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In seinen Fußstapfen

Auguste von der Decken: In seinen Fußstapfen - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorAuguste von der Decken
titleIn seinen Fußstapfen
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
year1891
isbn
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160605
projectid90b9b182
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Zwölftes Kapitel.

Man schreibt jetzt Anno 1636. Vierundzwanzig harte, kriegerische Jahre sind über die alte Stadt Lüneburg und die deutschen Lande dahin gezogen. Manches Leben ist vernichtet, mancher Besitz verwüstet und verloren. Zwar regt es sich noch von Gewerbefleiß und sorglichem Zusammenhalten des früher Erworbenen in der reichen Stadt, aber des zuströmenden Gewinns ist nicht mehr so viel, daß der Übermut davon groß gezogen werden könnte. Manche Pfannen im Salinhofe stehen kalt, teils weil man kein Holz durch die kriegerisch beunruhigte Gegend herbei schleppen kann, teils weil es an Absatz, an Handel und Wandel fehlt, und selbst die reichsten Sülfmeister-Familien beginnen ängstlich zu werden und zu sparen.

Bis jetzt hat man es noch verstanden, die Scharen der Vorbeiziehenden oder arg im Lande Hausenden den Wällen und Mauern der Stadt fern zu halten, mochten es nun Dänen, Schweden, Kaiserliche oder die Truppen des Herzogs Georg, des Defensors von Niedersachsen und hochberühmten Generals, gewesen sein. Aber die Schonung ist mit großen Abgaben erkauft worden. Die Forderungen des Rates an eine getreue Bürgerschaft haben kein Ende genommen, und die bittere Not hat an manche Thür geklopft. Viel ist verändert, manches aber auch neben dem Argen und Gewaltsamen in ruhigem Gedeihen verblieben.

Der »Graue Mann« steht noch, wie er stand. Vielleicht sind die Fugen und Risse der dicken Mauern etwas tiefer, die Epheuzweige, welche ihn umspinnen, mächtiger geworden. Auch das Vorderhaus sieht noch unverfallen blank und freundlich aus. Das Gärtchen ist gut gehalten, die Lindenlaube dicht begrünt und der alte Apfelbaum im Schutz des hohen Walles ist mit tausend rötlichen Blüten bedeckt. Auch die Bewohner sind noch dieselben, in ihrer Sippe hat sich nicht viel verändert, nur der alte Bruder Lucas ist längst abgerufen.

Im Turmzimmer befinden sich zwei Männer. Andreas Soltau, noch etwas kleiner als früher zusammengefallen, mit eisengrauem Haar und Bart, aber das Auge lebhaft und geistesklar, sitzt an seinem mit hundert Kleinigkeiten beladenen Arbeitstisch und blickt zu einem schlanken jungen Mann empor, der mit blitzenden Augen vor ihm steht.

»Warum habt Ihr mir nie von ihm gesprochen, Ohm?« fragt der Jüngling, und etwas wie verhaltenes Zürnen liegt in der frischen tönenden Stimme.

Verlegenes Lächeln und der Ausdruck von Trauer und sinnendem Ernst gleiten über das ehrwürdige Gesicht des gebeugten Mannes. Nach kurzer Pause, während welcher der Jüngling mit einem vom Tisch aufgegriffenen kleinen Hammer ungeduldig klopft, blickt Andreas zu seinem Schwestersohne auf. Der stille Schmerz in den hellen grauen Augen sänftigt des Hastigen Unruhe, er legt den Hammer leise zurück und lauscht der Rede des Alten mit voller Hingabe.

»Warum wir nie von meinem einzigen Freunde gesprochen haben, mein Knabe, weder ich noch deine Mutter, fragst du mich? Ja, Hans, es war wohl zumeist, dieweil – weil – es uns sehr weh gethan hätte, weil sich für uns beide sehr schmerzvolle Erinnerungen an den Tod dieses Mannes knüpfen.«

»Mein Vater hat ihn erstochen und ist vor dem Zorne des Bürgermeisters Töbing entflohen. Ihr seht, ich weiß alles, Ohm Dras.«

»Und wie bist du so plötzlich zu dieser Kunde aus alter vergessener Zeit gelangt, mein Hans?«

»Niklas Kröger –«

»Unschwer hätt' ich es erraten können;« der Alte wog nachdenklich das Haupt. »Eigentlich sollte mich es mehr wundern, daß er, mit dem du täglich zusammen arbeitest, dir nicht eher davon gesprochen, als daß er es nun endlich gethan.«

»So als hättet ihr euch verabredet, mich als dummen Knaben in Unwissenheit zu halten, hat auch er, der doch hier und zugegen war, wie alles geschehen, immerdar geschwiegen,« sagte Hans unmutig. »Dann heute, nicht nebenher und zufällig, nein ernstlich und überlegt nahm er Heinrich und mich beiseite und erzählte uns das große Begebnis. Ernstlicher als sonst sprach er von des Rates Unbill am kleinen Manne, vom hochmütigen Sülfmeister-Regiment und dann von ihm, ihm, deinem Freunde, jenem herrlichen Franz Töbing, dessen hohem Schatten ich meines grimmen Vaters Degenstich abbitten möchte, der mir dasteht als ein Held – als ein Vorbild – als ein Mann, den ich von ganzer Seele liebe!« Des Jünglings Gestalt richtete sich zur vollen Höhe, die breite Brust atmete tiefer. Das blaue Auge, in der Farbe dem der sanften Mutter ähnlich – aber weder durch den süß lächelnden Ausdruck des ihrigen noch durch das unstäte Flackern von seines Vaters Blick gekennzeichnet – flammte von innerem Glanz erhellt leblebhaft auf. Er hatte auch das blonde Haar Seuteminens, es fiel aber ihm in Locken und Ringeln um die Stirn; ungeduldig strich er's zurück, als er sich jetzt tief zu dem Alten herabneigte.

»Sie besteht noch, seine ›Getreue Brüderschaft‹,« sprach er triumphierend, »und jetzt weiß der Rat darum, läßts aber gehen, weil er zu machtlos ist, weil er aller Bürger guten Willen braucht, weil die Kriegszeit Töbing geholfen und die großmächtigen Herren mürbe gemacht hat!« Mit wahrem Jubelton hatte er dies hinaus gerufen und dann umfaßten seine beiden starken Hände des Alten Schultern und schüttelten ihn, während er sprach: »Freue dich mit mir, Ohm Dras, dein herzlieber Franz kommt zu Ehren, sein volles Recht, den Sieg seiner Sache will ich ihm schaffen und sollt' ich's mit meinen Fäusten vom Himmel reißen!«

»Unbändiger Gesell,« lächelte der Alte, halb erfreut und gerührt, halb von eigenartigem Schrecken durchrieselt. »Wie wild du bist. Laß dich warnen, mein Sohn. Ein Stärkerer als du ist in diesem Kampfe mit den Gewalthabern der Stadt vernichtet worden. Er, des reichen Bürgermeisters Sohn, wurde ein Ausgestoßener, weil er gleiches Recht – Herzensrecht, Machtrecht – für alle wollte. Wie solltest du, ein armer Buchdrucker-Gesell, das durchführen können, wobei jener Hochgeborene erlag? Gott wolle mir's gnädiglich sparen, daß ich nicht noch einmal meinen Liebling in solchem ungleichen Kampf zu Grunde gehen sehe!« Eine Thräne schimmerte in dem hellen Auge des Verwachsenen, als er schwieg.

»Ich denke nicht an unterliegen, so ich etwas angreife,« sagte der Jüngling, mit allem selbstgewissen, ungebrochenen Mut der Jugend und Kraftfülle, und dabei richtete er sich wieder hoch auf. Er besaß die stattliche Länge seines Vaters, aber wie behende und schnellkräftig erschien jede seiner Bewegungen. »Ich wäge, ehe ich wage und gehe sicher. Vor allem haben die Zeiten sich geändert. Wäre es damals, vor vierundzwanzig Jahren, denkbar gewesen, daß der Rat von Zusammenkünften der Brüderschaft gewußt und sie geduldet hätte? Jetzt muß er's. Kröger hat uns erzählt, wie sie in der ersten Zeit nach ihres Meisters Tode auseinander gefallen sind, wie scheu sich eine kleine Schar wieder zusammen gethan hat, wie Niklas Kröger endlich, weil er in seiner Liebe Töbings Worte am besten behalten, ihr Führer und Meister geworden ist, wie sie noch heute sich ›Franz-Brüder‹ nennen und im alten Geist und Sinn ihres Begründers zusammenkommen und reden.«

»Da sagst, sie treiben's öffentlich, und ich habe doch nie von der Brüderschaft wieder gehört,« warf Andreas ein.

»Sie thun dem schwachen Rat den Gefallen, Verstecken zu spielen,« sagte Hans nichtachtend. »Kröger meint, es sei auch aus Gewohnheit und weil ihr Bund also gestiftet worden. In der verödeten Kirche des alten Klosters Heiligenthal am Berge kommen sie zusammen und besprechen die Verhältnisse der Stadt. Wer vierundzwanzig alt ist, kann eingeführt werden. Da Heinrich nun heute erst dies Alter erreicht und Kröger mich nicht ohne seines Meisters Sohn mitnehmen wollte, ersah er meines liebsten Freundes Geburtstag als Zeitpunkt für seine Mitteilung.«

»Und so werdet ihr also mit in die Versammlung gehen?«

»Ja sicherlich und wir denken der guten Sache wohl zu nützen.«

»Ich warne dich vor jeglicher Ausschreitung, Hans. Es scheint, daß der Rat langmütig ist und vielleicht notgedrungen die Brüderschaft zusammen kommen und reden läßt, wie sie will. Sobald aber eure Reden zur That werden sollten, würden die Waffenknechte der Stadt über euch kommen, wie sie damals in jener fürchterlichen Nacht über Töbing und die Seinen gekommen sind.«

»Und es würde sich zeigen, ob wir nicht Männer genug wären, ihnen heimzuleuchten! So ich unter der ›Getreuen Brüderschaft‹ mitzureden habe, soll Feigheit uns nie hindern. Die Sache, für welche ein Franz Töbing blutete, verdient hochfleißige Beachtung und ernstliche Verteidigung.«

Frau Seutemine trat ein, um die Männer, welche sich in ihrem eifrigen Gespräch verspätet hatten, zum Mittagsessen zu rufen. Die Mutter des kräftigen Gesellen war rund und fraulich geworden, aber jener Zug von süßer Freundlichkeit und holder Milde, der sie als Mädchen auszeichnete, hatte sich eher verstärkt als verloren. Gutherzigkeit, Weiche und Wärme drückten sich noch ebenso wie sonst in ihrem ganzen Wesen aus.

Zärtlich glänzte ihr Auge, als es zu dem Sohne hinauf blickte. »Was hat er dir wieder vorzureden, der Obenhinaus, mein alter Andreas?« fragte sie und strich leicht mit ihrer weichen Hand über des Bruders Arm.

»Jeglich Brünnlein schäumt, das eben aus dem Borne quillt,« lächelte Andreas. »Wir wissen, daß Hans einer ist, der großes im Sinne führt und die Welt überströmen möchte mit seinen Thaten.«

»Und doch können wir uns nicht über ihn beklagen,« verteidigte die Mutter, »er hält stramm am Setzerkasten aus, und Johannes sagt, daß keiner in der Druckerei so flink die Handpresse regiert wie unser Junge.« Welch ein Blick voll Liebe, als sie erzählte, daß er gerühmt sei.

Im Hause des Buchdruckers Johannes Stern hatte sich im Laufe der Zeit nicht all zu viel verändert. Trotz der harten Kriegsjahre war der Vermögensstand, Dank der Umsicht und Vorsicht Sterns, nicht wesentlich zurückgegangen.

Vor vollen sechzehn Jahren war David Stern – als er anno 1620 in des tollen Halberstädters Dienste trat – auch einmal wieder kurze Zeit in Lüneburg gewesen und hatte dem Bruder seine Beutegelder anvertraut, seitdem wußte man nicht, ob der unruhige Landsknecht noch lebe. Mit eigenem und fremdem Gut hatte Johannes klug gewirtschaftet und dabei schlicht bürgerlich gelebt. Jetzt war er ein ältlicher Mann, der ungern sein Haus verließ, etwas gelähmt im Schreibstuhl oder am Fenster seines Vorderstübchens saß und sich scheinbar wenig um anderes als seine Geschäfte kümmerte. Er hatte indes weitverzweigte buchhändlerische Verbindungen nach außen angeknüpft, stand in Ansehen bei den Herzögen und bei vielen gelehrten Leuten, denen er Aufschluß über seltene Drucke gab und Büchersammlungen einrichten half, und war im stillen zu Ruf und Ansehen gelangt, die weit über seine Vaterstadt hinaus reichten. Er kannte und billigte Niklas Krögers, seines ersten Setzers, heimliche Verbindungen, aber er gab sich den Anschein, als wisse er nichts davon. Sein Sohn, Heinrich und Hans, den er fast ebenso liebte, wie die eigenen Kinder, mochten zur Brüderschaft gehören. Die Umtriebe der Verbündeten konnten immerhin dazu dienen, das Sülfmeister-Regiment, welches er nach wie vor haßte, zu stürzen, ihm sollte man aber nicht damit kommen.

Daß der schöne, stolze Franz Töbing, von dem Johannes mehr gehalten, als er sich eingestanden, durch David, seinen eigenen Bruder, erstochen worden, hatte den Buchdrucker furchtbar erschüttert. Es war ihm danach eine Erleichterung gewesen, daß der wilde Kriegsknecht von dannen gezogen, und als er sich wieder hatte sehen lassen, war Johannes ihm wenig entgegen gekommen. Das lag nun alles weit hinter dem Alternden.

Sein Weib war noch immer in unveränderter Frische die thätige Hausfrau und sorgliche Mutter. Daß sie ihm noch den Sohn geschenkt, war eine große Freude für das Paar gewesen; wie Brüder hatte man Heinrich und Hans miteinander aufgezogen.

Die älteste Tochter Bärbe war schon seit längerer Zeit die Hausfrau Pavel Korbelins, des jungen Brauers in der Bardowikerstraße geworden. Der Vater Korbelin hatte vor einigen Jahren, als Achtziger, das Zeitliche gesegnet, die Base Fieke war auch längst abgerufen worden. Pavels jüngere Schwester hatte geheiratet, so hauste das junge Paar unbeschränkt mit seinem Nachwuchs in dem alten wohlhäbigen Brauhause.

Ursel, die jüngere der Schwestern, welche früh den mit Glücksgütern reichlich gesegneten, aber ältlichen Kagelbruder und Händler Karsten Prigge gefreit, war schon seit zwei Jahren Witwe und lebte wieder im Hause der Eltern. Ihr großes Erbe hatte ihr gestattet, sich unter dem heimischen Dach nach Wunsch einzurichten; so waren ihr hinter der Küche, da wo einst Töbing wohnte, ein paar schöne Stuben mit Ausgang auf den Hof angebaut und zierlich von ihr ausgeputzt.

Des einzigen Sohnes Geburtstag sollte in Sterns Hause gefeiert werden. Die Zeiten waren zwar nicht für Festlichkeiten geeignet, allein man mußte der Jugend doch ihr Recht gönnen. So hatte Heinrich einige Burschen zum Nachmittage geladen, während Ursel, der ihre Frauenwürde nicht sonderlich zu Sinne stand, jüngere Mädchen herbei zu schaffen gewußt.

Seutemine und ihr Sohn kamen selbstverständlich, und sogar Andreas hatte es nicht verschmäht sich anzuschließen. Seit er alt war, und man nichts mehr von ihm selbst verlangte, ging er lieber unter Menschen als in früheren Zeiten; er freute sich aus stillem Eckchen gern am Treiben der Schlanken und Fröhlichen und war mit seinem Hans wieder jung geworden. Die Sippe, welche zum Hause gehörte, Korbelins mit ihren zwei Kleinen und Pavels Schwester, Frau Kaspar Lembke mit dem Mann, alles versammelte sich auf der mit Maiengrün geschmückten langen Hausdiele und in der geräumigen Küche, wo besonders die Frauen mit ihren Kleinen saßen und wo viel gegessen und getrunken wurde.

In des Hausherrn Heiligtum fanden nur wenige Männer Einlaß.

Von der Diele waren die Papierballen und Bücherkisten fortgeräumt und hier hatte nun die Jugendlust freien Raum. Ein Fiedler und ein Zinkenist standen auf dem Treppenabsatz und spielten die Weisen, nach denen man unten sprang und tanzte.

Ein Gast, dessen man sich in seiner Harmlosigkeit und stetigen Jugendlichkeit schwer erwehren konnte, war der Fähnrich Peter Hold. Er war vom Rat als Fahnenträger der Stadtsöldner belassen, während ein Leutnant über das zusammengeschmolzene Häuflein das Kommando führte. Wie hätte er einer Gasterei bei Sterns fern bleiben können? Besonders jetzt, wo die hübsche reiche Witib, Frau Ursel Prigge, die kühnsten Wünsche in ihm erregte. Zumeist hielt sich indes Frau Ursel Prigge mit ihrem Vetter Hans zusammen. Es galt als altes Herkommen, daß die beiden zu einander gehörten. Obwohl Ursel fast zwei Jahre mehr zählte, als Hans, konnte sie sich doch an Frische und Reiz mit allen jungen Dirnen messen. Der Sitte nach durfte sie die weiße Frauenhaube mit der davor gebundenen schwarzen Witwenschleife nicht ablegen, auch die schweren gelblichen Zöpfe nicht mehr über den Rücken herunterhängen lassen, gleich den Mädchen. Wie sie aber den Flechtenknoten im Nacken schlang, das Häubchen halb darüber setzte und vom schwarzen Bande sich die goldenen Löckchen niederhalten ließ, das war so hübsch und zierlich, daß es ihr besser stand, als die bunte, bänderreiche Plittmütze der Jungfern ihr hätte stehen können. Dazu trug Ursel ein reichgesticktes Mieder und einen faltenreichen Seidenrock. Es war noch immer die Tracht der Bürgerin, aber keine Sülfmeisterstochter hätte Stoff und Ausputz prächtiger wählen können.

Tief atmend, mit glühenden Wangen, lehnte die kleine, zierliche Ursel, neben ihrem langen Vetter Hans, am unteren Treppengeländer. Sie hatten eben bis zur Erschöpfung Sarabande getanzt.

»Ich sollte dich schelten,« sagte sie mit lustigem Zwinkern der strahlenden Blauaugen, »und gar nicht artig mit dir umgehen, arges Hanske, wie bist du mir diesen Mittag wild vorüber gelaufen! Zur Hausthür hinaus und den Sand hinunter! War dein großer Magen so leer, daß du sonder Aufschub nach Mutters Küche rennen mußtest?«

»Wo stecktest du denn, Ursel? Ich meine, du wärest nicht um den Weg gewesen.«

»Als ich dich mit deinen langen Schritten die Druckerei verlassen sah, hatte ich zufällig in Vaters Schreibstube zu thun. Ich huschte durch die Küche hierher und stand dort auf dem Tritt am Dielenfenster, als du wie blind vorbei stobst.«

»Du hattest dich sicherlich versteckt.«

»Garnicht! Schon vorher hast du keinen Blick für mich gehabt. War das ein Zusammenhocken mit Kröger und Hein! Ich ging zufällig über den Hof, um meine Nelken zu begießen, aber kein Hans sah mich. Ihr thatet so wichtig, als hättet ihr einen Kriegsplan wider die Katholischen auszuhecken.«

»Mag so was gewesen sein und davon brauchen junge Weibsen nichts zu wissen,« lachte er.

Heinrich kam heran, er war nicht so groß wie der Vetter, etwas untersetzter, nicht so aus dem Vollen geschnitten, nicht so herrisch wie Hans, aber auch ein wohlgebildeter Gesell.

»Wenn du mir nicht sagen willst, was ihr getrieben habt, sagt's Bruder Hein,« schmollte die kleine Frau und wandte Hans den Rücken.

Heinrich war bald verständigt, nach Brüder Art antwortete er noch derber als der Vetter: »Was geht es dich an? Männer haben anderes im Sinn als Narrenpossen.«

Die Musik lockte wieder mächtig. Hans reichte seiner schmollenden Partnerin die Hände, sie blickte ihn schelmisch und zweifelnd an.

Da sprang Peter Holt herzu, den günstigen Augenblick zu erhaschen: »Vieltraute und Schönste, tanzt mit mir.«

»Mit Euch, Fähnrich Holt? Geht zu den schmucken Sülfmeisterfrauen!«

»Noch immer im Zorn, Allerliebste?«

»Was habt ihr miteinander?« fragte Hans scharf.

»Ein Nichts trübt das Lächeln Eurer Base. Kommt, schenkt mir wieder Eure Gunst, schönste Priggin.«

Das junge Frauchen rümpfte schnippisch die Nase: »Wie gütig, Meister Sporenfuß, aber Hans raunte mir eben zu, ich solle ihm vergeben und ich kann nicht hart sein.« Dann ließ sie den verblüfften Peter Holt stehen und folgte Hans in den Wirbel der Tanzenden.

Am andern Tage hatte Herr Johannes, nach dem Schluß des Geschäfts, seine beiden Söhne, wie er Hans und Heinrich zu nennen pflegte, zu sich in die Schreibstube entboten. Es gelte, so glaubten die jungen Leute, eine neue Druckübernahme; es handelte sich aber um anderes.

»Wie ihr wißt,« hob der Alte an, »ist es mir endlich gelungen, Karsten Priggens Geschäft mit allen wertvollen Vorräten an den Mann zu bringen. Sollte Ursel wieder freien, so wird es, denke ich, kein Krämer sein, den sie nimmt; wesmaßen ich in sothanen schweren Zeiten losschlug, was uns nicht dienlich sein kann. Der Käufer hat sein Geld beieinander und will zahlen, somit gilt es zu erwägen, wie wir diesen Haupttheil von Ursels Vermögen am einträglichsten anlegen; was meint ihr dazu?«

»Besonderes unternehmen und wagen dürfte man kaum mit dem Gelde der Frau,« meinte Hans.

»Ihr werdet schon etwas Rechtes wissen, Vater,« sagte Heinrich.

»Getroffen, mein Junge! Ihr habt oftmalen gehört, wie ich gewünscht, Sülzgut zu erwerben. Das wäre anjetzt nicht schwer, denn hier und da werden Pfannentheile verarmter Sülfmeister ausgeboten. Aber das Recht der Besiedung geben sie uns nimmermehr. Nun denke ich, so wir wagten heimlich Sülzgut zu kaufen und unsere Zeit ablauerten, könnten die gestrengen Herren durch die Umstände doch noch gedrängt werden, uns unter sich zu dulden. Kommt es nicht mehr an mich, so kommt es an euch; es heißt aber beizeiten aufpassen, zugreifen und sich ins Recht setzen.«

»Heimlich meint Ihr das Geschäft abzuschließen, Ohm?« fragte Hans erstaunt.

»Wie sollte das möglich sein!« rief Heinrich.

»Hört mich an. Mir ist kund und zu wissen worden, daß die Frau des Senators Schorse von Dassel, Barbara, geborene Witzendorffin, erbliche und unbeschränkte Eigentümerin der halben Pfanne Evering, wohlgeneigt wäre, heimlich ihr Sülzgut zu veräußern, um Ausstattung und Hochzeitsgeld für ihre Jungfer Tochter zu beschaffen.«

»In dem reichen Hause des alten Senators,« fragte Heinrich ungläubig, »da sogar sollte es an dem Nötigen fehlen?«

»Er ist einer der ersten Sülfmeister der Stadt,« fügte Hans hinzu. »Seid Ihr auch gut unterrichtet? Ohmke?«

Der Alte nickte mit seinem stillen, schlauen Lächeln. »Auf fleißiges Umhören und Forschen brachte ich in Erfahrung, daß der Senator für gutes Leben viel darauf gehen laßt und sich nicht sonderlich im Frieden mit seiner verschwenderischen und hochfahrenden Eheliebsten befindet. Nun wissen wir selber, daß die Zeiten hart gewesen. Beisteuern aller Art, Defensions- und Soldatengelder hat die Stadtkasse fordern müssen und dabei die Sülfmeister nicht schonen können. Das große Leben hat länger gedauert als das große Verdienen. Ihr wisset beide zu berechnen, was dabei heraus kommt. Frau Barbara scheint es nicht zu ertragen, Mitgift und Hochzeit minder glänzend zu rüsten, als sie es von andern gesehen und braucht also besondere Mittel.«

»Und seid Ihr schon mit der Dasselin in Unterhandlung getreten?« fragte Hans.

»Ja. Wir sind von Dritten zu einander gewiesen. Der Frau ists eine Hauptsache, daß niemand um den Verkauf wisse, doch soll derselbe ganz rechtskräftig werden, so daß ich allezeit die Hand auf die Pfanne legen kann. Diese wird, so lange ich will, noch von der Verkäuferin besiedet, doch gehen die Einkünfte auf mich, oder vielmehr meine Tochter, die Priggin, über.«

»Und der Handel ist ganz sicher abzuschließen?« fragte der Sohn.

»Fest und sicher. Treten mir von seiten der Sülfmeistergilde Hinderungen entgegen, hat die Verkäuferin mein Geld zu erstatten. Auch mein Rechtsconsulent lobt das Geschäft, und er selbst entwirft den Vertrag.«

»So wäre alles fest und abgethan, Vater, und du hattest nichts mit uns zu erwägen, sondern uns nur den Handel mitzuteilen?«

»Nicht ganz so. Ich will, um jegliche Irrung auszuschließen, nicht allein, daß ihr genau um dieses Geschäft wisset, sondern ich will auch, daß einer von euch zur Verkäuferin gehe und den ganzen Handel mit ihr durchspreche. Ich bin ein lahmer alter Mann, der nicht mehr zu hochfahrenden, prächtigen Leuten paßt. Ihr könnet euch allerorten sehen lassen« – ein Blick voll Stolz flog über die stattlichen Jünglinge. »Mein Sohn wäre der nächste, mich zu vertreten. Doch denke ich oft, es möchte klug sein, vor allem Hans mit Ursels Geschäften bekannt zu machen« – der prüfende Blick des Vaters traf auf ein dunkel erglühendes Angesicht –.

»Wie – gut – Ihr seid – Ohm,« – stammelte der Überraschte.

»Macht es untereinander aus, wer in des Senators Haus gehen und mit Frau Barbara sprechen soll. Ihr vertragt euch ja immerdar wie Brüder. In welcher Stunde der Dasselin Besuch paßt, werde ich zu erfragen wissen.«

Die jungen Freunde verließen des Alten Schreibstube höchlich erregt von der mit dem Vater gepflogenen Unterhaltung. Sie kannten die Verhältnisse der Sülze, die strengen Gesetze, welche gewöhnliche Bürger und Handwerker von dem Recht der Pfannenbesiedung ausschlossen, wußten aber auch, daß es ein Lebenswunsch des alten Stern sei, zur Gilde der Sülfmeister zu gehören.

Ob Ursels Gut nicht doch aufs Spiel gesetzt wurde? Ob das Abkommen mit des Senators Frau ganz fest und rechtskräftig zu schließen war? Natürlich mußte einer von ihnen selbst mit der Verkäuferin über den Handel reden. Wer dies von ihnen sein solle, war indes ein Punkt, um den sie beide herum gingen. Wäre die Verbindung der fröhlichen, jungen Witwe mit dem Vetter schon eine ausgemachte Sache gewesen, so hätte sichs von selbst verstanden, daß Hans ihre Geschäfte in die Hand nahm. Wie er aber zu dem Bäschen stand, ihrer und seiner selbst noch nicht gewiß, war es eigen Ding dem Bruder vorzugreifen. Heinrich empfand dies alles ebenso gut wie der zunächst Betheiligte. Er hätte ja niemanden lieber zum Schwager gehabt als seinen viel bewunderten Freund, aber er wagte nichts in der heiklen Sache zu thun.

Während sie des Vaters Mitteilungen erwogen, begleitete Heinrich den Freund nach seiner Gasse hinter der roten Mauer. Es war abends nach dem Geschäftsschluß; sie konnten sich also das Umherschlendern gönnen.

Die Kriegszeiten hatten eine Überfüllung der Stadt mit sich gebracht, so waren Straßen und Hausplätze noch belebt. Aus einsam gelegenen Stiften, Edelsitzen und Dörfern waren die Schutzlosen hinter die sicheren Mauern der Stadt geflüchtet. Das Feld lag unbebaut, das Vieh war weggeführt oder verzehrt, die Lebensmittel stiegen im Preise. Der Winter hatte viel Elend gebracht, aber die Mildthätigkeit und der Wohlstand in Lüneburg waren noch immer groß und hatten kräftig geholfen. Ein Glück, daß man seit dem Herbst von Vorbeizügen und Kriegsbedrängnissen verschont geblieben war. Mit den sommerlichen Tagen regten sich die Heere zu neuen Umherzügen. Der schwedische General Leslie, welcher durch das Lüneburgische ins Bremische rückte; hatte Proviant von der Stadt gefordert und seit einigen Tagen befanden sich die schwedischen Kommissare mit ihrer Begleitung in Lüneburg, um beim Rat, unter Androhung einer Belagerung, das Verlangte einzutreiben. Die Abgesandten wurden gut verpflegt, man handelte mit ihnen und beschenkte sie, ja, man ließ ihnen kleine Übergriffe hingehen und durfte solchergestalt voraussehen, daß der Stadt Frieden und Neutralität gewahrt bleibe. Bedächtiges Hinhalten, Zugeben und sich vergleichen, war nun einmal des Rates Hauptkunst, die ja auch bis so lange ausgeholfen.

Nachdem der Vetter Heinrich verlassen hatte, ging dieser, die Gedanken von dem eben Besprochenen erfüllt, heimwärts. Ob er mit Ursel reden und ihr raten sollte, daß sie Hans ein gutes Wort gebe, sich um ihre Sache zu kümmern? Das leichtgesinnte Schwesterlein hatte nicht den geringsten Sinn und Verstand für Geschäfte, sie konnte nicht schweigen, und vermutlich würde der Vater gar nicht wollen, daß sie etwas von dem heimlichen Handel erfahre. Heute hatte der Alte zum ersten Male gegen Hans auf die Möglichkeit einer Heirat hingedeutet. Ob die lustige Ursel wohl daran dachte, Hans zu freien? Sie tändelte und spielte von je her mit ihm, ob sie ihn ernstlich lieb hatte, wußte Heinrich nicht zu sagen. Vielleicht dachte Ursel gar nicht daran, ihre hübsche, kleine Person zu vergeben, sie war so fröhlich in ihrer Freiheit. Er sah die Schwester im Geiste vor sich wie eine Bachstelze tänzeln und wippen und mußte belustigt vor sich hin lachen.

Mittlerweile war Heinrich auf den Markt gekommen, wo trotz der Abendstunde noch reges Leben herrschte, dessen Einzelheiten eine gewisse dämmerige Helligkeit noch wohl erkennen ließ.

Die Schweden waren im städtischen Gästehause, dem Schütting, eingelagert und wurden hier wohl gehalten. Einige Ratsherren zechten auch heute abend mit ihnen in der prächtigen Stube. Die Thür nach dem Altan stand offen, im Anbau der Lauben saß der Troß. Viel Volk lief umher, sah die Fremden sich gütlich thun und betrachtete die Stadtgäste halb mit neidischem Ingrimm, halb mit banger Sorge. Es hieß, morgen sollten sie aufbrechen. Sollte dann vorläufig wieder jegliche Gefahr für Lüneburg abgewandt sein?

Auch um das Rathaus her standen besorgte Menschen; man flüsterte, die Herren seien in außerordentlicher Sitzung beisammen; in jetzigen Kriegszeiten gab es ja immer etwas Neues und eins war ärger als das andere.

Plötzlich bemerkte Heinrich dicht vor sich am Schütting Zusammenlaufen. Von den Schweden waren etliche draußen erschienen, Geschrei, Gelächter, Zurufe tönten aus dem Menschengewirr.

»Haltet sie – eine schmucke Dirne – die Stadt soll uns schöne Mädchen geben!« also glaubte Heinrich zu verstehen.

Er drängte sich hilfsbereit vor. Ein Weib, offenbar eine Dienerin, stürzte mit zerrissenem Gewande die nächste Straße hinunter. Eine zweite, reicher gekleidet, jung, zierlich, wand sich hilfesuchend in den Armen eines gewaltigen Schnauzbarts.

»Laßt sie!« rief es aus dem murrenden Kreise, »sie ist guter Leute Kind – solches Gebühren wird in unserer ehrbaren Stadt nicht geduldet!«

Heinrich sprang zu, schlug den Schweden mit der Faust ins Gesicht und entriß ihm das Mädchen. Sein Beispiel entfesselte die Umstehenden, sie warfen sich über die kecken Fremdlinge und eine Balgerei entstand.

Der Retter, nur bemüht die junge Maid zu schützen, befand sich mit ihr, die er umfaßt hielt, nach wenigen Sekunden außerhalb des Gedränges. Er nahm sie jetzt an die Hand und sie liefen miteinander davon. Der Lärm auf dem Marktplatze verlor sich hinter ihnen. Ein Gefühl von Sicherheit schien die furchtbare Anspannung aller Kräfte abzuschwächen. Das Mädchen blieb stehen und keuchte: »Ich kann – nicht mehr!«

Sie befanden sich in einer fast menschenleeren Gasse, auf der Steinbank vor einem Thore fiel sie erschöpft nieder.

»Ruht Euch aus, Jungfer,« sprach er ermutigend, »Ihr seid geborgen! Wollet mir nur sagen, wo Ihr wohnt, so hoffe ich Euch jetzt sicher heimzugeleiten.«

»Ich bin des Senators Schorse von Dassel Tochter, unser Haus steht an der Münzstraße –«

»O, ich weiß!« rief er überrascht.

»Wir waren zu einer kleinen Gasterei von jungen Leuten – am Stintmarkte – bei Wase Metteke –«

»Und wagtet Euch, in diesen Zeiten, nur mit einer Magd durch die Straßen? Habt Ihr nicht Brüder oder Anverwandte?«

Sie mochte etwas wie Erstaunen und Vorwurf heraushören, und Verwirrung zitterte in ihrer Stimme, als sie antwortete: »Mich trieb etwas fort – ich wollte entrinnen – und nun erging es mir also! O, wie wird meine Mutter schelten! Lasset uns rasch gehen!«

Sie sprang von plötzlicher Sorge ergriffen empor und eilte ihm voraus die Gasse entlang. Er war alsbald wieder an ihrer Seite.

Schweigend schritten sie dahin, die Maid hatte ihr Kopftuch verloren, ohne welches sich keine Frau auf die Straße wagte, ein heraufgeschlagenes oberes Röckchen, wie es bei Ärmeren manchmal Ersatz leistete, hüllte sie um so dichter ein. Endlich nahten sie dem Hause des Senators.

Von einer der Steinbänke, die zu beiden Seiten des großen Trittsteines zur Hausthür in die Straße vorsprangen, erhob sich die Gestalt eines Mannes. Aus dem Fenster fiel Lichtschein auf dieselbe.

Die Eilige hemmte ihre Schritte und stützte sich, mit leisem Schreckensruf und hastigem Seitengriff auf den Arm ihres Begleiters.

Jener Ruhende, der augenscheinlich auf sie gewartet hatte, kam ihr entgegen, er zeigte die unsicheren Bewegungen eines Angetrunkenen und seine Zunge lallte, als er jetzt losbrach: »Dirne – ist das einer Verlobten Art – davon zu laufen – Jette wird von der gestrengen Frau Mutter gestäupt – dir sollte das Selbige geschehen. Und 'en neuen Galan – sieh' mal – wen hast du denn da – wohl einer von den Schweden? – Ne – 'en erbärmlicher Kagelbruder!« Er lachte spöttisch, packte sie unsanft am Arm und riß sie auf den Thürstein und hinter sich her.

»Wie könnt Ihr also mit dem geängstigten Mägdelein umgehen?« rief Heinrich dazwischen. »Ist das Brauch und wackeren Mannes Art?«

»Seht einer den Lump – will mir, dem Sülzjunker, sagen, was rechtens ist. Scheert Euch zu Euren Heringstonnen und laßt meine Braut in Ruhe!«

Jetzt wandte sich aber die Gerettete plötzlich zu Heinrich, streckte ihm die Hand entgegen und flüsterte innig: »O, ich danke Euch, Ihr Gutgesell! Geht nun, geht!« Das herauf geschlagene Röckchen war zurückgefallen, schlank und fein stand sie da, das Licht aus der sich eben öffnenden Hausthür umglänzte ein liebes junges Gesicht. Heinrich sah, daß er gehen müsse, wenn er ihr nicht lästig werden solle. Er lüftete die Kagel und ging tief bewegt von dannen.

Eine Straße lag schon hinter ihm, dann mäßigte Heinrich seine hastigen Schritte. Er mochte doch noch nicht nach Hause, zu den Seinen, in das enge Kämmerlein.

Das also war jenes Paar, dessen Hochzeit zu rüsten die stolze Mutter einen alten Familienbesitz daran geben wollte? Die Hochmütige mußte doch wissen, daß sie mit dieser Verbindung ihres Kindes Glück nicht begründe. War der Bräutigam auch Christoph Töbing, des reichen, hochmögenden Bürgermeisters Stats Töbing Ältester, so wußte Heinrich doch, daß der schon einige Dreißig zählende Junker seit mehreren Jahren viel von sich reden machte und für ausschweifend galt. Sollte die Senatorin das nicht wissen? Es lag für Heinrich auf der Hand, daß die Braut, um Christophs Unziemlichkeiten zu entrinnen, das Haus der Base verlassen hatte.

Wie mochte der lieben Kleinen zu helfen sein? – Heinrich wollte nun den Hans bitten, ihn in der bewußten Geschäftssache zu Frau Barbara von Dassel gehen zu lassen.

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