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Horand und Hilde

Rudolf Baumbach: Horand und Hilde - Kapitel 8
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authorRudolf Baumbach
titleHorand und Hilde
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Buchschmuck

VIII.

Die Werbung

Auf der Königsburg im Garten
Heckenröslein freudig blüh'n,
Ueberwoben sind die harten
Mauern von des Epheu's Grün.
Düfte wehen vom Hollunder,
Kühle Winde schickt das Meer,
Und der Luft beschwingte Wunder
Schweben schillernd hin und her.

Hinter dichten Rosenhägen
Vor dem Königskinde steht
Horand, der gewandte Degen,
Hildburg in die Runde späht
In der Ferne hallen Schilde,
Die der starke Wate bricht.
Bebend lauscht die junge Hilde,
Was der Sänger leise spricht:

»Herrin! Weit von hier im Meere
Liegt der Hegelingen Land,
Und ihr König, reich an Ehre,
Ist Herr Hettel zubenannt.
Längst im Herzen heisse Minne
Trägt der starke Held zu dir. –
Sei ihm gnädig, Königinne,
Seinen Boten siehst du hier.«

Lächelnd sprach die junge Hilde:
»Schlauer Königsbote, sprich,
Gleicht er wohl dem Heldenbilde,
Das als Sendling wirbt um mich?
Seine Sehnsucht will ich stillen,
Die dich Helden zu mir trieb;
Um des Königsboten willen
Ist mir auch der König lieb.«

»Herrin!« sprach der Sänger wieder,
»Hettels Brust trägt hohen Muth,
Asenkraft durchströmt die Glieder,
Und sein Sinn ist mild und gut.
Wolltest du die Herrin werden
Seiner Länder weit und reich,
Keine Königin auf Erden
Käme Hagens Tochter gleich.«

Hilde sprach mit Flammenwangen:
»Eins noch, Fremder, thu mir kund!
Herrlich ist der Krone Prangen,
Süsser eines Sängers Mund.
Hören möcht' ich alle Tage
Sanften Liederweisen zu. –
Trauter Königsbote, sage,
Singt Herr Hettel so wie du?«

»Täglich in des Königs weiten
Hallen tönt der Harfe Klang,
Sieben kluge Meister streiten
Um den Preis im Wettgesang;
Doch sie horchen und sie schweigen,
Wenn des Königs Stimme schallt,
Wie die Vögel auf den Zweigen,
Wenn der Sprosser singt im Wald.«

»Wohl, ich weigre mich nicht länger,
Bin zu folgen dir bereit,
Aber sprich, du kluger Sänger!
Ist der König Hettel weit?«
Und das Kind des wilden Hagen
Lächelte mit List ihm zu,
Gleich als ob es wollte sagen:
König Hettel, Freund, bist du.

Wieder sprach der junge Degen:
»König Hettel ist nicht fern.
Hoffend sehnt er sich entgegen
Seines Lebens lichtem Stern.
Nah genug, doch wohl verborgen
Ankert seiner Schiffe Schwarm.
Folge mir! Nach wen'gen Morgen
Ruhst du in des Königs Arm.

Deinen Vater will ich bitten,
Dass er morgen mit den Frau'n
An die Lände kommt geritten
Unser Schifflein anzuschau'n.
Hast du seinen Bord bestiegen,
Stösst's vom Ufer ab im Nu,
Und geschwind, wie Möwen fliegen,
Trägt es dich dem König zu.«

Zitternd hörte Horands Worte
Hilde, fast der Muth ihr schwand.
Sieh, da winkte von der Pforte
Hildburg mit der weissen Hand.
In der Halle schwieg der Schilde
Und der Schwerter lauter Klang.
Horand neigte sich vor Hilde
Und entwich mit leisem Gang.

Hildburgs weisse Arme schlangen
Sich um Hilde sanft und lind,
Heisse Thränen von den Wangen
Küsste sie dem Königskind,
Und die Kluge raunte leise
Sanfte Worte, trostesvoll. –
Horch! Da tönte Horands Weise
Jubelnd, dass das Haus erscholl:

      Im Süden liegt ein Garten,
      Sind tausend Rosen drin.
      Die Rosen pflegt zu warten
      Die schönste Königin.
      Es läuft von rother Seide
      Ein Faden von Thor zu Thor,
      Zwölf Riesen im Eisenkleide
      Als Wächter stehen davor.

      Wo ist das Hofgelage
      Der jungen Königin?
      Nach ihrem Rosenhage
      Steht Denken mir und Sinn.
       Ich möchte streiten und fechten,
      Bestehen die Reckenschaar
      Und meiner Trauten flechten
      Ein Kränzlein in das Haar.

      Es liegt auf Gnitahaide
      Ein Wurm in schuppiger Haut.
      Er hütet ein köstlich Geschmeide,
      Den Ring Andwaranaut.
      Der ward von listigen Zwergen
      Geschmiedet mit Meisterschaft;
      Das Gold aus Bächen und Bergen
      Zu locken hat er die Kraft.

      O thät mir ein Kundiger zeigen
      Den Weg zum giftigen Wurm,
      Ich wollte den Hengst besteigen
      Und reiten wie Wind und Sturm,
      Den Drachen wollt' ich schlagen
      Und rauben das Goldgeschmeid;
      Am Finger sollt' es tragen
      Die allerschönste Maid.

      Im Nord, von Sturm umwüthet
      Ein hohler Felsen steht.
      Gunlöd, die Jungfrau hütet
      Darin den Zaubermeth,
       Und so es einem zu nippen
      Von ihrer Schale gelang,
      Dem fliesst und strömt von den Lippen
      Unsterblicher Gesang.

      O reiche mir, du Schöne,
      Einen Trunk aus deinem Born,
      Dass hell mein Sang ertöne
      Wie Rigers goldnes Horn,
      Dass Erde, Himmel und Meere
      Erschallen weit und breit
      Von meiner Frauen Ehre
      Und meiner Seligkeit.

Buchschmuck
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