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Ich war Pirat

Edward John Trelawny: Ich war Pirat - Kapitel 49
Quellenangabe
authorEdward John Trelawny
titleIch war Pirat
publisherWerner Dietsch Verlag
year1938
translatorKarl Konrad
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorAlfred Wey
senderwww.gaga.net
created20180303
modified20180621
projectidb4eb18ea
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Kapitän des amerikanischen Schoners. – Die Schätze der »Frow«.

Nach dem Frühstück gab de Ruyter den Schluß seiner Orlogfahrt zum besten: »Alle Amerikaner bis auf fünf Fieberkranke hatte man auf die Fregatte übergeführt, dafür auf den Schoner siebzehn Engländer mit zwei Jungoffizieren verlegt, die sich in der Nähe halten sollten. Wie schon erzählt, hatte aber der Sturm die Schiffe auseinandergebracht. Ich löste diese Besatzung durch eine starke Abteilung meiner besten Leute ab, nahm den Schoner in Schlepptau und fing an, ihn auszubessern. Die Fregatte jagte uns zwei Tage, bis ich zwischen die Amarantinseln kam. Im Gegensatz zur Fregatte kannte ich mich hier aus und legte nachts an der Leeseite der einen Insel vor Anker. Ich sah nichts mehr von der Fregatte, gab dem Schoner einen Notmast, und – da bin ich. Jetzt setzen Sie sich in ein Boot, – wir wollen uns in den Hafen hineinarbeiten. Oder – halt – Sie bleiben besser auf der Grab, – der Wind legt sich. Ich muß an Land. Machen Sie beide Schiffe dicht nebeneinander auf unserm alten Ankerplatz fest! In zwei, drei Stunden bin ich zurück. Ich muß zum Kommandanten, die Gefangnen landen, mit den Kaufleuten reden, denen der Yankee übermacht war. Die Engländer hatten ihn zwar genommen, aber noch nicht für gute Prise erklärt, als ich ihn wiedernahm; so hab' ich vermutlich bloß Anspruch auf Bergelohn für ihn und die Ladung, – der aber wird bedeutend sein.«

Das stimmte meine Freude etwas herab. Ich hatte die Prise schon als die unsrige angesehn und nicht gezweifelt, den Befehl zu bekommen. Darin gipfelten meine kühnsten Träume. Ich hätte den Schoner einem Herzogtum vorgezogen. Ich hätte dafür nicht bloß mein Geburtsrecht geopfert, sondern auch ein Körperglied als Zugabe samt all meinem Eigentum, – Zela natürlich ausgenommen+...

Ungeduldig erwartete ich de Ruyter. Aber auch dann noch sollte ich unbefriedigt bleiben, – die Kaufleute waren nämlich erst abends zu treffen. Am nächsten Tage das gleiche, und so fort. Verfluchter Schneckengang!

Indes wurde doch alles richtig gemacht, – mein Verlangen war nach knapp einem Monat gestillt. Mit de Ruyters Hilfe begann ich den Schoner seeklar zu machen.

An Bord wich mir Zela nicht von der Seite. Gelegentlich schoben wir ein paar Feiertage im Landhaus ein, das Aston beaufsichtigte.

Sobald beide Schiffe in Schuß waren, gab mir de Ruyter seine Befehle. Die Hand konnte er wieder leidlich gebrauchen. Gemeinsam lichteten wir Anker. Die Amerikaner, die man auf dem Schoner belassen hatte, und die vier Matrosen Astons hatten freiwillig Dienst genommen. Meine Belegschaft war von de Ruyter ergänzt worden, – ich konnte zufrieden sein. Bewaffnet war mein Schiff mit sechs zwölfpfündigen Haubitzen und vier langen Sechspfündern; Mundvorrat, Wasser hatten wir für zehn Wochen.

Zela begleitete mich; man hätte sie nur mit Gewalt zurückhalten können, – und dazu spürte ich keine Lust.

Als ich so meine Wünsche im Lot sah, war meine Freude grenzenlos wie der Urstoff, der mich trug. Ich ging auf die See: Wonne im Herzen, furchtlos, frei wie der Leu, wenn er sein Lager in den Dschungeln verläßt, um auf den Ebenen zu pirschen!

Wir hielten nordwärts, um die Insel St. Brandon, weiter die Gruppe der Sechs Eilande anzusteuern und im nördlichen Indischen Meer zu kreuzen. Dabei mußten wir quer über den Weg, den die Schiffe von Madras nach Bombay beim Südwestmonsun nahmen. Die ersten Tage versuchten wir unsre Segelfertigkeit. Dann zwang ich eine französische Brigg zum Beidrehen und jagte mit de Ruyter durch eine kühne Kriegslist der englischen Fregatte, von der die Brigg geplündert war, die Ladung an Sklaven, Salzfischen, Schildkröten wieder ab. Nun rundete ich allein die Nordspitze der Insel und fuhr dem Hafen, unserm Treffpunkt, zu. Wir ankerten in einer engen, aber sicheren Bucht. Morgens erschien auch die Brigg. Ich überließ es de Ruyter, die Rückgabe der Sklaven zu ordnen, und ging an Land. Wir deckten uns mit Ziegen, Fischen, Geflügel, Gemüse ein, dann nahmen wir Richtung auf die Malediven, um noch vor Eintritt des Nordostpassats die Malabarküste zu erreichen.

Bald verlegten wir verschiednen Seglern den Weg und »erleichterten« sie. Darunter einer mit einer holländischen »Frow« an Bord, die fast so breit war wie ihre »Kommode«. Sie hatte hübsch Geld in Kaufmannswaren gesteckt und trieb zwischen Madras und Bombay auf eignem Fahrzeug Handel. Ihr seliger Eheherr hatte bei der »Gesellschaft« gedient; das genügte mir, um es für gute Prise zu erklären. Ich suchte den besten Teil der Fracht für uns aus und schmiß den wertlosesten über Bord. Da fiel mir unsre Wasserknappheit ein. Fünf, sechs Faß standen an Deck des Seglers. Um sie auf den Schoner zu bringen, wartete ich, bis die Pinasse ausgesetzt war. Inzwischen wollte mich das Ungetüm von Weib durch Lächeln, Liebäugeln, Schmeicheln in ihre Kammer hinablotsen. Sie bat, flehte, ihr doch das Wasser zu lassen. »Es ist höllisch heiß«, erwiderte ich, »ich brauch es. Eimer her!« Dabei faßte ich eine halbleere Tonne.

»Ach, das taugt nichts! Fix, Jung, hol 'n bißchen aus der Kajüt! Trinken Sie das nicht, Kaptän, ich will Ihnen 'n Schluck Wein geben, Konstantia, vom Kap selbst!«

»Los«, sagte ich zu einem Matrosen, »hau den Spund aus!«

Einer suchte ihn mit dem Messer auszuheben. Aber die Holländerin drang in ihn, eins von den andern anzuzapfen, – das da sei brackig.

»Wieso ist's denn aber angebrochen, alte Dame? Habt wohl Kapwein drin? Wenn ja, dann nehm ich's mit.«

Verwundert über die Ablenkungsmanöver zwängte ich den Spund mit einem Eisen raus. Bestimmt glaubte ich, es sei was besonders Gutes drin: Schiedamer oder Wein, – obgleich die Hexe das Gegenteil beteuerte. Dann hielt ich einen Eimer unter das Faß, das ein Mann umkippte. Während das klare Naß sprudelte und ich über ihre Hartnäckigkeit lachte, stieß sie einen Schreckens-, ich einen Überraschungsruf aus: ein Tier!? Doch bald erwies sich's als das Ende eines Perlenhalsbands. Als ich's ihr unter die Nase hielt, wurde ihr rotes Gesicht noch röter als die Schnur Karneolsteine, die kurz dahinter in die Pütze plumpste.

»Boden raus, Wasser laufen lassen! Das heißt 'ne Prise! Pfoten weg, oder ich hau sie ab! All die ›Nipp‹-sachen in den Eimer!«

Wir machten einen prachtvollen Fang von Ringen, Perlen, Korallen, Karneolen: ein Sondergeschäft der schlauen Holländerin, die sie dergestalt versteckt hatte, während wir Jagd auf sie machten.

Wir suchten noch genauer, aber vergeblich. Der fetten Wachtel gab ich einen Ring zurück, nicht von den schlechtesten; sie hatte mir geschworen, daß er von ihrer Großmutter stamme. Als ich ihn an ihren Stupsfinger schob, tröstete ich: »Nicht traurig, junge Frau! Das ist in Arabien ein Ehevertrag, – ihr seid jetzt mein Weib. Wenn wir uns wieder treffen, vollzieh ich die Hochzeit. Bis dahin sorgt für die Aussteuer!« –

Ich schaffte dann den Krempel auf die Grab, – auf dem Schoner hatten wir wenig Raum. Ich erzählte Louis den Vorfall mit seiner Landsmännin: »Deiner Beschreibung nach is se todsicher deine Eheliebste und sucht dich; dieselbige, verlaß dich drauf!«

Louis schaute düster drein, wurde aber bald wieder munter: »Gott bewahre! Meine Frau hat keine Juwelen und Ringe nich an 'n Fingern. Se hat ihrn Ehring um 'ne Buddel Schiedamer hergegeben, als ich ihr zum erstenmal 'n Taler abschlug, um eine zu kaufen.« –

Nach diesem heitern Zwischenspiel balgten wir uns erfolgreich mit einer reichbeladenen Flotte von Küstenschiffen herum, die im Geleit einer Kriegsbrigg der Ostindischen Kompagnie von Ceylon und Pondicherry kam. Die von den Engländern auf die Klippen gesetzte Brigg brachten wir wieder in Ordnung und schickten sie nach Isle de France.

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