Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Rudolf Baumbach >

Horand und Hilde

Rudolf Baumbach: Horand und Hilde - Kapitel 12
Quellenangabe
pfad/baumbach/horand/horand.xml
typepoem
authorRudolf Baumbach
titleHorand und Hilde
publisher
correctorfranka.antenne@gmx.de
senderwww.gaga.net
created20090308
projectid7dcaccf1
Schließen

Navigation:
Buchschmuck

XII.

Der Kampf

Am Strande bei den Schiffen der alte Wate stand
Und neben ihm der König von Hegelingenland.
Da kam ein Hornstoss gellend geflogen durch den Wind. –
»Herbei, ihr guten Recken, herbei! Der Kampf beginnt.

Im Nebel ist gekommen Herr Hagen über's Meer,
Das Eiland ist erstiegen, es naht sein reis'ges Heer.
Drum bindet fest die Helme und ordnet euch in Reih'n;
Der stolze Nordlandkönig will gut empfangen sein.«

Herr Wate rief's, da fasste die Degen Grimm und Zorn,
Schon schnaubte nah und näher der Feinde Schlachtenhorn.
Da hoben sie die Schilde, und mit gesenktem Speer
Zog gegen Hagens Recken das Hegelingenheer.

Es schritt mit Wate Hettel voran dem reis'gen Zug,
Der Insel Vogt, Herr Morung, des Königs Banner trug,
In purpurroter Seide der goldne Leue sprang. –
Hei, wie so bald er kräftig mit Hagens Greife rang!

Rings um die Zwingburg zog sich ein grünes Haideland;
Dort nahm, das Schloss im Rücken, Herr Wate seinen Stand.
Es schaute von der Zinne hinunter bleich und bang
Die junge Königstochter, die stumm die Hände rang.

Der Feinde Kampfruf hallte; es schlug in Hettels Reih'n
Der dichte Schwarm der Pfeile wie Hagelschauer ein,
Doch von der Degen Schilden und ihrem Streitgewand
Mit stumpfen Spitzen sanken sie kraftlos auf den Sand.

Da dachte König Hettel zu schlichten noch den Streit
Und rief: »Ich bin zur Sühne, Herr Hagen, dir bereit.
Dein Kind, die junge Hilde ist mir so lieb und werth;
Ich biete dir, was immer dein Herz von mir begehrt.«

Als Antwort König Hagen den Speer herüber warf,
Und Hettels Schild zerspällte das Eisen grimmig scharf;
Das Streitgewand durchschnitt es und ritzte Hettels Haut. –
So ungefügen Speerwurf hat keiner noch geschaut.

Da ward nicht mehr gesprochen, der wilde Kampf begann,
Auf grüner Haide stritten die Kön'ge und ihr Bann,
Aus harten Helmen stoben die Funken in den Wind,
Die Augen schloss für immer manch einer Mutter Kind.

Wohl waren Hagens Degen erprobt in Sturm und Streit,
Doch Hettels Mannen wichen nicht einen Finger breit.
Herr Wate stand im Sturme, wie wenn im Felde steht
Ein Schnitter mit der Sense, der reife Halme mäht.

Da rief der wilde Hagen: »Hei käme mir einmal
Vor's Schwert der greise Schächer, der meine Tochter stahl!
Er hat soviel des Leides dem Gastfreund angethan,
Drum hält die Scham ihn ferne; er wagt sich nicht heran.«

Herr Wate hat's vernommen, der Spott ihn schwer verdross,
Das Blut dem alten Helden in Wang' und Stirne schoss.
Die ihm im Wege standen, die sanken in den Tod
Wie Rüden, die im Walde den Auerstier bedroht.

Es hoben beide Recken alsbald ein Streiten an,
Wie sie vor wenig Tagen im Königssaal gethan.
Dort war's ein lustig Fechten, und keiner ward versehrt,
Heut war, wie oft im Leben, das Spiel in Ernst verkehrt.

Der Stärkere war Wate, allein der Nagelring,
Den König Hagen schwenkte, war ein gefährlich Ding.
Drum hielt er hoch den Schildrand, den seine Linke trug,
Indess die Schwerthand selten nur einen Kunsthieb schlug.

Dann liess die Waffe plötzlich er gleiten in den Sand
Und fing mit sichrem Griffe den König bei der Hand,
Er riss ihm aus der Rechten das Heft der Klinge jach
Und warf das Schwert bei Seite. – Das thät ihm keiner nach.

Doch war noch nicht bezwungen des Königs Kampfeslust;
Er schlang behend die Arme um Wates breite Brust;
Sie rangen mit einander von Qualm und Staub umdampft,
Es ward von ihren Füssen der Boden rings zerstampft.

Doch schneller, immer schneller des Königs Athem ging,
Es quoll ihm aus den Höhlen der Augen weisser Ring,
Das wilde Blut zu Häupten ihm roth wie Scharlach stieg,
Er wankte, und es neigte zu Wate sich der Sieg.

Da brach aus Hettels Haufen ein Schreckensruf hervor,
Er hallte durch die Reihen und schlug an Wate's Ohr:
»O wehe dieses Leides, o wehe dieser Noth!
Held Horand liegt erschlagen in seinem Blute roth.«

Aufstöhnte laut der Alte, und seine Farbe blich,
Schwarz ward's ihm vor den Augen, die Kraft der Glieder wich,
Und wie im Wald die Föhre, von einer Axt gefällt,
Zu Boden stürzte dröhnend der riesenhafte Held.

Der wilde Hagen stemmte ihm auf die Brust das Knie,
Er griff ihm nach der Kehle mit nerv'ger Faust und schrie:
»Der Bänkelsänger harfnet bereits in Helas Reich;
Jetzt schieß ich auch den Andern hinunter kalt und bleich!"

Er strebte zu erfassen die Waffe, die im Streit
Der Gegner ihm entrissen; sie lag nicht allzuweit.
Jetzt hielt er in der Rechten den scharfen Nagelring;
An einem schwachen Faden des Alten Leben hing.

Zum Glück ersah Herr Hettel des Freundes Todesnoth,
Er kam herangeflogen, wie ihm die Pflicht gebot;
Er schlug dem wilden Hagen so wucht'gen Schwertesschlag,
Dass ihm der starke Recke betäubt zu Füssen lag.

Und grimmig rief der König: »Zur Helfahrt sei bereit!
Das Blut des Helden Horand zu laut um Rache schreit
Du sollst es mir entgelten, dass deine Hand erschlug
Den allerbesten Degen, der jemals Waffen trug!«

Das Schwert der Hocherzürnte zum Todesstreiche schwang,
Als gellend durch die Lüfte ein Jammerruf erklang.
Es brach durch's Kampfgetümmel ein Weib sich Bahn geschwind,
Und auf den Vater warf sich das blasse Königskind.

Laut rief die Jammerreiche: »Halt' ein, o Held, halt' ein
Und schenke Leib und Leben dem lieben Vater mein,
Und willst du ihn nicht schonen, so gieb auch mir den Tod,
So wäre schnell zu Ende der armen Hilde Noth.«

Da senkte König Hettel das hochgeschwung'ne Schwert
Und sprach mit sanfter Stimme: »Die Bitte sei gewährt.«
Er löste dem Gefällten behend des Helmes Band
Und half ihm auf die Füsse und bot ihm seine Hand.

Der überwundne Hagen zur Sühne war bereit.
Erfasste Hettels Rechte; zu Ende war der Streit.
Dann hiess man Frieden blasen, und nach der Herrn Gebot
Vertrugen sich die Degen. – Wer todt war, der war todt.

Da nahm der wilde Hagen die Tochter bei der Hand
Und gab sein Kind dem König von Hegelingenland
Und sprach: »Die junge Hilde, du starker Held, ist dein.
Ich hab' es selbst erfahren, du kannst ihr Hüter sein.«

Indess der alte Wate schritt suchend nach dem Strand,
Bis dass er auf dem Sande den todten Sänger fand.
Er strich die blutigen Locken von seiner Stirne weiss,
Und auf des Todten Antlitz fiel eine Thräne heiss.

Er trug ihn auf den Armen zu seinem Zelt am Meer,
Da hob sich lautes Klagen im Hegelingenheer.
Es barg die junge Hilde in ihre Kammer sich
Und rang die weissen Hände und weinte bitterlich.

Buchschmuck
 << Kapitel 11  Kapitel 13 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.