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Hordubal

Karel Capek: Hordubal - Kapitel 13
Quellenangabe
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typefiction
authorKarel ?apek
titleHordubal
publisherErnst Klett Verlag
year1984
isbn3-608-95241-1
firstpub1933
translatorOtto Pick
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20101228
modified20150225
projectid3c1a5c8b
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XII

Wo sonst sollte er sein? Er hat sich hinter die Scheune verkrochen und grübelt. Zum Beispiel daran denkt er: na, nehmen wir an, ich bin alt; aber, bitte schön, wie kommt das? Du lebst, weißt nichts, bist derselbe heute wie gestern und auf einmal – alt. Wie verzaubert. Springst nicht mehr einem scheuenden Pferd in die Mähne, raufst dich nicht in der Schenke herum; du – hebst ein Kind auf, anstatt das Pferd zu fangen. Möglich, früher einmal hätte ich das Pferd gefangen. Du mußt wissen, einmal hab' ich mich auch in der Schenke gerauft, ruhmreich gerauft, mit Geritsch, frag den Wasil, Polana. Und auf einmal – alt. Polana ist nicht alt.

Ah was, meinetwegen alt. Auch ein Kind aufheben ist gut. Ech, Polana, ich könnte dir zeigen – zum Beispiel, was für ein Gazda ich bin. Du könntest es bei mir haben wie eine Edelfrau, Mägde zur Arbeit, und nur befehlen: hej, Marika, streu den Hühnern Futter, marsch! Axenja, gib den Kühen Wasser. Es ist wahr, dreitausend Dollar hat man mir gestohlen, aber ich hab' noch siebenhundert, allerhand könnte man anfangen . . . Bin nicht umsonst in Amerika gewesen: ob jung oder nicht, ich hab' wenigstens erfahren, wie es in der Welt aussieht und zugeht. Und die Kuhzucht zahle sich nicht aus, und dies und das. Ach was, man muß eben richtig verkaufen können. In Amerika zum Beispiel – dort wartet der Bauer nicht, bis der Fleischer kommt; er fährt selber in die Stadt und macht einen Vertrag: soundso viel Stück im Jahr, soundsoviel vessels Milch täglich, all right. So wird's gemacht. Warum sollte es, bitte schön, nicht auch hier gehn? Einen Karren und ein Pferdchen kaufen – verkauf deine Pferde, Polana: ich will ein Pferdchen, mit dem man reden kann – und nach der Stadt fahren. Nun, ein Amerikaner, der kennt sich aus, ist nicht umsonst in der Welt gewesen; der bringt den ganzen Gürtel voll Geld nach Hause. Und auch die Nachbarn werden kommen. Juraj, kannst du in der Stadt ein paar Gänse verkaufen? Warum nicht, aber nicht so, eine Gans unterm Arm und anbieten; sondern fünfzig, hundert Gänse wöchentlich man wird Käfige zimmern und heidi mit einer Ladung Gänse in die Stadt. So macht man business, Nachbar. Oder Brennholz, fünfzig Fuhren Holz. Kartoffeln – waggonweise. Sieh mal, der Hordubal, der hat Verstand mitgebracht aus Amerika! Auch du, Polana, wirst dann sagen: Juraj ist klug, kein Jüngling wäre gewandter; hej, Marika, Axenja, zieht dem Gazda die Stiefel aus, er ist vom Markt zurück. Und was hast du den ganzen lieben Tag gemacht, Herzchen? Den Gutshof hab' ich für dich verwaltet, mit dem Gesinde hab' ich mich herumgeärgert und dann, nun, dann hab' ich gewartet, Juraj, auf dich.

Hordubal sitzt auf einem Baumstumpf und blinzelt. Man könnt' es versuchen, warum nicht? Ein Mann ist jung, solange er etwas beginnt. Und ist's nicht dies, dann eben etwas andres. Zum Beispiel den Felsen unter dem Mentschul kaufen – ein Stein wie Marmor, und die Quadern nach der Stadt fahren; haben sie denn in der Ebene überhaupt Steine? Nur Kot und Staub, selbst der Himmel ist dort staubig. Und vielleicht selber Steine brechen – hab' ich etwa wenig Stein gebrochen in Amerika? Sogar mit Dynamit, Bruderherz, weiß ich umzugehen. Man bohrt ein Loch und führt die cartridge ein – fort mit euch allen, marsch und – bum! Nun, Polana, das ist Männerarbeit, was? Was ist das Einfangen eines Hengstleins dagegen? Und mit einem roten Fähnchen in der Hand, Achtung, hier wird geschossen. – Mächtig werde ich knallen, und du – fang du nur deine Pferde im Feld wieder ein.

Ah, da könnte man doch Dinge finden! Was habt ihr in der Ebene? Nichts, Ebene. Aber hier – bei Sauerwasser Eisen, das Wasser ganz braun von Rost. Unter der Tataruka – schimmerndes Gestein, wie Harz. Schätze gibt's in den Bergen, erzählen die Weiber. Die Berge abschreiten, bis dort hinter Durny, hinter dem Schwarzberg, hinter der Tatinska, hinter der Tupa – weiß man denn, was man da findet? Oh, Bruderherz, heutzutage sucht man auch unter der Erde. Zu Hause nichts, kein Wörtchen. Morgen, Polana, fahr' ich nach Prag, mit den Herren etwas besprechen, – und dann kommen die Herren gefahren und schnurstracks zu Hordubals: Guten Tag, ist Herr Hordubal zu Hause? Und Herr Hordubal her, Herr Hordubal hin, Sie haben einen Schatz gefunden, so ein Mineral, das wir schon fünfzig Jahre suchen. – Nun, warum nicht? Lauter Stein, meinst du – ah, weißt du, aus was der Stein besteht? Du weißt es nicht, also sei still.

Hordubal schämt sich ein wenig. Vielleicht sind es Dummheiten; aber der Stein unter dem Mentschul – ist keine Dummheit. Da müßte ich Ochsen haben, ein Paar, zwei Paare Ochsen – etwa die grauen, podolischen, mit Hörnern wie Arme, oj, was für Tiere! Und mit einer Steinladung hinunter in die Ebene – vor den Ochsen gehn und immer nur: heiza hoh, heiza! Und du mit deinem Rößlein – ausgewichen vor den Ochsen bis hinter den Graben! Und wem gehören die Ochsen? Dem Hordubal, niemand in der Gegend hat solche Tiere.

Hordubal zieht das Säckchen aus der Brusttasche hervor und zählt sein Geld nach. Siebenhundert Dollar, das ist – doch zwanzig Tausender; eine schöne Summe, Polana! Damit läßt sich ein neues Leben beginnen. Wirst schon selber sehn, was für ein Kerl der Juraj ist. Auch Verstand ist Kraft. Teuer wird ein Pferd bezahlt, das den Kopf hochträgt, aber sieh mal, so ein Ochse: nickt mit dem Kopf, trägt ein Joch auf dem Rücken, leistet aber mehr Arbeit.

Juraj nickt und schleicht sich auf den Hof. Auf dem Hof schält Polana Erbsen aus den Schoten; sie zieht nur die Brauen hoch, fegt die leeren Schoten vom Schoß herunter und entfernt sich, in das Haus hinein.

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