Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Brüder Grimm >

Irische Elfenmärchen

Brüder Grimm: Irische Elfenmärchen - Kapitel 4
Quellenangabe
titleIrische Elfenmärchen
authorJacob und Wilhelm Grimm
typefairy
year1987
isbn3-458-32688-X
publisherInsel
senderA. Haunstetter
Schließen

Navigation:

Die Elfen in Schottland

Zu Grund liegt: The popular superstitions and festive amusements of the Highlanders of Scotland. Edinburgh 1823. von W. Grant Stewart, ein, wie es scheint, in Deutschland noch unbekanntes Buch, von welchem auch der Sammler der irischen Sagen nichts scheint gewußt zu haben; gleichwohl ist es äußerst schätzbar durch den Reichtum und die Vollständigkeit der darin aufbewahrten mündlichen Überlieferungen.

Benutzt ist die Abhandlung über Elfen in dem zweiten Bande von Walter Scotts Minstrelsy of the Scottish Border. 4te Aufl. Edinb. 1810. II.S .109-183, und die Einleitung I. 99-103. dessen Noten zur Lady of the Lake, Graham's Sketches of picturesque Scenery on the southern confines of Perthshire. p. 107-118. Jamieson in den Illustrations of northern antiquities I. 404-406. Allan Cunningham traditional tales Lond. 1822. II. 89.-122. was alles jedoch gegen jenes erstgenannte Werk nicht bedeutend ist.

1. Abkunft.

Die Elfen heißen Doane Shi: friedliche Leute, gute Leute. Es sind ihrem Ursprunge nach Engel, die des Lichtes teilhaftig waren, die aber, weil sie sich von dem Teufel verführen ließen, in unzähliger Menge vom Himmel herabgestoßen wurden. Sie müssen bis zum jüngsten Tag über Berge und Seen wandern, wissen nicht, wie ihr Urteil lauten wird, ob sie begnadigt oder verdammt werden, fürchten aber das schlimmste.

2. Gestalt.

An Schönheit kommt kein anderes überirdisches Wesen den Elfen gleich und es scheinen sich darin noch Spuren ihres ursprünglichen Zustandes erhalten zu haben.

Sie sind im Ganzen klein von Gestalt, aber außerordentlich wohl gegliedert. Die Elfinnen besonders sollen die reizendsten Wesen von der Welt sein. Ihre Augen glänzen wie Sterne, auf ihren Wangen ist weiß und rot auf das zarteste gemischt, ihre Lippen gleichen Korallen, ihre Zähne dem Elfenbein und ein Überfluß von dunkelbraunem Haar hängt in Locken über ihre Schultern. Ihre Kleidung ist einfach und grün. Sie erzürnen, wenn Sterbliche diese Farbe tragen, die eben deshalb sie auch für eine unglückliche halten. In den Hochlanden ist es gewöhnlich wollenes Zeug. An Sümpfen hat man sie manchmal heidebraun gesehen oder in Kleidern, die mit Steinflechte gefärbt waren.

3. Wohnung und Lebensweise.

Die Elfen sind ein geselliges Volk, leidenschaftlich den Vergnügungen und Lustbarkeiten ergeben. Selten leben sie paarweise beisammen, sondern schwärmen in Haufen umher und jeder Haufe hat eine bestimmte Wohnung oder Aufenthaltsort, wo sie sich nach Umständen versammeln und welcher Tomhan oder Shian heißt. Diese Wohnungen befinden sich gewöhnlich in den Höhlen und Abgründen wilder und rauher Gegenden. Sie sind aus Stein in der Gestalt unregelmäßiger Türmchen gebaut, und so fest und dauerhaft, daß sie Felsenstücken oder Erdhügeln ähnlich sehen. Türen, Fenster und Rauchfänge sind so künstlich verborgen, daß das bloße Auge bei Tag sie nicht erblicken kann, doch in dunkler Nacht verrät sie das glänzende Licht, das herausbricht. In Perthshire bewohnen sie runde Grashügel, bei welchen sie im Mondschein tanzen. Nicht weit von Lochcon ist ein Platz Coirshian genannt, welchen sie vorzüglich lieben; in der Nähe sieht man kegelförmige Erhöhungen, besonders eine oberhalb des Sees Katrine, an welcher nach Sonnenuntergang sich mancher fürchtet vorbei zu gehen. Man erblickt zuweilen ihre Spuren in Kreisen, die manchmal gelb und eingetreten, manchmal von dunkelgrüner Farbe sind, in diesen ist es gefährlich zu schlafen oder nach Sonnenuntergang gefunden zu werden. In solchen Versammlungen der Elfen herrscht Lust und Freude, denn dem Tanz sind sie vorzüglich ergeben und er ist eine ihrer Hauptbeschäftigungen. Sie haben dabei die lieblichste Musik. Ungeachtet dieser Fröhlichkeit sind die Elfen doch neidisch auf das vollkommenere und reinere Glück der Menschen und es liegt immer etwas dunkles und ängstliches in ihrer heimlichen Lust, so wie etwas falsches oder bloß scheinbares in dem Glanz ihrer Shians. Sie sind, wenn auch nicht durchaus boshaft, doch eigentlich grämliche und mißgünstige Wesen. Die Hochländer reden nicht gern von ihnen, besonders am Freitag, wo ihr Einfluß vorzüglich groß sein soll. Und weil sie unsichtbar zugegen sein könnten, spricht man immer nur mit Ehrerbietung von ihnen.

Manchmal reiten sie auch unsichtbar in einem großen Zug, wo das laute Geschrill der Zügel ihre Gegenwart verrät. Sie borgen wohl bei solchen Gelegenheiten Pferde aus den Ställen der Menschen, die man am Morgen keuchend und abgemattet darin findet, Mähnen und Schweif aufgelöst und verwirrt. Gewöhnlich sind ihre Pferde weiß wie Winterschnee.

4. Umgang mit Menschen.

Manchmal sind Menschen in die Wohnungen der Elfen gekommen, entweder von ihnen hineingelockt, oder wenn sie zu gewissen Zeiten die Türen dazu gefunden haben. Man glaubt in Perthshire, daß wenn jemand am Heiligen Abend allein neunmal um einen Elfenhügel gehe, linker Hand eine Türe offen stehen werde, durch welche er hinein gelangen könne. Ein Pächter in der Nachbarschaft von Cairngorm in Strathspey zog mit seiner Familie und seinem Vieh in den Wald von Glenavon, der als ein Sitz der Elfen bekannt ist. Zwei von seinen Söhnen, die in einer Nacht weit ausgegangen waren, ein paar verlorene Schafe zu suchen, kamen zu einem Shian von großem Umfang, zu ihrem Erstaunen strömte das glänzendste Licht aus unzähligen Spalten im Felsen, die das schärfste Auge niemals vorher daran entdeckt hatte. Neugierde trieb sie näher und von den entzückenden Klängen einer Geige bezaubert, wobei Ausbrüche der höchsten Lust sich hören ließen, versöhnten sie sich einigermaßen mit dem gefährlichen Ort. Der eine Bruder konnte, ohngeachtet der Abmahnungen des andern, seiner Neigung, an dem Tanz teilzunehmen nicht widerstehen und sprang endlich mit einem Satz in den Shian hinein. Der Andere, der ihm nachzuspringen nicht getraute, trat an eine der Spalten, rief dreimal, wie gebräuchlich, seinen Bruder mit Namen an und bat ihn dann aufs dringendste mit ihm, Donald Macgillivray, wieder nach Haus zu gehen. Alles war ohne Erfolg, Donald mußte die traurige Nachricht von dem Schicksal seines Bruders den Eltern bringen. Alle Mittel und Gebräuche, die man in der Folge noch anwendete, ihn der Gewalt der Elfen zu entziehen, waren vergeblich und man hielt ihn für verloren. Endlich gab ein weiser Mann dem Donald den Rat, wenn gerade ein Jahr und ein Tag vorbei sei, so solle er zu dem Shian zurückkehren, ein Kreuz in den Kleidern werde ihn vor der Macht der Elfen schützen, dann solle er getrost hineingehen, seinen Bruder im Namen Gottes zurückfordern und folge er nicht gutwillig, ihn mit Gewalt fortführen. Donald erblickt auch wieder Licht in dem Shian und vernimmt Musik und Freudengeschrei; nach furchtsamem Zögern tritt er endlich hinein und findet seinen Bruder, der in aller Lust einen hochländischen Tanz tanzt. Er eilt auf ihn zu, faßt ihn beim Kragen und beschwört ihn mit fortzugehen. Der Bruder willigt ein, will aber nur erst den Tanz beendigen, indem er behauptet, er sei erst eine halbe Stunde in dem Haus. Vergebens versichert ihn Donald, nicht eine halbe Stunde, bereits zwölf Monate verweile er hier, er würde es ihm, als er wieder bei seinen Eltern angelangt war, nicht geglaubt haben, hätten ihn nicht die groß gewordenen Kälber und die aufgewachsenen Kinder überzeugt, daß sein Tanz ein Jahr und einen Tag gedauert hatte.

Vor etwa dreihundert Jahren lebten in Strathspey zwei Männer, die wegen ihrer Geschicklichkeit auf der Geige berühmt waren. Es trug sich zu, daß sie einmal zu Weihnachten nach Inverness gingen, dort ihre Kunst auszuüben. Sie bezogen alsbald eine Wohnung, machten ihre Ankunft bekannt und boten ihre Dienste an. Bald darnach bestellte sie ein alter Mann von ehrwürdigem Ansehen mit grauen Haaren und einigen Runzeln im Gesicht, aber von freundlichem, artigem Betragen. Sie begleiteten ihn und kamen zu der Türe eines etwas seltsamen Hauses; es war Nacht, doch konnten sie leicht bemerken, daß das Haus in keiner ihnen bekannten Gegend stand. Es glich einem Tomhan in Glenmore. Die freundliche Einladung und der Klang des Geldes überwand ihre Bedenklichkeiten und alle Furcht verschwand bei dem prächtigen Anblick der Versammlung, in welche sie eintraten. Die süßeste Musik munterte zur größten Lust und Freude auf der Boden zitterte unter den kühnen Sprüngen der Tänzer. Beide Männer brachten die Nacht auf das angenehmste zu und als das Fest beendigt war, beurlaubten sie sich, sehr erfreut über die gute Behandlung, die sie erfahren hatten. Aber wie groß war ihr Erstaunen, als sie, aus dieser wunderlichen Wohnung heraustretend, fanden, daß sie aus einem kleinen Berge kamen und alles was gestern noch neu und glänzend gewesen, zerfallen und von der Zeit verwüstet war, während sie seltsame Neuerungen in Tracht und Sitten an der großen Menge Zuschauer bemerkten, welche ihnen voll Verwunderung und Bestürzung nachfolgten. Als man sich endlich gegenseitig verständigte, kam man auf die Vermutung, daß die beiden Musikanten bei den Bewohnern von Tomnafurich, wo sich die Elfen aus der Nachbarschaft zu versammeln pflegten, müßten gewesen sein. Ein alter Mann, den der Auflauf herbeigeführt, sagte nach Anhörung der Geschichte:

»Ihr seid die beiden Männer, die bei meinem Urgroßvater wohnten und welche, wie man glaubte, von Thomas Rymer nach Tomnafurich verlockt wurden. Eure Freunde beklagten Euch sehr, doch hundert Jahre, die seitdem verflossen sind, haben Eure Namen in Vergessenheit gebracht.« Die beiden Männer, erstaunt über das Wunder, das Gott an ihnen getan hatte, gingen, da es Sonntag war, in die Kirche; sie saßen da und hörten eine Weile dem Geläute der Glocken zu, als aber der Geistliche zu dem Altar trat, seiner Gemeinde das Evangelium zu verkündigen, wunderbar ist es zu sagen, so zerfielen sie bei dem ersten Wort, das aus seinem Munde kam, beide in Staub.

Was die Art und Weise betrifft, wie jemand wieder aus der Gewalt der Elfen zu befreien ist, so sind die Überlieferungen darüber verschieden. Der gemeinen Meinung nach muß es binnen Jahr und Tag geschehen und diese Tat kann nur am Heiligen Abend bei dem jährlichen, feierlichen Zuge der Elfen vollbracht werden. Wer von den Leckerbissen, die ihm vorgesetzt werden, das geringste genießt, verwirkt dadurch die Gesellschaft der Menschen und ist an die Elfen gebunden. Man glaubt, wer einmal in ihre Gewalt gefallen sei, dem werde es erst nach sieben Jahren erlaubt, zu den Wohnungen der Menschen zurückzukehren. Nach abermals verflossenen sieben Jahren verschwindet er wieder, und wird dann selten noch einmal unter den Sterblichen erblickt. Die Berichte, welche sie von ihrer Lage geben, sind verschieden. Nach einigen führen sie ein Leben ohne Rast und Ruhe und schweifen im Mondschein umher, nach andern bewohnen sie eine entzückende Gegend; aber schrecklich ist ihre Lage dadurch, daß einer oder mehrere jedes siebente Jahr dem Teufel geopfert werden.

Die Frau eines Pächters in Lothian war in die Gewalt der Elfen geraten und während des Probejahrs erschien sie mehrmals den Sonntag in der Mitte ihrer Kinder und kämmte ihre Haare. Bei dieser Gelegenheit ward sie von ihrem Ehemann angeredet, sie erzählte ihm das traurige Ereignis, welches sie getrennt hatte und gab ihm die Mittel an, wie er sie wieder gewinnen könnte; sie ermahnte ihn dabei all seinen Mut zusammen zu nehmen, indem ihr zeitliches und ewiges Wohl von dem Erfolge seines Unternehmens abhinge. Der Pächter, der seine Frau herzlich liebte, ging am Heiligen Abend hinaus und wartete mitten auf einem Heideplatz ungeduldig auf den Zug der Elfen. Als die Zügel schallten und wilde übernatürliche Laute der Reiter, verließ ihn der Mut und der geisterhafte Zug ging, ohne daß er ihn zu stören wagte, an ihm vorüber. Als der letzte vorbeigeritten war, verschwand der ganze Haufe unter Gelächter und Freudengeschrei, zwischen welchem er deutlich die Stimme seines Weibes erkannte, jammernd, daß er sie nun auf immer verloren habe. –

Eine Frau war in die Wohnungen der friedlichen Leute entführt und dort von jemand erkannt worden, der sonst ein sterblicher Mensch gewesen, aber nun den Elfen zugesellt war. Dieser Bekannte, welcher noch etwas menschliches Wohlwollen behalten hatte, warnte sie vor der Gefahr und riet ihr, wenn ihr die Freiheit lieb sei, sich eine bestimmte Zeit lang alles Essens und Trinkens mit den Elfen zu enthalten. Sie befolgte den Rat und als die Zeit herum war, so befand sie sich wieder auf der Erde unter den Menschen. Es wird noch erzählt, daß die Speisen, die ihr dargereicht wurden, und ihr so verführerisch in die Augen leuchteten, bei näherer Untersuchung, nun als der Zauber vorüber war, aus nichts als Erdknollen bestanden hätten. –

Die Elfen hatten ein neugeborenes Kind in ihren Shian gebracht und holten hernach auch die Mutter, damit sie wenigstens ihr eigenes Kind säuge. Eines Tags während dieser Zeit bemerkte die Frau, daß die Elfen geschäftig waren, allerlei Zutaten in einen siedenden Kessel zu werfen, mit der Mischung, so bald sie fertig war, sorgfältig ihre Augen bestrichen, das übrige aber zu zukünftigem Gebrauch aufhoben. Sie wollte nun, als alle abwesend waren, ihre eigenen Augen mit der köstlichen Salbe bestreichen, hatte aber nur Zeit, es mit dem einen zu versuchen, da die Elfen zu schnell zurückkehrten. Doch mit diesem einen Auge war sie von nun an im Stande jedes Ding zu sehen, wie es wirklich in den Shian kam, nicht wie bisher in trügerischem Glanz und Schönheit, sondern in seiner wahren Farbe und Gestalt. Die flimmernden Zierraten des Gemachs waren nichts weiter mehr, als Mauern einer dunklen Höhle. Bald darnach, als sie ihrer Pflicht ein Genüge getan hatte, wurde sie nach Haus entlassen, immer aber behielt sie die Gabe, mit ihrem gekräftigten Auge alles, was durch Trug entstellt vor sie kam, in seiner natürlichen Gestalt zu sehen. Eines Tages mitten unter dem Gedränge von Menschen erblickte sie von ungefähr den Elfen, in dessen Besitz sie ihr Kind gelassen hatte, obgleich er jedem andern Auge unsichtbar war. Von mütterlicher Liebe angetrieben, ging sie ohne Rücksicht auf ihn zu und erkundigte sich nach dem Wohlergehen ihres Kindes. Der Elfe, im höchsten Grad erstaunt, von einem sterblichen Menschen erblickt zu werden, fragte, wie es ihr möglich gewesen sei, ihn zu entdecken. Erschreckt von seinen furchtbaren Mienen, bekannte sie, was sie getan hatte. Er spie ihr in das Auge und es erblindete auf immer.Graham, der diese Sage aus Überlieferung mitteilt und welche, wie Walter Scott S. 122. versichert, ebenso in den schottischen Hochländern als in den Niederungen in Umlauf ist, hat nicht gewußt, daß Gervasius von Tilbury sie mit einigen Verschiedenheiten in den otiis imperial. erzählt. Es sind nur Wassergeister, zu denen die Frau kommt und wo sie ihr Auge mit Schlangenfett salbt.

Capitain George Burton teilte für Richard Bovets Pandämonium, welches 1684 erschien, folgendes mit.

»Vor etwa fünfzehn Jahren hielt ich mich in Geschäften zu Leith bei Edinburgh einige Zeit auf und fand mich mit meinen Bekannten öfters in einem anständigen Haus, wo wir ein Glas Wein tranken. Die Hausfrau erzählte mir eines Tages, in der Stadt lebe ein Elfenknabe, wie sie ihn nannte und als ich ihn zu sehen wünschte, zeigte sie mir ihn bald darnach und sagte:

'Schaut, Herr, jener dort ist es, der mit den andern Knaben spielt.'

Ich ging hin und durch freundliche Worte und ein Stück Geld bewog ich ihn, mit mir ins Haus zu gehen, wo ich ihm in Gegenwart der Leute verschiedene astrologische Fragen vorlegte, die er mit vieler Genauigkeit beantwortete und in allem, was er hernach noch sagte, zeigte er sich weit über sein Alter, da er nur zehn bis elf Jahre zu haben schien. Als er mit den Fingern auf den Tisch trommelte, fragte ich ihn, ob er die Trommel zu schlagen verstehe?

'Ja, Herr, so gut als einer in Schottland, jede Donnerstagnacht schlage ich sie für ein gewisses Volk, welches in jenem Berg (er meinte den großen Berg zwischen Edinburgh und Leith) zusammenzukommen pflegt.'

'Was für eine Gesellschaft ist das?' fragte ich.

'Eine große Gesellschaft von Männern und Frauen, die außer meiner Trommel noch mancherlei Art von Musik haben und Überfluß an Speisen und Wein; manchmal werden wir nach Frankreich oder Holland in einer Nacht geführt und auch wieder zurückgebracht und genießen dort die Vergnügungen des Landes.'

Ich fragte, wie man in den Berg komme?

'Durch zwei große Tore', antwortete er, 'die sich öffnen, andern aber unsichtbar sind, drinnen sind schöne, große Zimmer, so schön eingerichtet, wie irgendwo in Schottland.'

Ich fragte, wie ich wissen könne, daß das, was er sage, wahr sei? Er antwortete, er wolle mir mein Schicksal voraussagen, ich würde zwei Weiber haben und er sehe die Gestalt der einen auf meinen Schultern sitzen, beide wären schöne Frauen. Bei diesen Worten kam eine Frau aus der Nachbarschaft in die Stube und fragte ihn nach ihrem Schicksal. Er sagte ihr, sie würde zwei Kinder haben vor ihrer Verheiratung, worüber sie so aufgebracht wurde, daß sie nichts weiter hören wollte. Die Hausfrau sagte mir, alle Menschen in Schottland wären nicht im Stand, ihn von seinem Besuch in der Donnerstagnacht zurückzuhalten. Da ich ihm Aussicht auf ein größeres Geldgeschenk machte, versprach er mir nächsten Donnerstag Nachmittag sich in diesem Haus wieder einzufinden. Er kam wirklich und ich hatte mit einigen Freunden verabredet, ihn von seinem nächtlichen Gang abzuhalten. Er saß zwischen uns und beantwortete verschiedene Fragen bis gegen elf Uhr, wo er unbemerkt sich entfernte, doch ihn sogleich vermissend sprang ich zu der Türe, hielt ihn fest und brachte ihn wieder zurück. Wir bewachten ihn alle, aber plötzlich war er wieder draußen vor der Türe. Ich folgte ihm nach, auf der Straße machte er ein Geräusch, als wenn er wäre ergriffen worden und von der Zeit an sah ich ihn nicht mehr.«

Die Elfen sollen in ihrer Verbindung mit Menschen manchmal sündlichen Neigungen und Begierden unterliegen, wovon die Folgen nicht ausbleiben. Vor langer Zeit lebte in der Nachbarschaft von Cairngorm in Strathspey eine Wehmutter. Eines Abends spät, als sie eben im Begriff war zu Bett zu gehen, klopfte jemand heftig an ihre Türe. Sie öffnete und fand einen Mann zu Pferd, der sie bat unverzüglich mit ihm zu reiten, weil das Leben einer Frau in Gefahr sei. Er gestattete ihr nicht einmal, sich besser anzukleiden, sondern sie mußte so wie sie war auf seinem Schimmel hinten aufsitzen. Sie flogen davon und er gab ihr auf ihre Fragen keine andere Antwort, als daß sie für ihre Mühe reichlich sollte belohnt werden. Als sie ängstlicher wurde, sagte der Elfe: »liebe Frau, ich führe Euch in ein Elfenhaus, wo Ihr einer Elfin beistehen sollt, aber ich versichere Euch, bei allem was heilig ist, Euch soll kein Leid widerfahren, sondern sobald euer Geschäft beendigt ist, sollt Ihr wohlbehalten wieder nach Hause gebracht werden und eine Belohnung erhalten, wie Ihr sie nur wünschen mögt.« Der Elfe war ein hübscher, junger Bursche, dessen Offenherzigkeit und freundliches Wesen ihr die Furcht benahm. Sie entband die Elfin von einem schönen Knaben, worüber alles in Freude war; sie verlangte und erhielt zur Belohnung, daß sie und ihre Nachkommen immer glücklich in diesem Beruf sein sollten.

5. Kunstfertigkeit.

Die Elfen besitzen große Kräfte und wissen sie klug anzuwenden. Sie sind die geschicktesten Handarbeiter von der Welt und jeder Elfe vereinigt in seiner Person die verschiedenartigsten Fertigkeiten; er ist sein eigener Weber, Schneider und Schuhmacher.

Ein Weber ward einmal Mitternachts durch ein starkes Geräusch aus seinem Schlaf aufgeweckt. Als er aus dem Bett sah, erblickte er seine Stube voll arbeitender Elfen, welche sich seines Werkzeugs ohne Umstände bedienten. Sie waren beschäftigt einen großen Sack der feinsten Wolle in Tuch zu verwandeln. Der eine kämmte, der andere spann, der dritte webte, der vierte preßte und das Geräusch, bei diesen verschiedenen Beschäftigungen, so wie die Ausrufungen der Elfen, verursachten den gewaltigsten Lärm. Indessen, eh es Tag wurde, hatten sie ein Stück Tuch von mehr als fünfzig Ellen zustand gebracht und gingen davon, ohne dem Weber für den Gebrauch seines Geräts nur zu danken.

Ein Elfe nähte einem Bergschäfer ein paar Schuhe in der Zeit, wo dieser eine Mehlsuppe anrührte, und ein anderer rasierte einen Bekannten mit einem Messer nicht schärfer als eine flache Hand.

Als Baumeister haben sie nicht ihres gleichen; das beweisen schon ihre eigenen Wohnungen, denn diese sind so dauerhaft, daß sie einige tausend Jahr Wetter und Wind ausgehalten und an nichts gelitten haben, als etwa an Verstopfung des Rauchfangs.

Wunderwürdig sind die Bauten, die sie unter der Leitung des berühmten Baumeisters Michael Scott ausgeführt haben. Dieser pflegte in seiner früheren Zeit jährlich einmal nach Edinburgh zu reisen und sich dort nach Arbeit umzusehen. Einstmals befand er sich mit zwei Gefährten auf dem Weg dahin, sie mußten über einen hohen Berg, wahrscheinlich einen von den Grampians und ermüdet von dem Steigen ruhten sie oben aus. Bald aber wurden sie durch das Zischen einer großen Schlange erschreckt, die auf sie zu schoß. Michaels beide Gefährten ergriffen die Flucht, doch er beschloß mutig standzuhalten und als sie ihm eben den tödlichen Biß versetzen wollte, hieb er mit einem Streich seines Stocks das Ungeheuer in drei Stücke. Nachdem er seine erschrockenen Gesellen eingeholt hatte, setzten sie ihren Weg fort und kehrten bei anbrechender Nacht in das nächste Wirtshaus. Hier unterhielten sie sich über Michaels Abenteuer mit der Schlange, welches zufällig die Wirtin mit anhörte. Ihre Aufmerksamkeit schien erregt und als sie vernahm, daß die Schlange weiß gewesen sei, bot sie demjenigen, der ihr das Mittelstück holen wollte, eine ansehnliche Belohnung. Da die Entfernung nicht groß war, so machte sich einer von den dreien auf, er fand noch das mittlere und das Schwanzstück, das Stück mit dem Kopf war fort und hatte sich wahrscheinlich in das benachbarte Wasser geflüchtet, um nach Art der Schlangen, die mit Menschen gekämpft haben, sich wieder zu einem Ganzen herzustellen. (Merkwürdig genug, daß ein Mensch, der einen Biß von einer Schlange erhalten hat, unfehlbar geheilt wird, wenn er das Wasser vor der Schlange erreicht.) Als die Wirtin das Stück Schlange, welches beständig voll Leben zuckte, empfing, schrie sie schien im höchsten Grade darüber erfreut und setzte ihren Gästen das beste vor, das ihr Haus vermochte. Michael, neugierig was die Frau mit der Schlange anfangen wolle, erlitt plötzlich einen heftigen Anfall von Leibschmerzen, die nur dadurch gelindert wurden, daß er sich nah ans Feuer setzte, dessen Wärme ihm äußerst wohltätig schien. Die Wirtin merkte von der Verstellung nicht das geringste und da sie dachte, daß jemand, der an solchen Schmerzen leide, nicht leicht Neugierde empfinden und ihre Töpfe untersuchen würde, so erlaubte sie ihm gerne, die ganze Nacht neben dem Feuer zuzubringen. So bald die andern alle zu Bett waren, machte sie sich an ihr wichtiges Geschäft und Michael hatte Gelegenheit, durch das Schlüsselloch alles genau zu beobachten. Er sah wie sie unter Gebräuchen und Feierlichkeiten die Schlange mit geheimen Zutaten in einen Topf tat, welcher hierauf zu dem Feuer gebracht wurde, wo Michael lag, und bis zum Morgen kochen sollte. Ein oder zweimal in der Nacht kam die Frau unter dem Vorwand nach dem Kranken zu sehen und ihm eine Herzstärkung zu bringen; sie tauchte dann ihre Finger in die Pfanne mit Brühe, worauf der Hahn auf der Stange laut krähte. Michael verwunderte sich über diesen Einfluß der Brühe auf den Hahn und konnte der Versuchung, ihrem Beispiel zu folgen nicht widerstehen. Zwar kam ihm die Sache etwas verdächtig vor und er fürchtete, der Böse möchte mit im Spiel sein, doch zuletzt war seine Begierde mächtiger, als alle Vernunftgründe. Er tauchte mit dem Finger in die Brühe und berührte damit die Spitze seiner Zunge und sogleich verkündigte der Hahn das Ereignis in einem traurigen Ton. Michael empfing augenblicklich ein neues, ihm vorher völlig unbekanntes Licht und die erschrockene Wirtin hielt es für klug, ihn ganz in ihre Geheimnisse einzuweihen. Mit diesen übernatürlichen Kenntnissen ausgerüstet verließ Michael am andern Morgen das Haus. Er brachte bald einige tausend von des Teufels besten Arbeitsleuten in seine Gewalt, die er so geschickt in seinem Fach zu machen wußte, daß er die Bauten des ganzen Reichs übernehmen konnte. Von ihm rühren noch einige wunderbare Werke in dem Norden der Grampians, einige jener erstaunungswürdigen Brücken, die er in einer Nacht baute, während nur zwei oder drei Arbeiter dabei sichtbar waren. Einmal war ein Werk eben fertig geworden und seine Dienstleute drängten sich nach ihrer Gewohnheit zu seinem Haus und schrien: Arbeit! Arbeit! Arbeit! Verdrießlich über dieses unaufhörliche Quälen, rief er ihnen spottend zu, sie sollten einen Landweg bauen von Fortrose nach Arderseir über die Meerenge von Moray. Alsbald hörte das Geschrei auf und Scott, der es für unmöglich hielt die Aufgabe zu lösen, lachte sie aus und blieb zurück. Den andern Morgen bei anbrechendem Tag ging er hinaus ans Ufer, aber wie groß war sein Erstaunen, als er sah, daß das unerhörte Werk so weit bereits gediehen war, daß nur noch wenig Stunden zu seiner Vollendung nötig waren. In der Ungewißheit aber, wie viel Nachteil daraus für den Handel erwachsen würde, gab er Befehl, den größten Teil des Werks wieder zu zerstören und ließ nur zum Wahrzeichen und Andenken ein Stück zu Fortrose stehen, das der Reisende noch heutzutag erblickt. Die Elfen, abermals ohne Arbeit, kamen aufs neue mit ihrem Geschrei und Michael wußte mit allem Scharfsinn keine unschädliche Beschäftigung für sie aufzufinden, bis er endlich befahl: »geht und windet mir Seile, welche mich auf den Mond bringen und macht sie aus Mühlenschlamm und Meersand.» Das verschaffte ihm Ruhe und wenn es an anderer Arbeit fehlte, so schickte er sie ans Seil drehen. Zwar glückte es ihnen nicht, eigentliche Seile zu Stand zu bringen, allein man sieht doch bis auf diesen Tag an dem Meer noch Spuren ihrer Arbeit. Als Michael Scott einmal mit jemand in Streit geriet, der ihn beleidigt hatte, so schickte er ihn zur Strafe an jenen unseligen Ort, wo der Böse mit den seinigen haust. Der Teufel aber, ärgerlich daß Michael sich dergleichen Dinge herausnahm, zeigte dem Ankömmling die ganze Hölle, endlich auch zu seinem Trost das Lager, das er dem Michael bereitet hatte; es war mit allen erdenklichen Arten abscheulicher Bestien angefüllt, mit Kröten, Eidechsen, Blutigeln und eine gräuliche Schlange sperrte den Rachen auf. Zufrieden mit diesem Anblick kehrte der Fremde zur Oberwelt zurück, er erzählte, was er gesehen hatte und verhehlte auch niemand, was den Michael Scott dort unten erwarte, sobald er in die andere Welt werde hinübergegangen sein. Doch Michael verlor die Fassung nicht und erklärte, daß er den Teufel in seiner Erwartung betrügen wolle. »Wenn ich tot bin«, sagte er, »so öffnet meine Brust und nehmt mein Herz heraus. Steckt es an einem öffentlichen Platz, wo es jedermann sehen kann, auf eine hohe Stange. Soll der Teufel meine Seele haben, so wird er in Gestalt eines schwarzen Raben kommen und sie wegholen, soll sie aber gerettet werden, so wird sie eine weiße Taube holen; das soll Euch ein Wahrzeichen sein.« Sie taten bei seinem Tode, wie er verlangt hatte; ein großer, schwarzer Rabe kam von Osten mit großer Schnelligkeit, während mit gleicher Eile von Westen eine weiße Taube sich näherte. Der Rabe stieß wütend nach dem Herzen, fehlte und fuhr vorbei, die Taube aber, die zu gleicher Zeit anlangte, trug es unter dem Freudengeschrei der Zuschauer fort.

6. Gute Nachbarn.

Man bemüht sich mit den Elfen, die so große Macht haben und dabei so launenhaft sind, in gutem Vernehmen zu stehen. Obgleich schon alles Flüssige, was auf den Boden geschüttet wird, ihnen zukommt, so bestimmen manche ihnen absichtlich einen Teil von dem besten, was sie haben. Manchmal befinden sich die unterirdischen Wohnungen der Elfen in der Nähe der Menschen oder wie das Volk spricht: »unter der Türschwelle« und dann entsteht wohl ein Verkehr mit den Menschen durch Borgen und Leihen und andere freundliche Dienste. In dieser Eigenschaft werden sie gute Nachbarn genannt;Ähnlicher Rücksicht bedient sich das Volk sogar bei dem Teufel und nennt ihn »den guten Mann«. sie sorgen dann insgeheim für die Bedürfnisse ihrer Freunde und stehen ihnen in allen Unternehmungen bei, so lange ihre Gunstbezeugungen heimlich gehalten werden.

Ein Pächter in Strathspey war beschäftigt seine Ländereien zu besäen und sang dazu ein fröhliches Lied, als eine Elfin von großer Schönheit vor ihm erschien. Sie bat ihn, ihr zu Gefallen, ein altes gälisches Lied zu singen, als er das getan hatte, verlangte sie auch ein Geschenk an Korn. Er fragte, was sie ihm dafür geben wollte? Sie antwortete, wenn er ihren Wunsch erfülle, sollte es ihm an Saat so bald nicht fehlen. Er gab ihr ein hübsches Teil aus seinem Sack und sie entfernte sich. Bald ward er angenehm überrascht, als er bemerkte, daß der Sack, nachdem er einen großen Acker reichlich daraus besät hatte, nicht abnahm und an Größe und Gewicht noch ebenso war, als da er der Elfin begegnete. Er besäte noch einen andern Acker, ohne die geringste Verminderung zu spüren. Vergnügt ging er heim, aber sein geschwätziges Weib, das eine Zunge hatte und einen leeren Kopf, wie die Glocke im Kirchturm, hörte nicht auf, ihre Verwunderung über diese unerklärliche Natur des Sacks an den Tag zu legen, woraus die Hälfte ihrer Ländereien war besät worden. Nun ist bekannt, daß wenn man eine übernatürliche Macht anruft, der Zauber alsbald gebrochen wird. So geschah es auch hier, der Sack ward augenblicklich leer. »Du dummes Weib!« rief der geschlagene Mann, »hättest du deine verwünschte Zunge im Zaum gehalten, was der Sack wog, hätte Goldes Wert gehabt!«

Gottfried Macculloch ritt aus, als nahe bei seinem Hause ein kleiner alter Mann in grün gekleidet auf einem weißen Klepper sich zu ihm gesellte. Sie grüßten sich und der Kleine gab ihm zu verstehen, daß er unter seinem Haus wohne und sehr über die Richtung eines Kanals zu klagen habe, der sich gerade in sein bestes Zimmer ausleere. Macculloch stutzte über diese seltsame Bitte, doch da er die Natur des Wesens erriet, mit dem er es zu tun hatte, so versicherte er den alten Mann aufs freundlichste, daß der Kanal eine andere Richtung erhalten sollte und traf auch sogleich die nötigen Anstalten. Einige Jahre hernach (1697.) hatte Macculloch das Unglück einen benachbarten Edelmann im Streit zu töten; er wurde ergriffen und gerichtet. Das Blutgerüst, auf welchem ihm das Haupt sollte abgeschlagen werden, war schon auf Castlehill bei Edinburgh aufgebaut, aber kaum hatte er es erreicht, als jener kleine, alte Mann auf seinem weißen Pferdchen wie ein Blitz durch das Gewühl der Menschen daher drang. Macculloch sprang auf sein Geheiß hinten auf, »der gute Nachbar« spornte sein Pferd den steilen Abhang hinunter und weder er noch der Verbrecher wurden je wieder gesehen.

7. Boshafte Streiche.

Durch Notwendigkeit werden die Elfen nicht angetrieben die Menschen heimlich und mit List zu berauben, ein inneres Gelüsten scheint sie anzureizen. Der Wirbelwind ist nicht das einzige Kunststück, dessen sie sich bedienen, etwas zu stehlen, sie nehmen ihre Zuflucht zu andern, viel verderblichem und stiften Unglück, wie Feuersbrünste an, um daraus Vorteil zu ziehen.

Ein Elfenweib, das in den Türmen von Craig-ail-naic wohnte, bat eine Pächtersfrau in Delnabo um etwas Hafermehl zur Nahrung für ihre Familie mit dem Versprechen, es ihr in kurzem zurückzugeben, da sie selbst bald reichlich damit würde versehen sein. Die Frau aus Furcht erfüllte das Verlangen der Elfin, bewirtete sie der Sitte gemäß mit einem Schlückchen, Brot und Käse und gab ihr noch das Geleit. Als sie eine Anhöhe vor der Stadt hinaufstiegen, machte »die Banshi« Halt und mit sichtbarer Freude sagt sie der Frau, sie möge ihr Mehl wieder mit heim nehmen, sie wäre nun, wie sie erwartet hätte, versehen. Die Frau, ohne die Elfin zu fragen, woher sie denn Mehl erhalten habe, nimmt vergnügt das ihrige und geht zurück. Wie erstaunt sie aber, als sie wenig Minuten darnach den Kornboden einer benachbarten Meierei in vollen Flammen erblickt!

Ein Pächter, welcher die Meierei von Auchriachan, von Strathavon, inne hatte, suchte eines Tags seine Ziegen auf einem entfernten Berg in Glenlivat, als ein dicker Nebel ihm den Weg entzog und seine Sinne verwirrte. Jeder Stein war in seinen Augen groß als ein Berg, jeder kleine Bach schien in entgegengesetzter Richtung zu laufen und der arme Wanderer gab die Hoffnung auf, je wieder heim zu seinem Feuerherd zu gelangen. Beim Anbruch der Nacht setzte er sich nieder, ganz erstarrt und sein Ende erwartend, als er ein Lichtchen schimmern sah. Seine Glieder bekamen bei dem Anblick neue Kräfte, er raffte sich auf und eilte dem Licht zu. Dabei angelangt sah er, daß es ein wilder Ort war, den ein menschlicher Fuß schwerlich schon betreten hatte, doch faßte er sich Herz und trat zu der offenen Türe ein. Wie sank sein Mut, als er auf eine alte Bekannte stieß, deren Leiche er vor kurzem zu Grab geleitet hatte und welche hier, wie es schien, den Dienst einer Haushälterin versah. Sie sprang sogleich auf ihn zu und sagte ihm, daß es um ihn geschehen wäre, wenn er nicht in eine Ecke schlüpfe, wo er ausharren müsse, bis sich eine Gelegenheit finde zu entfliehen. Er befolgte ihren Rat, kaum war er dort versteckt, als eine unermeßliche Menge Elfen hereintrat, die von einer wichtigen Unternehmung zurückkamen, sehr hungrig waren und nach Speise schrien. »Was haben wir zu essen?« fragten sie. Da sagte ein alter, klug aussehender Elfe, der beim Feuer saß: »Ihr alle kennt und verabscheut den alten elenden Burschen zu Auchriachan, lumpig und geizig wie er ist, läßt er uns nichts zufließen und entzieht uns sogar, was uns gebührt. Von seiner alten Großmutter, der Hexe, hat er gelernt alles einzusegnen und in Schutz zu stellen und wir können nicht einmal Nachlese auf seinen Feldern halten, geschweige zu der Frucht selbst gelangen. Diese Nacht ist er nicht zu Haus, weil er seine Ziegen sucht, eure gute Bekannte«; (denn die Ziegen sollen in gutem Vernehmen mit den Elfen stehen und mehr wissen, als man dem Anschein nach glauben sollte) »seine nachlässigen Hausleute haben an die Sicherheitsmittel nicht gedacht, und wir können jetzt über all sein Eigentum schalten und walten; kommt, laßt uns sein Lieblingsrind zu unserm Abendessen holen!« »Wohlan«, riefen alle einstimmig, »Thomas Rymer hat Recht, der Pächter von Auchriachan ist ein erbärmlicher Wicht, wir holen sein Rind!« »Aber wo nehmen wir Brot her?« sagte ein anderer grauhaariger Elfe. »Wir nehmen auch sein frisch gebackenes Brot«, sagte der kluge Ratgeber, »er ist ein elender alter Bursche und sein Weib hat vergessen das Kreuz über den ersten Laib zu machen.« Das alles hörte der arme Mann in der Ecke und hatte noch den Verdruß mit anzusehen, wie sein Rind hereingeführt und geschlachtet wurde. Während alle sich mit Zubereitung des Fleisches beschäftigten, hatte die Alte Gelegenheit, ihn zu befreien. Als er herauskam, war der Nebel verschwunden, die Steine hatten ihre gewöhnliche Größe und der Mond schien so silberhell, daß er ohne Schwierigkeit den Weg nach Haus fand. Seine Familie empfing ihn mit großer Freude und die Frau, die glaubte, er würde hungrig sein, brachte Milch und frisch gebackenes Brot und lud ihn ein, es sich schmecken zu lassen, doch er ließ es stehen, denn er wußte, daß das Brot kein wahres Brot war, nur ein abscheulicher Trug. Er fragte nach seinem Rind und ob man es wie gewöhnlich vor böser Gewalt gesichert habe? »Ach nein, mein Vater, aus großer Sorge über Euch habe ich es vergessen.« »Ach!« rief der arme Mann, »mein liebstes Rind ist verloren!« »Wie?« sagte der Sohn, »ich sah es noch vor zwei Stunden.« »Das war nichts als ein trügerischer Balg von den Elfen, bring es schnell her, damit ich es wegschaffe.« Und unter den heftigsten Ausdrücken gegen die boshaften Betrüger führte er einen so kräftigen Streich auf des Rindes Stirne, daß es zu Boden fiel. Es lag zusamt dem Brot und weder Hund noch Katze mochten es anrühren.

8. Wechselbälge.

Zu den bösen Gelüsten der Elfen gehört auch die Neigung Kinder zu stehlen, wobei sie eine besondere Geschicklichkeit bezeigen. Oft haben sie einer unerfahrenen Mutter ihr liebes Kind am hellen Tag weggenommen und einen Wechselbalg an seine Stelle gelegt, dessen lügenhafte Krankheit und Tod die Last der armen Eltern noch schwerer machte. Aber auch dem Vater, der sein Kind mit aufs Pferd genommen hatte, haben sie es vom Arm weg gestohlen.

Zwei Männer von Strathspey pflegten eine Familie in Glenlivat wegen eines Nachts am sichersten zu treibenden Verkehrs mit gebranntem Wasser zu besuchen. Einmal als sie eben mit Zumessen in dem Hause dort beschäftigt waren, stieß das kleine Kind, das in der Wiege lag, einen heftigen Schrei aus, als wenn es ein Schuß getroffen hätte. Die Hausfrau schlug sogleich das Kreuz über das Kind und hob es aus der Wiege, die beiden Männer hatten aber nicht weiter Acht darauf und als ihr Geschäft zu Ende war, machten sie sich mit ihrer Ladung auf den Weg. In geringer Entfernung von dem Haus waren sie nicht wenig verwundert, ein kleines Kind ganz allein auf der Landstraße zu finden. Einer von ihnen nahm es auf den Arm, alsbald hörte es auf zu schreien und schlang mit großer Zärtlichkeit seine Ärmchen ihm um den Hals und lachte. Als sie es genauer betrachteten, erkannten sie das Kind ihres Freundes und hatten gleich Verdacht auf die Elfen, zumal sie sich des ausgestoßenen Schreis erinnerten. Sie hatten das rechte Kind entwendet und einen Wechselbalg an seine Stelle gelegt, aber als die Mutter ein Kreuz schlug, wurde jenes von der Gewalt der Elfen befreit, welche es alsbald verlassen mußten. Da beider Männer Zeit beschränkt war und sie nicht sogleich wieder umkehren konnten, um die geheimnisvolle Begebenheit aufzuklären, so setzten sie ihre Reise fort, sorgten aber bestens für den kleinen Findling. Vierzehn Tage nachher führten Geschäfte sie wieder nach Glenlivat, sie nahmen das Kind mit, verbargen es aber bei ihrer Ankunft. Die Hausfrau fing sogleich an über die hartnäckige Kränklichkeit ihres Kindes zu klagen, womit es seit ihres vorigen Besuches behaftet sei und die seinen Tod gewiß zur Folge haben würde. Während dieser Klagen stieß der Wechselbalg das erbärmlichste Geschrei aus, als hätten seine Schmerzen den höchsten Grad erreicht. Die Fremden hießen die Mutter gutes Mutes sein und sagten, sie solle das rechte Kind wieder haben frisch und gesund wie der Fisch im Wasser, das andere sei nichts als ein Wechselbalg. Die Mutter nahm ihr rechtes Kind mit Freuden in Empfang und die Fremden ließen ein Bund Stroh anzünden, um den Wechselbalg hinein zu werfen, welcher aber bei diesem Anblick durch den Rauchfang forteilte.

Will eine Mutter ihr Kind vor den Elfen sichern, so ist es gut, den Kopf desselben herunter hängen zu lassen, wenn sie es Morgens ankleidet. Ein roter Faden um den Hals geknüpft oder ein Kreuz schützt gleichfalls. Ist das Kind wirklich schon mit einem Wechselbalg vertauscht, so kann sie es auf folgende Art wiedererhalten. Der Wechselbalg wird da, wo drei Länder oder drei Flüsse zusammenstoßen, hingelegt und zwar ehe die Nacht einbricht, in der Nacht bringen dann die Elfen das gestohlene rechte Kind, legen es hin und nehmen das falsche mit fort.

An der Ostküste von Schottland hat man einen besonderen Gebrauch, die Gefahr abzuwenden. Im März bei zunehmendem Mond werden Zweige von Eichen und Efeu abgeschnitten und davon Kränze geflochten, die man bis zum nächsten Herbst aufbewahrt. Wenn hernach jemand abmagert oder ein Kind zusammenfällt, so läßt man es dreimal durch diesen Kranz gehen.

Aber die Elfen streben auch nach Frauen, die der Geburt eines Kindes entgegensehen und ebenso wie bei dem Diebstahl der Kinder, schieben sie ein falsches und lügenhaftes Wesen unter.

Zu Glenbrown im Kirchspiel Abernethy lebte Johann Roy, ein mutiger Mann. Eines Abends ging er über die Berge und geriet in einen Haufen Elfen, deren Art zu reisen schon anzeigte, daß sie jemand mit sich führten. Er erinnerte sich daran, daß ihm gesagt war, die Elfen müßten für eine, wenn auch geringere, zum Tausch dargebotene Gegengabe das, was sie hätten, loslassen. Johann Roy nahm seine Mütze ab, warf sie unter sie und rief: »Das meine ist euer, das eurige mein!« worauf die Elfen genötigt waren, die Mütze zu nehmen und ihren Raub aufzugeben, welcher in nichts anderem bestand, als einer schönen Frau, ihrer Tracht und Sprache nach von sächsischer Abkunft. Mit vieler Freundlichkeit führte sie Johann Roy in sein Haus, wo sie sieben Jahre lang mit der größten Aufmerksamkeit behandelt wurde. Sie gewöhnte sich nach und nach an ihren neuen Zustand und ward als ein Teil der Familie behandelt. Es ereignete sich, daß »der neue König« die große Landstraße in dieser Gegend durch Soldaten anlegen ließ. Johann Roy vergaß seinen Widerwillen gegen »einen Sachsen« und bot einem Hauptmann und seinem Sohn, welche eine Abteilung in der Nähe arbeitender Leute befehligten, bei sich ein Unterkommen an, das sonst schwer wäre zu finden gewesen. Beide, Gäste und Wirt, waren bald sehr miteinander zufrieden; nur war diesem unangenehm, daß jene seinen englischen Findling immer so aufmerksam betrachteten. Einmal sagte der Vater zu seinem Sohn: »Mir fällt die Ähnlichkeit dieser Frau mit meiner verstorbenen Gattin auf, zwei Schwestern können einander nicht mehr gleichen und wäre es nicht ganz unmöglich, so würde ich sagen, dies sei meine liebe, verstorbene Frau!« und nannte ihren Namen. Die Frau, aufmerksam auf ihr Gespräch, als sie ihren wahren Namen nennen hört, erkennt Gatten und Sohn, und fällt ihnen um den Hals. Die Elfen, die den Shian von Coirlaggack bewohnen, hatten eine Fahrt in das südliche England unternommen und sich kein Gewissen daraus gemacht, die Frau bei ihrer Entbindung zu stehlen. Eine falsche Gestalt ward an ihre Stelle gelegt, welche wenige Tage darnach starb und die der Mann, in der vollen Überzeugung, daß es die wahre Frau sei, begraben ließ.

9. Elfenkeil, Waffen und Geräte.

Die schändlichste Handlung der Elfen besteht aber darin, daß sie Menschen und Tiere mit einem Zaubergeschoß töten, gewöhnlich Elfenkeil (Elfbolt) genannt. Diese Keile sind verschiedener Größe, hart und gelblich, dem Feuerstein einigermaßen ähnlich, den sie allenfalls ersetzen könnten. Der Keil hat häufig die Form eines Herzens, dessen Ränder scharf gezahnt sind, gleich einer Säge. Diese tödliche Waffe werfen die Elfen nach Menschen und Tieren mit solcher Sicherheit, daß sie selten ihr Ziel verfehlen und wen sie einmal damit berühren, der ist verloren. So groß ist die Gewalt, womit er trifft, daß, so wie er seinen Gegenstand berührt, er auch augenblicklich ihm das Herz durchbohrt und eh man ein Auge zutut, liegt schon der Mensch oder das Tier tot und kalt auf der Erde. Und seltsam genug, ein gewöhnlicher Mensch ist nicht im Stand, die Wunde zu finden, wo er nicht die Kraft besitzt, die einige weise Leute fähig macht, dem Weg, den der Keil genommen hat, nachzuspüren und ihn in dem toten Körper zu entdecken. Hat man ihn gefunden, so muß man ihn sorgfältig bewahren, denn wer ihn besitzt, ist gegen einen solchen Tod gesichert.

Die rohen Streit-Äxte von Metall, welche man findet, haben Elfen verfertigt, die man in den Abgründen und Felsenhöhlen hämmern hört. Die durchbohrten und abgerundeten Steine, die sich durch Reibung in den Flußbetten bilden, sind Becher und Schüsseln der Elfen.

Manchmal schneidet der Wetterstrahl mit besonderer Regelmäßigkeit Stücke Rasen aus dem Boden, diese, glaubt man, hätten die Elfen herausgehoben.

10. Der Elfstier.

In den schönen Herbsttagen, wenn die Felder abgeerntet sind und eine Anzahl Vieh aus verschiedenen Meiereien zusammengebracht wird, so rennen die Tiere oft wie toll herum und brüllen, obgleich keine Veranlassung dieser Unordnung zu sehen ist. Blickt man aber durch ein Elfenastloch, oder durch die Öffnung, die ein Elfenkeil durch die Haut eines von dem Elfenschuß getroffenen Tiers gemacht hat, so kann man den Elfstier sehen, der sich mit dem stärksten Stier in der Herde stößt; doch man sieht hernach mit dem Auge nie wieder und mancher hat auf diese Art sein Gesicht verloren. Der Elfstier ist klein in Vergleich mit dem natürlichen, mausefarbig, hat gestutzte Ohren, kurze korkartige Hörner, kurze Beine, aber einen langen, geschwungenen Leib gleich einem wilden Tier; sein Haar ist kurz, glatt und glänzend, wie bei einer Otter. Dabei ist er übernatürlich mutig und stark. Er zeigt sich zumeist an den Ufern der Flüsse und frißt gern in der Nacht grünes Korn.

Ein Pächter, der bei einem Fluß wohnte, hatte eine Kuh, die niemals einen natürlichen Stier zuließ, aber jedes Jahr an einem bestimmten Tag im Mai regelmäßig von der Weide sich entfernte und langsam an den Ufern des Flusses wandelte, bis sie einer kleinen mit Gebüsch bewachsenen Insel gegenüber war, dann ging sie in den Fluß, watete oder schwamm zu der Insel, blieb dort eine Zeit lang und kam dann wieder auf die Weide zurück. Dies dauerte mehrere Jahre und jedesmal zu der gewöhnlichen Zeit warf sie ein Kalb, welches vollkommen dem Elfstier glich. Um Martini, an einem Vormittag, als das Korn unter Dach und abgemessen war, saß der Pächter beim Feuer und es war die Rede von dem, was zu Weihnachten sollte geschlachtet werden. Er sagte: »Die Kuh soll daran, sie ist wohlgenährt und hat im Pflug gute Dienste geleistet, die Ställe mit schönen Stieren angefüllt, wir wollen ihre alten Knochen jetzt abnagen.« Kaum hatte er diese Worte gesprochen, so drang die Kuh mit ihren Jungen durch die Wände, als wenn sie aus braunem Papier beständen, ging um den Misthaufen herum, brüllte ein jedes ihrer Kälber an, und dann trabte sie hinaus, die Jungen hinter ihr drein, in einer Reihe nach ihrem Alter, dem Ufer zu, wo sie ins Wasser gingen, die Insel erreichten und in dem Gebüsch verschwanden. Man hörte noch sah je etwas von ihnen.

11. Meer-Elfen.

An der Nordküste von Schottland lebte ein Mann, der sich mit dem Fischfang abgab und vorzugsweise jene seltsamen Geschöpfe fing, die man Seehunde nennt, deren Häute ihm gut bezahlt wurden. Aber die meisten sind nicht Hund oder Fisch, sondern ganz eigentlich Elfen. Eines Tages, als der Fischer von seinem Gewerbe heimkam, wurde er von einem Manne angerufen, der ihm fremd vorkam und sagte, er sei von jemand abgeschickt, der mit ihm einen Handel über eine Anzahl Seehundsfelle schließen wolle, daß er ihn aber sogleich zu dieser Person begleiten müsse. Der Fischer, erfreut über die Aussicht auf einen guten Handel, willigt ein und beide besteigen zwei dem Fremden zugehörige Pferde und reiten so geschwind, daß der Wind, der ihnen vom Rücken her kommt, wegen der Schnelligkeit ihrer Bewegung ins Gesicht zu blasen scheint. Als sie bei einem furchtbaren in die See hinein ragenden Abhang angelangt sind, sagt der Führer, sie wären jetzt an dem Ort ihrer Bestimmung, ergreift den Fischer mit übernatürlicher Kraft und stürzt sich mit ihm gerade ins Meer hinein. Sie sinken und sinken, bis sie endlich auf dem Grund zu einer offenen Türe gelangen, durch welche sie in eine Reihe von Gemächern treten, alle mit Seehunden angefüllt, die aber sprechen und menschliche Empfindung zeigen; zuletzt bemerkt der Fischer zu seinem höchsten Erstaunen, daß er selbst, ohne es zu wissen, in einen Seehund verwandelt worden ist. Sein Führer zog ein ungeheures Messer hervor und er glaubte sein Ende sei gekommen, aber jener beruhigte ihn und fragte, ob er das Messer nicht mehr gesehen habe? Er erkannte sein eigenes, womit er heute einen Seehund getroffen hatte, welcher ihm entwischt war. »Dies war mein Vater«, sagte der Führer, »er liegt gefährlich darnieder und kann ohne deine Hilfe nicht genesen.« Er führte den vor Angst zitternden Fischer zu dem Kranken, der in großen Schmerzen auf dem Bette lag; der Fischer mußte ihm mit eigener Hand die Wunde verbinden, worauf er unmittelbar hergestellt wurde und von seinem Lager aufstand. Die Trauer verwandelte sich in allgemeine Lust und Freude. Der Führer sagte zu dem Fischer: »Ich will dich selbst zu den deinigen zurückbringen, nur mußt du geloben, dein Lebtag keinen Seehund mehr zu töten.« Beide schwammen wieder aufwärts, bis sie die Oberfläche des Meers erreichten und bei dem Platz landeten, wo die Pferde schon bereit standen. Der Führer hauchte den Fischer an, und sie erhielten beide die menschliche Gestalt. Bei seiner Haustüre empfing der Fischer ein so großes Geschenk, daß er es nicht zu bedauern brauchte, seinem Handwerk entsagt zu haben.

12. Der Brownie.

Er spricht niemals von seiner Abkunft, doch scheint er, im Ganzen betrachtet, zu den Elfen zu gehören. Er ist von Gestalt nicht so schlank, aber wohlgewachsen und artig, dagegen ihn andere als mager und zottig schildern. Den Namen hat er von seiner besonders braunen Farbe. Er ist arbeitsam, auf den Vorteil seines Herrn bedacht und immer zur Hand, nach einigen Tag und Nacht, nach andern liegt er bei Tag in seinem Winkel versteckt und arbeitet bei Nacht. Alles tut er für magere Kost und zuweilen ein abgelegtes Kleidungsstück; ja er pflegt bei jeder anderen Belohnung zu verschwinden. Ein so wohlfeiler und nützlicher Diener ist also sehr schätzenswert, aber durch Geld nicht zu erkaufen. Er bleibt bei einer Familie, so lange noch ein Glied von ihr lebt und ist daher das Erbstück eines alten und geehrten Stammes. Neben beispielloser Treue wacht er unermüdlich für den Vorteil des Herrn und fördert ihn; und seine Dienste werden noch durch die Gabe, die Zukunft voraus zu verkündigen, erhöht. Über die Hausleute hält er genaue Aufsicht und berichtet ihre guten und bösen Handlungen, weshalb er auch selten in gutem Vernehmen mit ihnen steht; wird er ihrer Gunst überlassen, so erhält seine Treue aller Wahrscheinlichkeit nach keine sonderliche Belohnung. Will der Herr aber für seinen Vorteil sorgen, so muß er zusehen, daß der Brownie ordentlich Essen und Trinken erhält. Er streckt sich gerne nächtlich ans Feuer und wenn das Gesinde zu lange bei dem Küchenherd aufbleibt, so fürchtet er um seinen Platz zu kommen und erscheint manchmal an der Türe, als müsse er darauf sehen, daß sie zu rechter Zeit sich niederlegen, und ermahnt sie: »Geht zu Bette und verwahrt das Feuer!«

Eine Familie hatte einen Brownie und als die Hausfrau in Kindesnöten sich befand und der Knecht schnell nach Jedburg reiten und die Wehmutter holen sollte, aber sich nicht sehr beeilte, so schlüpfte der Brownie in den Überrock des Zaudernden, ritt auf dem besten Pferd des Herrn nach der Stadt, und nahm die Frau hinter sich. Während der Zeit war die Tweed, durch welche sie notwendig setzen mußten, angeschwollen; der Brownie, schnell wie ein Geist reitend, ließ sich nicht aufhalten. Er stürzte sich samt der erschrockenen alten Frau ins Wasser und kam glücklich mit ihr zu Haus an, wo man ihren Beistand erwartete. Nachdem er das Pferd in den Stall geführt hatte, wo man es nachher in einem sehr traurigen Zustande fand, ging er in die Kammer des Knechts und da dieser gerade im Begriff war, seine Stiefel anzuziehen, so versetzte er ihm ein paar tüchtige Hiebe mit seiner eigenen Peitsche. Ein so ausgezeichneter Dienst erregte die Dankbarkeit des Hausherrn und da er glaubte verstanden zu haben, daß der Brownie sich einen grünen Rock wünsche, so gab er Befehl einen solchen zu verfertigen und ihn an seinen Aufenthaltsort zu legen. Der Brownie nahm das Geschenk, war aber von dem Augenblick an nicht mehr zu sehen. Vielleicht begab er sich in seinem grünen Kleide zu den Elfen.

Der letzte Brownie, der im Wald von Ettrick bekannt war, wohnte in Bodsbeck, einem wilden und einsamen Grund, wo er ungestört lebte, bis die ängstliche Frömmigkeit einer alten Frau ihn auszuwandern nötigte, indem sie in seine Wohnung eine Schüssel mit Milch stellte und ein Stück Geld dabei legte. Nach diesem Wink sich zu entfernen hörte man ihn die ganze Nacht heulen und schreien: »Leb wohl, du liebes Bodsbeck!« welches er auf immer verlassen mußte.

Ehedem gehörte zu jeder ansehnlichen Familie ein Brownie, jetzt sind sie seltener geworden, die beiden letzten, die man in den Hochlanden gekannt hat, waren der alten Familie von Tullochgorm in Strathspey zugehörig. Es war Mann und Frau. Der Mann von heiterer, lustiger Gemütsart neckte oft die Leute; er war besonders darauf aus, nach den Vorübergehenden mit einem Klumpen Erde zu werfen, weshalb er den Namen Brownie-Clod erhielt. Gleichwohl war er bei aller guter Laune ziemlich einfältig und wurde von denen hinters Licht geführt, welchen er mitzuspielen gedachte. Das beste Beispiel ist ein Vertrag, den er mit den Knechten vom Tullochgorm einfältigerweise abschloß, worin er sich verbindlich machte, allein so viel Korn zu dreschen, als zwei Männer in einem ganzen Winter vermögen, wofür er einen alten Rock und eine Kappe von Kilmarnock, an welcher er großen Gefallen zu haben schien, erhalten sollte. Während die Knechte sich aufs Stroh legten und faulenzten, drosch der arme Brownie unaufhörlich. Kurz ehe der Vertrag zu Ende ging, legten die Burschen aus Dankbarkeit und Mitleiden den Rock und die Kappe in ein Kornmaß in die Scheune. Augenblicklich hörte er auf zu arbeiten und sagte höhnisch, da sie so einfältig gewesen wären und Rock und Kappe vor Beendigung der Arbeit gegeben hätten, so würde er sich hüten, noch eine einzige Garbe zu dreschen. – Die Frau dagegen, statt das Gelächter der Mägde zu sein, mit welchen sie arbeitete, war eine Art Gebieterin über sie. Sie stand selten in gutem Vernehmen mit ihnen, wegen der Treue, womit sie der Herrschaft jede Vernachlässigung der Pflicht anzeigte. Sie hatte einen großen Überfluß von Haaren auf dem Kopf, weshalb sie die haarige Mag (Maug Vuluchd) hieß. Sie war eine rechtschaffene und treffliche Haushälterin und besonders geschickt, bei Tisch aufzuwarten. Die Sorgfalt, womit sie immer unsichtbar den Tisch deckte, war für Fremde ein unterhaltender Anblick: das Verlangte kam wie durch die Luft geschwommen und setzte sich mit der größten Geschwindigkeit und Geschicklichkeit auf die Tafel; und an Reinlichkeit und Aufmerksamkeit war ihresgleichen nicht im ganzen Land.

 << Kapitel 3  Kapitel 5 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.