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Horazens Satiren

Horaz: Horazens Satiren - Kapitel 26
Quellenangabe
typesatire
booktitleChristoph Martin Wieland Werke Band 9
authorHoraz
translatorChristoph Martin Wieland
year1986
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-61690-2
titleHorazens Satiren
pages575
created20001125
sendergerd.bouillon@t-online.de
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              Horaz       Trebaz
 
Horaz Es gibt Personen, denen ich zu scharf
im Tadeln, und die Rechte der Satire
weit über das Gesetz zu dehnen scheine:
hingegen andre finden alles, was ich noch
geschrieben, nervenlos, und meinen, solcher Verse
wie diese könne man in einem Tag
ein ganzes Tausend spinnen. Rate mir,
Trebaz, was soll ich machen? Trebaz Ruhig sein.
Hor. Gar keine Verse machen, meinst du? Tr. Allerdings.
Hor. Ich will gehangen sein, wofern das nicht
das beste wär'; allein, ich kann nicht schlafen.
Tr. Wem fester Schlaf gebricht, dem fügen wir
zu wissen, daß er, wohl mit Öl gesalbt,
die Tiber dreimal durchzuschwimmen und die Kehle
vor Schlafengehn mit altem Weine reichlich
zu waschen habeHoraz läßt den Trebaz als einen Rechtsgelehrten humoristischer Weise das Consilium, welches er ihm mit verstellter Ernsthaftigkeit gibt, im Ton eines prätorischen Edikts vortragen – transnanto! – habento!Dacier bemerkt hiebei aus einer Stelle des fünften der Briefe Ciceros an Trebaz (Famil. VII. 10. wo er studiosissimus homo natandi genannt wird), daß Trebaz hier als ein alter Liebhaber vom Schwimmen rede, und dem Horaz sein beliebtes diätetisches Mittel als eine Universal-Medizin anpreise, welche unfehlbar auch gegen das poetische Jucken helfen müsse. Mir scheint ganz wahrscheinlich, daß Trebaz beides, ein Liebhaber vom Baden in der Tiber und von altem Weine gewesen sein mag, und daß der Dichter scherzweise auf beides anspielt. Dergleichen besondere Züge, die alle ihre facetiam von Lokal- und Personal-Umständen erhalten, gibt es ohne Zweifel in diesem und in mehr andern Stücken viele, die für uns so gut als verloren sind.! – Oder, wenn dich ja
die Schreibesucht so übel plagt, so wag' es
    HOR. Sunt, quibus in satura videar nimis acer, et ultra
legem tendere opus; sine nervis altera quicquid
composui pars esse putat, similesque meorum
mille die versus deduci posse. Trebati,
<5> quid faciam praescribe. TREB. Quiescas. HOR. Ne faciam, inquis,
omnino versus. TR. Aio. HOR. Peream male, si non
optimum erat: verum nequeo dormire. TR. Ter, uncti,
transnanto Tiberim, somno quibus est opus alto,
irriguumque mero sub noctem corpus habento!
<10> Aut si tantus amor scribendi te rapit, aude
die Taten des unüberwundnen Cäsars
zu singen; eine Mühe, die gewiß
sich wohl belohnen würde. Hor. Gar zu gern,
o Hochachtbarer, folgt' ich diesem Rate,
nur sind die Kräfte nicht dem Willen gleichDiese Entschuldigung, welche Horaz so oft in seinen Schriften geltend macht, glaube ich in der Einleitung zur Epistel an August in ihr wahres Licht gesetzt zu haben. Hier verdient noch besonders die Feinheit bemerkt zu werden, womit er (um den bösen Schein einer bloßen Ausflucht zu vermeiden) sich gleichsam selbst in die Enge treibt, indem er dem Trebaz den Einwurf in den Mund legt: »Wenn du denn ja kein Talent für die heroische Poesie hast, was hindert dich die großen Eigenschaften, welche Cäsar im Frieden zeigt, zu besingen?« – Auf einen solchen Einwurf war nun freilich keine andre ausbeugende Antwort möglich als diejenige, die er gibt: ich werde es, wenn Zeit und Gelegenheit kommt, nicht an mir fehlen lassen. – In der Tat fingen die Römer an, mit einigem Grunde zu hoffen, daß Cäsar Octavianus durch eine milde und weise Regierung im Frieden die Erinnerung dessen, was er in den Zeiten des Triumvirats gewesen war, vertilgen würde. Aber diese Erinnerung war noch zu frisch, und jene Hoffnung noch zu schwankend, als daß ein ehrlicher Römer einen großen Drang in sich fühlen konnte, den glücklichen Usurpator als fortem et iustum, d. i. gerade um solcher Tugenden willen zu preisen, von denen er vor wenigen Jahren das offenbare Gegenteil in seinem Betragen gezeigt hatte. Es hatte damit noch immer gute Zeit. Octavianus mußte die neue Rolle, die ihn Mäcenas und Agrippa spielen lehrten, erst mit mehr Fertigkeit und guter Art zu spielen gelernt haben. Jetzt hätten solche Lobgedichte noch zu sehr die Farbe der Schmeichelei getragen, um ihm wirklich schmeicheln zu können; und aus wessen Munde hätten sie ihm verdächtiger klingen müssen, als aus dem Mund eines Mannes, der vor sechs oder sieben Jahren noch die Waffen gegen ihn getragen hatte? Auf diesen Umstand scheint der Dichter mit den Worten: nisi dextro tempore, Flacci verba etc. einen leisen Wink zu geben..
Denn Heere die von Speeren starren, oder
den Gallier, mit abgebrochnem Pfeil
im Busen in die Erde beißend, oder
den Parther der vom Pferde sterbend sinkt,
zu schildern, ist nicht eines jeden Sache.
Tr. So konntest du, zum mindsten, wie der weise
Lucilius dem ScipiadenDem Scipio Africanus Minor, Numantinus zugenannt, welchem Lucil sehr ergeben war. tat,
in ihm den Großen und Gerechten singen.
Hor. Ich will es bei Gelegenheit an mir
nicht fehlen lassen. Denn der Augenblick
muß wohl gewählt sein, wo Horazens Verse
den Weg zu Cäsars Ohren offen finden sollen,
der, wenn er ungeschickt gestreichelt wird,
mit einem tüchtgen Schlage fühlen läßt,
wie sicher er von allen Seiten istDiese von einem wilden und ungeschmeidigen Pferde hergenommene metaphorische Redensart verdient als ein Beispiel angezeichnet zu werden, wie verschieden die Begriffe vom Anständigen in verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Völkern sind. Ein heutiger Dichter käme gewiß damit übel an, wenngleich J. M. Geßner meint, die Könige ließen sich gern mit Pferden vergleichen. Überhaupt dient diese ganze Stelle, vom 12ten bis 20sten Verse, zu einem, meines Bedünkens, sehr auffallenden Beweise, wie wenig Lust und Disposition Horaz gehabt habe, sich dem Octavianus durch Schmeicheleien zu empfehlen, da er sogar bei dieser sich selbst so nahe gelegten Veranlassung (denn Trebatius spricht vermutlich bloß als Worthalter des Publikums) sich nicht entschließen konnte, einem Manne, der bei aller seiner Autorität und Gewalt noch eine so zweideutige Person im römischen Staate vorstellte, auch nur im Vorbeigehen etwas Verbindliches, geschweige Schmeichelhaftes zu sagen..
Treb. Um wie viel klüger wär' es, als in leid'gen Versen
Caesaris invicti res dicere, multa laborum
praemia laturus. HOR. Cupidum, pater optime, vires
deficiunt; neque enim quivis horrentia pilis
agmina, nec fracta pereuntes cuspide Gallos,
<15> aut labentis equo describat vulnera Parthi.
TREBAT. Attamen et iustum poteras et scribere fortem,
Scipiadam ut sapiens Lucilius. HOR. Haud mihi dero,
cum res ipsa feret: nisi dextro tempore Flacci
verba per attentam non ibunt Caesaris aurem,
<20> cui male si palpere, recalcitrat undique tutus.
TREBAT. Quanto rectius hoc, quam tristi laedere versu
»den Lecker Pantolab, den Prasser Nomentan«,Ein Vers, dessen man sich aus der 8ten Satire des 1sten Buches erinnern wird.
zu geißeln, wo für seine eigne Haut
gleich jedem bang wird, und, wiewohl der Hieb
ihn selbst verschonte, doch den Geißler haßt.
Hor. Was soll ich machen? Tanzt MiloniusEine Anspielung, deren Salz für uns verloren gegangen ist. nicht,
sobald der Wein ihm in den Kopf steigt, und die Lichter
ihm doppelt scheinen? Kastor liebt die Pferde,
und der mit ihm aus einem Ei hervorkroch,
den Kolbend. i. den Pugilat, oder den Kampf mit dem Streitkolben (πυγμαχία), welchen Homer im 23sten Buch der Ilias, und Virgil im 5ten der Äneis geschildert haben.: soviel Köpfe, soviel Sinne.
Mir machts nun Freude, was ich denk' in Verse
zu bringen, wie Lucil vor mir getan,
der besser als wir beide war. Der Mann
sah seine Schreibetafel an als seinen liebsten
getreusten Freund; ihr wurde sein Geheimstes
vertraut; es mocht ihm wohl, es mocht ihm übel
ergangen sein, so lief er keinem andern
Pantolabum scurram Nomentanumque nepotem!
cum sibi quisque timet, quamquam est intactus, et odit.
HORAT. Quid faciam? Saltat Milonius, ut semel icto
<25> accessit furor capiti numerusque lucernis;
Castor gaudet equis, ovo prognatus eodem
pugnis; quot capitum vivunt totidem studiorum
milia; me pedibus delectat claudere verba
Lucili ritu, nostrum melioris utroque.
<30> Ille velut fidis arcana sodalibus olim
credebat libris; neque si male cesserat usquam
als seinem Buche zu; auch kömmt daher,
daß es, wie ein Votivgemälde, uns
des guten AltenAlten, der Zeit wann er gelebt, nicht den Jahren nach; denn Lucil wurde im Jahr 604 oder 5 geboren, und lebte nicht viel über das Jahr 656 der Stadt Rom. ganzes Leben darstelltDie Votiv-Täfelchen, womit man noch heutiges Tages die Römisch-Katholischen Kirchen besonders in kleinen Städten und Dörfern angefüllt sieht, können uns den besten Begriff von diesen tabulis votivis geben, womit in den Zeiten des Heidentums abergläubische Personen, die ihre Errettung aus gewissen Gefahren dem unmittelbaren Beistand irgend einer von ihnen angerufnen Gottheit zuschrieben, derselben ihre Dankbarkeit zu bezeugen pflegten. Die armen blinden Heiden hatten auch ihre Gnadenörter und wundertätige Gnadenbilder; sie taten in ihren Nöten Gelübde zu denselben, und bezahlten, wenn ihnen geholfen war, mit Votivtafeln, wächsernen, silbernen oder goldenen Armen, Beinen, Augen, Brüsten u.s.f. Da dergleichen Votivgemälde, womit vornehmlich die Tempel und Kapellen der Meergötter reichlich behangen waren, meistens von gemeinen Leuten gestiftet und von schlechten Malern um einen zivilen Preis gesudelt wurden: so ist kein Wunder, daß sie, neben andern Fehlern gegen den Geschmack, auch gegen die Regel der Einheit des dargestellten Subjekts verstießen. Man sah also öfters auf der nämlichen Tafel den glaubigen Stifter auf der einen Seite des Vorgrundes zu Schiffe gehen; im Mittelgrunde mit einem gewaltigen Sturme kämpfen; auf einem andern Plan Schiffbruch leiden; wieder auf einem andern auf der Spitze einer Woge mit aufgehobnen Händen dem Neptun sein Gelübde tun, und endlich auf einer andern Seite wohlbehalten ans Land steigen. In dieser Mannigfaltigkeit der Begebenheiten, welche als eine Reihe von Szenen einer einzigen Haupthandlung auf einem solchen Votivgemälde dargestellt wurden, liegt das tertium comparationis mit den Satiren des Lucils, insofern sie, wegen der vertraulichen Schwatzhaftigkeit, womit er darin von sich selbst sprach, gleichsam als ein Journal seines täglichen Lebens angesehen werden konnten..
Ihm (einem edeln Römer) folg' ich nun,
ich, ob Lucaner, ob Apulier
ist ungewiß, denn zwischen beiden pflügt
der Venusiner, der nach einer alten Sage
aus Rom hieher verpflanzet ward, damit
das Land den ausgetriebenen Samnitern nicht
zum Einfall in das röm'sche offen stünde,
falls die Lucaner oder Appuler die Stadt
mit Krieg bedrohen würdenEr scheint hier auf eine launenhafte Art Lucils eigene schwatzhafte Manier und Nachlässigkeit im Stil nachgemacht zu haben.. – Aber dieser Griffel
soll, ungereizt, ich schwör' es, keinem lebenden
Geschöpfe furchtbar werden! soll mich bloß
gleich einem Degen in der Scheide schützen.
Wofür sollt' ich ihn ziehen, da ich nichts
von Räubern zu besorgen habe? Laß, o Vater
decurrens alio, neque si bene; quo fit ut omnis
votiva pateat veluti descripta tabella
vita senis. Sequor hunc, Lucanus an Appulus anceps,
<35> nam Venusinus arat finem sub utrumque colonus,
missus ad hoc pulsis, vetus est ut fama, Sabellis,
quo ne per vacuum Romano incurreret hostis,
sive quod Appula gens seu quod Lucania bellum
incuteret violenta. Sed hic stilus haud petet ultro
<40> quemquam animantem; et me veluti custodiet ensis
vagina tectus, quem cur destringere coner
und König Jupiter, die ungebrauchte Klinge
vom Rost zerfressen werden, wenn ich, der den Frieden
so herzlich liebt, nur selbst unangefochten
zu bleiben hoffen kann! Doch, wer mich neckt,
(ich rufe nicht vergebens euch zu wahren!)
der wirds beweinen, wenn er, wider Willen
berühmt, auf allen Gassen sich besingen hörtDer Dichter scheint sich hiemit, auf eine indirekte Weise, wegen der individuellen Züge auf lebende und genannte Personen, die hier und da in den Satiren des ersten Buches vorkommen, rechtfertigen zu wollen. Die Tigellius, Fannius, Pantilius, Canidia, Sagana und ihres gleichen haben es an mich gebracht (will er sagen) und was ich ihnen bisher getan habe, ist bloße Warnung, mich ungeneckt zu lassen; indem ich ihnen an einer kleinen Probe zeige, daß es nur bei mir steht, ihnen eine Zelebrität zu verschaffen, nach der sie vermutlich nicht sehr lüstern sind..
Ein Cervius droht dem Beleidiger
mit einem Halsprozeß, Canidia mit dem Säftchen
womit Albuz sein liebes Ehgemahl
kurierte, Turius mit einem strengen UrteilDieser Cervius (sagt ein alter Scholiast) klagte den Cn. Calvinus fälschlich eines Meuchelmordes an. – Vermutlich tat er dies nicht bloß, weil er vom Calvinus beleidigt worden war und sich nicht anders zu rächen wußte; sondern (wie sich aus der Absicht, in welcher Horaz sich auf ihn beruft, schließen läßt), weil er vom Anklagen Profession machte. – Albutius soll seine Gattin vergiftet haben; denn auf Albuti geht augenscheinlich das Wort VenenumBekanntermaßen ist dies Wort zweideutig, weil es auch von Arzneien überhaupt, ingleichem von Farben, Salben und Zaubertränken, wenigstens in der Dichtersprache gebraucht wird.; und die gelehrten Ausleger, welche (weil sie Canidia Albuti lasen) Canidien bloß deswegen zur Gemahlin oder Tochter dieses Albutius haben machen wollen, hätten sich durch ein Komma zwischen Canidia und Albuti diese Sorge ersparen können. – Turius (eine uns ganz unbekannte Person) muß damals in dem Charakter eines Mannes, der das Richteramt für eine gute Gelegenheit, seine Privat-Leidenschaften zu befriedigen, ansah, in ganz Rom bekannt gewesen sein. Die ganze Stelle, ungeachtet sie das Pikante für uns durch die Zeit verloren hat, erhält doch durch den Zusammenhang genugsames Licht, um verständlich zu sein.:
du siehst, ein jeder (so gebeut ihm die Natur)
schreckt seinen Feind mit dem, wodurch er stark ist.
Der Wolf packt mit den Zähnen an, der Stier
Mit seinem Horn: warum, als weil ein innrer Trieb
sie dazu anweist? Sei gewiß, die Mutter
des Schlemmers Scäva lebt dir ewig, wenn sie nur
von seinen frommen Händen sterben kann;
(ein Wunder, just wie das, daß dir der Wolf
nicht mit dem Hufe nachschlägt, und der Bulle dich
tutus ab infestis latronibus? O pater et rex
Iupiter, ut pereat positum rubigine telum,
nec quisquam noceat cupido mihi pacis! At ille,
<45> qui me commorit (melius non tangere clamo)
flebit et insignis tota cantabitur urbe.
Cervius iratus leges minitatur et urnam;
Canidia, Albuti quibus est inimica venenum;
grande malum Turius, si quid se iudice certes;
<50> ut quo quisque valet suspectos terreat, utque
imperet haec natura potens, sie collige mecum:
dente lupus, cornu taurus petit, unde, nisi intus
monstratum? Scaevae vivacem crede nepoti
matrem, nil faciet sceleris pia dextera (mirum
<55> ut neque calce lupus quemquam neque dente petit bos)
nicht mit den Zähnen stößt) ein bißchen Schierling
in einem Honigkuchen tuts ja auchAbermals eine Anspielung auf eine Begebenheit, die ohnezweifel damals durch öffentliche gerichtliche Verhandlung allgemein bekannt worden war. Das Prädikat Nepos (Schlemmer, Taugenichts) welches Horaz diesem Scäva gibt, zeigt deutlich genug, daß pia dextera ironisch zu verstehen ist. Es war nämlich gerichtlich erwiesen, daß dieser Bube seine alte Mutter (um sie bälder zu beerben) durch vergifteten Honig aus der Welt geschafft hatte. Zu einem Dolchstoße hatte der weichliche Bube aus kindlicher Liebe (scilicet) nicht Mut genug: aber ein bißchen Schierling tut ja die nämlichen Dienste. Das Wahre von der Sache war, daß Scäva auf diese Weise für seine eigene Sicherheit besser gesorgt zu haben glaubte..
Und also (daß ichs nicht zu lange mache)
es sei nun daß ein ruhig Alter mich erwarte,
es sei daß schon mit schwarzen Flügeln mich
der Tod umflattre, arm und reich, zu Rom
und, wenn's mein Schicksal will, von Rom verbannt,
was meines Lebens Farbe sei, – ich schreib'
und werde schreiben! Treb. Armer Jung', ich fürchte,
du wirsts nicht lange treiben! Denk' an mich!
Der großen Freunde einer wird dich durch
Verkältung aus der Welt befödernDiese scherzhafte Weissagung, die durch den Ton des Mitleidens, womit sie der alte Jurist vorbringt, desto humoristischer wird, bezieht sich (wie mich deucht) auf den angenommenen Mutwillen, womit Horaz, in dem nämlichen Augenblicke, da ihn Trebatius vor den Folgen seiner satirischen Laune warnt, sich derselben zu überlassen scheint; indem er nicht nur in einem Atemzuge von drei oder vier Personen, die er mit Namen nennt, halsbrechende Dinge sagt: sondern sich noch auf die positivste Art erklärt, daß er – weil das Versemachen nun doch einmal das sei, worin seine natürliche Stärke liege – bis an sein Ende Verse machen werde, was auch daraus erfolgen möchte, und wenn er sich auch ins Exilium versifizieren sollte. – Die Antwort war also im Munde des Trebaz ganz natürlich: »Ja, mein guter Freund, wenn es mit der Verweisung aus Rom nur abgetan wäre! Es wird dir, wenn du dich auf einen solchen Fuß setzest, noch schlimmer ergehen. Du lebst jetzt mit den Größten in Rom. Sie behandeln dich vertraulich, weil du sie amüsierst; und du bist treuherzig genug, sie deswegen für deine besten Freunde anzusehen. Aber wie bald kann es dir mit einer so leichtsinnigen Sinnesart begegnen, daß du durch eben den Witz, der sie jetzt belustigt, dem einen oder andern von ihnen zu nahe kommst; und was wird die Folge sein? Er wird kalt gegen dich werden, und du, der das nicht ertragen kann, wirst dich darüber zu Tode grämen.« – Dies ist, denke ich mit Sanadon und Baxter, der natürliche Sinn der Worte: maiorum ne quis amicus frigore te feriat, den so viele Ausleger nicht recht gefaßt habenHr. Haberfeld in seiner schätzbaren Fortsetzung der Nitschischen Vorlesungen über die klassischen Dichter der Römer will die Worte »maiorum feriat« lieber von einem Freunde der Großen (d. i. von einem Nebenbuhler um die Gunst der großen Freunde Horazens) als von einem dieser letzten selbst verstanden wissen. Der Sinn (meint er) sei: »Du glaubst dich bei deinen Satiren gegen jede Ahndung gesichert, weil du ein Freund der Großen bist: ein andrer, ebenfalls ein Freund der Großen, und dein Feind, kann es auch, in Hoffnung unter ihrem Schutz ungestraft zu bleiben, wagen, dich zu ermorden.« Ich gestehe, diese Auslegung dünkt mich sehr gezwungen, und diejenige, die ich zur meinigen gemacht habe, ungleich natürlicher, ja durch die Antwort des Horaz außer allen Zweifel gesetzt zu sein. Der Leser urteile und wähle nun selbst!. Ohnezweifel legt Horaz hier dem Trebatius (in dessen Mund es Scherz wurde) mit gutem Bedacht die ihm bekannt gewordenen und ernstlich gemeinten Prophezeiungen seiner Mißgünstigen in den Mund, welche ihren Neid über sein Verhältnis mit Mäcenas und andern Personen vom ersten Rang nicht anders zu beruhigen wußten, als durch die Hoffnung, daß es von keiner Dauer sein, und daß er gerade durch das, wodurch er sich diesen Großen so angenehm gemacht, durch seinen Witz und seine satirische Ader, es unversehens bei ihnen verderben, und desto tiefer wieder fallen werde, je höher er gestiegen war. Die beste Art, diesen für seine Ruhe so besorgten Herren alle Angst zu benehmen, war, ihnen zu zeigen, wie ruhig er selbst bei ihren liebreichen Besorgnissen sei.! Hor. Wie?
Als einst Lucil Gedichte dieser Art
zuerst zu schreiben sich vermaß, und jedem
die schmucke Maske abzuziehn, worin
er wohlgemut einherging, seinen Schalk
verbergend, hielt sich Lälius, oder jener,
der vom besiegten Africa den Namen trug,
durch seinen Witz gefährdet? Oder ließen sie
sichs schmerzen, den Metellus angestochen,
sed mala tollet anum vitiato melle cicuta.
Ne longum faciam: seu me tranquilla senectus
expectat, seu mors atris circumvolat alis;
dives, inops, Romae, seu fors ita iusserit, exsul,
<60> quisquis erit vitae, scribam, color. TREB: O puer, ut sis
vitalis, metuo, et maiorum ne quis amicus
frigore te feriat. HOR. Quid? cum est Lucilius ausus
primus in hunc operis componere carmina morem,
detrahere et pellem, nitidus qua quisque per ora
<65> cederet, introrsum turpis: num Laelius, et qui
duxit ab oppressa meritum Carthagine nomen,
ingenio offensi? aut laeso doluere Metello,
den Lupus gar mit schmacherfüllten Versen
bis an die Scheitel zugedeckt zu sehenMan könnte (denke ich) nicht ohne Grund annehmen, daß Horaz bei diesem Dialog, auf eine indirekte und sehr fein bedeckte Weise, auch seine maiores amicos selbst im Auge gehabt, und durch das zum Beispiel genommene Verhältnis zwischen Lucilius und seinen großen Freunden, C. Lälius, und P. Scipio Ämilianus, oder Africanus Minor, das seinige gegen einen Mäcenas, P. Messala, Pollio, u.s.w. habe sicher stellen und ihnen, mit einer auf seiner Seite eben so edlen als bescheidenen, in Rücksicht auf sie aber eben so feinen als schmeichelhaften Art, ein für allemal habe zu verstehen geben wollen, daß Männer wie sie von einem Manne wie er niemals etwas zu besorgen haben können. Das Beispiel des Lucilius, worauf er sich beruft, dient hier um so mehr zu seiner Absicht, weil er sich in seiner Satire (nach Erfordernis der so großen Verschiedenheit der Zeiten) viel weniger Freiheit erlaubte als sein Vorgänger; der sich nicht gescheut hatte, einen so vielbedeutenden Mann, wie Q. Cäcilius Metellus Macedonicus, auf eine beleidigende Art in seinen Satiren anzugreifen, und sogar den Cornel. Lentulus Lupus, wiewohl er (nach dem Scholiasten) Princeps Senatus war, mit schmachvollen Versen zu überdecken, – vermutlich mit desto weniger Zurückhaltung weil sie beide mit seinem großen Beschützer und Freund Scipio in öffentlicher Fehde lebten.?
Und gleichwohl griff er ohne Scheu und Ausnahm
Patrizier und Bürger zunftweis an,
und stand durchaus mit niemand als der Tugend
und ihren Freunden wohl. Man weiß sogar,
daß Scipions Größe, Lälius milde WeisheitVirtus Scipiadae et mitis sapientia Laeli. Ich kann nicht finden, daß dieser Vers so platt sei, wie ihn Warburton in seinen Anmerkungen zu Popens Nachahmung dieser Satire fand; oder daß er, wie Baxter meint, nach dem Ennius oder Lucilius schmecke, und daß Horaz im Vorbeigehen über den Schwulst dieser Dichter spotten wolle. Virtus Scipiadae, Sapientia Laelii ist eine unserm Dichter nicht ungewöhnliche Art zu reden; denn sie ist von eben dem Schlage wie mens provida Reguli (Od. Libr. III. 5.), virtus Catonis (Od. III. 21.), acumen Stertinii (Epist. I. I2.) und sie hat unzähliche Beispiele im Homer vor sich, welchen Horaz hierin nachzuahmen scheint. Diese Art zu reden ist aber hier um so viel schicklicher, weil die Römer wenigstens im ganzen siebenten Jahrhundert ihrer Stadt keinen Mann zu zeigen hatten, der in allem was sie unter dem Worte Virtus begriffen, der Vollkommenheit näher gewesen wäre als dieser Scipio; und weil Lälius noch bei seinen Lebzeiten durch eine stillschweigende Übereinkunft seiner Mitbürger den Zunamen SapiensSunt ista vera, Laeli; nec enim melior vir fuit Africano nec clarior; sed existimare debes: omnium oculos in te esse coniectos; unum te sapientem et appellant et existimant; non solum natura et moribus, verum etiam studio et doctrina, nec sicut vulgas, sed ut eruditi solent appellare sapientem etc. Cicero de Amicit. c. 2. erhalten hatte. Ich glaube also durch meine Übersetzung dieser Stelle des Dichters wahren Sinn getroffen und ihn von der ungegründeten Kritik der beiden britischen Kunstrichter hinlänglich befreiet zu haben. Aber ach! welcher Gott oder Göttersohn wird ihn von einem andern weit schrecklichern Vorwurf retten können? von einem Verbrechen, das in den Augen eines Wortklaubers hinlänglich ist, die glänzendsten Verdienste eines Schriftstellers auszulöschen, mit einem Worte, von dem unverzeihlichen Fehler, zweimal Scipiades für Scipionides gesagt zu haben, welchen der große Priscianus schon an ihm gerüget hat, wiewohl freilich Horaz die Schuld dieses häßlichen Solözismus mit Lucil, Lukrez und Virgil teilet! – Leider! weiß ich nichts zu seiner Entschuldigung vorzubringen, als daß diese, einem keuschen Priscianischen Ohr so ärgerliche Unrichtigkeit vielleicht der kleinste aller Fehler ist, die ein strenger und patriotischer römischer Sprachlehrer an ihm zu tadeln finden mußte. Und in der Tat, wenn ich bedenke: daß Horaz – eben dieser Horaz, an dessen Schriften alle Personen von Geschmack seit so vielen hundert Jahren sich nicht satt lesen können – sich so vieler Lizenzen und Nachlässigkeiten in der Sprache schuldig machte; daß er von Gräzismen wimmelt, und beinahe griechisches Latein schrieb; daß er seine Schreibart durch veraltete und aus der Sprache der guten Gesellschaft seiner Zeit verbannte Wörter verunstaltete; daß er sich nicht das mindeste Gewissen daraus machte, für Lucilii Lucili zu schreiben, deerat für zweisilbig zu brauchen, surrexe für surrexisse zu sagen, und (was kaum begreiflich ist) daß er sich, so oft es ihm einfiel, ausschweifend lange Perioden, und Parenthesen, die mit der Elle ausgemessen werden können, erlaubte: so begreife ich wie es zuging, daß es bei seinem Leben Kunstrichter gab, die ihm geradezu unter die Augen sagten, daß er ein elender Autor sei, und daß man solche Verse, wie die seinigen, zu Hunderten und Tausenden ohne Mühe aus dern Ärmel schütteln könne. Uns hat freilich die Länge der Zeit gegen alle diese grammatikalischen Ketzereien tolerant gemacht: aber man bedenke, wie die Bavii und Mävii, die Fannii und Tigellii, die Orbilii und Scribonii, bei seinem Leben, da das Altertum noch keinen Nimbus um ihn hergezogen hatte, von ihm geurteilt haben mögen!,
wenn sie vom Schauplatz sich ins Stille zog,
sich nicht zu groß und weise dünkte, oft bei ihm
die Zeit sich zu verkürzen, und, indes
der Kohl am Feuer gar ward, Stand und Würde
beiseitgesetzt, mit ihm ein Stündchen wegzuscherzen.
Wie wenig oder viel ich sein mag, ganz gewiß
an Geist wie an Geburt weit unter dem
LucilInfra Lucili censum – Ich habe hier Geburt als ein Äquivalent für census gebraucht, weil beides zu Lucils Zeiten ziemlich einerlei galt, und Lucil würklich nicht nur ein geborner römischer Ritter, sondern durch seine Schwester sogar ein Groß-Oheim des Pompejus Magnus war. Vermutlich bezieht sich auch das obige nostrum melioris utroque bloß auf diesen Umstand. – so wird doch, daß auch ich mit Großen
gelebt, die Mißgunst selbst gestehen müssen,
und, wenn sie in zerbrechlich Holz zu beißen glaubt,
die Zähne unverhofft dahinten lassen.
Wobei es denn verbleiben mag, wofern
nicht etwa du, rechtskundiger Trebaz,
von andrer Meinung bist? – Treb. Ich finde nichts
Erhebliches dagegen einzuwendenDie Handschriften lassen uns hier die Wahl, diffindere, diffidere, diffigere oder defringere zu lesen. Die Gründe, welche Bentley gegen das juristische diffindere beigebracht hat, scheinen mir eben so einleuchtend, als hingegen das Wort diffingere, welches er dafür empfiehlt, in dem Munde des Trebatius gezwungen und übelpassend. Es kommt bei solchen Kleinigkeiten oft auf ein gewisses Gefühl an, welches man einem andern schwerlich, oder doch nicht ohne eine langweilige Umständlichkeit, deutlich machen kann. Zwei Dinge sind hier aus dem Zusammenhang und aus dem streitigen Worte selbst klar genug: das eine, daß Trebaz nichts anders sagen will, als: »er habe nichts einzuwenden«; und das andere, daß er, um dies zu sagen, sich eines metaphorischen Ausdrucks bedient. Ob nun diffingere oder diffdere oder defringere das schicklichere Wort sei, muß der Geschmack, oder das Gefühl der größern Schicklichkeit und Konzinnität entscheiden. Offenbar bezieht sich Trebazens Rede auf das, was Horaz unmittelbar vorher von seinen Neidern gesagt hatte:
Cum magnis vixisse invita fatebitur usque
invidia, et fragili quaerens illidere dentem
offendet solido – Nisi quid tu, docte Trebati,
dissentis? –

Es wäre also vielleicht am schicklichsten zu denken, Trebaz habe das Bild, dessen Horaz sich bediente, beibehalten, und scherzweise gesagt: ich, meines Orts, verlange nichts davon herabzubeißen – und diesem zufolge wäre ja wohl defringere oder diffringere das rechte Wort? Ich habe es also, salvis melioribus, in meinen Text aufgenommen, in der Übersetzung aber bloß den Sinn, ohne Metapher, gegeben. Mit Beibehaltung der Metapher könnte man Trebazen lachend sagen lassen:

    – Ich, meines Orts,
verlange dir davon nichts abzuknapsen.
.
famosisque Lupo cooperto versibus? Atqui
primores populi arripuit populumque tributim;
<70> scilicet uni aequus virtuti atque eius amicis.
Quin ubi se a vulgo et scaena in secreta remorant
virtus Scipiadae et mitis sapientia Laeli,
nugari cum illo et discincti ludere, donec
decoqueretur olus, soliti. Quicquid sum ego, quamvis
<75> infra Lucili censum ingeniumque, tamen me
cum magnis vixisse invita fatebitur usque
invidia, et fragili quaerens illidere dentem
offendet solido – Nisi quid tu, docte Trebati,
dissentis? TREB. Equidem nihil hic defringere possum.
indessen will ich dir wohlmeinend doch
geraten haben, auf der Hut zu sein,
daß nicht Unkundigkeit der schweren Strafgesetze
in böse Händel dich verwickle. Denn
so lautet das Gesetz: Wer schlimme Verse
auf jemand macht, der muß zu Recht ihm stehen
Das Gesetz der zwölf Tafeln gegen denjenigen, der mala carmina auf jemand gemacht hatte, lautete sehr hart: Si quis occentassit mala carmina, sive condidissit quod infamiam faxit flagitiumque alteri, capital esto. In der Folge scheint man die Todesstrafe zu strenge gefunden, und die Formel in diejenige, welche Trebatius anführt, verwandelt zu haben. Man konnte also denjenigen, von welchem man in satirischen Versen an seiner bürgerlichen Ehre angegriffen worden war, iniuriarum belangen; aber freilich durfte der Kläger kein Mensch, der notorischer Dingen infamiam iuris et facti auf sich hatte, sein. Lucilius geriet in einen besondern Fall. Er war von einem Komödienschreiber öffentlich und namentlich von der Bühne herab beleidiget worden, und brachte deswegen eine Injurien-Klage gegen ihn an: aber der Prätor C. Cälius sprach den Komödienschreiber los; vermutlich weil er dem Satirenschreiber weiter nichts getan habe, als was sich dieser gegen die ganze Welt erlaubte..
Hor. Gut, wenn er schlimme Verse machtDie scherzhafte Wendung, das Wort mala carmina für schlechte Verse zu nehmen, würde nur eine schlechte Ausflucht sein, wenn Horaz nicht hätte hinzusetzen können: si quis opprobriis dignum laceraverit, integer ipse: so aber entscheidet er in drei Versen den ganzen Handel. Ich laß es gelten, wenn einer mala carmina macht, spricht er: aber wenn er nur solche angegriffen hat, die der Schande wert sind, wenn er selbst unbescholten lebt, und wenn seine Verse noch obendrein gut und von Cäsarn selbst gebilliget sind: wie wird es dem Kläger dann ergehen? – Übrigens ist nicht zu leugnen, daß die zwei Worte laudatus Caesare hier eine Art von magischer Wirkung tun mußten; es war eben so viel, als ob der Dichter seinen Feinden in der undurchdringlichen Rüstung des Achilles, und mit der furchtbaren Ägide bedeckt, unter die Augen getreten wäre. Auch scheint es, daß er von dieser Seite forthin nicht weiter angefochten worden sei.! Doch wenn
die Verse gut sind, wenn sie Cäsar selbst
mit seinem Beifall ehrt, und wenn der Mann,
der einen Schandewürdigen gezüchtigtIch lese mit Bentley laceraverit, statt des gewöhnlichen latraverit. Seine Gründe sind einer Demonstration gleich, und werden durch Baxters und Geßners bloßen Widerspruch nicht wankend gemacht.,
selbst ohne Vorwurf ist? Treb. Dann nimmt der Handel
ein lachend End, und du gehst frei davonIch habe den Ausdruck solventur risu tabulae nicht anders zu wenden gewußt, und bekenne, daß ich ihn nur sehr mittelmäßig verstehe. Daß in dem Falle, den Horaz unmittelbar vorher voraussetzt, ein so gewaltiges Gelächter entstehen werde, daß die Decke des Gerichtshauses, oder die Bänke, worauf die Richter sitzen, davon zusammenfallen würden (wie ein Scholiast meint), kann weder Horaz noch Trebaz gesagt haben. Eine solche Hyperbel möchte sich allenfalls ein Possenreisser in einer Plautinischen Komödie erlauben: aber hier wäre sie mit nichts zu entschuldigen. Geßner sagt: cogitabam tabulas esse tabellas judiciarias, in quibus scribi fingat sententias ludicras et hilares – Wie der gelehrte Mann durch das Wort solvere auf diesen Gedanken habe geleitet werden können, ist mir noch unauflöslicher als das Problem selbst; indessen macht mir dieser verunglückte Einfall Mut, einen andern zu wagen, dessen Zuläßlichkeit diejenigen entscheiden mögen, welche bei solchen Sachen Sitz und Stimme haben. Jeder Richter empfing, wie bekannt, bei Aburteilung eines Rechtshandels drei Täfelchen, eines mit  A (absolvo), das andre mit  C (condemno), das dritte mit  N.L. (non liquet) bezeichnet. Könnte nun solventur risu tabulae nicht soviel heißen als: die Täfelchen werden den Richtern vor Lachen aus den Händen fallen? Wie ungewöhnlich diese Metapher auch immer sein möchte, so wäre sie es doch gewiß nicht mehr, als die Synecdoche, welche Cruquius annimmt, wenn er sagt, daß tabulae hier soviel als iudicium bedeute..
<80> Sed tamen, ut monitus, caveas, ne forte negoti
incutiat tibi quid sanctarum inscitia legum:
»Si mala condiderit in quem quis carmina, ius est
iudiciumque.« HORAT. Esto, si quis mala: sed bona si quis
iudice condiderit laudatus Caesare, si quis
<85> opprobriis dignum laceraverit, integer ipse?
TREBAT. Solventur risu tabulae, tu missus abibis.
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