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Hordubal

Karel Capek: Hordubal - Kapitel 26
Quellenangabe
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typefiction
authorKarel ?apek
titleHordubal
publisherErnst Klett Verlag
year1984
isbn3-608-95241-1
firstpub1933
translatorOtto Pick
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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Zweites Buch

I

»Man hat Juraj Hordubal ermordet!«

Der Biro Geritsch zieht rasch seinen Kittel an.

»Hol die Gendarmen, Junge«, befiehlt er. »Sie sollen zu Hordubals kommen.«

Auf Hordubals Hof läuft Polana händeringend hin und her. »Ach Gott, ach Gott«, jammert sie, »wer hat ihm das angetan? Den Gazda hat man ermordet, ermordet!«

Hafia verstört in einem Winkel, über die Zäune glotzen die Nachbarinnen, ein Häuflein Männer drängt sich im Tor. Der Dorfschulze stracks auf Polana zu, legt ihr die Hand auf die Schulter. »Hört auf Bäuerin. Was ist ihm geschehen? Wo hat er die Wunde?«

Polana beginnt zu zittern: »Ich w-w-weiß nicht, ich war nicht dort, ich konnte nicht –«

Der Vorsteher mustert sie aufmerksam. Sie ist blaß und hart, hat sich wohl nur gezwungen, so zu jammern und herumzulaufen. »Wer hat ihn gesehn?«

Polana preßt die Lippen aufeinander; doch da kommen schon die Gendarmen und krachen den Leuten das Tor vor der Nase zu. Es ist der alte dicke Gelnaj, aufgeknöpft und ohne Gewehr, und Biegl, der neue Gendarm: er glänzt vor Neuheit und Eifer.

»Wo ist er?« fragt Gelnaj halblaut. Polana zeigt nach der Stube und wimmert.

Hordubal der Amerikaner liegt auf dem Bett, als wenn er schliefe. Gelnaj hat den Helm abgenommen und wischt sich, damit es nicht auffällt, den Schweiß. Geritsch ragt düster in der Tür. Nur Biegl geht zu dem liegenden Menschen hin und beugt sich über das Bett.

»Seht, hier auf der Brust«, sagt er. »Etwas Blut. Sieht aus wie ein Stich.«

»Heimarbeit«, brummt der Schulze.

Gelnaj dreht sich langsam um. »Was meint Ihr damit, Geritsch?«

Der Schulze schüttelt den Kopf »Nichts.« Armer Juraj, denkt er.

Gelnaj kratzt sich im Genick. »Sehn Sie mal, Karlchen, das zerbrochene Fenster.« Aber Karlchen Biegl löst das Hemd von der Brust des Toten und guckt darunter. »Wundert mich«, entfährt es ihm zwischen den Zähnen, »ein Messer war's nicht. Und so wenig Blut –«

»Das Fenster, Biegl«, wiederholt Gelnaj. »Das ist was für Sie.«

Biegl wendet sich zum Fenster. Es ist geschlossen, nur in die eine Scheibe ist eine Öffnung gedrückt worden. »Sieh mal an«, sagt er freudig. »Also hier durch – bloß daß durch dieses Loch niemand hereinkriechen könnte, Gelnaj. Und hier im Glas sind Ritzer von einem Diamanten, aber auf der Innenseite. Na, das ist doch ein Spaß!«

Geritsch tritt auf Fußspitzen an das Bett. Eh, du Ärmster, wie spitz deine Nase ragt, und die Augen zu, wie im Schlaf –

Biegl öffnet behutsam das Fenster und blickt hinaus. »Das hatte ich mir gedacht«, verkündet er zufrieden.

»Die Scherben sind draußen, Gelnaj.«

Gelnaj schnaubt. »Also Ihr, Schulze«, sagt er bedächtig, »Ihr sagt, es ist Heimarbeit, was? Und den Stefan Manya hab' ich hier nicht gesehen.«

»Wird wohl zu Hause sein, in Rybáry«, meint der Schulze, nicht gerade entgegenkommend.

Biegls Nase beschnuppert alle Winkel. »Keine Unordnung, nichts zerbrochen –«

»Mir gefällt das nicht, Karlchen«, sagt Gelnaj.

Biegl zeigt die Zähne. »Zu dumm, nicht wahr? Aber warten Sie, wird sich fein verarbeiten lassen. Ich, Gelnaj, liebe die klaren Fälle.«

Gelnaj trottet auf den Hof hinaus, dick und würdevoll. »Kommt mal her, Frau Hordubal. Wer war heute nacht im Haus?«

»Nur ich – und Hafia, hier das Töchterchen.«

»Wo habt Ihr geschlafen?«

»In der Kammer mit Hafia.«

»Hier die Tür in den Hof war abgesperrt, nicht wahr?«

»Abgesperrt, bitte.«

»Und am Morgen, abgesperrt? Wer hat sie aufgemacht?«

»Ich – als es hell wurde.«

»Und wer hat als erster die Leiche gefunden?«

Nichts. Polana preßt die Lippen zusammen.

»Wo ist Euer Knecht?« sagt Biegl plötzlich.

»Zu Haus, bitte, in Rybáry.«

»Wieso wißt Ihr das?«

»Nun – ich glaub' halt –«

»Ich frage nicht, was Ihr glaubt. Woher wißt Ihr, daß er in Rybáry ist?«

»– – Ich weiß nicht.«

»Wann war er das letztemal hier?«

»Vor . . . vor zehn Tagen. Er ist gekündigt –«

»Wann habt Ihr ihn zuletzt gesehn?«

»Vor zehn Tagen.«

»Ihr lügt«, schießt Biegl los, ohne zu zielen. »Gestern seid Ihr mit ihm zusammen gewesen. Wir wissen es.«

»Das ist nicht wahr«, haucht Polana entsetzt.

»Gesteht doch, Hordubal«, redet Gelnaj ihr zu.

»Nein – ja. Gestern ist er mir begegnet.« –

»Wo?« schlägt Biegl zu.

»Draußen.«

»Wo draußen?«

Polana, flatternden Blicks: »Hinterm Dorf«

»Was habt Ihr dort gemacht? Was? Also rasch!«

Polana schweigt.

»Ihr wart mit ihm verabredet?« beginnt Gelnaj wieder.

»Nein, Gott ist mein Zeuge. Er ist mir zufällig begegnet –«

»Wo?« fährt Biegl dazwischen.

Polana heftet die gehetzten Augen auf Gelnaj. »Zufällig ist er mir begegnet – – hat nur gefragt, wann er hier seine Sachen abholen kann. Er hat noch seine Kleider da, dort im Stall.«

»Aha, der Gazda hat ihn auf die Minute hinausgeworfen, wie? Und warum, bitte?«

»Sie haben sich gestritten.«

»Wann sollte er seine Sachen holen kommen?«

»Heute – heute früh.«

»Ist er gekommen?«

»Nein.«

»Weil er in der Nacht gekommen ist«, schießt Biegl los.

»Nein, er war nicht da. Zu Hause war er.«

»Wieso wißt Ihr das?«

Polana beißt sich auf die Lippen. »Ich weiß nicht.«

»Kommen Sie, Hordubal«, sagt Biegl scharf. »Dort vor dem Ermordeten werden Sie uns mehr erzählen.«

Polana taumelt.

»Lassen Sie sie«, knurrt Wasil Geritsch Wasilu. »Sie ist schwanger.«

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