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Ich war Pirat

Edward John Trelawny: Ich war Pirat - Kapitel 87
Quellenangabe
authorEdward John Trelawny
titleIch war Pirat
publisherWerner Dietsch Verlag
year1938
translatorKarl Konrad
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorAlfred Wey
senderwww.gaga.net
created20180303
modified20180621
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Anhang

Nachwort des Übersetzers und Bearbeiters Dr. Karl Konrad:

Trelawny und sein Buch »Ich war Pirat«.

 

Adventures are for the adventurous.
Wagnisse sind für die Wagemutigen.

Beaconsfield.

 

Edward John Trelawny kam ungefähr drei Monate nach Shelley, am 13. November 1792, in London zur Welt. Seine Mutter, Maria Hawkins, war spanischen Blutes. Das erhellt nicht nur manches in der leidenschaftlichen Wesensart des Sohnes: seine Neigung, von einem Gegensatz in den andern zu fallen, seinen Hang zur Schauspielerei, seine Beweglichkeit, sondern auch seine »Lust zu fabulieren«. Sicher war er ein entfernter Vetter jenes Ritters, der auf seiner Rosinante immer nach neuen Gefahren pirschte, wunderlich geschunden und geschoren, und doch glücklich, unbeschwert die Welt durchabenteuern zu dürfen. Nicht minder aber auch ein Vetter jenes Marquis Posa, der von einem Philipp II. »Gedankenfreiheit« forderte. Der Vater, Charles Brereton, war Oberstleutnant und zweimal Mitglied des Unterhauses. Er entstammte einer vornehmen altcornwallischen Familie, die Heer, Flotte, Kammer vollwichtige Vertreter gestellt hat. Von dessen Seite erbte Edward John Trelawny die »Statur«: die Starrköpfigkeit wie die Rücksichtslosigkeit, gelegentlich sogar Klobigkeit des Auftretens. Die Entschlossenheit, »zu erlangen, was er wünschte, und wenn er durch Himmel und Hölle gehen müßte«, war nach eigenem Geständnis sein schlimmster Feind. Er war wie sein Vater der zweite, d. h. ein »jüngerer Sohn«, dessen Sonderstellung in den hochbürtigen Familien er in seinem Roman dick unterstrichen hat.

Damit ist's heut nicht wesentlich anders als zur Zeit des Verfassers, und die vielen Freunde von Burnett's »Kleinem Lord« sind einigermaßen im Bilde. Die adlige Herrenkaste hat noch immer fast den ganzen Großgrundbesitz in Händen, herrscht, aber arbeitet nicht, treibt Jagd, Sport, Politik. Der Besitz ist familienpolitisch fest gebunden wie ein Fideikommiß oder Stammgut, – nicht rechtlich, aber tatsächlich. Der Stammhalter wird nur dann zum Erben ernannt, wenn er sich verpflichtet, den Besitz ungeteilt dem eignen ältesten Sohne zu vermachen. Die jüngeren Söhne werden auf Geldvermögen gesetzt, müssen die staatsmännische, soldatische oder geistliche Laufbahn einschlagen, in den Überseedienst treten oder sich in Handel und Großgewerbe betätigen. (Dibelius.) Mit Recht sagt Jack London: »Den steinigen Weg muß der jüngere Sohn wandeln, eh er sich selbst Herd und Sattel verdient«. – Unter diesem Druck eines Spätlings hat auch Trelawny gestanden.

Sonnig kann seine Jugend nicht gewesen sein; sonst hätte er schwerlich in seinem Roman den Helden eine Kinderzeit durchstehen lassen, deren Trostlosigkeit an »Nicholas Nickleby« oder »Oliver Twist« von Dickens erinnert. Die Schulbildung war sehr dürftig. Für die ersten zwanzig Jahre seines Lebens ist dieses Buch einzige Quelle. Mit nicht ganz Dreizehn kam er zur Flotte, im Oktober 1805 ist er an Bord der »Superb«. Die Lorbeeren von Trafalgar verpaßte er angeblich dadurch, daß sein Admiral Duckworth sich geschlagne drei Tage in Plymouth mit den fraglos für ein Schlachtschiff unentbehrlichen Hammeln und Kartoffeln eindeckte. Die »Superb« hat er am 29. Dezember mit einem befriedigenden Zeugnis verlassen. Nun besuchte er die Seeschule Dr. Burneys in Greenwich und ging auf ein nach Ostindien bestimmtes Kriegsschiff. In Bombay scheint er davongelaufen zu sein, vermutlich, weil die Behandlung alles andere war als anständig und gerecht und weil seinen quirligen Geist der eintönige Dienst anödete. Es ist kein Zufall, daß der Held seines Buchs als junger Kadett in erwachendem Lesetrieb die Erzählung des Kapitäns Bligh von seiner Fahrt nach den Südseeinseln um 1790 und der Meuterei seiner Mannschaft fast auswendig lernt; des Kapitäns parteiische Darstellung täuscht Trelawny nicht, und er verabscheut Bligh wegen seiner Gewaltherrschaft und Leuteschinderei: Christian, der die Qualen der Männer mitfühlende Offizier, der Anführer ihrer Meuterei, ist Trelawnys Vorbild; er wünscht, Christians Schicksal hätte ihn getroffen, und brennt, ihm nachzueifern. (Das Buch ist unten erwähnt.)

In der Marine hat Trelawny nachweislich weder Unteroffizier- noch Offizierrang bekleidet. Vermutlich hat er dann auf einem Kaper( nicht Seeräuber-)schiff in den indischen und malaiischen Meeren angeheuert. 1811 soll er an der Küste Javas gewesen sein. Ob er wirklich unter dem »lustigen Roger« der Kaperflagge, gegen eigne Landsleute gefochten hat wie der Titelträger seines Buches? Schwer anzunehmen, daß man ihn nicht später daheim zur Verantwortung gezogen und wegen Landesverrats hart bestraft hätte. Die sogenannte Gerichtsbarkeit der Engländer ist noch bis tief ins 19.Jahrhundert von einer Unsinnigkeit und Scheußlichkeit gewesen, die in Europa wettbewerbslos war. Mit dem Tode wurden geringfügige Diebstähle bestraft, wobei das Entwendete noch nicht eine Mark Geldwert hatte. Man kann sich ausmalen, wie Hochverrat gesühnt wurde! Erst 1814 wurde die darauf stehende höchst vielseitige Todesstrafe dahin »gemildert«, daß der Verurteilte »nur« gehängt und gevierteilt wurde.

Trelawnys Held, der mit den Franzosen gegen John Bull kämpft, wenn auch nur unter einem mit französischen Kaperbriefen versehenen amerikanischen Kapitän, ist also hierin kaum mit dem Verfasser gleichzusetzen. Ein abenteuerreiches Leben hat er trotzdem jedenfalls geführt, und sein Erinnerungsschäfchen hatte er schon damals im Trocknen; sonst wären seine Schilderungen kaum so saftig-anschaulich ausgefallen. Indes vermischt er Späteres mit Früherem, und ganze Jahresreihen lassen sich überhaupt nicht mehr lebensgeschichtlich festlegen. Vermutlich hat er vieles absichtlich im Zwielicht gehalten. 1813 scheint er nach England zurückgekehrt zu sein und sich zum erstenmale (unglücklich) verheiratet zu haben. 1820 ist er allein in der Schweiz und wird auf Shelley aufmerksam. 1821 ist er wegen des Todes seines Vaters wieder in der Heimat. Ende des Jahres begibt er sich mit Hunden, Flinten, Netzen nach Toskana, um in den Maremmen zu waidwerken.

Um die Zeit trifft er mit Byron zusammen: eine folgenschwere Bekanntschaft. Die Annahme, er sei das Vorbild für Byrons »Giaour« oder »Korsar« gewesen, geht fehl; die Dichtungen sind nämlich schon 1813 geschrieben. Ein fahnenflüchtiger Napoleonischer Offizier, Lafitte, der in Westindien Freibeuter geworden war, hat hier vielleicht Modell gestanden. Äußerlich hätte das der Engländer Trelawny auch gekonnt. Er maß seine sechs Fuß, trug einen Schnurrbart, hatte (wie Frau Shelley bekundete) ein orientalisches, nicht aber asiatisches Aussehen: rabenschwarzes Haar, gekräuselt, kurz, dicht wie ein Mohr, – dunkelgraue, ausdrucksvolle Augen, – so (nach Byron) dazu geschaffen, den Othello zu spielen. 1822 begegnet er auch Shelley in Pisa. Schon im Juli nahm er in Byrons Gegenwart die schwärmerische Verbrennung des Ertrunkenen bei Viareggio am Tyrrhenischen Meere vor (ihr Nachklang ist in einem der schönsten Kapitel des Buches: Heilige Flamme, enthalten) und setzte die Asche im folgenden Jahre auf einem von ihm gekauften Platz des neuen protestantischen Friedhofs in Rom bei. Am 23. Juli segelte er mit Byron auf dessen Yacht »Herkules« nach Griechenland, um, ein umgekehrter Peer Gynt, dessen kindseliges, vom Leben so grausam entblättertes »philhellenisches« Abenteuer zu teilen. Byron hatte über zehntausend Pfund in der Tasche, Trelawny fünfzig; in gleichem Verhältnis mag ihre Zuversicht und Begeisterung gestanden haben. Für sich und den Begleiter hatte Byron zwei Helme homerischen Ausmaßes entworfen, ähnlich dem, der im 6. Gesange der »Ilias« das Knäblein Astyanax so sehr erschreckt: wallende Federn, breite, drohende Schuppenketten. Aber Trelawny lehnte ab, und sie blieben in Genua.

Auf Cephalonia trennte Trelawny sich von Byron, ungeduldig über dessen Saumseligkeit, fuhr nach dem Festland und schloß sich dem Häuptling Odysseus an, der eigne Wege im Gegensatz zur Regierung ging. Trelawny unterstützte ihn im Banden- und Kleinkrieg sowie bei allerlei Zettelungen. Dabei trug er die malerische suliotische Gewandung und soll sich (nach Byrons italienischem Beispiel) in Athen einen Harem beigelegt haben. Die Hoffnung, Byron nach Salona, Athen zu ziehen und die Akropolis zu halten, wurde durch Byrons Tod am 19. April 1824 vereitelt. Trelawny hat ihn nur noch auf dem Totenbett gesehen. Später heiratete Trelawny in zweiter Ehe Tarsitsa, die zwölfjährige Halbschwester des Odysseus, und verteidigte Ende 1824 in dessen Auftrag die Festung auf dem Parnaß. Der Verteidigungsausschuß in Athen ließ den verdächtigen, unbequemen Odysseus ermorden. Trelawny wurde im gleichen Auftrage im Mai 1825 in seiner Bergfeste von zwei auf Odysseus' Schätze lüsternen Raubmördern und Verrätern – einem Schotten und dessen Werkzeug, einem schwachsinnigen jungen Engländer – überfallen und lebensgefährlich angebleit. Die Kinnlade wurde ihm zerschmettert, Rücken, Nacken, Brust, rechter Arm versehrt. Er hatte viel von den Wunden auszustehn; nur seine unverwüstliche Körperkraft trug – wie er höchst anschaulich beschreibt – den Sieg davon. (Auch sein Roman weiß von solch einer schweren Verletzung des Helden zu berichten.) Der eine Angreifer wurde von einem Wachtposten auf der Stelle erschossen, der andre nach drei Wochen von Trelawny begnadigt. Trelawny entkam schließlich mit seiner Frau im September 1825 nach Cephalonia in den Schutz britischer Kriegsschiffe.

Die Eroberung Missolunghis durch die Türken fällt noch in diese Zeit. Im gleichen Jahre gebar Tarsitsa eine Tochter Zella, das Urbild Zelas in dem Roman. Sie, die nach dem Urteil des Vaters eine »Feuerseele« hatte, begleitete Trelawny nach Italien und heiratete später glücklich. Auf den Jonischen Inseln blieb Trelawny bis Ende 1827. Wie er Shelleys Witwe Mary schrieb, hielten ihn Fieber und ein »niederträchtiger Prozeß« dort zurück. War es die Scheidung? (Hierzu genügte dort freilich die einfache gegenseitige Zustimmung, und Trelawny hat das abgekürzte Verfahren nicht genug loben können. – Tarsitsa ist später eine zweite Ehe eingegangen.) 1828 ist er in England, im folgenden Frühjahr wieder auf dem Festland und verkehrt mit Walter Savage Landor, Kirkup, den Barings, Charles Armitage Brown, dem Freunde Keats', und anderen Berühmtheiten.

Marys »Korb« enthielt zwar die Ablehnung seines Heiratsantrags, barg aber wegen seiner treuen Dienste Ersatz in dem Angebot einer lebenslangen Freundschaft. Sie hat das von Trelawny geplante Lebensbild des Gatten verhindert, dafür seine inzwischen entstandene Lebensbeichte 1830 auf seine Bitte dem Verleger Colburn übermittelt und mit ihm verhandelt. Landor und besonders Brown haben das Werk Trelawnys auf Rechtschreibung, Zeichensetzung u. ä. durchgesehen. Von Mary wird dasselbe behauptet, doch, wie aus Briefen und einem Aufsatz Trelawnys hervorgeht, zu Unrecht. Auf ihre Veranlassung sollen ferner ein paar allzu handfeste oder sonst anstößige Stücke ausgemerzt worden sein. Auch das stimmt nicht. Sie hat ihn auf verschiedne, für weibliche Leser untragbare Stellen hingewiesen, aber soweit sich beurteilen läßt, erfolglos. Auch der Verleger wünschte Striche. Ein Brief Trelawnys beweist, daß er auf Marys Vorschlag den Dichter Horace Smith als Schiedsrichter für das einsetzte, was »unbedingt« zu unterdrücken sei. (Mary sollte und hat Abschriften davon behalten.) Darin war der Dichter fest; denn er wußte, daß in dem ausdrücklich für Männer geschriebnen Buch nichts geglättet oder fortgelassen werden dürfe, wenn nicht »eine indische Dschungel in einen verschnittnen französischen Park verwandelt werden« sollte.

Vor allem wollte er den Anschein vermeiden, als sei das Buch um der Veröffentlichung willen geschrieben worden. Er wollte weiter unbedingt geheim bleiben, sogar dem Herausgeber. Wenn nur nicht die Mutter überall die Absicht des Sohnes ausgeplaudert hätte! Das Buch ist allerdings 1831 namenlos erschienen. Die erste Auflage brachte die 300 Pfund Schriftsold nicht ein. Bald aber erschien eine wohlfeilere Ausgabe (wofür nochmals 100 Pfund gezahlt wurden), und seitdem gehört das Werk zu den anerkannten Klassikern Englands.

Der vom Dichter so gefürchtete persönliche Nachteil ist ausgeblieben. Die Urteile waren freilich geteilt. Man stieß sich in der Kritikergilde vor allem an dem so ganz unenglischen Sturm und Drang, an der Kraßheit der Charakterzeichnung, den teilweise allzu »derben« Schilderungen, der deftigen Sprache, – sicher doch auch an den schroffen Ausfällen gegen die heimische Kolonialpolitik und das urenglische Wesen, an den wilden Ergüssen gegen »Despotismus« und »Orthodoxie«, wie an dem Jubel über die französische Juli-Revolution im Schluß. Dem Künstlertum eines Unbekannten, Ungenannten stand man befremdet, verständnislos gegenüber.

Das Leben Trelawnys verläuft weiter im Zickzack. Europamüde, hatte er 1831 den »tollen Plan«, nach dem Osten zu gehen, das Festland für immer zu verlassen. Er besann sich eines andern. Der für die Zwischenzeit erhoffte Umsturz in England war nicht erfolgt. Trotzdem kehrte er 1832 hierher zurück. Die Reformbill war durchgegangen, und doch fand er weder den erhofften Sitz im Unterhaus noch »einen Platz unter den Demagogen«. Gjellerup kennzeichnet in dem unten angeführten Roman treffend Trelawnys Haß »gegen den Staat, der jede freie individuelle Bewegung unterdrückte, jeden Funken genialen Strebens zerstampfte, – und vor allem gegen dies Albion, das seit Pitts Tagen unentwegt an der Spitze der Reaktion ging, das seine größten Söhne verbannte, seine beiden Dichterdioskuren (Byron und Shelley) geächtet hatte, das zu dem gemeinen Egoismus aller Staaten auch noch die Heuchelei seiner feigen, unter der Flagge der Zivilisation segelnden Krämerpolitik hinzufügte+...«. So schüttelte er wieder den Staub der Heimat von den Füßen.

Im Januar 1833 nahm er Kurs auf die Nord- und Südstaaten der amerikanischen Union. Die großartige Natur der endlosen Wälder und Flüsse, von Cooper verherrlicht, die weiten Flächen mit ihren spärlichen Siedlungen haben seinen ungebundnen Sinn gewaltig beflügelt. Die vielen Geistlichen haben ihn freilich ebenso verschnupft wie die Scheindemokraten. In zwei springlebendigen Briefen lesen wir, wie er am 5. August die Stromschnellen oberhalb des Niagaras durchschwommen hat. (Warum auch nicht, wo doch Freund Byron einst den Hellespont durchquert hatte!) Halb bewußtlos ist Trelawny durch die Hölle ans andre Ufer gelangt. (Ist er das Vorbild für Armand-Strubbergs Roman »Der Sprung vom Niagarafall« (1864), dessen Held freilich umkommt? Der deutsche Dichter, Sohn einer Französin, weist manche Ähnlichkeit mit dem englischen auf.) Im Süden wollte ein Sklavenbaron Trelawny seinen ganzen Besitz übereignen, wenn er sich darauf niederlasse. Ausgerechnet Trelawny, der in seinem Buch den Sklavenhandel, die Sklavenwirtschaft als Schande der Menschheit angeprangert, – der (was freilich erst nach seinem Tode bekannt wurde) damals einen Sklaven losgekauft hatte!

1835 tauchte Trelawny in England auf, um es nicht mehr zu verlassen. In der »Gesellschaft« fiel der »Kapitän« durch sein hübsches, fremdartiges Aussehen, seine nervige Erscheinung auf. Was von ihm bekannt, mehr noch: unbekannt war, umwob ihn mit dem Zauber des Geheimnisvollen, und er zeigte sich nicht abgeneigt, diesen »romantischen« Ruf durch romanhafte Erzählungen zu heben. Alles in allem: der rechte Londoner »Löwe«, der »interessante« Mann. Bulwer, der neben andern Größen zu seinem Freundeskreis zählte, hätte ihn für eine seiner geheimnisvoll spannenden Erzählungen nur abzuschreiben brauchen+... 1837 hört der herzliche Briefwechsel mit Mary auf. Trelawny hatte sich abfällig geäußert, daß sie bei der Herausgabe der Werke ihres Gatten in der »Königin Mab« Verschiednes fortgelassen habe.

Von nun ab verlief sein Dasein in stillen Bahnen, – seltsam genug bei dem wanderhaften Mann, der damals erst Mitte Vierzig war. Der Sturmgeselle wird geruhsamer Bürger. Ob das seine dritte Vermählung bewirkte? Auffällig bleibt ja, daß der Freiheitsapostel den Nacken dreimal unter das verhaßte Ehejoch gebeugt hat. Vielleicht erklären sich daher die teilweise drollig anmutenden Angriffe gegen Hymens Bande in diesem Roman+... 1846 wohnt Trelawny in Putney Hill, dann zehn oder elf Jahre auf einem Landgut in Usk in Monmouthshire. (Sein Held sehnt sich allerdings auch nach einem friedlichen Bauerntum, obwohl er dem Ruf des Lebens immer wieder folgt.) Wie Trelawny mit Genugtuung erklärt, ist es ihm gelungen – damals etwas Ungewöhnliches –, aus seinem Besitz etwas herauszuwirtschaften. Seinen Nachbarn erwies er viel Gutes. Leider war sein häusliches Leben zerrüttet; hier erfolgte der hoffnungslose Bruch mit seiner dritten (und letzten) Frau. Für seine Kinder hat er redlich gesorgt. Seine zwei Söhne (beide hat er überlebt) ließ er in Deutschland »praktisch« ausbilden. Seine Tochter Laetitia heiratete 1882 einen Oberstleutnant.

Edward John Trelawny.
Nach einem Mezzotinto von David Lucas. Aus: The Works of Lord Byron, hersg. von Rowland E. Prothero, London 1901 ( Letters and journals Vol.6)

1858 erscheinen auf eigne Kosten in London (und Boston) seine » Erinnerungen an die letzten Tage Shelleys und Byrons«, die seine Gattin klug beeinflußt hat. (Neuausgabe von E. Dowden 1906.) Wenn er einst seinen Roman als ersten Teil seiner Lebensbeschreibung hinstellte, – diese »Erinnerungen« sind beim besten Willen nicht als die Fortsetzung anzusehen, von der er Mary 1831 geschrieben hatte.

Nur ein echt künstlerischer Sinn konnte Shelley dieses Denkmal der Ein- und Nachfühlung setzen. Byrons Verehrer werden weniger zufrieden gewesen sein. Die mitunter maßlosen Schroffheiten gegen ihn erklären sich aus dem Streben, das im Schatten des Titanen zu kurz gekommene Werk Shelleys ins rechte Licht zu stellen, dessen mißdeutete Artung und falsch aufgefaßten Grundsätze gegenüber dem reichlich vergötterten Zeitgenossen klar herauszuarbeiten. Dann hat es Byron selber durch sein ständiges Gehabe und seine Flausen dem Zeichner erschwert, seine Züge richtig zu erfassen, – »der Großtuer mit Lastern, die er nicht hatte«. Wo er natürlich ist, ist Trelawny verständnisvoll. Bei aller Gleichheit der Ansichten lag doch eine Gegensätzlichkeit vor, die sein Urteil getrübt hat. Shelley tritt uns »wirklich« entgegen wie sonst nirgends, sein Schatten ist der Begleiter Trelawnys gewesen bis an sein Ende, die Erinnerung an ihn »die einzige Leidenschaft seines Alters«. Geliebt, verehrt hat er beide, mag ihn auch seine Sprunghaftigkeit zu starken Widersprüchen verleitet haben. Als ihn in Griechenland die Kunde von Byrons Tod ereilte, brach er in die Klage aus: »Die Welt hat ihren größten Mann, ich meinen besten Freund verloren!« Einen Rest von Shelleys »Herz der Herzen« (Cor [cordium]) hat er aus dem von ihm und Byron geschichteten Scheiterhaufen gerettet, die Asche und die gebleichten Knochen hat er in einer Urne geborgen, Byron in die Familiengruft nach Hucknall geleitet. Lesefrüchte aus ihren (und Keats') Dichtungen hat er jedem Kapitel dieses Romanes und seiner »Erinnerungen« vorgedruckt. Einem oft geäußerten Wunsche gemäß wurde er, in Gotha eingeäschert, an Shelleys Seite in Rom beigesetzt.

Über die Natur des seltsamen Dreiblatts hat im Anschluß an Trelawny André Maurois neuerlich im Roman »Ariel oder das Leben Shelleys« und im »Leben Byrons« Einleuchtendes geäußert. Der Seebefahrene wurde von beiden Dichtern ebenso bewundert wie sie von ihm. Sie trösteten sich mit ihren Schöpfungen darüber hinweg, daß sie »nicht leben konnten«; der »Mann der Tat« war ihnen ein »seltsames, beneidenswertes Naturwunder«. Shelley trieb allerhand Seestudien mit ihm und beklagte sich als Berufsverfehler: Seemann hätte er werden sollen! Des Freundes Warnung: aus einem Menschen, der weder rauche noch fluche, könne man keine Teerjacke machen, schlug er in den Wind. Seine Ahnungslosigkeit im Steuern und Segeln hat er beim Schiffbruch seines »Ariel« mit dem Tode bezahlt. Der »Pilgrim« Byron wiederum wollte nicht bloß eingebildeter Seeräuber sein, nicht nur »Korsaren« schreiben, sondern auch einem »echten« Piraten hinter die Schliche kommen, Verwegenheit, Gefühlsroheit herausbeißen. Im Reiten und Pistolenschießen suchten sie einander zu übertreffen. »Tre« bat Byron, in seinen Werken für Shelley einzutreten, und rügte, daß der arme Kerl von dessen Freunden geflissentlich übersehen werde. Byron entschuldigte spöttisch sie und sich damit, daß Shelley »kein Christ« sei. Trelawny aber meinte: »Wenn ich den Teufel bei Ihnen am Tisch sähe, ich würde ihn wie jeden andern Ihrer Freunde behandeln.« Was Byron wieder den Geistesblitz entlockte: »Der Teufel hat Königsrang!« Ist wirklich eine boshafte Bemerkung Byrons schuld gewesen, daß Trelawny ihn »haßte«, wie Maurois unterstellt? Eine geistige Verwandtschaft mit den »Dioskuren« ist jedenfalls in seinem Roman unverkennbar. Wenn Childe Harold »Abscheu vor seinem Vaterland« hegt, – auf Schritt und Tritt begegnet man dieser Grollstimmung auch in dem Roman. Solche und ähnliche Beispiele ließen sich leicht häufen, wenn man den »Korsar« ins Auge faßt, »Lara« oder »Christian und seine Gefährten«. Auch das hat Trelawny mit den beiden Dichtern gemeinsam, daß haltlose Verleumdung sich an seine Fersen heftete. Eine Besprechung seines Romans im » Military Review« nennt sie sogar ein »feuriges Teilchen der Satanischen Schule«, als deren ruchlose Propheten ja Shelley und Byron galten.

Nach einem kurzen Aufenthalt in London und Brompton geht Trelawny, 78 jährig, um 1870 in einem kleinen Landsitz in Sompting, einem Dörfchen bei Worthing, vor Anker. Hier hatte er sein »Wahnfried« gefunden. Er machte lange Spaziergänge, ritt, fuhr, schwamm, rauchte, hackte Reisig, gärtelte. Besonders freute er sich der geernteten Feigen, die den italienischen an Größe nichts nachgäben. Lebensregel war: »Harte Arbeit in freier Luft ist der beste Arzt. Wer einmal gelernt hat, die entsprechenden Werkzeuge zu gebrauchen, verliert den Geschmack am Spiel.« Allmorgendlich, winters, sommers badete er kalt. Die Nahrung bestand nach der Byron-Shelleyschen Erneuerungsreligion vornehmlich in Pflanzen, wie er als halber Südländer überhaupt sehr einfach, mäßig lebte. Bis ins hohe Alter blieb er körperlich und geistig rüstig, von Krankheiten verschont. Ein schneller Tod war sein Wunsch, nicht das zollweise Absterben. Shelley und seinen mitertrunknen Freund Williams pries er glücklich, weil ihr Tod nur eine Minute gewährt habe. Überhaupt sei ein Leben über die Dreißig hinaus nicht viel wert! Von seinen Verwandten wollte er nichts wissen. Ein paar alte Bekannte genügten ihm, mit einigen briefelte er. Zwar »zog er eine Spitzhacke der Feder vor«, wie er 1873 schreibt; aber seine Briefe sind in ihrer Art ebenso ein Stück seines Selbst wie seine Bücher. Auch von ihnen gilt das treffende Wort: »Er brauchte seine Feder wie seinen Degen, ohne lange Überlegung, mit äußerstem Freimut, unbiegsamer Kraft.« Seine kleinen Eitelkeiten und sein unstetes Wesen verloren sich ebenso, wie seine ausschweifenden Freiheitsgedanken einige Tonlagen herabgestimmt wurden. »Gläubig« im kirchlichen Sinne war er nicht, ja, er haßte alles, was irgend nach Priestertum roch. In die Erde und in die Grundstoffe wollte er sich auflösen, denen er entstamme. Ähnlich hatte er einst getönt, als er die Brandfackel, Öl, Wein in Shelleys Flammengrab warf. Das jüngere Geschlecht wallfahrtete zu ihm als zu einem Freunde der beiden Dichter, deren Ruhm sich langsam verbreiterte. Die Jahre schienen ihn vergessen zu haben. So wurde er nach und nach der einzige bemerkenswerte Überlebende aus jenem romantisch verklärten Zeitalter. Es gibt Aufzeichnungen aus seinen geistvollen, oft stachligen Gesprächen, in die sich bisweilen der unverlierbare Hang zur »Dichtung« (lies: Erdichtung) einschlich. Rauhgestruppter Humor, wohlwollende Grobheit blieben ihm treu. Großer Naturfreund, brachte er sich oft ein Lieblingstier von seinen Wanderungen mit, das er mit Adlerblick erspäht hatte. Einmal steuerten zwei Jäger sein Grundstück an und baten, einen dorthin verflognen Vogel abknallen zu dürfen. Die immer noch ungebeugte Riesengestalt donnerte sie an: »Ich geb Ihnen nur die Vollmacht, sich gegenseitig totzuschießen!« Mehrfach zog er sich unterwegs den Rock aus (Mantel, Unterkleider kannte er nicht), um ihn mit gewohnter Freigebigkeit einem Bettler zu schenken. 1878 erschienen in London in zwei Bänden seine » Berichte von Shelley, Byron und dem Verfasser«. Sie brachten einiges Neue über Shelley, milderten die Anwürfe gegen Byron. Im übrigen werden die Änderungen keineswegs als Verbesserungen bezeichnet, (3. Ausgabe 1887, Neudruck 1905.) Darwins Lehre beschäftigte seinen regen Geist, der Dichtkunst eifriger Schüler blieb er bis zum Tode. Noch zuletzt prägte er sich Seiten aus dem ihm bis dahin unbekannten, nun bewunderten »Seeschüler« William Blake ein, die er schwungvoll vorzutragen wußte. Er starb am 13. August 1881 mit fast 89 Jahren nach etwa einmonatigem Krankenlager an Altersschwäche.

Hier sei auch noch der Schlüsselroman Disraelis »Venetia« (1837) erwähnt, der das Leben Byrons und Shelleys in romantischer Verbrämung liebevoll nachzeichnet. In das Bild des Captains George Cadurcis sind auch Züge Trelawnys eingefügt: er begleitet seinen Vetter Plantagenet auf seiner Seereise nach dem Orient bis nach Konstantinopel und Athen und steht nach dem Untergang der beiden Freunde in der stürmischen Bucht von Spezia Venetia und Lady Annabel als hilfreicher Freund zur Seite; hier hat sich der Dichter genau an den Bericht Trelawnys in seinen »Erinnerungen« gehalten.

*

Bei Trelawnys Begeisterung für die Dichtkunst ist es verwunderlich, daß er sich mit zwei Büchern begnügt hat, zudem grundverschiedenen. Gehörte er zu den Dichtern, die sich mit einemmal verströmen? Die den künstlerischen Werderuf nur in dem Wogenprall tatsächlicher Erlebnisse vernehmen? Sich aus seelischem Wirrsal in das holde Gaukelspiel der Phantasie retten, durch eine »Konfession« im Goethischen Sinne befreien müssen? Wer will das nachprüfen? Wer das Rätsel seines Ichs lösen? Jedenfalls ist er so klug gewesen, das Ansehen seines einzigen so hochragenden Romans nicht durch Werke vielleicht zweiten Rangs zu gefährden. Ein Romanschriftsteller war er ebenso wenig wie ein Schöngeist und Literaturgeschichtsschreiber.

Fünfzig Jahre eher geboren, wäre er (wie der unten erwähnte Herausgeber Garnett meint) wirklich ein Freibeuter und Abenteurer von Maß geworden, vielleicht auch ein großer Volksheld. Mit Recht hat man ihn einen geistigen Nachfahren Drakes, Raleighs genannt. Mag er menschliche Schwächen gehabt haben, – er war ein Dichter und – nicht umsonst hatte er im Bannkreis zweier Gipfelmenschen gelebt – ein wackrer Soldat im Freiheitskampf der Menschheit.

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Gjellerups schöner indischer Roman »Die Weltwanderer« zeichnet in seinem Haupthelden Trevelyan ein keckes Phantasiebild, »Der Schiffbrüchige« ( The Castaway), ein Byron-Roman von Hallie Rives, angeblich ein Zerrbild von ihm. (Deutsch unter dem Titel »Der Verstoßene« von C. Richard, Leipzig um 1830; mir leider nicht zugängig gewesen.) Stevenson hat in seiner (übrigens neuerlich glänzend verfilmten) »Schatzinsel« (1883) den Veranstalter des abenteuerlichen Zugs nach dem Seeräubereiland – John Trelawny genannt, sicher nicht ohne Absicht: der Edelmann, der durch seine Schwatzhaftigkeit das ganze Unheil heraufbeschwört; zeigt sich in der Gefahr als unerschrockner, vornehmer Kamerad. Lebensbeschreibungen haben Richard I. F. Edgcumbe (Plymouth 1882) und Edward Garnett (1890) gegeben. (Leider habe ich sie nicht einsehen können.) Vorzüglich ist das Biogramm von Richard Garnett in » National Biography« (Band 19, 1909), das freilich die erst 1910 erschienenen Briefe nicht berücksichtigen konnte. Wenn unsre großen »Konversations-Lexika« das Buch von Holman Freeland » Trelawny and his friends« (London 1902) als Quelle angeben, so ist das eine Fehlanzeige; es ist ein neuzeitlicher Pariser Roman, der nichts mit unserm Helden zu tun hat! Eine sehr wertvolle Sammlung der Briefe hat H. Buxton Forman (London u. a. 1910) geboten. John Millais ist es gelungen, 1874 den Zweiundachtzigjährigen für sein Gemälde »Die nordwestliche Durchfahrt« ( The North-West Passage) heranzukriegen. Es hängt in der Tate-Gallery. Der großartige Kopf ist zwar vom Urbild nicht gut geheißen worden, gibt aber nach dem Urteil von Leuten, die den Alten noch gekannt haben, sein Geschau vorzüglich wieder. Ein greiser Seemann lauscht gespannt der Vorlesung eines zu seinen Füßen sitzenden jungen Mädchens in einem Zimmer, dessen Fenster auf die See hinausgeht. Swinburne hat sieben herrliche Stanzen auf sein Grab gelegt. Er preist ihn, weil er sein lebelang die weltweite Freiheit geliebt habe, aber auch die Macht des Gesangs; preist ihn als Seekönig, Schwertmann, Unrechthasser, dessen Klinge treu gewesen sei; das »Herz der Herzen« fühlte bewegt, daß der Freund nahe.

*

Edward John Trelawny.
Nach einer Zeichnung von Seymour Kirkup. Dieses Bildnis zeigt Trelawny in seiner »griechischen« Zeit.

Im März 1829 sagte Trelawny zu Frau Shelley: »Ich bin augenblicklich dabei, mein eignes Leben zu beschreiben.« Und den Vertrautesten hat er immer beteuert, daß dieser Schrieb kein romanhaftes Gebilde sei, vielmehr der Bericht eines, – seines Lebens. Forman schließt ebenfalls aus den von ihm gesammelten und veröffentlichten Briefen, daß Trelawny nur beabsichtigte, seine Denkwürdigkeiten in eine lesbare, fesselnde Form zu gießen, ohne zugleich mit seinem Selbst hervorzutreten, – was so ganz seiner natürlichen, ungekünstelten, kraftgeladnen Art entsprach. Trelawny habe etwas von den alten Saga-Leuten an sich gehabt, die in ihren Gedichten die Hauptsachen herzhaft, flüssig, wahrheitsgemäß wiedergaben, im Nebensächlichen indes nicht itüpflig waren. Er »glaube« Trelawny! – Ist diese Auseinandersetzung nicht müßig? Trelawnys Roman ist zwar als Urkunde von Selbsterlebtem ein Glanzstück, aber nach seiner Anlage Wahrheit und Dichtung. Wie stellt sich Forman z. B. zu der Ehe des (nie beim Namen genannten) Helden mit Zela, die alles andre als eine »Episode«, ein nebensächlicher Zwischenfall ist, sich aber in Trelawnys Lebensgang beim besten Willen nicht einschalten läßt? Nein, so wird man dem künstlerischen Gehalt des Werks nicht gerecht! Die Dinge liegen anders, einfacher.

Brown und Landor hatten einst den Plan ihres Freundes Trelawny, ein Garn aus seinen Erinnerungen zu spinnen, begrüßt und ermuntert. Die Selbstgeschichte wuchs ihm unter der Hand zu dem lockeren Gewebe eines tollen Abenteurerdaseins, woran (unwissentlich) auch andre geknüpft haben mögen. Übrigens ist es für den Leser im Grunde belanglos, ob das Geschriebne im Wirklichen wurzelt oder nicht. Es gibt eben zwei Arten der Wirklichkeit und damit des Erlebens: die tatsächliche, weltläufige, sinnenhafte, – die künstlerische, höhere, gesteigerte. Kunst ist Wahrheit ohne Wirklichkeit. Entscheidend ist und bleibt die Phantasie, d. h. die Fähigkeit, aus der Welt der Dinge eine neue, ungewesene Welt zu heben, – die künstlerische Formkraft und Sinngebung.

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Und eine Wirklichkeit umfängt uns, kaum daß wir die ersten Seiten hinter uns haben, so echt und reich, daß wir widerstandslos in ihren Bann geraten. Gefahren ballen sich zusammen, so fieberhaft und doch so lebenswahr, daß es uns den Atem verschlägt. Heldentaten treten uns mit einer bescheidnen Selbstverständlichkeit entgegen, daß jeder Zweifel verstummt: »Und setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein.« Endlos schier ist der Fries der Gestalten, die sich auf den verschiednen Schauplätzen tummeln. Sie fürchten den Tod nicht, weil er ihnen alltäglich geworden ist. Sie stehen alle fest in ihren Schuhen, treten uns nahe, werden Begleiter unsrer Traumstunden. Wer könnte etwa den mit fast Shakespearischem Humor gezeichneten hagern, »fall«-süchtigen Schiffsarzt Van Scolpvelt vergessen oder sein Gegenstück, den Oberküchenmeister Louis le Grand, in seiner bauchigen, weltunverdroßnen Würde? Wer das holde Naturkind Zela, dessen tragisches Geschick das Herz beklemmt? Wer den großgerichteten, stahlharten Kaperkapitän de Ruyter, der sogar einem Napoleon Achtung abnötigt, – selber aber in dem Kaiser den Zwingherrn verachtet – und auf dessen Grabstein das »Hamlet«-Wort prangen müßte: »Er war ein Mann«. Wer den Helden selbst? In dem Wellauf-Wellab der Begebnisse fesselt uns vor allem sein Leben. Der Jüngling, fast ein Knabe noch, braust mit tausend Masten in den Ozean der Zeit. Sein saftstrotziger, krafttrotziger Tatwille kennt weder Maß noch Ziel. Freiheitsdrang bis zur Zügellosigkeit, Haß gegen jedes Vorurteil, jede Unterdrückung und Bevogtung, gegen die Walze des seelenfeindlichen »Fortschritts«, – Abscheu gegen den satten Sklavenhalter- und Krämergeist, gegen Heuchelei und Philisterei, – allerenden schießen sie wie Stichflammen hervor. Die Überseepolitik stäupt er unbarmherzig, – darin alles andre als ein 100 prozentiger Beefsteakesser. Überhaupt hält er wenig von den Menschen, soweit sie überstädterte, gefühlsdürre Pflastertreter sind. »Zivilisation« ist ihm eine Sklavenkette. Warm wird er allein bei Naturkindern, seine harte Brust fühlt Liebe zum Weibe nur im Arm der verwaisten arabischen Fürstentochter, die er so wunderbar vom Verderben errettet hat. Freundschaft als ausgesprochen männlich-ritterliche Tugend verbindet ihn auf Gedeih und Verderb mit dem gleich verwegnen, aber ältern, bedeutend reiferen de Ruyter. Greis, nicht an Jahren, aber an der Seele, treibt er auf einem Schmugglerboot in eine Heimat, die ihm Heimrecht nie gewährt hat.

Was dort aus ihm wird? – Das letzte Kapitel ergeht sich nur in dunklen Andeutungen, ist daher in dieser Bearbeitung als Fremdkörper im Zusammenhang des Ganzen fortgelassen worden. Wir finden neben andern die folgenden rätselhaften Sätze, deren letzte sich, wie schon gesagt, auf die Juli-Revolution beziehen:

»Als ich nach Europa zurückkehrte, hieß das allgemeine Feldgeschrei: die Unverletzlichkeit und Allmacht legitimer Narren. Alle bigotten Heloten waren losgelassen, um auf die Freiheit zu fahnden. Überall trieb man die Patrioten wie Parias aus der Gesellschaft; ihr Genosse sein, hieß seine Kaste verlieren. Da schwur ich mich zu weihen mit Herz und Hand dem Krieg bis aufs Messer gegen die »heilige« Triple-Allianz hohlköpfiger Schwindler. Als die Tyrannei triumphierte, folgte ich jenen unbezwinglichen Geistern, welche als ausgestoßene Verbannte die Welt durchwanderten, und lieh ihnen meine schwache Hilfe, den Betrug abgenutzter Legenden zu enthüllen+... Ach, diese edlen Wesen sind nicht mehr. Sie fielen als Märtyrer der großen Sache, deren Anwalt sie waren. O, daß sie noch lebten, um zu schauen, wie der Baum, den sie pflanzten, seine Blüten treibt! Die Sonne der Freiheit tagt über Europas bleichen Sklaven, und ihr Geist schwebt wie ein Adler über die Erde hin.«
(Übertragung von Karl Bleibtreu.)

Einen »Schluß« im herkömmlichen Sinne hat das Buch jedenfalls nicht, was auch der (oben erwähnte) sonst so sehr davon begeisterte Horace Smith bemängelt. Der Vorhang fällt zu zeitig. Zwar beginnt das letzte Kapitel: »Ich führe diese Geschichte meines Lebens weiter«. Aber die auf drei Bände veranschlagte Fortsetzung blieb leider ungeschrieben, – trotz den »Erinnerungen«, wie schon hervorgehoben. Wäre etwa das »philhellenische« Zwischenspiel ausgebeutet worden, – welche Fundgrube allein im Stofflichen! Übrigens haben die Verleger den Urtitel »Geschichte (oder: Leben) eines Mannes« mit Recht verworfen und den den Anfangszeilen entnommenen passenderen gewählt, der ja dortlands die erwünschte Vorstellungsreihe auslöste. Der Dichter freilich hielt ihn für einen Gemeinplatz. Der sonst aufgetauchte Vorschlag » The discarded Son« (Der verstoßne Sohn) erschien ihm wieder zu romanhaft.

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All der Reichtum an Leben, Erleben erblüht vor dem brennenden Vorhang der Tropen. Dieser Orient, der in England durch die Ostindische Gesellschaft zur öffentlichen Angelegenheit gemacht war, mußte auch in romanhafter Einkleidung alle Blicke auf sich ziehen, die Lust zur Weite und Bewegtheit steigern. »Abenteuer und Romantik sind nicht zu trennen«, sagt Jack London, und der mußte es wissen. Welche Abenteuer entkeimen dieser großartigen, unvergleichlichen, ungebändigten Natur! Vornehmlich dem Meere, auf dem die buntscheckigen, nur überlegner Seemannskunst gehorchenden Segelschiffe noch nicht durch die rauch- und dampfspeienden Ungetüme der Neuzeit verdrängt sind; über das noch nicht die surrenden Libellen der Weltflieger huschen, die donnernden Riesenleiber der Zeppeline, die lautlosen Fernrufe des Rundfunks. Sie entkeimen der Zauberwelt der wogenumwobenen Eilande voller Rausch, Taumel, Schrecken, Blut und Tod: Paradies und Hölle. Wohl geht's häufig hart auf hart: im Kampf mit Naturkräften, mit Seuchen, mit ungebärdigen Tieren, mit Menschen, mit Unholden, mit Leidenschaften. Aber schließlich ist es doch immer wieder der Gegensatz zwischen dem »seebeherrschenden« Albion und der »großen Nation« der Franzosen, der Mensch gegen Mensch hetzt. Freilich: mag sich auch der junge Engländer mit seinem Lehrmeister auf Seiten der Franzosen schlagen, – im Grunde sehen sie doch verächtlich auf diese herab.

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Trelawnys Sprache ist so ganz der Mensch und steckt voller Wunder, – Wunder, Schätze, Geheimnisse. Wie sich die ungleichartige Erbmasse im Wesen und Gehaben des Verfassers ausdrückt, so auch in seiner Schreibweise. Der Duft der Blumen, der Dunst des Salzwassers mischt sich mit dem scharfen Geruch des Schießpulvers. Die Eigenwilligkeit des Stils spottet an sich schon oft der Nachbildung; mit Rücksicht auf die Landratten unter den Lesern mußte auch mancher seemännische Ausdruck verallgemeinert werden. Ist das Buch den See-Romanen einzuordnen, wie das mehrfach geschehen ist? Schwimmt es in Kiellinie mit Cooper – Marryat – Frederick Chamier – Stevenson – Joseph Conrad – Jack London – William Wymark Jacobs – Ch. Nordhoff und J. N. Hall, deren schon erwähnter Roman »Meer ohne Grenzen. Die Schicksale der Männer von der Bounty«, auf einer englischen Seemannschronik aus dem 18. Jahrhundert beruhend, 1936 als »Meuterer auf der Bounty« verfilmt wurde, u.v.a.? Ist es überhaupt ein Roman?

Zunächst: ein streng kunstmäßig aufgebauter Roman ist es nicht. Dem Verfasser lag's fern, irgendwie mit schöngeistigen Erzeugnissen zu wetteifern. Anderseits spiegeln Roman und Epos, die Großformen der erzählenden Dichtung, ein Weltbild wider: die Welthaltigkeit der Menschen und Dinge steht im Vordergrund; auch nicht bloß einige seelische Höhepunkte sollen geboten werden, sondern Entwicklung. Beides trifft auf dieses Buch zu. Wer sich also nicht an die Form klammert, wird es als Roman gelten lassen, – sicher aber als umfangreiche » Erzählung«. Den Atem dazu hatte der Dichter; er war Lang-, nicht Kurzstreckenläufer. Den Roman als »Seeroman« einzuschachteln, – das würde seiner Eigenart nicht ganz gerecht. Ich gebe hier dem jüngsten Beurteiler das Wort:

»Es ist seltsam, daß (das Buch) von den Heutigen mehr genannt als gelesen, von den früheren Geschlechtern dagegen mehr gelesen als genannt worden ist. Als es zuerst erschien, war die öffentliche Meinung entsetzt über die Nacktheit und Fraglosigkeit des geschilderten, in wundervollem Rausch an die Schönheit und Grausamkeit dieser Erde gefesselten Lebens und wagte hieraus sogar die Daseinsberechtigung des Buches in Frage zu ziehen. Aber bald entdeckte man den seltsamen Glanz des Geschilderten, dessen Kraft ganz in seinem unerhörten Bewegungstrieb liegt. Ohne Zweifel ist das Buch ein Bekenntnis voll zauberisch anlockender, heiß-geheimnisvoller Leuchtkunst. Aber seine Bannkraft gleicht nicht der des romantischen Romans, sondern der des tagnahen, nur desto grausameren Wirklichkeitsberichts. Seine innere Größe beruht nicht auf dem Wie, sondern auf dem Was und Wieviel des Geschehens, nicht auf seiner seelischen Deutefähigkeit, sondern auf dem ruhelosen Wechsel des Handlungsbodens und der buntschillernden Mannigfaltigkeit des Ereignisspiels. Der Schritt der geflügelten Erde ist hier im Geschehen eingefangen und aufgegangen. Der Mensch erscheint losgelöst von allen Gebundenheiten der Sippe und örtlichen Umgrenzung: er ist ein Funken der Erde selbst geworden, in deren Raumschicht er schwingt. Die Schaukraft des Künstlers läßt die Handlungen niemals verschwimmen, da sie niemals nur andeutet, sondern stets ausführt. Trotz häufiger Übersteigerungen im einzelnen hat Trelawny bei der Abfassung stets großen Wert darauf gelegt, daß das Werk nicht als wunschbildhafte, der reinen Eingebung entsprungene Erzählung angesehen würde, sondern als eine Folge unerhörter, aber wahrer Begebenheiten, die für ihn eignes Leben bedeutete. In dem Stolz, den geschilderten Daseinsrausch selbst einmal durchlebt zu haben, gefällt er sich; und eben diesen Rausch glaubt er am leichtesten durch eine völlig naturtreu-nüchterne, nur in ihrer beschwingten Gedrängtheit wirkende Darstellungskunst im Leser wiedererwecken zu können ..(Dr. Friedrich Dannenberg-Göttingen: Trelawny und Hunt im Umkreis Shelleys. Germanisch-romanische Monatsschrift, September-Oktober 1934.)

In der Tat kommt es nicht auf die literaturgeschichtliche »Bestimmung« an, sondern auf den Inhalt. Hier nimmt Trelawny unter den Zeitgenossen und weit drüber hinaus eine Sonderstellung ein. Gewiß ist auch bei ihm die See vornehmster Hintergrund der Geschehnisse, gewiß sind auch bei ihm hauptsächlich die Schiffsplanken Schauplatz der Mären. Aber der Quellpunkt des Ganzen liegt woanders, – in der Brust seines Helden. Zwingend drängt es sich auf: dieser lebenshungrige, dreinfahrige Heranwüchsling wäre überall, nicht bloß auf dem Meer, seinen eignen Weg gegangen, – überall hätte er ein Ausnahmeleben geführt, sein Schicksal durchgestanden, wie sein Wesen es gerufen. Ein Mensch wie dieser »jüngere Sohn«, ein »Taugenichts« in den Augen der Welt (freilich nicht Eichendorffschen Schlages), er ist immer, allenthalben ein Eigner. Diese seelische Vertiefung hebt das Buch aus der Reihe der übrigen, bei denen das Gegenständliche den Ausschlag gibt. Da wird die englische Kriegs- und Handelsflotte, die englische Seegeltung verherrlicht, da wird das Leben an Bord mehr oder weniger liebevoll geschildert, da werden Vertreter der Matrosen, der Maate, der Kadetten, der Offiziere abkonterfeit, da die Kämpfe mit der See, den Feinden ausgemalt, werden meist recht blasse Liebes-, verwickelte Erbschaftsangelegenheiten eingeflochten, und wie der Stoffkreis sonst ist. Anders bei Trelawny. Schon daß der Held der Kriegsmarine den Rücken kehrt, gegen das Vaterland ficht, verschiebt sein Blickfeld augenfällig. Auch wie er dem Schiffsleben, der althergebrachten See- und Kolonialpolitik seiner Landsleute gegenübertritt, zeigt seine ganz persönliche Weise zu sehen und zu gestalten. Das Letzte, Höchste aber ruht in seiner Art, Menschen zu formen. Halbe Schiffsladungen Seegeschichten bieten zusammen nicht annähernd das, was sich hier in einem kühnen Wurfe findet.

Wir Deutschen sind in der Handels- und Kriegsflotte nicht von heute und gestern, blicken auch auf ein jahrzehntelanges Kolonialleben zurück, wenngleich es durch das »Mandatssystem« zeitweilig unterbrochen ist; doch unser Seeroman steckt noch in den Kinderschuhen. Die zahlreichen Seegeschichten eines Heinrich Smidt, vor etwa hundert Jahren entstanden, fußen auf eignen Erlebnissen, sind aber leider keine bedeutenden Kunstwerke. Auch Balduin Möllhausens Romane »Die beiden Yachten« und »Der Piratenleutnant« lassen trotz gewandterer Formgebung manche Wünsche offen. Nun haben wir den schönen Seeroman »Fräulein Kapitän« von Sophus Bonde, die wirklichkeitsnahen Erzählungen eines Gorch Fock, die schneidigen »Seeteufeleien« eines Grafen Luckner und andrer Fahrensleute des Weltkriegs, haben Heinrich Hausers Romane »Brackwasser« und »Donner überm Meer«, haben »Die Weltreisen eines Schiffsjungen: Gegen den Wind« des vor fast 70 Jahren der Kadettenanstalt entflohenen Constantin Freiherrn von Moltke, haben den Roman »Die versunkene Flotte« des frühern Seeoffiziers Helmut Lorenz, haben die unvergleichliche Schilderung eines Sturms auf dem Atlant in Dauthendeys »Raubmenschen«. Doch fehlt uns noch viel zu dem Reichtum der romantischen See-Erzählung, wie sie vor allem England in beneidenswerter Fülle aufweist, und mit Recht heißt es in Mielke-Homanns Geschichte des deutschen Romans im 19. und 20. Jahrhundert, daß der deutsche Seeroman in der Hauptsache Küsten- und Inselroman sei. Im ganzen sind wir noch auf das Ausland angewiesen, werden hier nicht zuletzt auf einen Trelawny zurückgreifen. Johannes Scherr (Allgemeine Geschichte der Literatur) und nach ihm besonders Karl Bleibtreu (Englische und Deutsche Literaturgeschichte) haben diesen Roman als Dichtung von Rang gewürdigt. Alexandre Dumas hat ihn zwar nicht selbst übersetzt, wie man immer wieder liest, sondern durch einen Freund Victor Perceval übersetzen lassen. Der Hinweis findet sich in dem 1856 geschriebenen Vorwort Dumas' zu der Illustrierten Ausgabe seiner (!) Werke, die in Paris bei A. Le Vasseur et Cie. o. J. erschienen ist. Diese Übersetzung stand zuerst unter dem Titel » Mémoires d'un jeune cadet« in seiner Zeitschrift » Le Mousquetaire«; daher führt man fälschlich seine »Drei Musketiere« auf dieses Buch zurück! Die meist wenig bedeutenden Illustrationen stammen von Castelli, Gustave Doré, Foulquier, F. Méaulle u. a. Die Zeitschrift erschien bei Barba in Paris, wohl 1832. Die genannte Übersetzung bildet dann Band XXXV Teil 2 des » Panthéon populaire« Neuausgabe auch 1860 von Michel Lévy unter dem Titel » Un Cadet de Famille«. 6 englische Ausgaben sind zwischen 1831 und 1925 erschienen, eine amerikanische New York 1834, Neudruck 1914, soweit ich das feststellen konnte. Die von 1835 steht in Bentley's » Standard Novels«. Die von 1890, in » Adventure Series« bei T. Fisher Unwin, London, hat der schon genannte Edward Garnett sachgerecht und geistvoll eingeleitet und mit einigen Bildnissen ausgestattet. Die neueste hat Ethel Colburn Mayne 1925 für » The World's Classics« besorgt. Nach » La Grande Encyclopédie« (Paris, 31. Band) bestehen Übersetzungen »in allen« Sprachen. Ins Deutsche übertragen worden ist das Buch schon 1832 unter dem Titel »Trelawney's Abentheuer in Ostindien« von C. Richard. (3 Bände, Aachen und Leipzig, Verlag von Jacob Anton Mayer, vorhanden in der Staats- und Universitätsbibliothek zu Breslau.) Ebenfalls in 3 Bänden erschien namenlos eine Übersetzung in der von Franz Demmler 1835/36 bei Imle & Krauß in Stuttgart herausgegebenen »Bibliothek der vorzüglichsten Belletristiker des Auslandes«. (Man findet auch den Verlag Lieschin & Co.; er ist aus jener 1934 gegründeten Firma hervorgegangen. Einen Abdruck besitzt von allen öffentlichen Büchereien Deutschlands allein die Landesbibliothek in Stuttgart.) Beide Übertragungen sind so gut wie verschollen. Die bei Demmler ist freier, weniger hölzern als die von Richard, aber ebenso überholt. Solche verstaubten Übersetzungen sollte man nicht einfach nachdrucken, wie das sonst vielfach geschehen ist. Die verbesserte Rechtschreibung macht's nicht. Unser Sprachgeschmack, aber auch unser Leseschritt ist ein andrer geworden. Nichts veraltet so schnell wie die ungebundne Rede. Breitspurige philosophisch-politische Betrachtungen, die Groß- und Urgroßeltern noch liebten, stören uns meist den künstlerischen Aufbau. Wer die sprachliche Erneuerung höher stellt als gelehrsame Peinlichkeit, wer vor Kürzungen und Zusammenziehungen nicht zurückschreckt, wer – mit andern Worten – immer fragt: »Wie würde der Verfasser jetzt schreiben?«, der erweist ihm einen Dienst. Den hofft die vorliegende Bearbeitung Trelawny zu leisten. Darum sind auch für die Leitsprüche knappe Kapitelüberschriften getreten.

 

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