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Horand und Hilde

Rudolf Baumbach: Horand und Hilde - Kapitel 10
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authorRudolf Baumbach
titleHorand und Hilde
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correctorfranka.antenne@gmx.de
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Buchschmuck

X.

Sturm

Horand zu der Harfe Spiel
Sang dem Schiffsgesinde,
Durch die Meerfluth zog der Kiel
Rüstig vor dem Winde.

Wate stand an Deckes Bord,
Schüttelnd das Haupt, das greise,
Hob die Hand und wies nach Nord,
Sprach zu Horand leise:

»Sieh die Wolke, die dort sich hebt
Dunkel, die Ränder heller;
Vogelschnell das Schifflein schwebt,
Doch der Sturm ist schneller.

Lustig ist's auf dem wilden Meer
Stöhnende Planken zu reiten,
Aber macht Schuld das Fahrzeug schwer,
Giebt es ein böses Streiten.«

Wate sprach's, und über die Fluth
Kam es herüber gepfiffen,
Wie die geschwungene Klinge thut,
Wenn sie schneidig geschliffen.

Das ist Sturm; den Ruf zum Tanz
Lässt er herüber gellen,
Und gekrönt mit Silberglanz
Springen die frohen Wellen.

»Refft die Segel, das Steuer gewandt!«
Scholl es aus Wates Munde,
»Haltet das Schiff zurück vom Land,
Oder es geht zu Grunde.«

Hui! Da kam der zweite Stoss,
Schwarz die Wolken sich ballten.
»Acht gegeben! Der Tanz geht los,
Fest das Steuer gehalten!«

Stille wieder, dann kommt's einher
Rasend und heulend gezogen,
Wilder und wilder wallt das Meer,
Hochauf spritzen die Wogen.

Hei, wie wacker das Schiff sich hält!
Halb auf der Seite liegt es,
Jetzt in die Wolken wird's aufgeschnellt,
Jetzt in den Abgrund fliegt es.

Fahlblau zuckt's durch die Wetternacht,
Prasselnde Donner erdröhnen,
Mast erzittert und Planke kracht,
Raaen knarren und stöhnen.

Fluth stürzt über die Borde wild,
Rinnt in die Räume hinunter.
»Schöpft, Gesellen, mit Helm und Schild
Oder das Schiff geht unter!

All' auf Deck, die Königsbraut
Tragt herauf, ihr Recken!
Besser dem Tod in's Aug geschaut,
Als sich scheu zu verstecken.«

Wild der Jungfrau Haarschmuck wallt,
Sturmfrost schüttelt die Glieder,
Und an Horand's Hochgestalt
Sinkt jung Hilde nieder.

Ihrem bleichen Mund entquillt
Klage nicht und Jammern;
Fest das schöne Heldenbild
Ihre Hände umklammern.

Wilder zuckt der Blitze Schein,
Regen kommt niedergeschossen,
Knatternd und prasselnd schlagen drein
Eisige Hagelschlossen.

Wie die Eiche, vom Sturm umweht,
Mit gehobenem Schilde
Schützend und schirmend Horand steht
Ueber der bebenden Hilde.

Wate leise zu Horand spricht:
»Weh', es wird gerochen,
Dass wir des Gastrechts heilige Pflicht
Freventlich haben gebrochen.

Asgards schützende Götter all
Haben uns preisgegeben;
Ran und Oegir im Wogenschwall
Spielen mit unserem Leben.

Lasst uns der Wellenbeherrscher Zorn
Trachten mit Gold tu versöhnen!«
Sprach's, und laut wie ein Büffelhorn
Liess er den Ruf ertönen:

»Was an Gold im Raume ruht,
Tragt es herauf in den Schilden,
Streut es der Ran in die zischende Fluth,
Opfert's dem Oegir, dem wilden!«

Und sie schleppten herbei sogleich
Blinkende Goldeshaufen;
Für den Hort ein Königreich
Hätte man können kaufen.

Kette, Ring und Spange rollt
Ueber den Bord des Drachen,
Und es schlingt das gelbe Gold
Gierig des Abgrunds Rachen.

Sieh, da legt sich des Sturms Gewalt,
Und es schweigt das Wetter,
Fern und ferner der Donner hallt,
Und die See wird glätter.

Und begrüsst mit heiss'rem Schrei'n
Von dem Mövenvolke
Bricht der Sonne gelber Schein
Sieghaft durch die Wolke.

Sichtbar ward ein Inselland
Durch des Nebels Lücke,
Siebenfarbig darüber stand
Bifrost, die Himmelsbrücke.

Drachenschiffe, wohl dreissig und mehr
Ankerten an der Lände,
Und am Ufer weit umher
Rauchten Feuerbrände.

»Freunde nah!« so jauchzten wild
Auf die Hegelingen,
Laut erklang auf dem Buckelschild
Dröhnen geschwungener Klingen.

Wate rief, der starke Held:
»Lasst das Banner steigen!
Springender Leu im rothen Feld
Soll sich den Freunden zeigen.«

Und zu Hilde Horand spricht.
»Herrin, lass die Sorgen!
Eh' verglimmt das Tageslicht,
Bist du wohl geborgen.«

Hilde zärtlich auf Horand blickt,
Und sie hält sich nicht länger;
Mit den Armen sie fest umstrickt
Lachend und weinend den Sänger.

»Wohl mir, dass mich nicht die Fluth
Durfte hinunterschlingen,
Eh' ich an deiner Brust geruht,
König der Hegelingen!«

Horand steht vor Schrecken bleich,
Staunend die Maid betrachtet.
»Angst, o Herrin tugendreich,
Hat dir den Sinn umnachtet.

Meines Königs treuer Mann,
Horand bin ich, der Degen;
Dem, für den ich dich gewann,
Führen wir dich entgegen.

Auf dem Eiland dort im Meer,
Wo die Klippen starren,
Lagert Hettel mit seinem Heer
Seiner Braut zu harren.«

Jammernd die Königstochter rief:
»Weh', ich bin betrogen!
Läg' ich doch gebettet tief
Unter den Meereswogen!«

Auf den Busen sank ihr Kinn,
Kraftlos hingen die Arme,
Blass und leblos sank sie hin,
Uebermannt vom Harme.

Als der Abendsonne Brand
Roth im Westen lohte,
Trugen sie die Braut an's Land,
Bleich wie eine Todte.

Buchschmuck
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