Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Julius Stinde >

Hôtel Buchholz

Julius Stinde: Hôtel Buchholz - Kapitel 9
Quellenangabe
authorJulius Stinde
titleHôtel Buchholz
publishern.n.
yearo.J.
senderwww.gaga.net
created20180808
projectidcd2067d6
Schließen

Navigation:
.

Bei den Maschinen.

Es kommt mir mitunter der Gedanke, als wenn zum Berichten über die Ausstellung die menschliche Veranlagung doch vielleicht zu kurz sei. Das Enorme, was dort aufgestapelt wurde, erdrosselt das Einprägungsvermögen und wer ist mit so viel sachlicher Erkenntniß beglückt, daß er über das ihm Unverständliche ein richtiges Urtheil abgiebt? Und ich bin doch im Grunde genommen keine Fachfrau.

Wollte ich meinem Karl klagen, wie mir dies allmählich aufgeht, sagt der, ohne daß ich fragen brauche: »Wer sich mehr aufpuckelt, als er tragen kann, stöhnt.« Darum schütte ich ihm meine Sorgen nicht aus.

Nun könnte ich es mir leicht machen und über den Vergnügungspark schreiben und das Industrielle verabsäumen, aber dagegen sträubt sich mein Berlinisches Empfinden.

Allerdings: Kein Fest ohne Vergnügen. Ist jedoch die Ausstellung blos zur Erheiterung der Mitbürger in die Welt gesetzt? Nein, sie will zeigen, was Berlin als einzelne Stadt und zwar als die Hauptstadt des Reiches in Gewerbe und Industrie zu leisten vermag. Sie legt gewissermaßen eine öffentliche Prüfung ab, damit sie zur Einsicht kommt, wo sie mit Glanz besteht und wo es noch nicht genau genug ist. wenn Einer fühlt, daß er was kann, wächst ihm der Muth, noch mehr zu können und es giebt Traute. Und wer sich überzeugt, daß zugelernt werden muß, findet auch den Lehrmeister. Mancher kümmert sich in Folge dessen vielleicht weniger um Politik und Partei und gewinnt mehr Zeit für Vervollkommnung in seinem Fach.

In diesem Nachdenken störte mich Onkel Fritz mit einer Zeitung aus London, worin zu lesen war: der Patriotismus des Deutschen bestände in der Vorliebe für die Länder anderer Völker und sähen diese noch so sehr auf ihn herab.

»Was soll ich damit?« fragte ich.

»Dir's zu Gemüthe führen.«

»Fritz, sie booßen sich, daß Deutschland in Handel und Industrie so bedeutend und selbstständig geworden ist, daß sie's spüren, wem aber der schimpfliche Tadel paßt, mag ihn sich anziehen und sehen, wie ihm die Hausknechtsjacke sitzt. Es giebt ja leider Fremdlandslakaien.«

»Ich dachte, Du würdest einen großen Transch machen.«

»Bitte, bleibe bedeckt, was verschlägt das? Sie hören's ja nicht. Aber weißt Du, von Treptow aus weht ein frischer Wind in Deutschlands Segel: paß acht, wie flotten Kurs es nehmen wird. Dann haben sie die gebührende Antwort.«

»Und doch hat sich nicht die gesammte Industrie Berlins betheiligt, es fehlen viele große Nummern.«

»Das nächste Mal machen Alle mit; das ganze Reich macht mit; die ganze Welt macht mit.«

»Wenn Du meinst?«

»Jawohl, meine ich. Und Redensarten will ich mir verbeten haben.«

»Hab' ich was gesagt ...?«

»Ei ja doch! Gerade wenn Du manchmal Nichts sagst, bist Du am deutlichsten. Aber was weißt Du von den mit der Ausstellung verbundenen Schwierigkeiten, da Du auf Mäkelbrüder und Nörgelmeier hörst, die natürlich reden, wie sie's nicht verstehen.«

»Sei milde, Wilhelmine. Nimm mich unter Deine Flüchtel und gängle mich mit Deiner Weisheit, wie denkst Du über eine Bierreise im nassen Viereck? Ich habe gerade Zeit und Lust.«

»Bedaure. Ich habe die Maschinen vor und für Getränke keine Zeit.«

»Das ist dumm; für Maschinen bin ich nicht anschläg'sch. Hingegen das Moabiter Marinebräu, das ist was für meinen Vater seinen Sohn, ganz so wie Faust sagt: zum Verweilen schön!«

Es war nichts mit ihm anzufangen, wenn er schon die Klassiker verhohnackelt – wozu der Faust Gottlob immer noch gehört – hat er vor unsereins erst recht keine Ehrfurcht. Aus den einfachsten Aeußerungen macht er Männerken, daß man an der eigenen Klarheit zweifelt. Und das ist doch kein Genuß. –

Ich verabschiedete ihn und stadtbahnte mit Ottilie hinaus, die mir das Elektrische verdeutschen sollte.

Wir nahmen unsern Eingang gleich unmittelbar bei dem riesigen Kesselhause, das so zu sagen das Treibende vom Ganzen ist und, wie Ottilie sagte, auf Oxydirung beruht. Die Kohle verbindet sich mit dem Sauerstoff, der in Waldgegenden von bester Güte ist, so daß schon aus diesem Grunde Treptow als glückliche, wenn auch etwas entlegene Wahl gut geheißen werden darf. Hieraus entsteht wissenschaftlich Licht-und-Wärme-Erscheinung.

»Wir nannten es sonst, glaube ich, Feuer,« bemerkte ich.

»Das gilt nicht im Examen. Feuer ist ja auch nichts wirkliches, sondern sieht nur so aus. Man kann es nicht wägen oder messen, weil es keine Schwere hat. Es ist nicht greifbar.«

»Weil man sich daran verbrennt.«

»Weil es kein Körper ist.«

»Ottilie, die Wissenschaft in Ehren, aber wenn es eine bloße Erscheinung wäre, wie könnte man darauf kochen? Und es ist bewiesen, daß alle Erscheinungen Einbildung sind, wie Gespenster oder Spiritismus oder sonstige Augentäuschungen. Nein, ich bleibe dabei: Feuer ist Feuer, nur daß Coaks mehr Plätt-Hitze geben und Kien zum Beispiel wenig austhut und sich besser zum Anmachen eignet. Und das ist ferner klar, ohne Feuer kriegst Du keinen Dampf, und ohne Dampf geht keine Maschine.«

Wir traten in die Halle.

Wenn man Maschinen sieht, entflieht Einem unwillkürlich der Vers: »Da hab' ich Respekt vor dem menschlichen Geist,« namentlich mit großen Schwungrädern und in hampelnder Bewegung. Stillstehendes dagegen macht keinen Eindruck, weil man von allem Drehbaren erwartet, daß es schnurrt, und unbefriedigt vorüberschreitet, wenn es sich nicht rührt. Das ist, als wenn man um Auskunft ersucht und wird keiner Antwort gewürdigt.

Manches steht da unscheinbar, aber wenn es arbeitet, ist es von höchster Schläue, zumal mit Erläuterung vom Erbauer. Da fabriciren zum Beispiel die Pappenfritzen eine billige Pappe mit so viel Stroh und Sandstaub mang, daß sie dem Buchbinder beim Biegen in der Hand zerbricht. Was thut nun der Maschinenmensch? Der denkt so lange, bis ihm ein Geräth einfällt, worin die brüchige Pappe sich krümmt wie ein Regenwurm und zur Verwunderung der gesammten Buchbinderei ganz bleibt, die hierauf schleunigst die Maschine anschafft.

Aber auch der Pappmann sieht die Maschine. »Aha,« sagt er sich, »noch mehr Sand mang und noch mehr Stroh« und der Buchbinder ist wieder aufgeschmissen, denn wenn er noch billigere Pappe haben kann, wird er nicht so thöricht sein und bessere, theuere nehmen. – Nun muß der Maschinenmann wieder erfinden. Und so umzüchig weiter, bis die Waare sogar für einen Fünfzig-Pfennig-Bazar zu lekrig geräth. Und dann ist das Geschäft aus.

Ottilie meinte, es müßte bei Jedem dabei geschrieben stehen, was es vorstellte, allein das wäre zu viel verlangt. Zum Beispiel Röhren. Der Röhrenmacher weiß unmöglich, wozu diese oder jene Röhre verwendet wird, was hindurch laufen soll, und ob sie sich verstopft oder birst und kann nicht für jede Einzelne Lied und Beschreibung herausgeben, und andererseits bedarf man z. B. bei Wring-Maschinen keiner Abhandlung. Und doch sind vielleicht Neuerungen daran, die den Herrschaften zur Geldausgabe und den Philippinen zur Erleichterung der Arbeit verhelfen. Von den sogenannten technischen Verbesserungen des Hausgeräthes hat die Hausfrau das Wenigste, und ob die Küchendonnas Einem Dank wissen, ist sehr die Frage. Sie sträuben sich gegen Neuerungen. Blos mit dem Bräutigam sind sie willfähriger.

Meine Dorette auch. Seitdem ihr Tapezier durch sinnlosen Streik seine Arbeit verloren und ihre Spargroschen verthan hat, ist's mit ihm aus. Ihr Kummer war heftig, aber vergänglich, und um ihrem Ehemaligen die Rückkehr in das Küchenparadies für ewig abzuschneiden, hat sie sich mit einem Schutzmann verlobt, der dem Tapezier mit dem Schwert auf die Finger klopft, wenn er herein will. Er ist ein großer, ansehnlicher Mensch mit rothblondem Schnurrbart und grauen Augen, und wie Dorette sagt, durchaus nicht stolz, obgleich er schon drei Einbrecher gefaßt hat, und wenn es ihm glückt, einen Mörder zu packen, sprungweise avancirt. Nach meinen Speisekammer-Wahrnehmungen ißt er Alles. Der Tapezier ward zuletzt schon so kiesätig, daß Dorette unterschiedliche Gerichte nur gezwungen aus den Tisch brachte.

Fleckweise ein Schutzmann im Hause ist rathsam. Er verbreitet für die Schlechten das Gefühl der Furcht, für die Guten das Gefühl der Sicherheit, und Dorette ist wieder brauchbar. Soviel Geschirr hat sie zuvor nie geliefert, als in den Wochen des zerbrochenen Verlöbnisses.

Genug, ich bin mit dem Tausch zufrieden und rechne die Kalbsbratenreste als stillschweigendes Gehalt. –

Die Braupfannen, die Bierfilter, die Wasserreinigung regten uns ungemein an und nicht minder die Nähmaschinen, die auf das Niedlichste sticken und das junge Mädchen von früher vollkommen ersetzen, von dem man Fertigkeit in jeder feineren Handarbeit verlangte. Auch eine Handschuh-Nähmaschine sahen wir, die überwendlich näht, wohin soll das führen? Die Fähigkeiten der Frau werden verschoben, sie begiebt sich auf das geistige Gebiet, wo sie die Männer verdrängt. Der Mann macht Maschinen, die Frau wird immer unabhängiger, bis der Mann schließlich nur noch den Dampfkessel zum Gesammt-Hausstandsbetriebe heizt, und die Frau die Welt regiert. Dies werde ich, im Gegensatz zu der Pappe und der Biegemaschine, die aufsteigende Linie nennen. Sind wir erst mit Damen-Universitäten und Mädchen-Polytechniken ausgerüstet, ist es Kleinigkeit, einen Standpunkt zu erreichen, von dem aus die Frau das Ganze beherrscht, und ich glaube nicht, daß dann noch viele Männer bis Mitternacht und darüber in den Kneipen sitzen dürfen. Die elektrische Gasuhr wird einfach abgestellt und es giebt nichts mehr.

»Unausstehlich, die Drehbänke,« murrte Ottilie, als wir vorwärts wandelten und Vieles Kurbelige nicht im Gange war.

»Ottilie,« antwortete ich besonnen, »das Nothwendige kann wohl den Eindruck des Unausstehlichen machen, ist es aber nicht. Die Bedürfnisse der Menschen weichen eben stark ab. was wolltest Du in der Sahara mit Schlittschuhen und in Grönland mit einem Eisspinde, wogegen eine Drehbank Dir vielleicht dringend fehlte.«

Ich war ihr diesen kleinen Vortrag schuldig, weil sie doch vorhin gewaltig mit Eindruck und Erscheinung um sich geworfen hatte. Hängt sie Bilder heraus, ich hab auch 'ne Galerie.

Allmählich gelangten wir an die Badezimmer mit Wasch- und Reinlichkeitsvorkehrungen und zu den Kesseln und Oefen zum Desinficiren.

Was wußte man vor einigen Jahren davon? – Nichts.

Da erfand die Wissenschaft die Bacillen und das Karbol und haste nicht gesehen: wohin der Mensch sich begiebt, überall Bacillen und Sanitätsgestank. Denn den können die Menschen kaum vertragen, viel weniger die Mikroskobien, indem sie sich nicht zu entfernen vermögen und in dem Dunst elendiglich krepiren.

.

»Wie merkwürdig,« sagte ich zu Ottilien, »daß solche kleine Thiere Veranlassung zu so großen Apparaten geben. Welches Geld muß jetzt ihretwegen versalicylt werden, das die Nationen vor ihrer Errungenschaft sparten oder in Dömen anlegten oder sonstigen Kunstdenkmälern aus dem Mittelalter als Reiseziele für die Fremden.«

»Es ist die Addition des Kleinen, wie ja das ganze Universum aus der Multiplication der Atome mit den Kräften besteht und somit auf das Gebiet der höheren Mathematik übergeht.«

»Das Mathematische nimmt allerdings einen geachteteren Stand ein,« setzte ich hinzu, um Ottilien bei ihrem Gedankengange zu erhalten. »Früher erzählte man sich meistens Lächerliches von den Professoren, wie sie statt des Hutes mit einem Topfdeckel unter dem Arm ins Colleg gingen und thatsächlich den in Gedanken stehengebliebenen Regenschirm geschaffen haben.«

Mir schien nämlich, als ob ein junger Mann absichtlich an denselben Gegenständen Antheil nahm, die wir betrachteten und besprachen, wodurch ihm Aufklärung ward, die er bei den Saalwärtern schwerlich fand. Folgte er aus Wissensbedürfniß ... gut. Hatte er jedoch ein Auge auf Ottilie geworfen, sollte er inne werden, daß eine höhere Kulturschranke sie umgiebt, die jeden Annäherungsversuch abschlägt. In Ausstellungen gilt zwar das Drängelrecht, aber es giebt auch geistige Ellenbogen.

Bei den Telephonanlagen hielten wir uns nicht auf, da wir selbst eins haben, mit dem wir recht zufrieden sind und dessen Anschluß selten versagt. Dagegen mußte ich mit Ottilien in verschiedene »himmlisch« und »entzückend« ausbrechen, als wir den elektrischen Theaterschmuck in Thätigkeit sahen. Da waren Diademe, Halsperlen, Kronen, Blumenkränze, Gürtel in einem Spinde, die in allen Farben erglühten, sobald sie durch einen Druck mit der Leitung verbunden wurden. Besonders ein Strauß aus Gräsern und Feldblüthen war geradezu elfenhaft. Wie Aschenbrödel stand er zwischen Silber und Gold und Edelgestein, mit einem Male aber entzündeten sich die Mohnrosen und Gänseblümchen und die Käfer und Schmetterlinge roth und blau und grün und sonnenstrahlig, schöner als ringsum alle kalte Pracht, eine wahre Gabe des Märchenlandes, in Berlin angefertigt.

»An Deinem Polterabend kleide ich mich als Fee aus und gaukle mit solchem Zauberstrauß,« rief ich hingerissen von dem Anblick, ohne weiter etwas dabei zu denken.

Ottilie erröthete und der junge Mann schlängelte davon.

»Aha!« ward mir klar, »nun der verliebte Hecht von Polterabend gehört hat, glaubt er Ottilien in festen Händen und macht sich dünne.«

Ottilie seufzte.

»Das Rasseln der Maschinen fällt mir auf die Nerven,« begann sie nach einer Weile, »ich möchte ein wenig Ruhe.«

»Gewiß, Kind. Meine Fußnerven sengern auch schon. Ich denke, wir nehmen ein Gläschen Bier dort in der Brauerei, die zur Rast einladet. Unser Fleiß verträgt nachgerade eine Belohnung.«

Ottilie seufzte noch einmal und schaute sich nach dem Adonis um, der jedoch nicht zu erblicken war. Nirgends kann man besser Versteck spielen, als hinter den Ausstellungsaufbauten. Ein Schritt um die Ecke und weg ist man.

Wenn ich Adonis sagen wollte, so war dies eine Nachwirkung der Glühschmuckpoesie. Ich denke mir die Adonisse moderner in Zeug, und mit sauberster Wäsche und nicht mit Schirmmütze und mit ohne Manschetten, wie es bei dem Menschen zutraf, der, wer weiß wie, in die Ausstellung gerieth, da ja mit den Eintrittskarten enorm geschmuggelt worden ist, selbst bei solchen oberen Zehntausenden, die es nicht nöthig haben.

Kaum saßen wir an einem Tischchen und sahen dem Springbrunnen vor dem Kesselhause zu und nippten an unserem Biere, als der junge Mann an unseren Tisch trat, fragte, ob der freie Stuhl besetzt sei, und auf Ottiliens »Nein« sich unverfroren hinplatzte.

Ottilien war dies ersichtlich wonnevoll, wenn Eine noch so dumm ist, den Anbeter wittert sie auf der Stelle. Und Ottilie ist gescheidt.

»Schönes Wetter!« warf der junge Mann hin.

Ehe Ottilie ein »entzückend« abfeuern konnte, sagte ich: »Wegen der Witterung sind wir nicht hier, sondern wegen Gruppe dreizehn: Maschinenbau, Schiffbau und Transportwesen, sowie namentlich Elektrotechnische Gruppe vierzehn.«

Adonis machte ein mehr als begriffstutziges Gesicht.

»Wissen Sie, was Elektricität ist?« fragte ich ihn.

»Nein.«

»Ach, Ottilie, Du wolltest es mir ja erklären. Nicht wahr, das Kesselhaus ist das Treibende?«

»Die Verbrennung,« verbesserte sie, »durch diese entsteht die Dampfkraft mit unglaublich rascher Rotation mehrere Hundert Mal in der Sekunde.«

»Daß eine Maschine das so kann,« schaltete ich ein, um Ottilien über eine Nachdenkpause wegzuhelfen. – »Und dadurch entsteht der Strom,« fuhr sie fort, »den sieht man nicht, weil er unsichtbar ist. Leitet man ihn durch einen Draht, verwandelt der sich an dem anderen Ende in elektrisches Licht.«

»Einfacher, als man annehmen sollte,« lobte ich sie. »Wirklich sehr einfach.« – Dann wandte ich mich herablassend an den jungen Mann, der ganz verwundert dasaß:

»Haben Sie das verstanden?«

»Nein,« lächelte er. »Nein ... ich bin nämlich Elektrotechniker.«

Er löschte den Rest seines Durstes sehr rasch, stand auf, verbeugte sich und schlug sich seitwärts ins Lokal.

»Es war ein Schwindler,« belehrte ich Ottilie.

»Aber so hübsch!«

»Er gestand selbst, daß er nicht wüßte, was Elektricität sei, also, vielleicht ist er Ritzenschieber bei der elektrischen Bahn und rechnet sich auf diese Weise verwandt mit Siemens und Halske.«

»O nein; er hatte so intelligente Hände und einen Diamantring am kleinen Finger.«

»Wird wohl Simili gewesen sein. Ottilie, was gehen Dich die Hände der Mannsbilder an? Traue keinem. Du hast jetzt ein Exempel, wie falsch sie sind. Aber sei ruhig: dieser ist entlarvt; der wagt sich nicht wieder heran.«

Sie seufzte.

»Komm, Ottilie. Die Maschinen und die Elektricität sind erledigt, nun wollen wir Musike hören. Deine Kenntnisse haben Dich vor einem Reinfall bewahrt; danke Deinem Schöpfer, daß Du so gründlich studirt hast.«

Sie seufzte noch einmal und nur langsam folgte sie mir.

Aber ich werde ihr schon Menschenkenntniß beibringen.

.

 << Kapitel 8  Kapitel 10 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.