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Irische Elfenmärchen

Brüder Grimm: Irische Elfenmärchen - Kapitel 20
Quellenangabe
titleIrische Elfenmärchen
authorJacob und Wilhelm Grimm
typefairy
year1987
isbn3-458-32688-X
publisherInsel
senderA. Haunstetter
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XV. Elfische Tiere

Auf den Färöer glaubt man, daß große und fette Kühe und Schafe der Elfen unsichtbar unter dem übrigen Vieh weiden und daß manchmal ein Stück davon, oder einer ihrer Hunde, gesehen werde. Derselbe Glaube herrscht auf Island, man hält ihre Herden nicht für zahlreich, aber für sehr fruchtbar, sie zeigen sich nur, wenn es ihnen gefällt. In Norwegen treiben die Huldre Vieh vor sich her, das blau ist, wie sie selbst. Auch in Deutschland erzählt man von einer elfischen blauen Kuh, die voraus wußte, wenn Feinde sich näherten und den Menschen sichere Zufluchtsorte zeigte (Strack Beschr. von Eilsen. S. 7.). In Schweden treibt die Meerfrau schneeweißes Vieh auf Inseln und auf den Strand, da zu weiden (Schwed. Volksl. III. 148.) und die Elfenjungfrauen versprechen in einem Lied (das. III. 171. u. 173.) zwölf weiße Stiere.

Ausführlich ist die schottische Sage von dem Elfstier, gleichwohl schon sehr alt, denn bereits im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts muß sie in Island bekannt gewesen sein, wie aus der, in jene Zeit fallende Eyrbyggia-Saga (Cap. 63.) erhellt. Eine Kuh kam abhanden, man wollte sie auf der Weide mit einem Stier, der die Farbe eines Grauschimmels hatte (apalgrâr) und der offenbar dem mäusefarbigen Stier der schottischen Sage entspricht, gesehen haben. Im Winter findet sie sich auf einmal wieder vor dem Stall ein, ist trächtig und wirft gegen den Sommer ein Stierkalb, das so groß ist, daß sie beim Kalben umkommt. Eine alte blinde Frau, die in ihrer Jugend hellsehend gewesen war, ruft, als sie das Kalb brüllen hört:

»Das ist das Gebrüll eines Elfen und nicht eines lebendigen Wesens, ihr werdet wohl tun, es sogleich zu töten!«

Sie wiederholt ihren Ausspruch, dem aber wegen der Schönheit des Tiers nicht Folge geleistet wird. Es wächst gewaltig heran, brüllt zum Entsetzen und durchbohrt mit den Hörnern im vierten Jahr seinen eigenen Herrn.

Auch in Deutschland scheint der Elfstier nicht unbekannt gewesen zu sein. Im Simplicissimus (Buch V. Cap. 10.) wird erzählt, daß aus dem Mummelsee, (d.h. dem See der Wassernixen, denn sie heißen auch Muhmen, Mummeln, so wie die Landelfinnen Roggenmuhmen vgl. Nr. 89.) als Hirten ihr Vieh dabei gehütet, ein brauner Stier herausgestiegen sei und sich zu dem andern Vieh gesellt habe; doch ein Wassernixe sei ihm sogleich nachgefolgt, um ihn wieder zurückzutreiben, dem er aber nicht gehorchen wollen, bis ihm dieser gewünscht, es solle ihm sonst aller Menschen Leid ankommen, worauf beide sich wieder in den See begeben hätten. Man muß hiermit die irische Sage von der Kuh mit den sieben Färsen und die Schweizersage von dem gespenstischen Tier, das die Alpen verheerte und nur durch einen besonders dazu auferzogenen Stier gebändigt werden konnte (Deutsche Sagen Num. 142.), vergleichen.

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