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Richard Arnold Bermann: Irland - Kapitel 27
Quellenangabe
typereport
author
titleIrland
publisherHyperionverlag
year1914
firstpub1914
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.7et
created20140724
projectid82947a24
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Mitgebrachtes: Das irische Märchen von Connla, dem Prinzen mit dem goldenen Haar

(Gepflückt aus der Sammlung alter keltischer Heldensagen von P. W. Joyce.)

Connla mit dem goldenen Haar war Conns Sohn, des Hundert-Kämpfers. Eines Tages stand er mit seinem Vater auf dem königlichen Burgberg zu Usna; da sah er von ferne ein vielschönes Fräulein, gekleidet in seltsame Prachtgewänder. Näher kam sie dem Ort, wo er stand, und als sie nahe war, da sprach er zu ihr und fragte, woher sie gekommen und wer sie sei.

Da sprach die schöne Frau: »Aus dem Land der Lebenden kam ich, dem Land, wo nicht Tod noch Alter ist, noch Verbrechen und Sünde. Aes-shee nennen uns die Erdensöhne, das Volk der Elfenhügel, denn wir haben unsere Heimat im freien, grünen Hügellande. Wir leben unser Leben gar wonniglich in Festen und harmlosen Spielen; nie werden wir alt; nicht gibt es Streit bei uns noch neidischen Kampf.«

Der König und seine Mannen wunderten sich gar sehr, denn wohl vernahmen sie dies Gespräch, doch niemand sah das Mädchen, als Connla allein.

Der König sprach: »Mit wem sprichst du, mein Sohn?« Da gab sie für den Knaben die Antwort: »Mit einem holden, edelgeborenen Fräulein spricht Connla, das niemals sterben wird, noch altern. Ich liebe Connla und kam, ihn mit mir zu nehmen nach Moymell, der Ebene nie endender Wonne. Und wenn er mit mir kommt, soll er König sein und für immer herrschen im Feenland, ohne Kummer und Sorge. Komm mit mir, o zarter Connla mit dem goldenen Haar! Komm mit mir, Connla, mein Lieb, und ewig soll deine Schönheit und Anmut währen, frei von des Alters Furchen, bis zum furchtbaren Tag des Gerichts!«

Da erschrak König Conn gar sehr, der Hundert-Kämpfer, und rief nach Coran, seinem Druiden, damit er gegen den Zauber des Elfenmädchens seine magische Kraft gebrauche.

»Oh Coran, Mann der mystischen Kunst und der starken Zauberworte, hier ist Gefahr, wie ich sie nie bestand, seitdem ich König ward zu Tara – Gefahr von einem unsichtbaren Fräulein, das meinen Sohn ins Feenland lockt mit unheilvollem Zauber. Ihre List ist stärker als meine Weisheit, nicht kann ich ihrer Kraft widerstehen. Und wenn du, Coran, nicht hilfst, so wird mir mein Sohn verführt von der lockenden Hexenkunst des Mädchens von den Elfenhügeln!«

Coran, der Druide, trat vor und erhob gegen die Stimme des Elfenmädchens laute Beschwörungen. Und an jenem Tage war seine Macht größer als die ihre; so mußte sie fliehen.

Aber bevor sie sich von dannen wandte, warf sie Connla einen Apfel zu; gleichzeitig entschwand ihr holdes Bild seinen Augen. Und der König und seine Mannen vernahmen ihre Stimme nicht länger.

Der König und Connla, der Prinz, kehrten zur Burg zurück, gefolgt von ihren Mannen. Und Connla blieb einen Monat ohne Speise noch Trank, außer dem Apfel. Von dem aß er jeden Tag und doch wurde er nicht weniger, nein, blieb rund und voll, wie er anfangs gewesen. Und wenn sie dem Prinzen andere Speise und anderen Trank boten, er wies sie zurück; denn neben dem Apfel schien ihm andere Speise des Kostens nicht wert. Und er war traurig und trübe, der holden Elfenmaid im Herzen gedenkend.

Da der Monat zu Ende war, stand Connla an seines Vaters Seite unter den Edlen auf dem Feld von Arcomin. Da sah er wieder das Fräulein, das von Westen her ihm nahte. Und als sie näher gekommen, sprach sie also zu ihm:

»Einen glorreichen Platz, fürwahr, hat Connla unter elenden Sterblichen, kurzlebigen, die des Todes Streichen entgegenharren. Jedoch das ewig junge Volk Moy-mells, das nie Alter erleidet, das Tod nicht fürchtet, sieht dich Tag für Tag in deines Vaters Hofversammlung unter den Freunden und sieh, es liebt dich mit seltsamer Liebe. Kommst du mit mir, so wollen sie dich zu ihrem König machen über das Land.«

Als der König die Worte des Fräuleins hörte, befahl er seinen Leuten, aufs neue den Druiden zu rufen und sprach:

»Bringt Coran, meinen Druiden vor mich; denn ich sehe, das Elfenfräulein hat wieder an diesem Tage die Kraft ihrer Stimme zurückgewonnen!«

Auf dieses sprach das Fräulein: »Tapferer Recke Conn, Kämpfer gegen hundert, geringe Ehre hat der Druiden Glaube unter des Landes starkem, zahllosem, aufrechtem Volk. Wird das rechte Gesetz erst wieder aufgerichtet, so wird es die Lippen des schwarzen falschen Dämons versiegeln. Und seine Druiden sollen nicht länger Macht besitzen, ihren schnöden Zauber im Lande zu üben.«

Nun beobachtete der König und verwunderte sich sehr, daß sein Sohn, war das Fräulein zugegen, nie ein Wort zu irgendeinem sprach, ob sie auch oft und oft ihn anredeten. Und als das Fräulein ihre Rede beendet, sagte der König:

»Connla, mein Sohn, haben des Fräuleins Worte deinen Sinn gewandelt?«

Da sprach Connla und erwiderte: »Sehr unglücklich bin ich, mein Vater; über alles liebe ich dich und die Deinen; doch Trauer erfüllt mein Herz, gedenk' ich des Fräuleins!«

Und als Connla so gesprochen, wandte das Fräulein sich wieder zu ihm und mit süßer, süßer Stimme sang sie diese Worte:

Dies ist der Sang der Elfenmaid für Connla, den Prinzen mit dem goldenen Haar:

Ein Land, wo die Jugend dich nimmer verläßt,
Ein Land ohne Kummer und Sorgen,
Es liegt gar fern im goldenen West,
Vom Blaumeer geschützt und geborgen.
Ein flinker Kahn, aus Kristall so hell
Wie es sterbliche Augen nie sah'n –
Wir erreichen das Eiland, erreichen es schnell
Im starken und hurtigen Kahn.
Wir erreichen den Strand,
Das sonnige Land;
Dort macht kein Druide dir Sorgen.
Das Land, wo die Jugend dich nimmer verläßt,
Im goldenen West,
Vom Blaumeer geschützt und geborgen.
Ein leuchtendes Land der Ströme, der grünen Täler, der Au'n;
Dort sollst du das leblange Jahr lang nur strahlenden Sommer schaun.
Ein friedliches Land der Blüten, voll lachender Sonne Strahlen,
Dort gibt es nicht Tod, nicht Krankheit, nicht Greisentums Qualen.
Das Land der Jugend,
Der Liebe und Tugend,
Das Land ohne Kummer und Sorgen.
Das Land, wo die Schönheit dich nie verläßt,
Im goldenen West,
Vom Blaumeer geschützt und geborgen.

Viel fremde Wonnen für Menschen birgt dieses Eiland im West,
Wo sich am Abend die Sonne zur Ruhe herniederläßt.
Und schien es auch fern
Wie ein matter Stern
Den Schiffen, die spähend es sahn,
Dort eilen wir hin
Vor des Abends Beginn
In meinem kristallenen Kahn.
Und dies vielschöne Land,
Den grünenden Strand,
Du nimmer und nimmer verläßt,
Das Land ohne Sorgen,
Im Blaumeer geborgen,
Das Land im goldenen West.

Retten wird es dich, Connla, mein Prinz mit dem goldenen Haar,
Retten wird es dich von Druidentrug und aller Zaubergefahr;
Retten wird mein Kristallboot dich und tragen zum fernen West,
Bis wir die Insel erreicht, wo uns der Liebe Glück nimmer verläßt.
Vor des Druiden Zauberspruch,
Vor seinem düsteren Zauberbuch,
Vor des dunklen Zaubers Gefahr,
Vor Dämonen, der Hölle entsandt,
Retten wird es dich, Connla, mein Prinz mit dem goldenen Haar,
Retten wird mein Kristallboot dich und tragen zum Silberstrand,
Wo du herrschest im ewigen Glück, König vom Feenland.

Als die Maid ihren Zaubergesang vollendet hatte, da schritt Connla jählings weg von seines Vaters Seite und sprang in den Kahn, das glitzernde, starke, geradegleitende Boot aus Kristall. Da sahen der König und seine Mannen, wie sie ganz fern und verschwimmend über die helle See flogen, der untergehenden Sonne entgegen. Traurig starrten sie ihnen nach, bis sie am äußersten Rande des Bootes Anblick verloren. Und keiner kann künden, wohin sie gefahren, denn nie hat man Connla wiedergesehen im heimischen Land.

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