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Ich war Pirat

Edward John Trelawny: Ich war Pirat - Kapitel 79
Quellenangabe
authorEdward John Trelawny
titleIch war Pirat
publisherWerner Dietsch Verlag
year1938
translatorKarl Konrad
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorAlfred Wey
senderwww.gaga.net
created20180303
modified20180621
projectidb4eb18ea
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Der »Teufel« als rettender Engel.

Zela schlief. Ich ging an Deck, wo de Ruyter auf mich wartete. Ausführlich erzählte ich das Widerfahrnis. Es mußte ja traurig ausgehn! Seine Gegengründe konnten meinen Kleinmut nicht heben. Allzu fest hatte es sich in mir eingewurzelt, daß die Flut, die mich auf den Gipfel unbeschränkter Erfüllung getragen hatte, der Ebbe gewichen sei, um mich als Wrack zurückzulassen. Um die überspannten Saiten zwischen Herz und Hirn herabzustimmen, suchte de Ruyter abzulenken: er habe sichre Kunde, daß der Oberstatthalter Indiens endlich einen Kriegszug unternehmen wolle, um Isle de France den Franzosen zu entreißen; die Einzelheiten kenne er:

»Mein Berichterstatter, ein armenischer Kaufmann in der Regierungshauptstadt, hat mir die Meldung übermittelt und daneben Wege gefunden, jeder Beratung dort auf den Grund zu kommen. Der Zug war schon lange erwogen; die Ausführung hat man erst jetzt beschlossen. Das ändert meine Pläne wesentlich. Wir dürfen keine Zeit verlieren, müssen unsre Schiffe schleunigst aufmöbeln und aufrüsten.«

Sonst wär ich bei einer solchen Nachricht hochgegangen, und hätt' ich am Sumpffieber gelegen. Nun, an der lebhaftesten Stelle, wo mir die See- und Landmacht und die Namen der verschiednen Befehlshaber hergezählt wurden, beschlich mich eine todähnliche Erstarrung, zog's mich nieder wie Blei. Zuletzt schlossen sich meine Lider, – ich tauchte in grabtiefe Vergessenheit. De Ruyter hatte mich, ich erfuhr's später, sorglich mit Flaggen zugedeckt und eine Wache gegen Störungen hingestellt. Seit Zelas Unfall hatte ich nichts gegessen. Er hatte mir eine Tasse starken Kaffee eingeflößt, – angeblich, um mich wachzuhalten. Opium war drin, um eine Erschlaffung herbeizuzwingen, ohne die ich vor die Hunde gegangen wäre. Erst abends erwachte ich, erstaunt, wie ich so lange und so ruhig schlafen konnte.

Ich fand Van bei den Kranken. Beide saßen durch Kissen gestützt. Aduh ging's erheblich besser. Bei Zela schien sich nur das Gemüt erholt zu haben, ihre körperlichen Beschwerden waren ungemindert. Ihr sonst so rosiges Gesicht war mißfarben, die Augen matt, die Lippen kalkig. De Ruyter und Van weilten in der Kummernacht bei uns. Ich war fast ständig unten und hielt Zela in den Armen, wo sie allein Linderung zu finden schien.

Am folgenden Tage tat ich wieder Dienst, – de Ruyter wollte uns ja bald segelfertig sehen. Freundlich bot er mir an, mich freizumachen. Aber triebmäßig erfüllte ich meine Pflicht wie immer, – das beste Mittel, meinen Körper aufrecht zu erhalten, der sonst unter der Herzenslast zusammengebrochen wäre. Aber nicht wie sonst war ich über Schicksal und Außenwelt erhaben, also glücklich, – dumpfe Bangnis, frostiges Grauen beklemmten mich und quälten mich noch mehr, weil ich sie unterdrücken mußte. Am dritten Tage wurden Zelas Schmerzen so schlimm, daß sie ein nahes Ende androhten. Ich war meiner kaum noch mächtig; nur dämmerte es mir, daß der Tod das wünschenswerteste Ziel sei. Als die Zuckungen und Wehen sie durchwüteten, als sie in Starre sank und für entseelt gelten konnte, stand ich mit einer grimmigen Fassung neben ihr, die sogar den gepanzerten Arzt erschreckte. Ich rief: »Es ist aus!«

Van hatte eben das schmächtige Handgelenk zwischen seinem dürren Zeigefinger und Daumen: »Sie sind nicht klug! Sie lebt, – die gefährliche Krise ist vorbei. Sie ist nicht toter als ich, – sie schläft!«

Das war Balsam! Die ernste, leidvolle Härte gefaßter Willensstärke, wozu ich mich durchgerungen hatte, klang in das weiche Gefühl der Entspannung ab. Gleiche Erleichterung spürte Zela. Wie neugeboren ging ich an Deck und sah die Welt wieder in dem Zauberschimmer, den nur die Freude darübergießt. Nun eilte ich auf die Grab, um de Ruyter und dem alten Reis das Glück zu künden. Sie teilten meinen Überschwang. Zelas Herzensgüte, ihr Mut, ihr Liebfrauentum hatten die Herzen der rohesten Matrosen im Sturm genommen.

Nun war ich wieder stramm im Dienst und kein teilnahmloser Zuschauer mehr. De Ruyter wiederholte mir seine Neuigkeiten und fand jetzt einen aufmerksamen Lauscher+...

Als alles vierkant stand, stachen wir in See. De Ruyter wollte möglichst schnell nach Isle de France zurück. Als wir durch die Sundastraße kamen, hatte er eine Unterredung mit General Jansens, dem Statthalter Batavias, und ließ sich das auf Celebes Gehörte bestätigen.

Zela war noch immer so hinfällig, daß ich mich fragte, ob sie nicht doch unterliegen werde. Vans Geschick hatte in höchster Not gesiegt; wenn er ihr das Leben gerettet hätte, – ewig würde er mich verpflichtet haben. Bislang war ich von seinen ärztlichen Kenntnissen wenig überzeugt; jetzt verehrte ich sie als eine übermenschliche, nur ihm eigne Gabe. Wir beschlossen zusammenzubleiben, solange uns nicht ein übermächtiger Feind verfolge.

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