Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Richard Arnold Bermann: Irland - Kapitel 28
Quellenangabe
typereport
author
titleIrland
publisherHyperionverlag
year1914
firstpub1914
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.7et
created20140724
projectid82947a24
Schließen

Navigation:

Abgesang

Rratt – rratt – rratt – –

Ein melancholischer Morgenzug trägt mich unter einem grauen Himmel dahin, dem Hafen entgegen. Im Hafen wird ein Schiff liegen; mich wird das Schiff wegtragen; bald atme ich den frischen Duft heimischen Sommers.

Ein grünes Land fliegt dahin; bald wird es mir entschwunden sein, entflattert im Wind des Erlebens. Lebewohl, fremdes grünes Land! Du bist mir fremd geblieben; noch fahre ich durch deine Wiesen und schon ist mir, als hätte ich von dir geträumt.

Grünes Land mit dem tränenfeuchten Grauhimmel, ich weiß nicht, ob ich dich liebe; ob ich dich hasse, weiß ich nicht. Du bist zu traurig; deine Leichen sind nicht tief genug verscharrt. Zerstörte Elfenmärchen, alte Schuttruinen, dampfende Moore, ich kann sie nicht in allen meinen Stunden lieben. Was an dir jung war, Land, alt ist es geworden – was an mir jung blieb, sehnt sich nach junger Kraft. Nie war deine Kraft jung, weinendes Land. Voll Elfenspuk sind deine Moore; die Sonne lacht ihnen nicht. Um die Kronen alter Könige wirst du ewig trauern.

Deutschlands Kyffhäuser ist erbrochen; nicht mehr kreisen die Raben um den Berg der Trauer. Ein Kyffhäuser ist ganz Irland; die Raben kreisen. Nur Thos. Cook kann sie verscheuchen; ruhig, er tut's.

Im feuchten Grün eines Sommers sah ich das fremde Land. Alte Abteien sah ich, Kreuzgänge, Türme, ragende Burgen. Ich suchte ihr Leben; ich fand nur ihre Trauer. Silberseen sah ich und fand sie getrübt von den alten Schatten, übertönt von Klageliedern die Wellen des Meeres, vom Echo blutiger Schlachten das Rauschen der Flüsse.

Es gibt eine frohe Zukunft: was traurig war, wird gewöhnlich werden. Eine neue Stimme kündigt die frohe Botschaft: was traurig war, wird gewöhnlich werden! Nach trüben Träumen der Alltag.

Rratt – rratt – rratt – –

Ein Hafen, ein Schiff. Eine Küste entschwindet. Ein Land verschwimmt.

Bin ich dagewesen?

Frischeren Sommerduft will ich in heimischen Wäldern atmen.

 << Kapitel 27 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.