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Hordubal

Karel Capek: Hordubal - Kapitel 30
Quellenangabe
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typefiction
authorKarel ?apek
titleHordubal
publisherErnst Klett Verlag
year1984
isbn3-608-95241-1
firstpub1933
translatorOtto Pick
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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V

Gelnaj und Biegl warten beim Wein, bis der Doktor von der Sektion kommt.

»Und wo haben Sie den Glaserdiamanten gefunden?«

»Bei Hordubals in der Kammer. Was sagen Sie dazu?«

»Da haben Sie diese Bauern«, sagt Gelnaj ärgerlich. »Es tut ihnen leid, etwas wegzuwerfen, selbst wenn es ein corpus delicti ist. Sie meinen, einmal könnte es sich verwenden lassen –« Gelnaj spuckt meisterhaft aus. »Geizkrägen.«

»Und die Hordubal behauptet, der Diamant sei schon immer dort gewesen, schon ehe der Gazda nach Amerika gefahren war. Aber hier, der Farkasch, der Glaser, erinnert sich, daß Stefan bei ihm einen Glaserdiamanten gekauft hat, ungefähr einen Monat soll es her sein.«

Gelnaj pfeift. »Schon vor einem Monat? Sehn Sie, Biegl, das ist eben das Sonderbare, daß sie schon vor einem Monat daran gedacht haben. Jemanden rasch töten, das könnte ich selber; aber so auf lange Frist –. Und die Dollars haben Sie gefunden?«

»Nein, dort in der Kammer habe ich außerdem eine elektrische Lichtbatterie aufgestöbert. Ich fahnde jetzt, wo und wann Stefan sie gekauft hat. Auch ein Beweis, was? Bereits genug für die Herren, auch das Frauenzimmer verhaften zu lassen. Aber es heißt, wir sollen noch ein paar richtige Beweise finden –«

Gelnaj dreht sich auf dem Sessel um. »Karlchen, weil Sie es sind – ich hab' auch etwas gehört. Stefans Schwager, ein gewisser Janosch, hat angeblich verlauten lassen, daß der Stefan etwa vor einer Woche zu ihm aufs Feld gekommen ist und gesagt hat, du, Janosch, du könntest verdienen, wieviel du willst, meinetwegen ein Paar Ochsen, kannst sie dir sogar selber auf dem Markt aussuchen – und für eine kleine Arbeit: mußt nur den Juraj Hordubal wegschaffen.«

»Das ist gut«, sagt Biegl anerkennend. »Und Janosch?«

»Geh, soll er gesagt haben, wo hast du denn das Geld dazu, Stefan? – Ich hab's nicht, sagt Stefan, aber die Bäuerin hat's: wir haben einander versprochen, daß wir heiraten werden, wenn Hordubal weg ist.«

»Da haben wir sie also«, atmet Biegl tief auf. »Und beide sind in der Tunke.«

Gelnaj nickt. Aber da kommt der Doktor von der Sektion, läuft auf seinen kurzen Beinchen und schaut kurzsichtig um sich.

»Herr Doktor«, ruft Gelnaj, »wollen Sie nicht eine Minute hierher, bitte?«

»Ah«, sagt der Doktor knapp. »Na, meinetwegen. Geben Sie mir einen Sliwowitz. Der Ärmste hat schon gerochen. Keine schöne Arbeit. Ach ach«, atmet er auf und stellt das Gläschen hin. »Und wissen Sie, meine Herren, daß man einen Toten ermordet hat?«

Biegl wälzt die Augen heraus. »Wieso?«

»Einen beinahe Toten. Er dürfte in den letzten Zügen gelegen haben, komatöser Zustand. Lungenentzündung höchsten Grades, die rechte Lunge schon vereitert, gelb wie die Leber – er hätte den Morgen nicht mehr erlebt.«

»Also war's überflüssig«, sagt Gelnaj langsam.

»Freilich. Und an der Aorta eine Erweiterung – faustgroß. Wenn die Lungenentzündung nicht gewesen wäre, würde eine Aufregung genügt haben – und Schluß. Armer Kerl.«

Beide Gendarmen schweigen bedrückt. Endlich räuspert sich Biegl und fragt: »Und die Todesursache, Herr Doktor?«

»Nun, Mord. Die linke Herzkammer durchbohrt. Aber weil er in der Agonie war, ist nur wenig Blut ausgetreten.«

»Und womit, glauben Sie –?«

»Ich weiß nicht. Mit einem Nagel, einer Ahle, einer Nadel zum Säckenähen – oder kürzer gesagt: mit einem dünnen, spitzigen Metallgegenstand, zirka zehn Zentimeter lang, von ovalem Querschnitt – genügt Ihnen das?«

Gelnaj dreht verlegen das Glas zwischen den dicken Fingern. »Herr Doktor – – könnte man nicht sagen, daß er – – an der Lungenentzündung gestorben ist? Sehn Sie, wenn er ohnehin schon sterben mußte – wozu soll man dann damit so viel –«

»Das geht nicht, Gelnaj«, platzt Biegl heraus. »Es ist doch ein Mord.«

Der Doktor funkelt mit der Brille. »Das wäre schade, Herr. Ein interessanter Fall. Selten sieht man einen Mord mit einer Nadel oder dergleichen. Ich werde das Herz in Spiritus geben und es«, der Doktor beginnt zu grinsen, »einem gelehrten Fachmann schicken. Damit Sie es sicher wie Beton haben, meine Herren. Es nutzt nichts, es ist ein Mord, wie das Gesetz es befiehlt. Ach Gott, aber welch ein überflüssiger.«

»Was tun«, brummt Gelnaj. »Und ein solcher Maulesel nennt das einen klaren Fall!«

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