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Horand und Hilde

Rudolf Baumbach: Horand und Hilde - Kapitel 5
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authorRudolf Baumbach
titleHorand und Hilde
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Buchschmuck

V.

Wie Herr Wate Fechten lernte

Nun hört, wie König Hagen
Die Gäste gut empfing
Und was sich zugetragen
In seiner Hofburg Ring.
Sie kamen angeschritten
In reicher Kleiderpracht
Und neigten sich in Sitten
Vor König Hagens Macht.

Der ging den Herrn entgegen
Und führte sie hinein.
Drob staunten seine Degen
Und blickten neidisch drein.
Sie traten in die Halle,
Herr Hagen schritt voran;
Da fing mit lautem Schalle
Das Kampfspiel eben an.

So war's seit allen Zeiten
Der Brauch im Königssaal;
Erst ging es an ein Streiten
Und dann an's frohe Mahl.
Von guter Schwerter Klingen
Ein Dröhnen sich erhob,
Dass aus den Panzerringen
Das rothe Feuer stob.

Da sprach zu Wate Hagen;
»Nun sollst du mir gesteh'n,
Ob du in frühern Tagen
Solch' Fechten schon geseh'n,
Ob du in deinen Marken
Schon fandest einen Mann,
Der sich mit meinen Starken
In Schirmkunst messen kann.«

Zu solcher Frage schaute
Herr Wate spöttlich drein.
Den breiten Bart er kraute
Und ernsthaft sprach er: »Nein.
Solch Schirmen und solch Schlagen
Ersah ich nimmermehr.
Gern möcht ich's einmal wagen,
Doch däucht die Kunst mich schwer.«

Da sprach der König wieder
Mit List: »Versuch's einmal
Und waffne deine Glieder
Und deine Brust mit Stahl!
Es soll mein bester Meister
Dich lehren, wie man's thut;
Vielleicht, du Weitgereister,
Kommt's später dir tu gut.«

Er hiess dem Gaste bringen
Ein gutes Streitgewand.
An Brünnen und an Ringen
Genug im Saal sich fand,
Doch was von Waffenstücken
Man vor den Alten trug,
Für Wates Brust und Rücken
War keines weit genug.

Da ging im Saal ein Raunen
Durch König Hagens Bann.
Sie massen mit Erstaunen
Den riesenhaften Mann.
Am Ende man dem Fremden
Ein gutes Stahlhemd bot
Von Hagens Waffenhemden,
Das fügte sich zur Noth.

Drauf legten sie dem Alten
Dienstfertig an die Wehr
Und gaben ihm zu halten
Den Schild von Buckeln schwer.
Er stand in Hagens Halle
So unbeholfen da,
Dass man die Recken alle
Im Kreise lachen sah.

Der Meister stand im Ringe
Des Schelmenspieles froh
Und zeigte, wie man schwinge
Die Klinge so und so
Und wie man listig necke
Den Feind mit Blick und Hand
Und wie man klug sich decke
Mit breitem Schildesrand.

Noch keiner ward geboren,
Der so geschwind begriff.
Hei, wie um Meisters Ohren
Des Jüngers Klinge pfiff!
Wie laut auf seinem Helme
Herrn Wates Schwert erklang!
Es ward dem armen Schelme
Um Leib und Leben bang.

Er that um sich zu decken
Rückspringend Satz auf Satz.
Die übermüth'gen Recken
Die machten höflich Platz.
Es hätt ihn fast erschlagen
Herrn Wates Sturmgewalt,
Da rief vom Hochsitz Hagen
Zu rechter Zeit noch Halt.

»Fürwahr ich muss dich loben,
Du triffst wie Hagelschlag.
Will selber nun erproben,
Was deine Kunst vermag.«
Er liess ein Schwert sich reichen
Und rannte Waten an,
Doch bracht' ihn bald zum Weichen
Der wunderstarke Mann.

Die Funken sah man wehen
Aus Helm und Panzerring.
Dem wilden Hagen Sehen
Und Hören fast verging.
Hart kam er in's Gedränge,
Wie kräftig auch er rang,
Bis ihm im Handgemenge
Die Klinge splitternd sprang.

Da war der Streit zu Ende,
Und Hand in Hand sich schloss.
Sie rauchten wie zwei Brände,
Auf die man Wasser goss,
Sie legten ab die Ringe
Dazu der Brünnen Last,
Und Hagen guter Dinge
Sprach so zu seinem Gast:

»Du sagtest, schlauer Streiter,
Du wollest Lehrling sein,
Und wetterst wie kein Zweiter
Auf deine Meister ein.
Wenn so die Krämer fechten
Daheim in euren Gau'n,
Wie müssen erst die rechten
Kampffrohen Degen hau'n!«

Da strich der graue Streiter
Behaglich seinen Bart
Und sprach zum König heiter:
»Gefällt dir solche Art?
Verzeih?, o Herr, mein Necken;
Schwertkundig ist die Hand.
Wir sind vertriebne Recken,
Daheim im Dänenland.

Auf meiner Burg zu Stürmen
Verlebt' ich manchen Tag.
In meinen festen Thürmen
Der Ahnen Erbe lag,
Viel tausend goldne Ringe
Und köstliches Geschmeid;
Dem Vogt der Hegelinge,
Herrn Hettel war dies leid.

Er zog aus Matelane
Aus seiner Stadt am Meer,
Des Krieges rothe Fahne
Hoch wallte vor ihm her.
Er fiel in meine Marke,
Da floh ich in der Nacht. –
Es weicht der Bär, der starke
Der Meute Uebermacht.

Jung Horand, mein Geselle
Berief das Schiffsgesind;
Wir zogen in die Welle
Das beste Schiff geschwind
Und füllten in der Eile
Den Raum mit Golde schwer,
Dann lösten wir die Seile
Und stachen in das Meer.

Wohl ist der Hort geborgen,
Doch König Hettels Gier
Beschwert mein Herz mit Sorgen,
Drum floh ich, Held, zu dir.
Ich kam an dein Gestade
Zu halten kurze Rast –
Verleihe deine Gnade
Dem heimatlosen Gast.«

Da sprach der wilde Hagen:
Vor Freude ward er roth –
»Von Glück hab' ich zu sagen,
Dass ich euch Frieden bot.
Weilt unter meinem Dache;
Ich will der Wirth euch sein,
Bis wir vereint der Rache
Den König Hettel weih'n.

Wenn Rücken gegen Rücken
Wir beide fechtend steh'n,
So möcht es keinem glücken
Uns schwertgefällt zu seh'n.
Jetzt aber heisst's vertagen,
Was uns erregt den Zorn.
Das Mahl ist aufgetragen
Und wohlgefüllt das Horn.

Da setzten sich die Helden
Zum König auf die Bank.
Ich kann euch nicht vermelden,
Was jeder ass und trank.
Den Preis im Ring der Zecher
Herr Wate sich errang;
Er schwang so gut den Becher,
Als er die Klinge schwang.

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