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Alphonse Daudet: Jack - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
authorAlphonse Daudet
titleJack
publisherVerlag von Neufeld & Henius
printrunZweite Auflage
yearo.J.
translatorW. Vollmann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20151227
projectid9d16f389
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Siebzehntes Kapitel.
Eine schlechte Nachricht.

Am Morgen wurde Jack von einem entsetzlichen Geräusch plötzlich geweckt. – O, das Erwachen nach dem Rausch, der brennende Durst, das Zittern in allen Gliedern! Jack empfand das alles, ehe er noch die Augen geöffnet hatte und zum Bewußtsein seiner selbst gekommen war.

Es war noch zu dunkel, um die Gegenstände deutlich zu erkennen, dennoch merkte er, daß er sich nicht in seiner Dachstube befand. Wo war er? Plötzlich begann wieder das entsetzliche Geräusch, welches ihn vorhin geweckt hatte. Es klang wie das Aufwinden einer Kette, dann ertönte der tiefe Glockenschlag einer Turmuhr. Die Uhr kannte er. Seit zwei Jahren beherrschte sie seine Zeit, weckte ihn Morgens mit ihren dumpfen Schlägen, die ihm zuzurufen schienen:

»Steh' auf!«

Er war also in Indret. Wahrscheinlich sogar im Turm, in dem kleinen Gelaß, in welches eigensinnige Lehrlinge eingesperrt wurden. Weshalb? Was hatte er verbrochen? Er versuchte, sich die Ereignisse des vergangenen Tages ins Gedächtnis zurückzurufen, aber bei allem, was ihm einfiel, überkam ihn Entsetzen. O, wenn er es doch hätte vergessen können! Aber mit unerbittlicher Grausamkeit hielt ihm sein vollständig erwachtes zweites Ich alle Thorheiten vor, die er im Laufe des Tages begangen hatte. Stück für Stück tauchte auf; der andere hatte nichts vergessen und was noch schlimmer war, er lieferte die Beweise dafür: einen Matrosenhut ohne Band, einen blauen Gürtel, Pfeifenscherben und Tabakreste und wertlose Münzen in der Tasche. Bei jeder neuen Entdeckung entfuhr Jack ein Schrei des Abscheus und plötzlich antwortete ihm ein Stöhnen.

Er war nicht allein.

»Wer ist da?« fragte sich Jack unruhig; da sah er wie sich ein ungeheuerlicher, regungsloser Schatten von der weißen Kalkwand abhob.

Ein einziges Wesen in der Welt war so mißgestaltet: Belisar. Aber wie kam Belisar hierher? Jack erinnerte sich dunkel, daß der Krämer sich seiner angenommen hatte.

»Seid Ihr es, Belisar?«

»Ja, ich bins,« versetzte der Händler in rauhem, verzweifeltem Tone. –

»Aber ums Himmelswillen, was haben wir denn gethan, daß man uns hier wie zwei Übelthäter einschließt?«

»Was andere gethan haben, weiß ich nicht, das geht mich auch nichts an, eins aber weiß ich, daß es eine Gemeinheit ist, meine Hüte so zuzurichten.«

Er hielt inne und betrachtete seine formlose, zertretene, zerknüllte Ladung. Der entsetzliche Anblick hatte ihn die ganze Nacht nicht zur Ruhe kommen lassen.

»Sagt, wird man mir meine Hüte bezahlen? Ihr werdet doch hoffentlich sagen, daß ich Euch bei der Sache nicht geholfen habe?«

»Welche Sache?« Was habe ich gethan?« fragte Jack zuversichtlich; dann fiel ihm ein, daß er außer all den Dummheiten noch etwas besonders Schlimmes begangen haben könnte, und er fragte schüchtern:

»Wessen beschuldigt man mich denn?«

»Man sagt, aber Ihr müßt es ja selbst wissen ...«

»Nein, ich schwöre es Euch ...«

»Nun, man sagt, Ihr hättet gestohlen!«

»Gestohlen? Was denn?«

»Zenaidens Mitgift.«

Der Lehrling erblaßte und stieß einen Schrei der Entrüstung aus.

»Das ist eine Gemeinheit! Ihr glaubt doch das nicht, nicht wahr Belisar?«

Dieser antwortete nicht. Die Reden der Gensdarmen, die sich am vergangenen Abend in seiner Gegenwart davon unterhielten, hatten den Krämer überzeugt. Die Beweise waren gegen den Lehrling. Bei der ersten Nachricht von dem Roudic'schen Diebstahl hatte man in der Hütte an Jack gedacht, der am Morgen fehlte. Oh, der Nanteser hatte seinen Plan wohl erwogen, als er ihn von der Werkstatt fern hielt! Von der Schenke in Indret bis zum Bahnhof in Nantes, wo der Dieb und sein Helfershelfer gefaßt wurden, ließ sich die Spur des Diebstahls verfolgen und an den Zwanzigfrankenstücken erkennen, welche der Lehrling bei jeder Gelegenheit ausgegeben hatte. Niemand zweifelte an seiner Schuld. Ein einziger Punkt blieb dunkel, das vollständige Verschwinden der übrigen Summe, die man weder in Jacks noch in Belisars Taschen fand. Sie mußte irgendwo verborgen sein.

Sobald es Tag wurde, ließ der Direktor die Schuldigen in sein Zimmer hinabkommen; die beiden, bleichen, zitternden, mit Schmutz bedeckten Gestalten sahen wie richtige Verbrecher aus. Jack hatte wenigstens den Reiz der Jugend für sich, sein feines kluges Gesichtchen behielt trotz der unordentlichen Kleidung immer noch etwas Vornehmes. Belisar dagegen sah nach der durchwachten Nacht entsetzlich aus. Wer beide erblickte, konnte wohl zu der Ansicht gelangen, daß der sanfte, schüchterne Knabe nur das Werkzeug jenes Elenden gewesen sein mochte.

Als Jack das Vorzimmer des Direktors durchschritt, sank bei dem Gedanken an das Verbrechen, dessen man ihn beschuldigte, seine Zuversicht, und er trat demütig ein.

Im Zimmer befand sich nur der an seinem Pulte sitzende Direktor und Vater Roudic, welcher seine blaue Mütze in der Hand haltend neben ihm stand; die beiden Aufseher, welche die Angeklagten hereingeführt hatten, blieben neben der Thür stehen und ließen den gefährlichen Hausierer nicht aus den Augen. Als Jack den Obermeister sah, trieb es ihn zu ihm, wie zu seinem natürlichen Freunde und Beschützer zu gehen. Aber Vater Roudic's Gesicht trug einen so strengen, traurigen Ausdruck, daß er in einiger Entfernung stehen blieb.

»Höre Jack,« sprach der Direktor. »Mit Rücksicht auf Deine Jugend, Deine Eltern und Deine guten Zeugnisse und hauptsächlich mit Rücksicht auf die Ehre des Hüttenwerkes von Indret, habe ich die Erlaubnis erhalten, noch einige Tage zu warten, ehe die Untersuchung eingeleitet werden soll und Du nach Nantes gebracht wirst. Jetzt kann also alles noch zwischen Roudic, Dir und mir abgemacht werden. Es hängt nur von Dir ab, die Sache zu unterdrücken, Du sollst uns nur das Geld herausgeben ...«

»Aber Herr ...«

»Unterbrich mich nicht, ... das Geld herausgeben, was Du von den gestohlenen sechstausend Franken übrig behalten hast. Denn Du hast doch nicht sechstausend Franken an einem Tage ausgeben können. Also gieb es wieder und ich werde mich damit begnügen, Dich Deinen Eltern zurückzuschicken.«

»Entschuldigen Sie,« begann Belisar schüchtern.

Ein eisiger, verächtlicher Blick des Direktors ließ ihn verstummen.

»Was haben Sie zu sagen?«

»Da, wie ich sehe, die Sache mit dem Diebstahl in Ordnung ist, so wollte ich, daß Sie die Güte hätten, nun auch an meine Hüte zu denken.«

»Schweigt Elender, wie könnt Ihr es wagen, ein Wort zu sprechen, da Ihr es doch seid, der den Knaben zu dieser That verleitet hat.«

»Oh,« meinte der unglückliche Belisar und wandte sich an Jack, um ihn zum Zeugen aufzurufen. Jack wollte Einspruch erheben, aber Vater Roudic ließ ihm keine Zeit:

»Sie haben Recht, Herr Direktor. Schlechter Umgang hat ihn verdorben, denn es gab keinen ehrlicheren, treueren Lehrling.«

Belisar sah ob dieser Behandlung so bestürzt aus, daß Jack nicht umhin konnte, seinen Freund zu verteidigen.

»Ich schwöre Ihnen, Herr Roudic, daß dieser arme Bursche nichts damit zu thun hat. Er war mir in den Straßen von Nantes begegnet und da ich ... ich nicht allein gehen konnte, wollte er mich nach Indret bringen.«

»Du hast den Diebstahl also ganz allein ausgeführt?« fragte der Direktor ungläubig.

»Aber ich habe garnicht gestohlen, Herr Direktor, ich bin kein Dieb.«

»Hüte Dich, mein Junge, Deine Schuld ist erwiesen, also leugne nicht. Du bist die ganze Nacht mit den Roudic'schen Frauen allein im Hause gewesen. Vor dem Zubettgehen hat Zenaide ihren Schrank geöffnet und Dir ihren Kasten gezeigt, nicht wahr? Dann hat sie mitten in der Nacht ein Geräusch auf Deiner Leiter gehört, hat Dich angerufen, Du hast aber nicht geantwortet; dennoch ist sie sicher, daß Du es gewesen bist, da weiter niemand im Hause war.«

Jack war versteinert, fand aber dennoch den Mut zu antworten:

»Ich bin es nicht gewesen.«

»Wirklich? und woher stammt denn das unterwegs ausgegebene Geld?«

Er war im Begriff zu sagen: »Meine Mutter hat es mir geschickt.« Da fielen ihm ihre Ermahnungen ein: »Wenn jemand fragt, woher die hundert Franken kommen, so sage, daß es Deine Ersparnisse sind.«

Und in seinem blinden Gehorsam antwortete er wirklich:

»Es sind meine Ersparnisse.«

»Wie, Du willst uns glauben machen, daß Du bei einem Tagelohn von fünfzig Centimes die zwei- oder dreihundert Franken, die Du an jenem Tage ausgegeben haben mußt, bei Seite gelegt hast? Du thätest wirklich besser, die braven Leute um Verzeihung zu bitten und Dein Unrecht wieder gut zu machen.«

Nun näherte sich Vater Roudic und legte Jack die Hand auf die Schulter.

»Jack, mein kleiner Bursche, sage uns, wo das Geld ist. Denke daran, es ist Zenaide's Mitgift und ich habe zwanzig Jahre meines Lebens gearbeitet und viel entbehrt, um eine solche Summe zu ersparen; es war mein Trost, einst das Glück meines Kindes damit erkaufen zu können. Ich bin sicher, daß Du das alles nicht bedacht hast. Das viele Geld hat Dir den Kopf verdreht. Vorwärts Jack, fasse Mut ... Denke daran, daß ich alt bin und nicht mehr soviel wiedererwerben kann und daß meine arme Zenaide ... Also mein kleiner Bursche, sage wo das Geld ist.«

Der gute Mann wischte sich erschöpft die Stirn. Seine rührende Bitte hatte selbst Belisar so bewegt, daß er dem Lehrling eine Menge Zeichen gab; die sagen sollten: »Vorwärts, Jack, gieb dem armen Mann seine Franken wieder.«

Ach, wenn Jack das Geld nur gehabt hätte, wie gern hätte er es in Vater Roudic's Hände zurückgelegt, dessen Verzweiflung ihm ins Herz schnitt; aber konnte nur sagen:

»Ich habe Sie nicht bestohlen, Herr Roudic, ich schwöre es Ihnen.«

Der Direktor erhob sich ungeduldig.

»Genug. Du gehst wieder hinauf. Bis heute Abend hast Du Zeit, nachzudenken; wenn Du Dich bis dahin nicht entschlossen hast, wirst Du dem Gericht überliefert; das wird Dich schon zum Reden bringen.«

Hier näherte sich einer der Wächter seinem Vorgesetzten und sagte leise:

»Ich glaube, Herr Direktor, wenn Sie irgend etwas von dem Knaben erfahren wollen, müssen Sie ihn absondern. Der Krämer hindert ihn, alles einzugestehen, indem er ihm beständig Zeichen giebt.«

»Ihr habt Recht; trennt die beiden.«

Nun war Jack allein im Turmgelaß. Wie lang erschien ihm der Tag!

Er versuchte zu schlafen, um der Verzweiflung zu entgehen, aber der Gedanke, daß alle Welt ihn für schuldig hielt, ließ ihn immer wieder auffahren.

Wie konnte er seine Unschuld beweisen? Dadurch, daß er den Brief seiner Mutter vorzeigte; aber wenn es d'Argenton erfuhr? Dieser Mangel an Überlegung ließ ihn dieses Rettungsmittel gleich wieder verwerfen. Er sah im Geiste einen schrecklichen Auftritt im Erlenhäuschen, seine arme Mutter in Thränen ...

Es schlug zwei Uhr. Vier Uhr. Die Arbeiter kamen und gingen wieder.

Der Abend rückt heran und dann muß er seine Unschuld beweisen. Plötzlich hört er die zu seinem Gelaß führende Treppe knarren. Jemand seufzt und schneuzt sich vor der Thür, dann ertönt ein schüchternes Klopfen und der Schlüssel dreht sich im Schloß.

»Ich bins! Puh, ist das hoch.«

Sie sagte es mit neckischer Miene, aber ihre Augen sind so rot und verweint, ihre Haare so zerzaust, daß die erzwungene Fröhlichkeit die Spuren des Kummers nur noch mehr hervortreten läßt. Sie lächelt Jack zu, der sie traurig ansieht.

»Ich sehe häßlich aus, was? Zum Entsetzen! Schon für gewöhnlich kann ich mich nicht hübsch finden und das Weinen macht meine Augen auch nicht größer. Und mein kleiner Mangin ist so ein hübscher Mann. Da war meine Mitgift nötig, um ihn über mein Äußeres hinwegsehen zu lassen. Die Neider haben mir zwar schon immer gesagt: ›Er nimmt Dich nur Deines Geldes wegen,‹ ich wußte es wohl und dachte immer bei mir ›Wenn ich erst seine Frau bin, soll er mich schon lieben lernen.‹ Aber nicht wahr, mein lieber Jack, Du siehst ein, daß die Sache sich geändert hat. Der tausend Franken wegen, die in meinem Kasten zurückgeblieben sind, bemüht man sich nicht um ein so häßliches Geschöpf, wie ich bin. Und ich sehe schon, wie Mangin heute Abend seinen kleinen Schnurrbart drehen und mir seine Abschiedsverbeugung machen wird, und ich würde ihm gern die Mühe ersparen und ihm vorher mein Wort zurückgeben, aber ... aber ... ehe ich ganz auf mein Glück verzichte, wollte ich ein wenig mit Dir plaudern, Jack.«

Jack hatte den Kopf gesenkt und weinte. So jung er war, begriff er doch, welche Demütigung das naive Eingeständnis ihrer Häßlichkeit für Zenaide war. Als sie ihn weinen sah, war sie erfreut.

»Ah, ich habe es wohl gesagt, daß Du nicht schlecht bist. Gestern Morgen, als ich meinen federleichten Kasten in der Hand hielt, da war mir, als hätte man mir das Herz gestohlen ... Nicht wahr, mein guter Jack, Du giebst mir meine Mitgift wieder?«

»Aber Zenaide, ich schwöre Dir, daß ich sie nicht habe.«

»Sage das nicht. Du brauchst Dich vor mir nicht zu fürchten, ich werde Dir keine Vorwürfe machen, sage mir nur wo das Geld ist. Wenn auch etwas fehlt, das schadet nichts, junge Leute wollen sich auch einmal amüsieren, aber gieb mir das Übrige.«

»Erbarme Dich, Zenaide, ich habe es nicht gestohlen, man irrt sich; es ist schrecklich, daß alle Welt mich für schuldig hält.«

Sie fuhr fort, ohne auf ihn zu achten:

»Denke doch daran, daß er nun nichts mehr von mir wissen will ... daß es nun mit meiner Heirat vorbei ist; thu' mir das nicht an, Jack! Auf den Knien flehe ich Dich an!« Und sie brach in Thränen aus.

Jack war trostlos, er versuchte, ihre Hand zu ergreifen, sich zu verteidigen, aber sie schüttelte ihn ab und sprang auf:

»Nun, dann sollst Du bestraft werden, kein Mensch wird Dich jemals lieben, denn Du hast ein böses Herz.«

Sie eilte spornstreichs hinunter bis in das Zimmer des Direktors.

»Nun?«

Sie antwortete nicht, sondern schüttelte nur mit dem Kopf, da Thränen ihre Stimme erstickten.

»Nun, mein Kind, seien Sie nicht verzagt. Ehe wir ihn der Gerechtigkeit überliefern, bleibt uns noch ein Mittel. Roudic versichert, daß die Mutter dieses Elenden mit einem sehr reichen Manne verheiratet ist. Wir wollen an sie schreiben und wenn es rechtliche Leute sind, so ist Ihre Mitgift noch nicht verloren.«

Er ergriff ein Blatt Papier und schrieb folgendermaßen:

»Gnädige Frau!

Ihr Sohn ist beschuldigt, sechstausend Franken, die ganzen Ersparnisse der ehrlichen Leute, bei denen er wohnt, gestohlen zu haben. Bis jetzt habe ich den Thäter noch nicht dem Gericht überliefert, da ich hoffte, er würde wenigstens einen Teil des Geldes zurückerstatten. Doch muß ich jetzt annehmen, daß er alles verloren und durchgebracht hat.

Eine gerichtliche Untersuchung ist also unvermeidlich, wenn Sie sich nicht dazu verstehen, der Familie Roudic die gestohlene Summe zu ersetzen. In drei Tagen erwarte ich Ihren Entschluß, sonst sehe ich mich genötigt, den Schuldigen der Gerechtigkeit zu übergeben.«

Er unterzeichnete.

»Die armen Leute, es ist schrecklich,« sagte Vater Roudic, der trotz seines eigenen Kummers noch Mitleid mit anderen empfand und noch immer eine schwache Hoffnung hegte, daß die Sache sich aufklären, der Lehrling das Geld freiwillig herausgeben, oder der verhängnisvolle Brief verloren gehen würde. Ein Brief ist ja so klein und verschwindet so leicht. Gewiß, aber der, den der Direktor soeben schrieb und siegelte, läuft keine Gefahr, vom Wege abzuirren? Weshalb? Weil er eine schlechte Nachricht enthält. Derartige Briefe sind gefeit, ihnen stößt nichts zu.

Und zum Beweis dafür wird auch dieser Brief, nachdem er ganz Frankreich durchreist hat, in der Tasche des Landbriefträgers Kasimir den kleinen Fußweg hinter Etiolles hinaufgetragen und nun klingelt der Alte an der weinumrankten Thür, über der die Inschrift » Parva domus magna quies« von Tag zu Tag mehr verblaßt.

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