um einen Schatten dunkler, und sie trugen es verschieden geordnet. Marys hellbraune Locken waren gescheitelt und fielen zu beiden Seiten der Schläfen herab; Dianas dunklere Flechten hingen in dichten Wogen über den Nacken.

Es schlug zehn Uhr.

»Ihr werdet gewiß euer Abendbrot wollen,« bemerkte Hannah, »und Mr. St. John wird seins auch verlangen, wenn er nach Hause kommt.«

Und sie begann die Mahlzeit vorzubereiten. Bis zu diesem Augenblick war ich so damit beschäftigt gewesen, sie zu beobachten, – ihre Erscheinung und Unterhaltung hatte ein so reges Interesse in mir wachgerufen, daß ich meine eigene verzweifelte Lage fast vergessen hatte. Jetzt fiel sie mir wieder ein. Durch den Kontrast erschien sie mir trostloser, entsetzlicher denn zuvor. Und wie unmöglich dünkte es mich, den Bewohnern dieses Hauses Teilnahme für mich einzuflößen; sie an die Wahrheit meiner Not und meines Jammers glauben zu machen – sie zu bewegen, daß sie mir eine kurze Rast unter ihrem Dache gewährten!

Als ich mich an die Thür getastet hatte und zögernd anklopfte, fühlte ich, daß der letzte Gedanke eine reine Chimäre sei.

Hannah öffnete.

»Was wollen Sie?« fragte sie mit erstaunter Stimme, als sie mich beim Schein der Kerze, die sie in der Hand hielt, prüfend ansah.

»Darf ich mit Ihren Gebieterinnen sprechen?« fragte ich.

»Sagen Sie mir nur lieber, was Sie von ihnen wollen. Woher kommen Sie denn eigentlich?«

»Ich bin hier fremd.«

»Was haben Sie denn um diese Stunde hier zu suchen?«

»Ich bitte um Nachtquartier in einem Stalle oder sonst wo, und um ein Stückchen Brot.«

Mißtrauen – gerade die Empfindung, welche ich am meisten fürchtete, war auf Hannahs Gesicht zu lesen.

»Ich will Ihnen ein Stück Brot geben,« sagte sie nach einer Pause; »aber wir können einer Landstreicherin doch kein Obdach geben. Das ist doch nicht zu verlangen!«

»Lassen Sie mich mit den Damen sprechen!«

»Nein, gewiß nicht. Was könnten die für Sie thun? Sie sollten um diese Zeit nicht mehr so umherlaufen. Das sieht sehr verdächtig aus!«

»Aber wohin soll ich gehen, wenn ich hier auch fortgejagt werde? Was soll ich nur beginnen?«

»Ach! ich wette, Sie wissen schon, wohin Sie zu gehen haben und was Sie zu thun haben. Nehmen Sie sich nur in acht, daß Sie nichts Unrechtes thun! Sonst geht's mich nichts an. Hier ist ein Pfennig, und nun fort – –«

»Einen Pfennig kann ich nicht essen und ich habe keine Kraft weiter zu gehen. Ah! machen Sie die Thür nicht zu – thun Sie's nicht! Um Gottes willen nicht!«

»Ich muß; der Regen schlägt herein.«

»Sagen Sie den jungen Damen Bescheid. – Lassen Sie mich sie sehen.«

»Ganz gewiß nicht, nein, ganz gewiß nicht! Sie sind nicht, was Sie sein sollten, sonst würden Sie nicht solchen Lärm machen. Fort mit Ihnen! Schnell fort!«

»Aber ich muß sterben, wenn ich fortgejagt werde.«

»Unsinn! Solches Volk stirbt nicht. Ich bin nur bange, daß Sie was Böses vorhaben. Wozu treiben Sie sich sonst um diese Zeit vor den Häusern anderer Leute umher? Wenn Sie vielleicht noch Helfershelfer haben – Einbrecher oder dergleichen, – die hier in der Nähe versteckt sind, so sagen Sie denen nur, daß wir nicht allein im Hause sind; wir haben einen Mann hier und Hunde und Flinten.«

Bei diesen Worten schlug die ehrliche aber unbeugsame Magd mir die Thür vor der Nase zu und verriegelte sie von innen.

Dies war das Letzte! Ein Weh der qualvollsten Art – ein Gefühl wahrer, echter Verzweiflung zerriß mir das Herz. Ich war vollständig erschöpft; ich konnte keinen Schritt mehr thun. Auf den nassen Steinstufen brach ich zusammen; ich stöhnte, ich rang die Hände – ich weinte in meiner Todesangst, O! dieses Gespenst des Todes! O! diese letzte Stunde, die mit all ihren Schrecken nahte! Ach! dieses Verlassensein – dieses Verstoßensein von meines Gleichen! Nicht allein den festen Anker eines Heims, nein, auch all meine Seelenkraft hatte ich verloren, wenn auch nur für einen Augenblick. Aber ich bemühte mich, letztere zurückzugewinnen.

»Ich kann nur noch sterben,« sagte ich, »und ich glaube an Gott. Laß mich versuchen, seinen Willen ergeben abzuwarten.«

Diese Worte dachte ich nicht nur, sondern ich sprach sie auch aus; und indem ich all mein Elend in mein Herz zurückdrängte, versuchte ich es dort einzuschließen – und stumm und still zu bleiben.

»Jeder Mensch muß sterben,« sagte eine Stimme in meiner Nähe; »aber nicht alle sind verurteilt, ein langsames oder vorzeitiges Ende zu finden, so wie das Ihre es sein würde, wenn Sie hier vor Mangel umkämen.«

»Wer oder was spricht?« fragte ich entsetzt bei den unerwarteten Lauten; denn jetzt war ich nicht mehr imstande, aus irgend einem Umstande Hoffnung auf Hilfe zu schöpfen. Eine Gestalt war nahe – welche Gestalt – das hinderte mich die stockfinstere Nacht und meine geschwächte Sehkraft zu unterscheiden. Mit lautem, langem Klopfen meldete der Neuangekommene sich an der Thür.

»Sind Sie es, Mr. St. John?« fragte Hannah.

»Ja, ja, mach nur schnell auf.«

»Ach, du meine Güte, wie kalt und durchnäßt Sie in einer solchen Nacht sein müssen! Kommen Sie nur herein! Ihre Schwestern haben schon große Angst um Sie. Und ich glaube gar noch, daß sich hier böse Gesellen umhertreiben. Eine Bettlerin ist hier gewesen – aber wahrhaftig, sie ist noch nicht fort! – hat sich hier hergelegt! – Steht auf! Es ist eine Schande. Fort! fort! sage ich noch einmal!«

»Still Hannah! Ich habe ein Wort mit dieser Frau zu sprechen. Du hast deine Pflicht gethan, als du sie ausschlossest, jetzt laß mich die meine thun, indem ich sie hereinlasse. Ich war in der Nähe und habe gehört, was ihr beide miteinander spracht. Ich glaube, dies ist ein ganz besonderer Fall – wenigstens muß ich ihn untersuchen. Junge Frau, stehen Sie auf und gehen Sie vor mir ins Haus.«

Mit der größten Schwierigkeit gehorchte ich ihm. Gleich darauf stand ich in jener reinlichen, hellen Küche – vor jenem Herd – zitternd, schwächer und schwächer werdend, wohl wissend, daß ich im höchsten Grade zerlumpt, gespenstisch, abschreckend aussah. Die beiden jungen Damen, ihr Bruder Mr. St. John und die alte Dienerin – alle starrten mich an.

»St. John, wer ist sie?« hörte ich die eine fragen.

»Ich weiß es nicht. Ich fand sie vor der Thür,« lautete seine Antwort.

»Sie sieht ganz weiß aus,« warf Hannah ein.

»So weiß wie Kreide oder der Tod,« antwortete jemand, »sie wird umfallen, laß sie niedersitzen.« Und in der That ward mir schwindlig, ich sank um, aber ein Stuhl nahm mich auf. Ich war noch im Besitz meiner Sinne, obgleich ich in diesem Augenblick nicht sprechen konnte.

»Vielleicht würde etwas frisches Wasser sie neu beleben. Hannah, hol ein wenig. Aber sie ist ja gänzlich erschöpft. Wie mager sie ist! Und nicht ein Tropfen Blut in den Wangen!«

»Ein wahres Gespenst.«

»Ist sie krank oder nur verhungert?«

»Verhungert, glaube ich. Hannah, ist das Milch? Gieb sie mir und ein Stück Brot dazu.«

Diana (ich erkannte sie an den langen Locken, welche ich zwischen mir und dem Feuer herabwallen sah, als sie sich über mich beugte) zerbröckelte ein wenig Brot, tunkte es in Milch und hielt es an meine Lippen. Ihr Gesicht war dem meinen ganz nahe. Ich sah das Mitleid darin und in ihren beschleunigten Atemzügen fühlte ich Sympathie. Aus ihren einfachen Worten sprach ebenfalls die balsamgleiche Rührung, als sie sagte: »Versuchen Sie zu essen.«

»Ja, versuchen Sie es,« wiederholte Mary sanft; und Marys Hand entfernte meinen durchnäßten Hut und hob meinen Kopf empor. Ich nahm von dem, was sie mir anboten, zuerst matt, dann aber gierig.

»Nicht zu viel mit einemmal – haltet sie zurück,« sagte der Bruder, »sie hat genug bekommen.« Und er nahm die Tasse mit Milch und den Teller mit Brot fort.

»Ein wenig noch, St. John – sieh doch die ängstliche Gier in ihren Augen.«

»Für den Augenblick nicht mehr, Schwester. Versuch, ob sie jetzt sprechen kann – frag sie nach ihrem Namen.«

Ich fühlte, daß ich sprechen konnte und ich entgegnete:

»Mein Name ist Jane Elliot.« Ich war besorgter denn je, Entdeckung zu vermeiden, und schon vorher hatte ich beschlossen, ein alias anzunehmen.

»Und wo wohnen Sie? Wo sind Ihre Angehörigen, Ihre Freunde?«

Ich schwieg.

»Können wir irgend eine Person holen lassen, die Sie kennen?«

Ich schüttelte den Kopf.

»Was für Auskunft können Sie uns über sich selbst geben?«

Seltsam! Seitdem ich die Schwelle dieses Hauses überschritten hatte und seinen Bewohnern von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand, fühlte ich mich nicht mehr wie eine Ausgestoßene, wie eine Landstreicherin, die von der ganzen Welt geächtet ist. Ich hatte den Mut, die Bettlerin abzulegen und meine natürliche Art und Weise, meinen eigenen Charakter wieder anzunehmen. Jetzt begann ich, mich selbst wieder zu erkennen. Und als Mr. St. John einen Bericht verlangte – welchen zu geben ich für den Augenblick zu schwach war – sagte ich nach einer kurzen Pause:

»Sir, ich bin nicht fähig, Ihnen heute abend noch Näheres mitzuteilen.«

»Aber was erwarten Sie denn von mir, daß ich für Sie thun soll?« fragte er.

»Nichts!« entgegnete ich. Meine Kraft reichte nur für kurze Antworten hin. Diana nahm das Wort.

»Wollen Sie damit sagen, daß wir Ihnen jetzt alle Hilfe geleistet haben, deren Sie bedürfen?« fragte sie, »und daß wir Sie wieder hinaus in den Regen und auf den durchweichten Sumpf lassen können?«

Ich blickte sie an. Ich fand, daß sie ein bemerkenswertes Gesicht hatte, in dem sich Klugheit, Kraft und Güte vereinten. Plötzlich faßte ich Mut. Indem ich ihren mitleidigen Blick mit einem Lächeln beantwortete, sagte ich: »Ihnen will ich vertrauen. Wenn ich ein herrenloser, verlaufener Hund wäre, so weiß ich, daß Sie mich heute abend nicht mehr aus Ihrem Hause jagen würden. Wie es nun ist, hege ich wirklich keine Furcht. Thun Sie mit mir und für mich, was Sie wollen; aber erlassen Sie mir das Reden – mein Atem ist kurz – ich fühle eine Art Krampf, wenn ich spreche.«

Alle drei beobachteten mich und alle drei verhielten sich schweigend.

»Hannah,« sagte Mr. St. John endlich, »laß sie dort für den Augenblick noch sitzen und richte keine Fragen an sie. Nach Ablauf von zehn Minuten gieb ihr den Rest von der Milch und dem Brote. Mary und Diana, laßt uns ins Wohnzimmer gehen und die Sache weiter überlegen.«

Sie zogen sich zurück. Sehr bald kehrte eine von den Damen zurück – ich konnte nicht unterscheiden welche. Eine Art angenehmer Bewußtlosigkeit bemächtigte sich meiner, als ich so neben dem belebenden Feuer saß. Mit leiser Stimme erteilte sie Hannah einige Befehle. Es dauerte nicht mehr lange, und ich vermochte mit Hilfe der Dienerin eine Treppe hinan zu steigen; meine durchnäßten Kleider wurden mir ausgezogen, und bald lag ich in einem trocknen, angenehm durchwärmten Bette. Ich dankte Gott – empfand trotz meiner unbeschreiblichen Erschöpfung ein Gefühl der innigsten Dankbarkeit – und schlief ein.

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