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Hordubal

Karel Capek: Hordubal - Kapitel 6
Quellenangabe
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typefiction
authorKarel ?apek
titleHordubal
publisherErnst Klett Verlag
year1984
isbn3-608-95241-1
firstpub1933
translatorOtto Pick
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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modified20150225
projectid3c1a5c8b
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V

Juraj Hordubal setzt sich ans Ende des Tisches, faltet die Hände und spricht ein Gebet. So soll es sein, wenn du jetzt der Gazda bist. Polana preßt die Lippen zusammen, die Hände gefaltet, Hafia macht große Augen und weiß nichts anzufangen, Stefan blickt düster und verbohrt zu Boden – ach ihr, habt ihr denn nicht gebetet, Polana? Nun ja, Stefan wird wohl einen anderen Glauben haben, aber bei Tisch ist es schicklich, zu beten. Sieh da, sie sind verstimmt, essen rasch und schweigsam. Hafia stochert nur so im Teller herum. – »Hafia, iß«, befiehlt Polana trocken, ißt aber selber kaum einen Bissen; bloß Stefan schlürft laut, über den Teller gebeugt.

Nach dem Essen möchte Manya auf und davon. »Bleib noch, Stefan«, fordert ihn Hordubal auf »Was ich sagen wollte – wie ist heuer die Ernte?«

»Das Grummet war gut«, weicht Manya aus.

»Und das Korn?«

Polana wirft Stefan einen raschen Blick zu. »Das Korn«, sagt Manya gedehnt. »Ja, die Bäuerin hat nämlich die Felder dort oben verkauft. Hat nicht die Arbeit gelohnt, Herr. Lauter Steine.«

Hordubal fährt zusammen. »Lauter Steine«, brummt er, »wohl wahr, lauter Steine; aber ein Feld, Polana, ist ja die Grundlage –«

Stefan zeigt selbstsicher die Zähne. »Es hat nichts getragen, Herr. Besser sind Wiesen am Fluß. Dort ist Kukuruz gewachsen, hoch wie ein Mann.«

»Am Fluß«, staunt Hordubal, »du hast Boden in der Ebene gekauft, Polana?«

Polana will etwas sagen, schluckt es aber hinunter.

»Herrschaftliche Wiesen, Herr«, erläutert Manya. »Ein Boden wie eine Tenne, tief Rübenboden. – Aber Rübe wird schlecht bezahlt. Alles wird schlecht bezahlt, Herr. Lieber auf Pferde setzen: wenn ein Pferd richtig gedeiht, kriegt man mehr Geld dafür als für ein Jahr Bauernrobot. Noch ein Stück Ebene dazu kriegen und dort Stallungen bauen –« Stefans Augen blitzen. »Das Pferd gehört in die Ebene, Herr. Das Pferd ist keine Ziege.«

»Der Gutsherr möchte die Wiesen verkaufen«, bemerkt Polana nachdenklich und berechnet laut, was sie kosten würden; aber Hordubal hört nicht zu, Hordubal denkt an die Korn- und Kartoffelfelder, welche Polana verkauft hat. Nun ja, lauter Steine, aber hat es dort nicht seit jeher Gestein gegeben? Das gehört nun einmal zu unsrer Arbeit, Kamerad. Zwei Jahre, bevor ich weggefahren bin, hab' ich ein Stück Brachland in ein Feld umgewandelt – eh, was weißt du von Bauernrobot!

Hafia hat sich zu Stefan geschlichen und den Arm um seine Schulter gelegt. »Onkel Stefan«, flüstert sie.

»Was gibt's?« lacht Manya.

Die Kleine windet sich verschämt: »Ach, nur so.«

Stefan nimmt sie zwischen die Knie und schaukelt sie. »Na also, Hafia, was wolltest du sagen?«

Hafia flüstert ihm ins Ohr: »Du, Onkel Stefan, ich hab' heut' so ein schönes Hündchen gesehn!«

»Aber geh«, staunt Manya mit wichtiger Miene. »Und ich hab' eine Häsin mit drei jungen Häslein gesehn.«

»O je«, staunt Hafia, »wo?«

»Im Klee.«

»Und du wirst sie im Herbst erschießen?«

Stefan mit schrägem Blick auf Hordubal: »Na, ich weiß nicht.«

Ein braver Mensch, denkt Juraj erleichtert, das Kind hat ihn gern, zu mir käme sie nicht so. Ach was, das Kind wird sich gewöhnen; aber daß sie die Bildchen gar nicht erwähnt hat, die ich ihr aus Amerika mitgebracht habe. Ich sollte dem Stefan etwas geben, fällt es Hordubal ein, und er sucht mit den Augen seinen Holzkoffer.

»Deine Sachen sind auf dem Bänkchen geordnet«, sagt Polana – immer war sie so fürsorglich, denkt Juraj, und geht mit ernster Miene auf das Häuflein Amerika zu. »Also, das ist für dich, Hafia, die Bildchen und hier der Teddybär –«

»Was ist das, Onkel?« haucht Hafia.

»Das ist ein Bär«, erklärt Manya. »Hast du schon einmal einen lebenden Bären gesehen? Dort hinten in den Bergen gibt es welche.«

»Und du hast sie gesehn?« drängt Hafia.

»Nu freilich, sie machen brumbrum.«

»Das hier, Polana, ist für dich«, murmelt Hordubal zaghaft. »Es sind Dummheiten, nun, aber ich hab' nicht gewußt, was . . .« Juraj wendet sich ab und kramt herum, welche von seinen Sachen er wohl für Manya auswählen solle. »Und das da, Stefan«, sagt er verlegen, »könnte vielleicht für dich passen: ein amerikanisches Messer und ein Pfeifchen aus Amerika –«

»Ach, du«, stößt Polana mit erstickter Stimme hervor, Tränen füllen ihre Augen, und sie eilt hinaus – na, Polana, was gibt's?

»Danke höflich, Herr«, verneigt sich Manya, läßt alle Zähne sehen und reicht Juraj die Hand. Ei du, welche Kraft in deiner Hand! Wär' wohl der Mühe wert, sich mit dir zu messen. Na, Gott sei gelobt, atmet Hordubal auf, das wäre überstanden.

»Laß mich das Messer sehn, Onkel«, bettelt Hafia.

»Da schau her«, rühmt Stefan, »das ist ein Messer bis aus Amerika; damit werd' ich dir eine amerikanische Puppe schnitzen, willst du?«

»Ach ja, Onkel«, jauchzt Hafia, »aber bestimmt!«

Juraj lacht breit und selig.

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