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Horand und Hilde

Rudolf Baumbach: Horand und Hilde - Kapitel 13
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authorRudolf Baumbach
titleHorand und Hilde
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Buchschmuck

XIII.

Des Königs Hochzeitsfackel

Die See war klar, die Luft war rein,
Es war zur Abendstunde,
Es blinkte zitternd im Sternenschein
Die Bucht in weiter Runde.
Der Hegelingen Schiffe bereit
Zur Fahrt am Ufer lagen,
An Hettels Kiele friedlich gereiht
Die Drachen des wilden Hagen.

Und droben auf dem Inselschloss
Da regen sich tausend Hände,
Da zechen die Herren, da zecht der Tross,
Da lodern der Fackeln Brände,
Die Halle schimmert in goldner Pracht.
Die Hörner und Harfen klingen.
Die Helden rüsten die Hochzeitsnacht
Dem König der Hegelingen.

Herr Wate trägt kein Festgewand,
Er flieht die Hallen, die lichten;
Er will ein ander Werk am Strand
In stiller Nacht verrichten.
Das unheilvolle Schiff im Sund
Besteigt der greise Recke.
Dort ruht mit stummem Liedermund
Jung Horand auf dem Decke.

Auf seinem Schilde lag der Held,
Das Haupt er seitwärts neigte;
Den springenden Leu im rothen Feld
Das seidene Bahrtuch zeigte,
Am Bugspriet Horands Harfe hing,
Darüber die Winde spielten,
Und bei dem todten Hegeling
Zwölf Degen Wache hielten.

Herr Wate zog mit starker Hand
Das Segel auf am Mastbaum,
Dann warf er einen Feuerbrand
Hinunter in den Lastraum.
»Nun weicht ihr Männer allzumal
Und lasst das Schiff den Winden!
Fahrwohl, bis wir in Wodens Saal
Uns droben wiederfinden!«

Da kam vom Schloss ein stolzer Zug
Und lenkte hin zum Strande.
Jung Hilde die goldne Krone trug
Und bräutliche Gewande.
»Lasst mich, ihr Hegelingen, nicht
Vergebens zu euch flehen,
Gönnt mir, des Sängers Angesicht
Ein letztes Mal zu sehen.«

Sie schied sich von dem Ingesind,
Die Helden wichen zurücke.
Es schritt das schöne Königskind
Rasch über die schwankende Brücke.
Sie warf sich nieder an der Bahr',
Sie hob das Haupt der Leiche
Und küsste dem Todten das blutige Haar,
Und seine Stirn, die bleiche.

Ein Staunen ging durch das Volk am Strand
Es raunten die Heergesellen.
Da drehte sich das Schiff vom Land
Und hob sich auf den Wellen.
Jung Hilde stand am hohen Mast,
Ihr Haar im Nachtwind wallte,
Sie hielt des Todten Schwert umfasst,
Und ihre Stimme hallte:

»Verloren ist die Königsbraut,
Umsonst des Königs Werben;
Dem Todten hab' ich mich angetraut,
Und süss ist mir das Sterben!«
Sie schwang den Stahl in weisser Hand,
Durchstochen brach sie zusammen.
Da zuckten aus der geborstnen Wand
Des Schiffs die gierigen Flammen.

Wildbrausend zog der Wind einher,
Er schürte das Todtenfeuer
Und trieb hinaus in das offne Meer
Das Fahrzeug ohne Steuer.
Ein glühender Streif war seine Bahn;
Von kreischenden Möven umflogen
Durchschnitt es wie ein feuriger Schwan
Schnell gleitend des Meeres Wogen.

Und schneller und schneller durch die Fluth
Das leuchtende Wunder rannte.
Hei, wie der Hochzeitsfackel Gluth
Dem König Hettel brannte!
Den hohen Mast umringelten schon
Die rothen, züngelnden Schlangen;
An Horands Harfe mit klagendem Ton
Die goldnen Saiten zersprangen.

Buchschmuck
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