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Horand und Hilde

Rudolf Baumbach: Horand und Hilde - Kapitel 3
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authorRudolf Baumbach
titleHorand und Hilde
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Buchschmuck

III.

Wie Wate und Horand feil hielten

Gleich Aemsen, die den Bau verlassen
Und schwärmend ziehen durch den Sand,
So strömt das Volk aus Baljans Gassen
In schwarzen Zügen nach dem Strand,
Voraus der Knaben Schaar mit weiten
Hirschsprüngen über Stock und Stein,
Die Edeln und die Bürger schreiten
Bedächtig wandelnd hinterdrein.
Das Wunderschiff im blauen Sunde
Liegt fest verankert und vertaut,
Und auf der Düne sand'gem Grunde
Ist ein geräumig Zelt gebaut.

Ein Waarentisch ist aufgeschlagen
So wie es bei den Krämern Brauch,
Und immer neue Güter tragen
Die Knechte aus des Schiffes Bauch.
Mit Ernst und Würde vor dem Gaden
Der alte, bärt'ge Wate steht,
Jung Horand aber in dem Laden
Sich flink nach allen Seiten dreht.
Und um den Tisch ein bunt Gedränge
Von Alt und Jung, von Gross und Klein;
Jetzt neigt sich Horand vor der Menge
Und schmettert in die Luft hinein:

      Männer und Frauen werth
      Kommet zu Hauf!
      Was euer Herz begehrt,
      Stell' ich zu Kauf:
      Waffen von Zwergenhand,
      Stählernes Kleid,
      Blinkendes Allerhand,
      Köstlich Geschmeid,
      Helme wie Felsen hart,
      Ketten gegliedert,
      Spangen von jeder Art,
      Pfeile befiedert,
       Schwerter, rothblinkende
       Wort unleserlichiche Waffen –
      Weland, der hinkende,
      Hat sie geschaffen –
      Rundschilde silberhell,
      Stählerne Bogen,
      Köcher mit Pardelfell
      Schön überzogen,
      Heerhorn und Jägerhorn,
      Leuchtend von Gold,
      Goldsporn und Silbersporn,
      Wie ihr es wollt,
      Halsbergen wunderbar,
      Fest und geschmeidig,
      Brünnen von Silber klar,
      Speereisen schneidig,
      Sättel und Pferdgeräth,
      Seidene Zäume,
      Decken mit Gold genäht,
      Purpurn die Säume,
      Becher gebaucht, geschweift,
      Kessel für Meth,
      Trinkhörner goldumreift –
      Sehet, o seht!

      Tretet heran geschwind
      Frauen und Maide!
       Prüfet das Kopfgebind
      Und das Geschmeide!
      Gürtel und Fingerlein
      Biet' ich zu Kauf,
      Perlen und Edelstein,
      Haufe bei Hauf,
      Jaspis und Chrysopras,
      Rothe Karfunkel,
      Adamant und Topas
      Leuchtend im Dunkel.
      Kämme von Elfenbein,
      Goldene Spindeln,
      Aepfel mit Bisam drein,
      Nadeln und Zindeln.
      Ach, und die Kleiderpracht!
      An allen Nähten
      Goldener Flitter lacht
      An goldnen Drähten;
      Sigelat aus Byzanz,
      Ferransgewänder,
      Saben von Silberglanz,
      Borten und Bänder,
      Häute vom Hermelin,
      Weiss wie der Schnee,
      Seidenstoff, Baldekin
      Aus Ninive.

Buchschmuck

Wie aus dem Felsen springt die Quelle,
Von Horands Munde sprudelnd geht's.
Verwundert hört's sein Schiffsgeselle
Und lacht und denkt sich: Der versteht's.

Die Menge hört es mit Ergetzen
Und prüft und wägt bereits im Geist,
Bald ruht das Auge auf den Schätzen
Und bald auf jenem, der sie preist.
Die Maide drehen nach dem Sänger
Die Köpfe mit dem gelben Haar.
So lockt ein kluger Vogelfänger
Im Wald der bunten Vöglein Schaar.

Da tritt, geschmückt mit reichem Kleide,
Der Strandvogt würdevoll in's Zelt
Und wählt sich aus dem Goldgeschmeide
Das Kleinod, das ihm just gefällt.
Ein Armring ist's, ein schöngereifter.
Es prüft der Käufer das Gewicht
Und langsam nach dem Beutel greift er,
Herr Horand aber lächelnd spricht:
»Dein Geld, o Herr, wir können's missen;
Die Spange nimm als Gastgeschenk,«
Und schiebt dem Vogt sie dienstbeflissen
Rasch über's linke Handgelenk.

Dann nimmt Herr Wate eine Spange,
Die hell von Edelsteinen gleisst, –
Ihr Muster war die Midgardschlange,
Die ringelnd in den Schweif sich beisst –
Und spricht: »Auch diese musst du nehmen,«
Und bietet sie dem Strandvogt dar,
»Der andre Arm sich müsste schämen,
Wenn er der Zierde wäre bar;
An deinem rechten soll sie blinken,
Mehr als der linke ist er werth;
Den Schild nur trägst du an dem linken,
Allein der rechte führt das Schwert.«
Des Alten Worte lieblich klingen,
Der Vogt den Säckel voll behält
Und scheidet mit den goldnen Ringen
Vergnüglich aus dem Krämerzelt.

Nun dringt, gelockt durch solche Spende
Die Volksschaar auf die Fremden ein,
Und hätte Horand hundert Hände,
Es würde keine müssig sein.
In frühern und in spätern Tagen
So guten Markt noch niemand sah;
Zum ersten Angebote sagen
Die Kaufherrn immer lächelnd ja.
Es ging an Gut in einer Stunde
Für siebentausend Marken fort,
Allein der Schatz in Schiffes Grunde
War reich wie König Niblungs Hort.

Jetzt aber nahte sich zu Pferde
Der König mit der Seinen Schaar.
In reichen Wellen floss zur Erde
Der edlen Rosse Mähnenhaar.
Es sprangen von den Satteldecken
Die Herren nieder auf den Sand,
Und eilig schritt mit seinen Recken
Der König nach dem Krämerstand.
Da neigten sich in ihrem Laden
Herr Horand und Herr Wate tief,
Der König aber voller Gnaden
Von weitem schon Willkommen rief.
»Habt Dank für alles, was die Boten
Mir brachten in den Königssaal,
Doch wisset, über'm Gold, dem rothen.
Steht hiezuland der blaue Stahl.
Der Steine Pracht im Goldschmuck preisen
Als höchstes Gut die schönen Frau'n;
Der Männer bester Schmuck ist Eisen.
Lasst Helme mich und Schwerter schau'n!«

Der Alte nickt. »Auch uns ist werther
Die Klinge, denn ihr goldner Griff,
Und Brünnen, Helme, Schilder, Schwerter
Bringt dir im Ueberfluss mein Schiff.
Der Waffen beste, die wir haben,
Herr König, soll dein Auge schauen.
Nicht mocht' ich meinen Botenknaben
Das seltne Kleinod anvertrauen.«

Er spricht's und reicht dem König Hagen
Ein breites Schwert mit lichtem Knauf,
Die Scheide ist mit Gold beschlagen,
Und Edelsteine funkeln drauf.
Des Königs Rechte zieht die Klinge,
Und wie von Surturs Flammenschwert
Am letzten Tag der Erdendinge
Ein Blitzstrahl durch den Zeltraum fährt.
Herr Wate aber spricht zu Hagen:
»Das Schwert, es schneidet Stahl und Stein;
Held Wolfhart hat es einst getragen,
Und wenn du willst, so ist es dein.
Schmied Weland, den die Sänger preisen,
Geschaffen hat's mit eigner Hand,
Gehämmert ist's aus kaltem Eisen,
Und Nagelring ist's zubenannt.«
Drauf lässt er auf die Schneide gleiten
Ein Flöckchen Wolle aus der Hand,
Und sieh, es fällt zu beiden Seiten
Des Schwerts zerschnitten auf den Sand.

Ein Ruf des Staunens wird im Ringe
Der kampfesfrohen Männer laut,
Herr Hagen aber auf die Klinge
Mit freudetrunknem Auge schaut.
Er hebt das Schwert zu kräft'gem Schwunge
Und wirbelt's um das Haupt geschwind;
Es leuchtet wie des Feuers Zunge
Und pfeift wie scharfer Nordsturmwind.
Dann birgt er wieder in der Scheide
Den lichten Stahl und hält ihn fest,
Wie wenn die süsse Augenweide
Der Jüngling in die Arme presst,
Er dankt und spricht: »Solch edle Gäste,
Die wollen gut empfangen sein.
Stellt morgen euch in meiner Veste
Zu frohem Schmaus und Wetttrunk ein!«

Er spricht's und winkt. Da führt am Zügel
Das Pferd ein Knabe vor das Zelt,
Es steigt der König in den Bügel,
Den Horand dienstbeflissen hält.
Er lenkt zur Burg sein Ross, das schnelle,
Der Nagelring im Arm ihm ruht. –
Herr Wate lacht und spricht: »Geselle,
Mich deucht, die Sachen stehen gut.«

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