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Im Garten der Frau Maria Strom

Helene Böhlau: Im Garten der Frau Maria Strom - Kapitel 15
Quellenangabe
typefiction
booktitleIm Garten der Frau Maria Strom
authorHelene Böhlau
year1924
firstpub1922
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart / Berlin
titleIm Garten der Frau Maria Strom
pages330
created20140409
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dreizehntes Kapitel

Gebete. Es brüllen die Tiger. Die Geisterchen in blauen Seidenblusen. Die Nachtigall. Ottomars Baumsegen erfüllt sich.

Eine Haubitze war zum Reinigen in die Staffel gefahren worden.

Sonntags ging Ottomar zum Feldgottesdienst.

In einer frühlingsfeinen Lauballee, gedeckt gegen Fliegersicht, stehen Mann bei Mann.

Es stehen die Bayern, den Helm in der Hand, den Blick am Boden, lautlos in Andacht.

Nur der Wind rauscht durch das lichte Laub und streicht das Haar der Krieger. So steigt am sonnigen Maimorgen hundertfaches Gebet auf zu Gott, die heißen, bittenden Worte können sich nicht verfangen und hängen bleiben in finsteren Nischen und Winkeln eines Kirchengewölbes. Ihr Weg liegt offen und leuchtet frei.

Ob wohl einer dabei ist, der heute nicht um Frieden bittet? Finster oder verbissen oder zaghaft und mit wenig Hoffnung oder voll schönen Gottvertrauens?

Ja, es ist einer dabei. Und der erhofft sich offenen Kampf, Wunder und Leben.

Dreimal schlägt ein Glöckchen. Dreimal neigen sich die Helden vor der unbekannten Gewalt Gottes.

Da hebt ein feines Singen, ein Schwingen und Klingen an und schwillt zur herzzerwühlenden Musik – ein Harmonium auf der Landstraße.

235 Zaghaft greift der Wind die vollen Klänge und trägt sie, vermengt mit eigenem Brausen, weit übers Land. Hin durch einen uralten Park vergessener Geschlechter. Stolz trägt er sie über frische Saat und über Heldengräber.

»O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Osterzeit.«

Sie setzen die Helme auf. Und mancher bärtige Mann schiebt seinen schmutzigen Rosenkranz in die Tasche und weint.

Über das Geschützwaschen steht in Ottomars ruckweisem Tagebuch: Wir haben unseren Massenmörder gewaschen, frisch gestrichen und alle seine inneren Teile auseinandergenommen und abgerieben. Dann haben wir sein ganzes Kunstwerk in goldgelbes Fett eingelassen und säuberlich von neuem zusammengesetzt. Ich sah seine wenigen festen inneren Gefüge, die alle ihrem Zweck und nur ihrer Bestimmung dienten – nur ihrer Bestimmung! Jetzt steht unsere Haubitze da, drittes Geschütz von rechts, neu gewaschen, frisch gestrichen und jungen Mutes. Welch ein Raubtier! Eine eiserne Katze nach dem frischen Bad im Felsenquell, zum Sprung geduckt. Und das Geduckte kommt von dem breiten, nach rückwärts gekrümmten Schutzschild, von dem breiten Laffettenschwanz, von den gedrungenen Rädern und von dem kurzen, dicken Rohr! Und der Mörder schaut feindwärts. Die erzene Tigerkatze hier will vor zu den drei Kameraden – will brüllen in schwüler Nacht.

Und die drei Kameraden haben gebrüllt, und ich bin nicht dabei gewesen.

Doch auf einen Tag war ich heute in der Batterie und habe den Tiger Nummer vier brüllen lassen.

Es ist ein Ruck am Abzugsgriff, und das Untier bäumt sich und speit den Tod zum Feind hinüber.

236 Es ging heute abend bei den Franzosen ein Büschel grüner Leuchtkugeln in die Luft – dann ein blauer, und dann ein Büschel roter Kugeln!

Was mag es bedeuten?

*

Die farbigen Leuchtkugeln beim Feind drüben hatten Bedeutung! Ein Fahrer brummte:

»Wild geht's auf, wild geht's auf!«

Um ein Uhr waren die vier Kanoniere des Parkhäuschens schlafen gegangen und um vier Uhr wurden sie geweckt; das tat ein alter Bärtiger.

»So,« meinte er, »jetzt kommen die jungen Spritzer mal in Betracht! Strom, du kannst jetzt deine Heldentaten machen, weil's dich gar so gelüstet danach.«

In den Weiher der Münchener Gemütlichkeit, der hier in Flandern schön langsam zusammengelaufen war, hatte der Kriegsblitz eingeschlagen.

Vor den Ställen schnauften die Pferde, gesattelt und marschbereit. Den hastenden Soldaten sah man es an, daß sie alle die vielen kleinen Sachen, die sie hier mit der Umgebung und der neuen Heimat eng verschlungen hielten, in den Tornister untergebracht hatten. Es sahen die treuen Blauaugen gar durstig aus nach Neuigkeiten. – Infanteriefeuer! Die Engländer schießen mit schweren Schiffsgeschützen. Vorn beginnt die Haubitzenbatterie zu bellen. Sie verbellt die ganze Munition. Bis zum Schloß ist die Allee durch einschlagende Granaten eine braune Schmutzwolke. Das Land bebt von wütendem Krachen und Pfeifen. Geschosse schwirren überall. – Hinter jedem Haus, hinter jeder Mauer stehen sie, die Reserven, Infanterie, Artillerie, und staunen ob der grausen Verwüstung. Jederzeit gewärtig, in Erdloch oder Keller zu verschwinden.

237 Befehl vom Batteriechef: »Alle Munitionswagen wie Protzen sofort in hundert Meter Abstand voneinander bei der Feuerstelle einfahren. Im schärfsten Tempo!«

Schon sitzt Ottomar Strom auf dem zweiten Munitionswagen, auf dem ersten saß Frühauf, und im flinken Trab rasseln sie los übers Pflaster hin, feindwärts! – Schon sind sie dem Explosionslärm näher. Das Höllenland liegt vor ihnen. Rechts, links – schon sind sie mitten drin! Vorn, im Rücken, überall wütende Einschläge – die Engländergeschosse schlagen sich die Schädel blutig an der Erde und werfen Feuergarben zum Himmel und Berge von Erde und Steinen, Staub und Rauch. – Kreuzweis pfeifen die Granaten, man kann nichts mehr verfolgen. Manchmal ganz nahe an dem Wagen! – Die Luft ist erschüttert. Wie gut, daß die Fahrzeuge so laut dahinrumpeln, das beruhigt. – Da, links, eine helle Flamme und gleich darauf hängt eine schwere, gelbe Wolke.

»Achtung, Stinkgranate!« ruft einer. Sie schließen krampfhaft den Mund. Doch es geht ein Wind. Die Schwefelwolke hält sie nicht umhüllt. – Viele solcher Wolken. – Oben in der Höhe das Aufflammen von Schrapnells, es pfeifen Kugeln! – Auch die deutschen Batterien speien Unglück zum Feind hinüber. – Ein Höllenlärm.

Zweimal griff Ottomar nach seinem Talisman, es war der rote Wunderstein von Ruthles Vater, doch hatte er keine Angst und war nicht erregt. In einem starken Glücksgefühl schrieb er sich später auf:

Hab' nicht mehr Angst gehabt, als würde ich in München an einem Schandi vorbeifahren, ohne Laterne. Angenehm ist das nicht, aber ganz lustig. Ja, und lustig war es hier auch! Je lauter es tobte und pfiff, um so lauter mußte man lachen! – Oh, ich bin so froh, so sehr froh über mich, daß ich keine Angst habe! Doch begriff 238 ich die ernsten Gesichter der Männer nicht. Wird man denn so, wenn man länger draußen ist, der Krieg ist doch nichts Ernstes? Wenn wir uns vom sicheren Ort aus sehen könnten, wir würden doch lächeln über die Torheit der Menschen.

Das Abladen der Munition ging so schnell, daß es Ottomar nicht ganz begriff. Sie warfen die Munition in die Erdlöcher zu den vergrabenen Geschützen hinunter. Es griffen ruhige Arme ruhig danach. Das Abladen bei den Batterien war immer zeitlos.

Beim Zurückfahren kreuzte Ottomar den dritten Wagen. »Darf ich aufsitzen?« Die Fahrer nickten. Wieder ging's zur Batterie. Und so fort, bis der letzte Wagen kam. – Walter Frühauf hatte sich zu ihm gesellt. Sie waren freudetrunken. Aber wie zwei müde Mäuse ließen die beiden sich auf dem letzten Wagen aus dem Granatfeuer fahren.

Drei Tage tobte das Feuer, am stärksten in der dritten Nacht; da begann es rasend zu werden. Ottomar Strom und Walter Frühauf hatten der Batterie Munition gebracht und fuhren gerade zur Staffel zurück. Kurz vor der Staffel schlug eine schwere Granate in den Park. Es hob sich der Wagen vom Luftdruck. Ohren, Augen schmerzten und die Luft war voller Gift, ein Eisentrum fegte zwischen den Pferdepaaren durch, doch alle waren heil! Die Pferde waren stehen geblieben, jetzt fuhren sie im wilden Galopp an, eine sinnlose Flucht – denn mit diesem Schuß kam Schweigen. – Die Schlacht war beendet.

Die zwei Freunde tappten sich dem Parkhäuslein zu Doch als sie eintraten, war alles leer. Die Schlafzimmer leer, die Stube leer, die Küche leer. Nirgends huschten und trippelten die drei lichtblauen Geisterchen; auf der Treppe nicht, im Speicher nicht, nirgends. 239 Lichtblau waren sie gewesen, heiter zum Anschauen, wie Stücklein Sommerhimmel. Bei einer Arbeit am Bahnhof hatte Ottomar Strom ein Lager himmelblauer belgischer Seide entdeckt, die sollte, in braune Farbe getaucht, zu Sandsäcken verarbeitet werden. Und da sah man bald darauf Madame, die beiden nachtäugigen Yvonne und Claire in himmelblauen Blüslein durchs Häuschen trippeln und herumfahren.

Madame aber war mit den Töchtern im Keller, und als Ottomar oben stand an der Kellertreppe, und als Madame unten scheu und ängstlich mit einer Kerze nach dem Eindringling leuchtete, da rief er: »Courage, Madame!« Aber das kleine Frauchen fauchte in ihrer Aufregung: »Courage, Monsieur! Courage, nix Courage! – nix Courage! Bums à la Maison, Grand danger, grand malheur, grand bruit! – nix Courage Monsieur!«

Die beiden Mädchen waren gekommen und stimmten ein in den Jammer; es war von dem letzten, furchtbaren Einschlag ein Eisenstück gegen die Hauswand gefahren und hatte eine kleine Bresche gerissen. Doch im Keller der Frau du Moulin war's nicht ungemütlich. Fein sauber und neben dem Weinfaß lag ein Teppich, da standen Stühle und ein Tisch und ein Schränkchen, ein Diwan war hinunter geschafft worden und auf dem Tisch brannte eine Lampe. Ja sogar ein Büchergestell hatten sie dort, ohne Bücher. So saßen sie bald auf Diwan und Stühlen um das große Faß und hielten mitternächtliches Gelage. Die Lampe warf träumerisches Licht. Bald waren die fünf guter Dinge und lachten viel. Da rief Walter Frühauf: »Ottomar muß eine Geschichte erzählen.«

Als die drei Gespensterchen erfahren hatten, was geschehen sollte, riefen sie alle drei, obwohl sie es ja nicht 240 verstehen konnten: »Eh bien - eh bien, va raconter, racontez vous, monsieur Ottomar, racontez s'il vous plaît.« Und sie klatschten in die Hände und kuschelten sich behaglich auf dem Sofa zurecht.

Ottomar nahm sein Notizbuch, da standen lauter bunte Schlagworte drin, wie: Ein roter Wunderstein! Gold! – Die rosa Zauberbrille! – Und Ottomar begann etwas Vergangenes zu erzählen im traulichen Erzählerton, obwohl ihn nur Walter verstehen konnte, kam aber nicht weit, Yvonne hatte sich leise fortgeschlichen und war mutig in die Küche gestiegen. Yvonnes kleine Liebe zu dem deutschen, jungen Feind wurde immer zu Kaffee, und zwar immer zu Kaffee mit Zucker verstohlenerweise. Sie setzte die Schalen mit stolzer Freundlichkeit auf den Tisch. Da er aber nur wenig nippen konnte, weil der Kaffee zu heiß war, so tauchte auch sie ab und zu ihr Schnäbelchen hinein.

Der junge freundliche Feind bewegte sich in seiner unterbrochenen Erzählung bis in seine allerfeinste Sehnsucht, daher war sein Gesicht wach und seine Augen sprachen ihre lebhafte Sprache.

Und die Augen waren es, die das Mädchen wach hielten. Sie spielte mit diesen Lichtern und freute sich.

*

Umschlossen vom Park und verborgen durch den Park, lag eine Obstbaumwiese. Ottomar erwachte mitten in der Nacht, und er fühlte eine seltsame Wachheit seines ganzen Wesens. Und so erhob er sich um zwei Uhr morgens und ging auf diese verborgene Wiese. Es sind die Blütenbäume übergossen vom Mondlicht. Und das trunkene Licht gibt den Bäumen Leben. Die von Blüten weiß umwölbten Birnenbaumzweige ragen wie bleiche Arme oder wie weiße nackte Gestalten, und Gestalten umtanzten die grauen Baumstämme, in eigenartigen 241 Bewegungen und Sprüngen erstarrt. Überm Gras liegt der Duft wie Liebesrausch, und leise wogt ein Nebel.

Doch Ottomar quält sich; es quälen ihn seine Gedanken. Gudrun hätte mir die Hand geben sollen. – Sie war geheimnisvoll, sie war reich.

Ich bin sehnsüchtig nach Geheimnis!

So dachte Ottomar.

Sehnsüchtig nach Geheimnis.

Und die Menschen sind alle vom Alltag, dachte er, – und ich fürchte den Alltag; – aber das Geheimnis fürchte ich nicht.

Sieht den Kameraden der Tod ins Auge, dann tut sich ihnen in seiner Nähe Herz wie Seele auf, – und danach versinken sie wieder in Kleinlichkeiten.

Da wurde es ihm ganz seltsam und freudig zumute.

Es ist kalt und dämmernd schön. So tritt er an einen Baum, lehnte sich an den Stamm und schließt die Augen. So horcht er auf die Freude, die in ihm, die zu ihm sprechen will. Und wie er die Augen schließt und lauscht, da überrascht ihn unendliche Schönheit. Es liegt über einem weiten, weiten Wiesenland Dämmerung und der Morgentau bringt tiefe Ruhe allen Wurzeln und Steinen und auch den kämpfenden Männern, die sich im Boden verborgen halten. Und mitten in den weiten Wiesen hebt sich der alte Park. Das lebendige Wasser, das ihn als Graben umgibt, das die Wurzeln der alten Blätterriesen kühlt und sich von den Bäumen atmen läßt und durch die Blätter zum Himmel und zu den ziehenden Wolken eilt, das Wasser schläft, rund um den Park. Massig steht der Park im Morgendämmer.

Rings lauscht das taugeküßte Land mit offenem Herzen; denn: Es schlägt die Zauberin, die Nachtigall, im Wunderpark. Und von der Wiese gluckst leise ein Wasserhuhn den Weltentakt dazu. Zauberklänge gleiten am 242 Boden entlang, über die Erde hin und bringen den Menschen Freude.

Eine volle Stunde sendet der göttliche Zauberer sein Lied über Park und Felder. Höchster Jubel und auch tiefere seltsame Klänge des Waldes.

Eine volle Stunde Seligkeit.

Dann setzt die ganze Vogelwelt ein und nimmt dem Lied das Unsagbare, schallender Jubel kündet die Sonne an.

Ein volles ganzes Tönen, nicht Lärm wie beim Vogelhändler.

Da geht ein Rauschen durch das Holz und verständig ducken sich die Sänger und dämpfen den Jubel zur Träumerei des Waldes. –

Fern her tönen Tritte der Infanterie. Ablösung. Mit rüstigem Schritt tragen sie ihr Herz und Seel' dem Vaterland zum Opfer – zur frühen Morgenstunde. Eine Fledermaus huscht auf und knarzt. Ottomar Strom taumelt auf und schreitet mit raschen Schritten unter den Blüten hin. Er tritt das morgige saftige Gras.

Und es däucht ihm, er gleite gerade über die Lande – und gerade in den Himmel hinein.

Und trotzdem geht er Kurven und Bogen. Seltsame Bogen – seltsame Formen. – Ottomar schreitet in geheimnisvollen Zeichen des Paradieses und einer großen Freude.

Da bleibt er stehen, er sieht den Morgenstern und er sieht auch eine hohe, schöne Tanne und er tritt so, daß der Stern den dunklen Wipfel der Tanne krönt und schmückt. Und er spricht laut: »Ich schmücke dich mit dem Morgenstern, du schöne, du herrliche, du liebe Tanne! Ich verstehe weshalb du so ernst und schön bist. Ich sehe dich aufwärts streben – fort von der Erde – himmelwärts – und dennoch liebevoll mit allen Zweigen den Boden segnen –«

243 Und herrlich sah die mächtige Tanne aus mit dem Morgenstern auf ihrem Wipfel. So hatte er seine schöne Stunde – sein Tannenglück – seinen Baumsegen. – Auf der Brücke über dem Wassergraben machte er Halt – und Ratten schwammen durch die grünen Wasserlinsen. – Das ist wieder die Welt mit Zank und Streit. Und als die Sonne kam und stieg, schlief Ottomar ein unter den blühenden Bäumen im Frühlingsduft.

*

Am Morgen gab Madame die Erlaubnis, und Ottomar durfte mit Yvonne spazieren gehen. Die beiden gingen in den Park und besahen den Einschlag vom Abend. Es war ein Trichter, wohl fünf bis sechs Meter im Durchmesser und zwei Mann tief. Man hätte darin an die vierzig Leute verstecken können, und Yvonne begann im Frühlingsmorgenwind, wie gestern abend, mit des Freundes Augenlichtern zu spielen; doch die waren trüb und brannten nicht. Und als sie heimkamen, trieb es das liebe Mädchen wieder in die Küche. Es wird ein Hüngerchen sein, dachte sie, doch war's nicht so – kein Hüngerchen. In Ottomar war unerwartet die Lungenentzündung geschlichen und hatte sich in seinem jugendfrischen Körper eingenistet. Am Abend trugen sie ihn auf einer Bahre ins Feldlazarett. Die kleine Yvonne war traurig. Ihr war ein guter Kamerad verloren gegangen, weit fort auf Nimmerwiedersehen. Walter Frühauf und die anderen bedauerten den Verlust sehr, sie trugen ihm viele Grüße auf für die Heimat.

Ein Lazarettzug ging am nächsten Morgen ab. Kurz vor Zugabgang erkundigte sich der Kranke bei den Sanitätern nach Wolfgang Stürmer, der in der Nähe stand.

»Sollten wir dem etwas ausrichten?« erkundigte sich ein älterer Mann. Ottomar hatte auf einen Zufall 244 gehofft und wollte Dorothee Garbe Grüße von Wolfgang bringen. Doch der Kranke vernahm die Antwort nicht, er hatte das Bewußtsein verloren. Der Sanitäter beugte sich über ihn und besah seine Erkennungsmarke. Er schrieb sich den Namen auf, um ihn etwa einmal dem Wolfgang Stürmer zu zeigen – und er besah sich die Blechmarke genau und sah darauf eingekratzt die Worte:

»Gott, sei du mein Freund.«

 

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