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In der Südsee

Friedrich Gerstäcker: In der Südsee - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
booktitleIn der Südsee
authorFriedrich Gerstäcker
yearca. 1890
publisherNeufeld & Henius Verlag
addressBerlin
titleIn der Südsee
pages1-13
created20021211
sendergerd.bouillon
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Der Walfischfänger

1.

In der weiten und bequemen Korallenbai von Monui, einer der Tonga-Inseln, ankerte im Januar des Jahres 18** ein englischer Walfischfänger, die »Lucy Walker«, Proviant, Holz und Erfrischungen einzunehmen, und da sich die Eingeborenen ziemlich freundlich gezeigt, hatte die Mannschaft in Abteilungen Tag nach Tag Erlaubnis bekommen, an Land zu gehen und mit den Eingeborenen zu verkehren.

Der Kapitän selber, ein junger Mann, der seine erste Reise als Führer eines Schiffes machte, war viel zu entzückt von dem wundervollen Land, das er betreten, seine Freiheit nicht ebenfalls soviel als möglich benützen zu sollen, und unter den freundlichen Menschen, von dem alten Häuptling selber auf das herzlichste aufgenommen, vergingen die Tage in Zauberschnelle. Er schien zuletzt zwar ganz vergessen zu haben, daß er des Walfischfanges wegen in diese Breiten gekommen und selber gehen müßte, die Fische aufzusuchen, wenn er überhaupt deren fangen und sein Schiff voll Öl bekommen wollte.

Die Szenerie allein trug aber nicht die Schuld. Hua, Toanongas liebliches Töchterlein, hatte sein Herz mit einer Leidenschaft entflammt, der er sich selber im Anfang nicht klar bewußt war, die aber mit jedem Tage mehr Überhand gewann. Ja, je mehr ihm Gelegenheit geboten wurde, sich dem Gegenstand derselben zu nähern, und je weniger nah er doch demselben dadurch kam, vergaß er zuletzt selbst seine Pflicht gegen sein Schiff sowohl, wie seine Mannschaft, um noch immer kurze Zeit länger in der verführerischen Nähe des holden Mädchens zu weilen.

Hua nach ihrem heiteren, fröhlichen Wesen so genannt, sah den fremden jungen Mann gern bei sich, der ihr, der Tonga-Sprache vollkommen mächtig, noch von früheren Reisen her, viel von fremden Ländern und Völkern erzählen, und mit dem sie lachen und sich freuen konnte. An eine ernstere Neigung dachte sie nicht, denn sie wußte recht gut, daß solche Schiffe nur immer auf kurze Zeit an eine ihrer Inseln anlegten und dann wieder fortfuhren, vielleicht nie mehr zurückzukehren – was hätte ihr seine Liebe genützt? Übrigens war sie schon mit dem jungen Häuptling eines Nachbarstammes versprochen, der jeden Tag eintreffen konnte, sie abzuholen. Die Zeit bis dahin war ihr denn auch schon recht lang geworden, und etwas Erwünschteres hätte gar nicht kommen können als das fremde Schiff mit den weißen, wunderlichen und doch so freundlichen Männern.

Toanonga befand sich am besten dabei; der junge Engländer brachte, um ihn sich beliebt zu machen, jeden Tag neue Geschenke, und er sah sich dadurch bald in dem Besitz einer so bedeutenden Anzahl von Nägeln, Glasperlen, kleiner Spiegel, Messer, Beile, Kattun, und vor allem anderen Tabak, dessen Gebrauch er auch schon kennen gelernt, daß er schon anfing sich als einen Kapitalisten zu betrachten, der sich nun bald von seiner beschwerlichen Häuptlingsschaft werde in das Privatleben zurückziehen können, von seinen Renten zu leben.

So angenehm nun aber auch ein solches Leben der Mannschaft des Walfischfängers war, der sich, nach dem beschwerlichem Dienst an Bord, ein förmliches Paradies hier öffnete, so bedenklich schüttelten die Offiziere – Harpuniere und Bootssteuerer – darüber den Kopf. Eine Zeitlang hatten sich diese wohl mit ruhigem Behagen dem Stilleben der Inseln hingegeben; als dies aber immer noch kein Ende zu nehmen schien, gedachten sie auch ihres eigenen Nutzens, und wünschten ihr Geschäft wieder aufzunehmen, wegen dem sie doch eigentlich an Bord gegangen waren: nämlich Geld durch den Fang der hier mutwillig versäumten Fische zu verdienen.

Zuerst erinnerte der erste Harpunier den Kapitän, daß es später und später in der Jahreszeit würde, und sie schon gar nicht mehr daran denken dürften, ihrer ersten Absicht nach, Neuseeland anzulaufen. Die Mahnung half aber weiter nichts, als daß der Kapitän noch einmal sechs Klafter Holz bei den Eingeborenen bestellte, zu denen diese, wie er recht gut wußte, fast ebenso viele Wochen brauchten, es zu schlagen, und doch hatten die Leute an Bord schon jetzt alle Winkel und Ecken davon vollgestaut, – doch traten endlich die Offiziere zusammen und erklärten ihrem Vorgesetzten, daß sie ihm allerdings gehorchen und so lange hier bleiben müßten, wie er es für gut fände, daß sie aber bei ihrer Zurückkunft nach Liverpool jedenfalls Beschwerde oder vielmehr Klage auf Schadenersatz für versäumte Zeit gegen ihn einreichen würden, wenn er jetzt nicht bald die Anker lichte.

Kapitän Silwitch, so zum Äußersten getrieben und sich seinen Leuten gegenüber auch im Unrecht fühlend, beschloß nun einen entscheidenden Schritt zu tun und Toanonga selber um die Hand seiner Tochter zu bitten. Einer ihrer heidnischen Trauungszeremonien konnte er sich, als höchst unbedeutender Christ, leicht unterwerfen, und ehe er die Heimfahrt antrat, was noch ein paar Jahre dauern mochte, fand sich immer eine Gelegenheit, das Mädchen, wenn auch nicht genau an diese, doch vielleicht an eine der Nachbarinseln wieder abzusetzen – mit nach Hause durfte er sie natürlich nicht nehmen.

Toanonga saß mit Hua auf einer großen, aus langem Gras eingeflochtenen Matte, vor seiner Hütte, im Schatten eines gewaltigen Toa-Baumes, der mit dem Duft seiner Blüten die ganze Nachbarschaft erfüllte. Es war ein reizender Platz, gerade an der Mündung eines kleinen, aus den Höhlen kühl und plätschernd niedersprudelnden Bergbachs, der sich die klare Bahn unter wehenden Palmen und über moosiges Gestein brach und Blumen und Früchte als Tribut dem Meere zuführte. Mächtige Kokospalmen schüttelten ihre federartigen, rauschenden Kronen über seiner Flut, und die hohen, stattlichen Mapebäume mit ihren breiten, magnolienartigen Blättern und wunderlich geformten StämmenDie südseeländische Kastanie, tuscarpus edulis, ist ein stattlicher, mächtiger Baum mit immer grünen Blättern und der Kastanie ähnlichen, doch stachellosen Früchten, aber das Eigentümliche an ihm ist der Stamm, der etwa zehn oder zwölf Fuß hoch aufsteigt, ehe er auszweigt, und bis zum siebenten oder achten Jahre ziemlich glatt bleibt, dann sich aber auf eine höchst wunderbare Weise vergrößert. An vier, fünf und mehr Stellen desselben, von oben nach unten, von der Wurzel bis zum Stamme laufend, erhebt sich die Rinde und wächst – der Baum behält seine Stärke und diese Streifen heben sich mehr und mehr, bis sie zuletzt förmlicher, mit grauer Rinde bedeckten, nicht selten ganz regelmäßigen Planken gleichen, die, nur wenige Zoll stark, oft zwei, drei, ja vier Fuß breit, wie die Schaufeln eines Rades vom Baume abstehen. Je älter der Baum dabei wird, desto knorriger wird er; durch kranke Flecke ziehen sich diese brettartigen Auswüchse hier und da zusammen und er sieht dann allem andern ähnlicher als einem Baum. deckten und beschatteten niedere Haine fruchtbeladener Orangen und Zitronen und duftender Blütenbüsche, die durch sie gegen die sengenden Strahlen der Sonne geschützt wurden.

Das Haus des Häuptlings war nur wie das seiner geringsten Untertanen aus trockenen gelben Bambusstäben aufgerichtet, und mit Zuckerrohrblättern fest, aber doch luftig und vollkommen regendicht, gedeckt. Ein kleiner dabei angelegter und mit dicht gedeckten dünnen Stangen umzäunter Garten (eine Quantität wild herumlaufender Ferkel darauf fernzuhalten, denen der Besuch des Hauses jedoch vollkommen freizustehen schien) enthielt Reihen gepflanzter Bananen und sogar einige Yams, und in feuchten Gruben gezogene Taro-Pflanzen, während dichtgesteckte Brotfruchtbäume, die jedoch auch überall wild gediehen, die Hauptnahrung der Insel anzeigten und ihre wohltätigen Äpfel vor die Türe ihres Eigentümers niederschütteln.

Toanonga schwelgte in der Verdauung eines eben genossenen vortrefflichen Frühstücks, eines mit heißen Steinen gerösteten Ferkels und Me, und dieser gleichsam eine höhere Weihe zu verleihen, hatte er einen Teil der erhaltenen Geschenke, besonders eine Anzahl Nägel und Glasperlen, einige Uniformknöpfe und vor allem anderen einen zerbrochenen Sporn, an dem das Rädchen aber noch gut war und wirbelte, vortrefflich vor sich ausgebreitet und betrachtete sie mit augenscheinlicher Genugtuung und Freude.

Kapitän Silwitch hätte wirklich keinen glücklicheren Moment für seine Werbung treffen – und keinen unglücklicheren Erfolg haben können.

Eine ganze Jagdtasche voll Geschenke für den König; Gegenstände, als ob ein Trödler seine Bude ausgeräumt und den Schutt zurückgeworfen, die Quantität vielleicht an den Eisenhändler zu verkaufen. Dazwischen fanden sich ein paar buntblitzende, blaue, großbeerige Glaskorallen von enormem Gewicht; ein kleiner, gesprungener Rasierspiegel, eine unechte goldene Quaste von irgendeiner Gardine, ein Argentanlöffel und besonders eine plattierte Schuhschnalle bildeten aber die Hauptbestandteile der Masse, die er, Hua dabei freundlich zulächelnd, vor den erstaunten Hou – Häuptling der Insel – und auf die Matten zu den Knöpfen und Perlen schüttete.

»TangaloaTangaloa ist einer ihrer Hauptgötter, der die Tonga-Inseln beim Fischen mit einem Haken aus dem Meere gezogen haben soll. segne mich!« rief der würdige Toanonga, als er die unvermuteten Schätze aus dem ganz unscheinbaren Lederbeutel auf sich förmlich herabregnen sah, ohne in dem Augenblicke eine Ahnung zu haben, welchem glücklichen Ereignisse er diese fabelhafte Freigebigkeit des fremden weißen Mannes verdanke, – »der Fremde hat sein ganzes Kanoe geplündert, die Augen seines Freundes mit seinen Schätzen glücklich zu machen, Si-li-wi« – (eine natürliche Verunstaltung des Namen Silwitch, da die Insulaner nur sehr schwer zwei Konsonanten hintereinander in einer Silbe aussprechen können) »soll Brotfrucht und Kokosnüsse, Bananen und Turo, Ferkel und Fische haben, so viel er will auf sein Schiff. Si-li-wi ist ein Ehrenmann und darf sich eine Gnade erbitten.«

»Und gebe Gott, daß du sie erfüllst, würdiger Greis,« sagte der junge Mann halb lachend, halb verlegen, »ich komme allerdings heute Morgen mit einer großen Bitte an dich, oder eigentlich an – Hua an deiner Seite, deren Erfüllung mich unendlich glücklich machen würde.«

»An mich?« fragte Hua errötend, während sie von ihrer Matte aufsprang und den Fremden überrascht ansah; »willst du noch mehr von den wunderlichen weiß- und rotgefleckten Korallen, die wir in der Bai da drüben gesucht? oder soll ich dir Perlen holen lassen, unten vom Grund herauf? Ich weiß auch –«

»Halt, halt, Mädchen, mach' mich nicht toll mit deinen freundlichen Worten!« bat der junge Mann abwehrend. »Es ist mehr als alles das, und nun, Toanonga, soll es auch heraus, denn lange Reden bin ich doch nicht imstande zu machen. Hier sind die Geschenke, du sollst noch mehr haben, Tabak, Feuerwasser, Messer, Beile, Kattun – auch ein Gewehr hab' ich für dich bestimmt, das den Blitz und Donner in sich trägt, und womit du deine Feinde besiegen und dir untertan machen kannst.«

» Mea fanna fonnuaMea fanna fonnua, auch Kanone, wörtlich eine Waffe, die gegen das Land schießt. rief Toanonga rasch, der bei der Aussicht auf solchen Besitz alles andere in dem Augenblick vergaß. »Wäre nicht übel; Toanonga möchte ungemein gern Mea fanna fonnua haben.«

»Und du gibst mir Hua?« rief der Engländer rasch und freundlich.

»Hua?« sagte der alte Häuptling erstaunt, während das Mädchen bestürzt und errötend dabeistand und kein Wort zu erwidern wagte. »Hua gehört nicht mein, kann ich nicht vergeben; gehört Tai manavachi, ist Tai manavachis ohana

»Ohana?« wiederholte der junge Mann bestürzt und erschreckt, denn das Wort bedeutet in der Tongasprache Braut sowohl als Frau. »Ohana? – seit wann?«

»Bah, nicht so lange,« sagte der Alte kopfschüttelnd und die vor ihm ausgebreiteten Geschenke ein wenig mehr nach sich herüberschiebend, als ob er eine ungewisse Ahnung hätte, daß der Fremde, wenn er den angebotenen Tausch nicht eingehen wolle, diese am Ende auch wieder zurückziehen könne. »Muß heute oder morgen kommen, sie zu holen.«

»Holen? – wohin?«

»Nach Tongatabu – große Insel, großer Häuptling,« setzte der Alte mit einiger Selbstzufriedenheit hinzu; »wird Ohana dort und bekommt große Strecke Land.«

» Wird Ohana?« rief Silwitch aber, dem noch ein Strahl von Hoffnung dämmerte, »also ist sie noch nicht seine Frau, und wenn mich Hua lieber hat als den braunen Burschen, da denk' ich, soll sie sich bei mir so wohl befinden wie bei Tai manacachi, – und was sagt Hua selber? – komm her, Mädchen, und sag' deinem Vater, daß du mir gut bist und mich zum Mann haben willst.«

»Ich dich zum Mann haben?« lachte aber die Schöne schelmisch, während ihr ein noch höheres Rot Wangen und Nacken färbte, »und wer hat dir das gesagt, Muli

»Nenn' mich nicht fremd, denn ich bin es nicht mehr!« rief der Engländer bittend. »Wenn du es mir auch noch nicht mit klaren Worten gesagt, hat es doch jeder Zug deines Angesichts, selbst der Ton deiner Stimme, der Blick deines Auges schon gesprochen!«

»Und willst du hier bei uns bleiben auf der Insel, und dein Schiff verlassen?« fragte der alte Häuptling vorsichtig.

»Mein Schiff verlassen? – jetzt? – nein, das geht nicht,« sagte der Fremde rasch, »ich muß nach Norden hinauf und Fische fangen, aber im nächsten Liha mua komme ich zurück mit Hua, wieder bei euch zu wohnen.«

»Mit Hua?« rief der Alte erstaunt und mit eigentümlichem, halb ernstem, halb drolligem Zug um die Lippen – »der tolle Muli wär's imstande. – Wolltest du das Mädchen mitnehmen auf dein Schiff?«

»Gewiß will ich,« rief der Seemann rasch, »und sie soll's gut haben bei mir und die Welt sehen. Toanonga, ich liebe deine Tochter so heiß und glühend, wie ich dir es gar nicht beschreiben kann, und du mußt sie mir zum Weibe geben.«

» Muß ich so?« lachte der Alte gutmütig; Hua aber, noch mehr errötend, sagte leise und vorsichtig, unter den halbgesenkten Wimpern zu ihm aufschauend:

»Und wenn Hua nun nicht will?«

»Du nicht wollen, Mädchen, und weshalb?« rief der junge Mann bittend.

»Und Tai manavachi

»Bah, Tai manavachi!« rief der Engländer verächtlich, »was schert der mich – er soll kommen und dich holen, wenn ich dich erst einmal habe.«

»Er ist ein tapferer Krieger!« rief aber der Alte jetzt rasch, »und hat seinen Namen danach bekommen. – Schlimm für den Feind, dessen Fährte er folgt.«

Silwitch schüttelte ärgerlich den Kopf.

»Damit kommen wir nicht weiter,« rief er rasch; »ich frage dich, Toanonga, ob du mir Hua zum Weibe geben willst?«

»Warum fragst du nicht Hua selber, ob sie dich haben will?« sagte der Alte mit seinem trockenen Lachen.

»Weil ich ihrer Liebe gewiß bin,« rief der Engländer leidenschaftlich; »sie wird mit mir gehen, wenn du ihr die Erlaubnis gibst!«

»Frag' sie,« war alles, was Toanonga erwiderte.

Der junge Engländer wandte sich rasch dem schönen Mädchen zu und streckte den Arm nach ihr aus, aber Hua wich ihm rasch und entschlossen aus und rief:

»Nein – nein – ich bin die Braut eines anderen, fort mit dir, Pagalangi, was willst du von mir?«

»Hua!« rief aber der junge Seemann erschreckt. »Hua, ich kann nicht leben ohne dich und muß dich mein nennen, wende dich nicht ab von mir, und sei mein Weib.«

»Du bist unser Freund gewesen,« sagte das Mädchen, ernst und fast traurig mit dem Kopf schüttelnd, »und wir haben dich und die Deinen freundlich aufgenommen, was willst du mehr? Ich passe nicht zu euch, zu euren Sitten, eurer Sprache, eurer Religion, nicht zu den wilden Männern auf deinem Schiff. Ich will auf diesen Inseln bleiben, die meine Heimat sind.«

» Meine Einwilligung hast du,« lachte Toanonga in seiner trockenen Weise; »ich hab' es dir vorher gesagt.«

» Deine Einwilligung hab' ich, Toanonga?« rief Silwitch rasch und in furchtbarer Aufregung, durch den Spott vielleicht nur noch mehr gereizt.

»Ja, die hast du,« nickte der Alte lachend, »aber Hua will nicht.«

»Sei nicht so bös, weißer Mann,« sagte aber das Mädchen jetzt freundlich, ihm die Hand entgegenstreckend, »sieh, was würde Tai manavachi sagen, wenn er käme und fände mich, als das Weib eines anderen; bliebest du selbst bei uns auf der Insel, die ich nun einmal nicht verlassen kann und will. Hua sieht dich gern, aber sie kann dir nie angehören.«

Silwitch nahm die Hand und drückte sie in heftiger Aufregung, barg dann die Augen kurze Zeit in seiner Linken, und Toanonga sah, wie er einen heftigen Kampf mit sich selber kämpfe; aber er bezwang sich, und als er den Kopf wieder hob, sagte er ruhig und gefaßt.

»Es ist gut, Hua; wenn du mich nicht haben willst, kann ich dich nicht zwingen, aber – ich hatte es gut mit dir gemeint, und – du hast mir weh – recht weh getan. Das ist jetzt vorbei, und ich werde nun wieder fortsegeln von hier, und wahrscheinlich nie – nie wieder zurückkehren, nach Monui. – Wirst du noch manchmal meiner dann gedenken?«

»Wenn ich ein Segel am Horizonte sehe, werde ich wünschen, daß es das deine ist,« sagte Hua in ihrer einfachen Herzlichkeit, ihm treu und kindlich dabei ins Auge schauend.

»Und wann willst du gehen, cowtangata?« fragte der Alte jetzt, anscheinend gleichgültig, aber vielleicht mit dem unbestimmten Wunsch, das Gespräch auf einen fernen Gegenstand zu bringen, und nicht auf die noch vor ihm ausgebreiteten Geschenke zurückzuführen, die er eines nach dem anderen, vorsichtig und sorgfältig hinter sich und aus Sicht brachte.

»Ich weiß es noch nicht,« erwiderte der Engländer ruhig; »ich habe noch Holz bei deinen Leuten bestellt, das ich zuerst an Bord nehmen möchte. Willst du mich los sein?«

»Nein, nein, bewahre!« rief der Häuptling rasch und erschreckt; »du bist willkommen, so lange auf der Insel zu bleiben, wie es dir gefällt – nachher kannst du gehen. – Und wollen die Pagalangis selber ihr Holz schlagen?«

»Nein, ich habe deine Leute schon dafür bezahlt,« sagte der Engländer »und glaube, sie sind mitten in der Arbeit; bis morgen abend soll ich es an Bord haben.«

»Es ist gut – ich will es dir wünschen,« erwiderte der Alte mit einem etwas zweideutigen Lächeln. Ob es Silwitch aber bemerkte oder nicht, er schaute einen Augenblick sinnend vor sich nieder, nickte dann mit einem kaum unterdrückten Seufzer Hua, etwas lebendiger ihrem Vater zu, und schritt mit verschränkten Armen und gebeugten Hauptes langsam dem Strande zu, wohin er sein Boot beordert hatte, ihn wieder an Bord zu rudern.

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