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Alphonse Daudet: Jack - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorAlphonse Daudet
titleJack
publisherVerlag von Neufeld & Henius
printrunZweite Auflage
yearo.J.
translatorW. Vollmann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20151227
projectid9d16f389
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Dreizehntes Kapitel.
Am Schraubstock.

In der Mitte der Schmiedehalle, wo das Tageslicht in breiten, gelblichen Streifen hereinfällt und die dunklen Ecken plötzlich von Funken erleuchtet werden, steht ein riesiger am Boden befestigter Eisenblock, welcher seine gierigen, beweglichen Kinnladen öffnet, um ein glühendes Metallstück zu ergreifen und festzuklemmen, welches nun unter einem Funkenregen mit dem Hammer zurechtgeschlagen wird. Dies ist der Schraubstock.

Jeder Lehrling wird zuerst an den Schraubstock gestellt. Hier lernt er beim Drehen der schweren Schraube, was eigentlich weit über seine Kinderkräfte geht, die Arbeit in der Werkstatt, das Handhaben und Zurichten des Eisens.

Der kleine Jack steht am Schraubstock. Der entsetzliche, betäubende Lärm von dreihundert zu gleicher Zeit auf den Amboß fallenden Hämmern umgiebt ihn. Es kreischt, heult und zischt um ihn her. Jack ist entsetzt. Er steht schweigend bei seiner Arbeit mitten unter den halbnackten Männern, welche mit an der Spitze rotglühenden Eisenstangen beladen den Schraubstock umdrängen. Oh, wenn die Närrin Charlotte jetzt ihr Kind, ihren Jack, inmitten der schweißtriefenden Menge sehen könnte, wie er bleich, mit über die Arme gestreiften Ärmeln, mit roten Augen und von dem scharfen Staub entzündeter Kehle dasteht, welch' Mitleid, welche Gewissensbisse würde sie empfinden.

Da jeder in der Werkstatt einen Spitznamen trägt, so hat man ihn seiner Magerkeit wegen »den Azteken« genannt.

»He, Azteke, hurtig, mein Junge, schraub' zu, noch mehr, feste, zum Teufel!«

Es ist die Stimme Lebescam's, des Obermeisters, der durch das Getöse ruft. Dieser schwarze Riese, dem Roudic die erste Erziehung des Lehrlings anvertraut hat, hält dann und wann ein, um ihm einen Rat zu geben, ihm zu zeigen, wie man einen Hammer hält. Der Meister ist rauh, der Knabe ungeschickt. Jener verachtet seine Schwäche, dieser fürchtet dessen Kraft. Er thut, was man ihn heißt, dreht die Schraube, so fest er kann. Aber seine Hände sind voller Blasen, die ihn schmerzen und beinahe zum Weinen bringen; zeitweise ist er sich seiner kaum mehr bewußt.

Es ist ein entsetzliches Dasein nach den zwei Jahren, die er in der Freiheit und frischen Luft des Erlenhäuschens zugebracht hat!

Morgens um fünf rief ihn Vater Roudic.

»Holla, mein Junge!«

Seine Stimme dröhnte durch das nur aus Holz gezimmerte Haus. In aller Eile wurden einige Bissen gegessen und ein Schluck Wein getrunken, den die schöne Clarisse noch im Nachthäubchen einschenkte. Dann machte man sich auf den Weg zur Hütte, von der eine melancholische, unermüdliche Glocke ertönte »bim, bam«. Nun entstand ein verworrenes Getrappel und Hasten in den Straßen und Höfen, an den Werkstattthüren. Endlich, nachdem die vorgeschriebenen zehn Minuten verstrichen waren, verkündete die gesenkte Fahne den zu spät Kommenden, daß die Werkstätten für sie geschlossen seien.

Die strenge, einengende Tagesordnung d'Argenton's war nichts dagegen. Jack fürchtete sich sehr davor, »die Fahne zu vergessen« und stand meist lange vor dem ersten Glockenschlag an der Thür.

Eines Tages jedoch, zwei oder drei Monate nach seinem Eintritt in das Hüttenwerk, hätte ihn die Bosheit der anderen Lehrlinge beinahe verhindert, zur rechten Zeit da zu sein. An jenem Morgen entführte ihm der scharf vom Meere her wehende Wind seine Mütze gerade in dem Augenblick, als Jack die Werkstatt betrat.

»Halt, halt!« schrie der Knabe und eilte die Straße hinab; anstatt sie aber aufzunehmen, schleuderte ein vorübergehender Lehrling mit einem Fußstoß die Mütze ein gutes Stück weiter. Ein anderer und noch einer thaten dasselbe. Es war ein sehr unterhaltendes Spiel für alle, außer Jack, der nur mühsam seine Thränen zurückhielt. Unterdessen schlug die Glocke zum letzten Mal an.

Der Knabe sah sich genötigt, die Verfolgung aufzugeben und umzukehren, er war trostlos. Eine Mütze ist teuer, er mußte an seine Mutter schreiben, sie um Geld bitten! Was ihn aber am meisten schmerzte, war der Haß, dem er überall begegnete und der sich bei der kleinsten Gelegenheit verriet.

Als er atemlos an der noch offenen Thür anlangte, hörte er hinter sich einen schwerfälligen Schritt und in demselben Augenblick legte sich eine breite Hand auf seine Schulter. Zurückblickend gewahrte er ein rothaariges Ungeheuer, welches ihm freundlich zulächelte und ihm seine Mütze wiederbrachte. Wo hatte er dieses Gesicht schon gesehen? Richtig auf dem Wege nach Corbeil, es war der vor dem Gewitter flüchtende Krämer mit seiner Tracht Hüte auf dem Rücken. Aber jetzt war keine Zeit mehr, die Bekanntschaft zu erneuern, der Aufseher ließ die Fahne herab und schrie ihm zu:

»Holla, Azteke, beeile Dich!«

Er konnte nur seine Mütze ergreifen und Belisar ein »Danke« zurufen.

Heute fühlte sich Jack am Schraubstock weniger traurig und einsam. Er sah während der ganzen Zeit die schöne Straße nach Corbeil mit ihren Gärten und Rosenböschungen, sah den Wagen des Doktors daherkommen und fühlte die frische Wiesenluft. Nach Feierabend suchte er in ganz Indret nach Belisar, aber der Krämer war verschwunden; auch am folgenden Tage sah er ihn nicht und das Gefühl der Einsamkeit überkam ihn allmählich wieder.

In der Werkstatt liebte ihn keiner; niemand verteidigte ihn. Der Obermeister, der ihn überhaupt »erbärmlich« fand, gab es auf, sich um ihn zu kümmern und gab ihn den Bosheiten des ganzen Saales preis. Was hatte dieser zarte Pariser, der nicht wie jedermann sprach, sondern »ja, mein Herr, nein, mein Herr,« sagte, überhaupt in Indret zu suchen? Man hatte seine Begabung für die Mechanik so sehr gerühmt, aber der Azteke verstand nichts davon, er wußte nicht einmal einen Niet aufzulegen. –

Kein Tag verging, ohne daß ihm irgend ein Streich gespielt wurde.

Besonders die Lehrlinge waren grausam. Eines Tages hielt ihm einer ein Stück Eisen hin, welches am anderen Ende dunkelrot glühte.

»Halt' fest, Aztek!«

Er mußte infolge dessen acht Tage ins Krankenhaus.

Nur am Sonntag hatte Jack ein wenig Ruhe und Zerstreuung.

Dann zog er eins von Doktor Rivals Büchern aus dem Kasten und ging damit ans Loireufer. Am äußersten Ende der Insel stand ein alter, halbverfallener, »St. Hermeland« genannter Turm aus der Zeit des Normanneneinfalles. Am Fuße dieses Turmes kauerte sich der Lehrling in irgend eine Felsenhöhle und las; aber oft waren Herrn Rivals Bücher zu hoch für ihn, gingen über sein Begriffsvermögen; dann hörte er auf und träumte vor sich hin, horchte auf das Plätschern des Wassers und beobachtete das regelmäßige Fallen und Steigen der Wellen. Er war in Gedanken weit fort von dem Hüttenwerk bei seiner Mutter und seiner kleinen Freundin; bei den vergangenen glücklichen Sonntagen, dem Kirchgang, den Spaziergängen nach Etiolles an der Seite der feingekleideten Mutter und den Spielen in der großen Apotheke, welche die weiße Schürze der kleinen Cäcilie mit soviel kindlicher Heiterkeit erhellte.

Dann war er einige Stunden lang glücklich. Aber der Herbst kam mit rauhem Wind und heftigem Regen und unterbrach seine Träumereien am St. Hermelandsturm. Nun verbrachte er seine Sonntage bei Roudic's.

Sie waren dem sanften Knaben gut; besonders Zenaide vergötterte ihn und besorgte seine Wäsche mit mütterlicher Sorgfalt. Vater Roudic, der doch eine gewisse Verachtung gegen die Schwäche und geringe Leistungsfähigkeit Jacks empfand, sagte trotzdem:

»Er ist dabei doch ein guter kleiner Junge.«

Er fand nur, daß er zuviel las, und fragte ihn oft lachend, ob er denn Schulmeister oder Pfarrer werden wolle. Dennoch empfand er einen gewissen Respekt vor solcher Gelehrsamkeit. In der wußte Vater Roudic außer seinem Handwerk sehr wenig, las und schrieb, als habe er eben die Schule verlassen, was ihn ein wenig genierte, seitdem er Werkmeister geworden war und seine zweite Frau geheiratet hatte. Diese war die Tochter eines Artilleriewachtmeisters aus einer kleinen Stadt. Ihrem Manne war sie an Bildung weit überlegen, und bewies ihm infolgedessen nur eine ruhige Zuneigung. Er dagegen betete sie an, fand sie viel hübscher, als die anderen Werkmeisterfrauen, lauter handfeste, nur für ihre Wirtschaft lebende Bretoninnen.

Clarisse besaß die Haltung und das Benehmen eines armen, aber wohlerzogenen Mädchens, sie verstand sich zu kleiden und stach infolgedessen sehr von den einheimischen Frauen ab. Auch die Wohnung verriet einen gewissen Geschmack. Hinter den weißen Musselinvorhängen glänzten die wenigen, sauberen Möbel; ein Strauß oder ein Topf mit roten Nelken oder Basilikum stand auf dem Fensterbrett. Wenn Roudic abends von der Arbeit zurückkehrte, empfand er stets neue Freude, das Haus sauber und die Frau sorgfältig gekleidet, wie am Sonntag zu finden. Der brave Roudic bildete sich ein, daß seine Frau sich nur für ihn hübsch machte, und in Indret liebte man ihn zu sehr, um ihn zu enttäuschen, ihm zu sagen, daß einem anderen die Gedanken und die Zuneigung Clarissens galten.

War denn wirklich etwas Wahres daran?

Die bösen Zungen der kleinen Stadt nannten Frau Roudic und den Nanteser stets zusammen. Wenn ihr Geschwätz wahr war, so muß zu Clarissens Entschuldigung gesagt werden, daß sie den Nanteser vor ihrer Heirat gekannt hatte. Er verkehrte bei ihrem Vater und begleitete Roudic; und wenn der große, hübsche Bursche sie an Stelle seines Onkels hätte heiraten wollen, so würde sie ihm den Vorzug gegeben haben, aber der große, hübsche Bursche dachte nicht daran. Er merkte erst, daß Clarisse verführerisch hübsch war, als sie seine kleine Tante geworden!

Und was geschah dann?

War der vertrauliche Verkehr, die langen Plaudereien, wenn Vater Roudic in der Ecke schlief und Zenaide noch auf dem Schloß zu thun hatte, geeignet, die beiden widerstandsfähiger zu machen? Wohl kaum; sie waren wie für einander geschaffen.

Dennoch wußte niemand etwas Bestimmtes, auch wurden die Schuldigen, oder vielmehr die Angeklagten von den scharfen Augen Zenaides bewacht, welche schon lange das finstere Verhängnis ahnte. Neben dem blinden Vertrauen des alten Roudic stand Zenaide wie ein richtiger argwöhnischer, eifersüchtiger Ehemann.

Deshalb war der Kampf gegen den Nanteser auch so heftig, deshalb verbargen die kleinen Scharmützel, welche sie miteinander hatten, soviel Zorn und Abneigung. Vater Roudic lachte über diese galanten verwandtschaftlichen Streitigkeiten, aber Clarisse hörte bleich und erschöpft zu.

Augenblicklich triumphierte Zenaide. Sie hatte im Schlosse so geschickt manöveriert, daß der Direktor, welcher den Nanteser nicht bewegen konnte, nach Guevigny zu ziehen, ihn nach St. Nazaire zu schicken beabsichtigte, damit er dort das neue Modell eines transatlantischen Dampfers studieren solle.

Jack ahnte vom ersten Augenblick an, daß ein Geheimnis zwischen den beiden Frauen bestand. Er liebte beide, die fröhliche, zufriedene Zenaide gefiel ihm, während die feine, hübsche Frau Roudic seinem an Eleganz gewöhnten Auge schmeichelte. Er fand, daß sie eine gewisse Ähnlichkeit mit seiner Mutter besaß. In ihrer Gesellschaft fühlte er sich behaglicher, als mit Roudic allein, und Sonntags, wenn er bei schlechtem Wetter nicht ausgehen konnte, las er ihnen vor. Dann saßen sie in der guten Stube im Erdgeschoß, einem großen Zimmer, welches mit Schiffskarten, einer sehr bunten Ansicht von Neapel, großen Muscheln, trockenen Schwämmen und Seepferdchen und dergleichen exotischen Dingen ausgestattet war, welche Seeleute mitzubringen pflegen. Guipuredeckchen auf allen Möbeln, ein Sofa und ein Lehnstuhl mit Utrechter Samt bezogen, vervollständigten den bescheidenen Luxus. Besonders der Lehnstuhl war Vater Roudics Freude. Er setzte sich behaglich hinein, um den Vorlesungen zuzuhören, während Clarisse an ihrem gewöhnlichen Platz am Fenster in nachlässiger, erwartender Stellung saß; und Zenaide, welche häusliche Arbeiten noch über religiöse Pflichten stellte, benutzte den freien Sonntag, um Wäsche auszubessern.

Jack kam mit einem Buch aus dem Hängeboden und die Sitzung begann. Nach den ersten Zeilen begann der gute Roudic mit den Augen zu zwinkern und schlief endlich ein. Es war kein Wunder, denn die Bücher, mit denen Herr Rivals Jacks Koffer vollgestopft hatte, waren nicht sehr verständlich. Übersetzungen klassischer Dichter, die Briefe Senekas, ein Plutarch, Dante, Virgil, Homer, das war alles. Oft las der Knabe ohne zu verstehen, aber das Versprechen, welches er gegeben, spornte ihn immer wieder an. Sein Lieblingsbuch war Dantes »Hölle«. Die Beschreibung aller dieser Qualen fesselte ihn. Seine kindliche Einbildungskraft vermischte sie mit dem Schauspiel, welches er alle Tage vor Augen hatte.

Eines Sonntags las Jack vor seinen gewöhnlichen Zuhörern aus seinem Lieblingsdichter. Wie sonst war Vater Roudic nach den ersten Worten entschlummert, während dir beiden Frauen mit gespannter Aufmerksamkeit und gemischten Gefühlen zuhörten.

Es war die Geschichte der Franceska von Rimini.

Während der Lehrling las, beugte Clarisse zitternd das Haupt. Zenaide, welche gerade und vierschrötig auf dem Stuhle saß, handhabte ungestüm ihre Nadel.

Thränen rollten über die Wangen von Frau Roudic, während sie dieser Liebesgeschichte lauschte. Ohne es zu bemerken, ergriff Zenaide, als die Erzählung zu Ende war, das Wort.

»Eine böse, schamlose Frau,« sagte sie entrüstet, »sich ihres Verbrechens noch zu rühmen.«

»Gewiß war sie schuldig,« versetzte Clarisse, »aber auch sehr unglücklich.«

»Unglücklich? Sage doch das nicht, Mama, man sollte meinen, Du bedauerst diese Franceska, welche ihres Mannes Bruder liebte.«

»Ja, mein Kind, aber sie liebte ihn vor ihrer Heirat und man hatte sie gezwungen, ihren Mann zu heiraten.«

»Gezwungen oder nicht, sie mußte ihm treu bleiben. Das Buch sagt, daß er alt war, ein Grund mehr, ihn zu achten und die Leute im Dorfe zu verhindern, über ihn zu spotten. Der Alte that recht daran, sie beide zu töten, sie haben es verdient.«

Clarisse antwortete nicht, sie hatte den Vorhang hochgenommen und sah hinaus.

»Halt, das ist er gewiß!« sagte Jack plötzlich, indem er aufsprang. Vor den Fenstern glitt ein Schatten vorbei und ein dem Lehrling wohlbekannter Ruf ertönte.

»Hüte, Hüte, Hüte!«

Er stürzte hinaus, aber Clarisse war ihm schon zuvorgekommen. Sie kam eben dunkelrot wieder herein und steckte einen Brief in die Tasche.

Der Krämer war schon weit entfernt, trotz seiner lahmen Füße und der gewaltigen Last von Mützen und Filzhüten, denn seine Winterwaare war bedeutend schwerer; eben bog er um die Ecke.

»Holla, Belisar!« schrie Jack.

Der andere wandte sich mit freudig erstauntem Gesicht um.

»Ich war sicher, daß Ihr es waret. Ihr kommt also auch hierher, Belisar?«

»Allerdings, Herr Jack. Mein Vater will, daß ich in Nantes bei meiner Schwester bleibe, deren Mann krank ist. Nun ziehe ich in der Nachbarschaft umher und das Geschäft geht nicht schlecht. Außerdem übernehme ich auch Bestellungen nach Nantes und St. Nazaire,« fügte er mit schlauem Augenzwinkern hinzu.

Im ganzen war Belisar zufrieden. Die Krankheit seines Schwagers kostete ihm zwar viel, aber mit einigem Fleiß ließ sich auch das erwerben, wenn nur die verwünschten Schuhe nicht gewesen wären.

»Sie drücken Euch also noch immer?« meinte Jack.

»O ja, Sie wissen ja, um nicht mehr darunter zu leiden, müßte ich mir eigens ein Paar nach Maß machen lassen, und das ist für mich zu teuer.«

Als er genug von sich erzählt hatte, hielt Belisar eine Minute inne und fragte dann:

»Was ist Ihnen denn geschehen, Herr Jack, daß Sie jetzt Arbeiter sind? Das kleine Häuschen dort unten war doch so hübsch.«

Der Lehrling wußte nichts zu antworten, er errötete über seinen Kittel und seine schwarzen Hände. Der Krämer, welcher seine Verlegenheit sah, fiel hastig ein:

»Nicht wahr, der Schinken war ausgezeichnet. Und wie geht es der hübschen, sanften Dame? Es war Ihre Mama, nicht wahr? Sie gleichen ihr.«

Jack war so glücklich, von seiner Mutter sprechen zu hören, daß er bis zum Abend mit Belisar auf der Straße gestanden hätte, aber dieser hatte keine Zeit; er mußte einen eiligen Brief bestellen; das sagte er wieder mit demselben schlauen Augenzwinkern nach dem Roudic'schen Hause hinüber, er mußte fort.

Sie schüttelten sich die Hand, dann setzte der Krämer hinkend, gebückt seinen Weg fort.

Als der Lehrling das Haus betrat, erwartete ihn Frau Roudic ganz blaß an der Thür.

»Jack,« sagte sie leise mit zitternden Lippen, »was hat dieser Mann mit Dir gesprochen?«

Er versetzte, daß sie von Etiolles her bekannt seien und von seinen Eltern gesprochen hätten.

Sie atmete erleichtert auf, war aber den ganzen Abend über noch nachdenklicher, als sonst.

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