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Hordubal

Karel Capek: Hordubal - Kapitel 27
Quellenangabe
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typefiction
authorKarel ?apek
titleHordubal
publisherErnst Klett Verlag
year1984
isbn3-608-95241-1
firstpub1933
translatorOtto Pick
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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II

Gelnaj sitzt im Hof, Biegl soll nur das ganze Anwesen durchstöbern. Der schnuppert, schnuppert herum und seine Augen leuchten vor Begierde. Alle Ställe hat er durchstöbert, alles in der Runde, jetzt sucht er oben auf dem Dachboden; er ist geradezu neubelebt, solche Freude macht es ihm. Das sind so Sachen, denkt Gelnaj: mir genügen die Zigeuner und Ordnung halten –. Nun, Karlchen soll halt auch seine Freude haben.

Aus der Stube kommt der Doktor, um sich unter der Pumpe die Hände zu waschen. Gleich ist Biegl da, fragt ungeduldig: »Also was, also was?«

»Das wird sich bei der Sektion erweisen«, sagt der Doktor. »Aber ich meine, es könnte ein Nagel gewesen sein oder so was. Nur zwei – drei Blutströpfchen – merkwürdig.« Polana bringt ihm ein Handtuch.

»Danke«, sagt er. »Hören Sie, war Ihr Mann nicht krank?«

»Gestern ist er gelegen, hat Fieber gehabt.«

»Aha. Und Sie werden ein Kleines wiegen, nicht wahr?«

Polana ist rot geworden. »Erst im Frühjahr, gnädiger Herr.«

»Nicht im Frühjahr, Mutterchen. So um Neujahr herum, was?«

Biegl zwinkert erfreut Polana nach. »Also da hätten wir ein Motiv, Gelnaj. Hordubal ist erst im Juli aus Amerika zurückgekommen.«

Gelnaj knurrt. »Die Hordubal meint, es ist ein Auswärtiger gewesen. Ihr Mann soll vor paar Wochen in der Schenke gerauft und den Fedelesch Gejza übel zugerichtet haben. Hat ihm den Kopf zerschlagen. Gejza ist ein Raufbold. Vielleicht ist es aus Rache, meint sie. Da haben Sie auch ein feines Motiv, Karlchen.«

Auch der Doktor blickt Polana nach und sagt zerstreut: »Schade, Ihr sperrt sie mir ein und ich bin so gern bei Geburten. Hier komm' ich überhaupt zu keiner Wöchnerin, die Weiber werfen hier wie die Katzen. – Bei der da wird's wohl eine schwere Geburt geben.«

»Warum?«

»Alt und mager. An die Vierzig, nicht wahr?«

»Wo denken Sie hin«, meint Gelnaj. »Kaum dreißig. So, der Hordubal war krank? Wie erkennt man das an einem Toten?«

»Ärztliches Geheimnis, Gelnaj, aber Ihnen will ich's verraten. Unter dem Bett war ein voller Nachttopf«

»Das hatte ich nicht beachtet«, sprach Biegl neiderfüllt.

»Also Gott befohlen, meine Herren«, sagte der Doktor, auf seinen Beinchen wippend, »und von der Sektion werden Sie mich verständigen, gelt?«

»Ich werde das Haus nochmals durchsuchen«, brummte Biegl, »und dann könnten wir nach Rybáry fahren.«

»Was suchen Sie eigentlich immerfort, Karlchen? Noch ein Motiv?«

»Beweise«, sagt Biegl trocken. »Und das Werkzeug.«

Gelnaj schlendert zum Zaun und knüpft mit der Nachbarin ein Gespräch an; er schäkert mit ihr so lange, bis er einen Fetzen an den Schädel und ein Blümchen zum Geschenk bekommt. In dem Winkel beim Schuppen duckt sich die verschüchterte Hafia. Gelnaj beginnt Grimassen zu schneiden und feixt so entsetzlich, daß Hafia zuerst Furcht hat und dann es ihm nachmacht. Als Biegl später aus der Scheune auf den Hof tritt, sitzt Hafia auf Gelnajs Schoß und erzählt ihm, daß sie einen Käfig für die Kaninchen bekommen soll.

»Nichts gefunden«, sagt Biegl mißmutig. »Aber ich komme noch einmal zurück. Das wäre schön, wenn ich nicht –. Haben Sie dem Geritsch gesagt, er soll uns ein Fuhrwerk nach Rybáry verschaffen?«

»Es wartet schon«, sagt Gelnaj und entläßt Hafia mit einem Klaps auf den Popo.

»Nun, Gelnaj, wie denken Sie über die Sache?«

»Ich werde Ihnen etwas sagen, Biegl«, brummt Gelnaj ernst. »Ich werde mir darüber überhaupt nichts denken. Ich habe schon genug davon in den fünfundzwanzig Jahren. Mir gefällt es nicht.«

»Je nun, ein Mord, das ist keine Kleinigkeit«, sagt Biegl sachkundig.

»Das wohl nicht, Karlchen«, sagt Gelnaj kopfschüttelnd. »Aber ein Mord im Dorf das nimmt man nicht so genau, wissen Sie. Sie sind ein Stadtmensch, Sie verstehen es nicht so. Wenn's ein Raubmord wäre, werde ich, Himmelfix, genauso schnuppern wie Sie. Aber ein Mord in der Familie – und ich sage Ihnen, ich wundere mich gar nicht, daß man den Hordubal erschlagen hat.«

»Warum?«

»– Das ist nun mal so eine unglückliche Natur. Dem stand es auf der Nase geschrieben, mein Lieber.«

Biegl grinst. »Der Teufel stand ihm auf der Nase geschrieben. Einen jungen Knecht hat er im Bett gehabt, das ist alles. Menschenskind, Gelnaj, das ist ein ganz klarer Fall –«

»Ach was, Familienfälle sind niemals klar«, knurrt Gelnaj. »Das werden Sie noch sehn, Karlchen. Um Geldes willen morden, das ist klar, das macht man im Handumdrehen; aber bedenken Sie, wochen- und wochenlang es in sich tragen, tage- und nächtelang es überlegen, das, Biegl, haben Sie so, als wenn Sie an der Hölle riechen. Ihnen ist es klar, weil Sie hier neu sind; aber ich habe sie alle gekannt, Karlchen, alle drei –. Was soll ich Ihnen erzählen: fahren wir nach Rybáry.«

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