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Hordubal

Karel Capek: Hordubal - Kapitel 16
Quellenangabe
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typefiction
authorKarel ?apek
titleHordubal
publisherErnst Klett Verlag
year1984
isbn3-608-95241-1
firstpub1933
translatorOtto Pick
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20101228
modified20150225
projectid3c1a5c8b
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XV

In dieser Woche war Hordubal abgemagert, mit den Knochen könnte er rasseln. Wie denn auch nicht, bitte schön: ist es etwa eine Kleinigkeit, morgens aufzuräumen, die Schweine zu füttern, die Pferde zu striegeln, die Kühe auf die Weide zu schicken, den Stall zu säubern und das Kind für den Schulgang auszurüsten; dann mit den Pferden hinunter in die Ebene, hohe Zeit, den Kukuruz unter Dach zu bringen; und mittags nach Hause, etwas zum Mittagsbrot für das Kind kochen, die Pferde tränken, für die Hühner Streu aufschütten; und wieder in die Ebene, ein Stück Robot erledigen, und vor Abend rasch nach Hause, das Abendbrot vorbereiten, das Vieh betreuen, sogar auch mit rauhen Fingern Hafias Mädchenröckchen ausbessern; nun ja, das Kind spielt, da ist das Kleid bald zerrissen. Schwierig, gleichzeitig auf so vielen Stellen zu sein, schwierig, nicht eins ums andere zu vergessen; wie ein Holzklotz fällt er am Abend ins Stroh, und dabei schläft er noch nicht ein aus Besorgnis, etwas vergessen zu haben. Ach Gott, er hat etwas vergessen, er hat die Muskatstöcke im Fenster nicht begossen; und ächzend steht Hordubal auf, um die duftenden Blumen zu begießen.

Und Polana – gleich als wäre sie nicht da; sie hat sich in der Kammer eingeschlossen und trotzt. Was tun, denkt Hordubal verlegen; die Bäuerin ist böse, weil ich mich mit ihr nicht beraten habe, was sagst du dazu, Polana, ich will den Knecht weggeben. Ach, Frau, so sei doch vernünftig: konnte ich dir etwa sagen, Polana, die und die Reden werden über dich geführt? Und was soll ich dir viel erzählen; nun, ich hab' den Knecht fortgeschickt, ärgere dich; mit dem Stock werde ich dich nicht an die Arbeit jagen. Ach ja, Polanas Hände fehlen hier; nur eine Woche – und alles wie verwahrlost; wer hätte gedacht, wieviel Robot so ein Weib leistet, – nicht einmal die Hälfte davon bestreitet ein Mann. Nun, sie wird's schon selber einsehen, ihr Zorn wird vergehn und sie wird lachen: so ein Esel, dieser Juraj, kann nicht einmal aufräumen und kochen – nun ja, was kann man von einem Mann verlangen! Einmal – da hat er sie erblickt: er war umgekehrt, um etwas zu holen, und sie stand in der Tür. Wie ein Schatten. Ringe unter den Augen und auf der Stirn eine schräge Furche. Hordubal wandte sich ab, nichts will ich, Seelchen, hab' dich nicht gesehen.

Und sie verschwand – wie ein Schatten. Nachts, wenn Hordubal ins Stroh kriecht, hört er irgendwo leise eine Tür aufgehen. Das ist Polana. Sie geht auf den Hof hinaus und steht dort, steht – – Und Juraj, die Arme hinterm Kopf blinzelt betrübt in die Dunkelheit.

Kühe, Pferde. Hafia, Hühner, Schweine, Felder, Blumen – Herrgott im Himmel, es ist genug; aber das Schwerste ist, den Anschein zu wahren. Damit die fremden Mäuler nichts zu plärren haben, bei Hordubals sei dies und das los. Hordubal hat eine verheiratete Schwester, die könnte aushelfen, kochen, aber nein, besten Dank, nicht nötig. Die Nachbarin winkt über den Zaun – Hordubal, schickt mir die Hafia untertags herüber, ich werde für sie sorgen. Danke, Nachbarin, danke schön, aber macht Euch keine Mühe; Polana ist nur ein wenig krank und muß im Bett liegen, ich vertrete sie gern. Du, ich werde dich schnüffeln lehren! Da geht Geritsch vorüber, sieht einen an, hat einen Gruß auf die Schnauze geschrieben. Scher dich weg, ich kenne dich nicht. Und Hafia fürchtet sich; sie starrt, ohne zu blinzeln, – nun ja, Stefan fehlt ihr. Was nutzt es, Kind, aber da hat es ein Gerede gegeben, du mußt es den Leuten anrechnen.

Kühe, Pferde, Kukuruz, Schweine – richtig, den Schweinekober säubern und den Säuen Wasser geben. Und hier, sieh mal, die Rinne putzen, damit der Schmutz abfließen kann. Hordubal legt sich ins Zeug, faucht vor Eifer, jetzt gibt es auf der Welt nichts anderes als den Schweinekober; warte nur, Polana, wirst staunen, wenn du herkommst – ein Schweinekober wie eine Stube. Jetzt noch frisches Wasser. – Und Hordubal geht mit dem Kübel zum Brunnen.

Im Hof sitzt Manya auf der Wagendeichsel, schaukelt Hafia auf den Knien und erzählt ihr etwas.

Juraj stellt den Kübel auf die Erde und geht, die Hände in den Taschen, geradewegs auf Stefan zu.

Manya hat mit einer Hand Hafia von sich geschoben, mit der andern langt er in die Tasche; er sitzt da, die Augen wie Kümmelkörner verengt, und seiner Faust entragt etwas in der Richtung auf Jurajs Bauch.

Hordubal verzieht das Gesicht – kenn' ich, mein Junge, aus Amerika, wie man aus einem Revolver schießt. Da – er zieht das zugeklappte Messer heraus und wirft es zu Boden. Manya steckt die Hände in die Taschen und wendet den Blick nicht von dem Bauer.

Hordubal hat sich mit der Hand auf die Wagenleiter gestützt und schaut Manya von oben an. Was soll ich hier mit dir, denkt er, Herrgott im Himmel, was fang' ich mit ihm an?

Hafia weiß auch nicht, wie es ausgehen wird, und starrt entsetzt vom Vater auf Stefan und von Stefan auf den Vater.

»Na, Hafia«, brummt Hordubal, »bist froh, daß Stefan dich besucht hat?«

Das Mädchen schweigt, heftet nur die Augen auf Manya.

Hordubal streicht unsicher seinen Nacken. »Und was sitzt du da«, sagt er langsam. »Geh die Pferde tränken.«

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