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Hordubal

Karel Capek: Hordubal - Kapitel 10
Quellenangabe
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typefiction
authorKarel ?apek
titleHordubal
publisherErnst Klett Verlag
year1984
isbn3-608-95241-1
firstpub1933
translatorOtto Pick
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20101228
modified20150225
projectid3c1a5c8b
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IX

Und es wird dir schon zu dumm. Jura, Juraj: da gehst du im Hof herum, schaust um dich und weißt nichts anzufangen. Kohl pflanzen? Keine Arbeit für einen Mann. Den Hühnern Futter streuen? Die Schweine füttern? Ech, Weiberarbeit. Alles Holz ist schon geschnitten und zurechtgehackt, den Zaun hast du ausgebessert, allerhand aus Brettern gezimmert; du gaffst herum wie der alte Kyril, der dort drüben auf Michal Herpaks Hof mit dem Kinn wackelt. Und die Nachbarinnen gucken herein, ein feiner Gazda, hat die Hände in den Taschen und gähnt, der Kinnbacken soll dir herausfallen!

Dort unten auf den Wiesen – ist Manya; was dort? Nicht mit den Pferden reden und so. Bleib du alleine dort, was gilt mir die Ebene? Da seh' ihn einer mal an, so ein hergelaufener Knecht und sagt da, wenn ihr dies und das tun wolltet, Herr. Und siehst du, ich werde es tun; du hast mir nichts zu befehlen, aber wenn es aus Holz ist, so werd' ich's schaffen. Früher – da hat man die Wälder gefällt; i wo denn, sagt man, es wird kein Holz mehr verkauft, es verfault im Wald, die Sägen stehn still –.

Herrgott im Himmel, einmal wieder Kühe weiden! Nicht zwei Kühe, das war' den Leuten zum Gespött; aber zwölf Kühe und sie meinetwegen bis auf den Volov Chrbat treiben, in der Hand den Bärenprügel –, und niemand sagt: nicht mit den Kühen reden. Man muß die Viecher anschreien.

Aber Polana – die will es nicht mal hören – acht Hunderter gibt dir der Fleischer für die Kuh und macht dabei noch Gnaden. Na, wozu der Fleischer – für mich würde ich das Vieh aufziehen; aber wenn du nicht willst, sei's drum. In deine Ebene steck' ich kein Geld hinein.

Oder die Kühe vor den Wagen spannen und aufs Feld fahren, die Ernte hereinschaffen. Da fährt man, fährt, eine Hand auf dem Joch, vorwärts! O-ou! Keine Eile, nur so, um mit den Kühen gleichen Schritt zu halten. Selbst in Amerika hab' ich mich an keinen anderen Schritt gewöhnt: nur so, wie die Kühe gehn. Und mit der Ernteladung hinunter, das Rad an den Speichen bremsen, den ganzen beladenen Wagen in der Hand halten – Gott sei gepriesen, da weiß man wenigstens, daß man Pranken hat. Das, Polana, ist Männerarbeit. Ach Gott, erbarme dich, es ist schon zu blöd – die Hände werden einem nur weich; und was für geschickte Hände – hart, amerikanisch.

Was, Polana, du hast leicht laufen: immerfort hast du etwas zu schaffen, hier die Hühner, hier die Schweine, hier etwas in der Kammer; aber für den Mann ist es eine Schande, am Zaun zu stehen. Könntest wenigstens sagen, du Juraj, dies und das könntest du machen; aber du – wie ein Pfeil, mit dir kann man nicht mal reden. Ich könnte dir erzählen – etwa dies: in Amerika, Polana, darf ein Mann auskehren, er darf Geschirr waschen und den Fußboden reiben, und es ist keine Schande für ihn; gut geht es den Weibern in Amerika. Aber du – schneidest Gesichter, wenn ich bloß etwas in die Hand nehme, und sagst, das schickt sich nicht, die Leute würden dich auslachen. Ah was, laß sie lachen, die Dummköpfe. Mach' ich etwas im Stall, füttere und tränke die Pferde – da verzieht wiederum Stefan das Gesicht; nicht mit den Pferden reden und so. Das weißt du, du! Und überhaupt schaut er so finster drein – na, na, friß mich bloß nicht auf mit diesen Augen. Nicht einmal mit der Hausfrau redet er, macht kaum das Maul auf und immer nur so mit den Augen – Wut hat er, ist ganz gelb vor Zorn, zehrt sich selber auf. Und Polana fürchtet sich vor ihm, sagt: Geh, Hafia, sag Stefan, er solle dies und das machen, frage Stefan nach dem und jenem – Hafia fürchtet sich nicht vor ihm. Onkel, spricht sie zu ihm, und er schaukelt sie auf den Knien, so, Hafia, hüpft ein Fohlen, so schaukelt sich eine Stute – und singt; aber wenn er jemand erblickt, bricht er ab und verschwindet schleunigst im Stall.

Hordubal reibt sich im Nacken. Und der Teufel mag wissen, mich fürchtet Hafia. Sie spielt, spielt, aber wenn ich komme – aus, sie läßt mich nicht aus den Augen und will nur rasch fort – nun, lauf nur. Ei, Hafia, ich möchte für dich Spielzeug schnitzen, wenn du dich nur auf meine Schulter lehntest und zuschautest –, je, was wird das werden? Und was könnte ich dir von Amerika alles erzählen, Mädel: Schwarze gibt es dort und solche Maschinen – nun, Gott mit dir, Hafia, geh nur zu deinem Stefan. Du solltest sie nicht schubsen, Polana, mit Schlägen zähmst du niemanden; aber wenn du dich einmal hersetzen wolltest, wenn wir mal miteinander sprächen, da käme Hafia wohl herbei und würde zuhören, würde sich mit dem Ellbogen auf mein Knie stützen – da könnte ich allerhand erzählen, mit offenem Mäulchen würde das Kind lauschen. Je nun, im Winter vielleicht, im Winter beim Ofen –

Unten im Ort – Geschrei der aufgescheuchten Gänse und Wagengerassel – Manya fahrt heim. Juraj zuckt die Achseln und verzieht sich hinter die Scheune. Wozu soll ich hier stehen bleiben, Nase gegen Nase? Da fährst du ein Bündel Heu heim und machst einen Lärm dabei, als brächtest du weiß Gott was. Und hier ist es still, hier hat man die ganze Welt im Rücken. Den Garten haben sie verwildern lassen, hier reiften Birnen und Pflaumen, und jetzt – nichts. Man hätte die gealterten Bäume verschneiden sollen und im Herbst junge einsetzen, aber nein; da ist nichts Altes mehr, nichts, was früher hier gewesen ist, bloß diese unfruchtbaren Bäume: bleibt nur da, mit Gott. Ein schattiger Garten war einmal hier, aber jetzt wühlen hier die Schweine herum; und diese Brennesseln, Herrgott im Himmel!

Kannst dir denken, ich habe in Amerika allerhand gesehen; ich hab' mich umgeschaut, und siehe, dies oder das ließe sich auch daheim einrichten. Feine Sachen haben sie dort, geschickte, – schon allein die verschiedenen Werkzeuge! Oder dies – Gemüse pflanzen. Oder Kaninchen züchten. Aber Kaninchen am besten, wenn man schon Gemüseblätter zu Hause hat. Nun ja, es wäre allerhand möglich, alles könnte ich einrichten, wenn du, Polana, nur mit einem Auge blinzeln würdest, was Juraj da schafft. Und was wird das, Juraj? Ein Kaninchenkäfig, Hafia wird sich freuen, und du wirst ihr einen Pelz machen. Oder zum Beispiel ein Taubenschlag. Und was, möchtest du keine Bienen haben? Ich könnte Bienenstöcke schnitzen, keine Klötze, sondern Häuschen mit so einem Fensterchen dahinter, damit man das Bienenvolk da drinnen sehen kann. In Johnstown war ein miner, ein Pole, ein großer Bienenzüchter; denk bloß, sogar eine Drahtkapuze hat er vorm Gesicht gehabt. Ja, der Mensch lernt viel zu. Wenn du wolltest, Polana, wenn du mir nur einen Blick schenktest – gar manches wäre anders. Oder fragen: wie macht man dies und das in Amerika? Je nun, du fragst nicht, da ist es schwer, dir etwas zu erzählen. Man schämt sich ja, etwas nur zu seiner eigenen Freude zu schaffen; für sich allein – als wenn man nur spielen wollte; aber für jemand anderen – da spuckt man in die Hände und pfeift sich noch eins dabei. So ist es, Polana.

Preis dir, o Gott, da läuten schon die Kühe, es ist bereits Abend; jetzt kommen auch unsere Kühe, man muß sie anbinden, tränken, streicheln, Hafia rufen, Stefan, Vater, zum Abendbrot; Stefan schlürft laut, Polana schweigt, Hafia tuschelt mit Onkel Stefan, nun, was tun, gute Nacht allseits, Hafia in der Stube, Polana auf dem Boden, Stefan im Stall noch die Runde durch den Hof und in den Kuhstall schlüpfen und schlafen gehn. Und dort, die Arme hinterm Kopf, kann man sogar laut vor sich hinsagen, was zu tun wäre und wie dies und jenes sein könnte.

Und die Kühe – als ob sie verstünden: sie wenden den Kopf und schauen.

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