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Hof Gilje

Jonas Lie: Hof Gilje - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
authorJonas Lie
titleHof Gilje
publisherVerlag von J. Engelhorn
seriesEngelhorns Allgemeine Romanbibliothek
volumeZehnter Jahrgang. Band 20.
translatorF. Mangold
year1894
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid702c4431
created20070302
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Erstes Kapitel

Es war ein klarer Nachmittag oben im norwegischen Hochland. Die Luft lag frostig mit einem schwachen, rosigen Schimmer auf den scharfen Kämmen und Bergspitzen, die sich wie die Linien riesiger Festungswerke bis zum Gesichtskreis hinter- und übereinander auftürmten. Tief unten umschlossen niedrige Berge mit ihren weißen Abfällen sich enger und enger, näher und näher zusammenschiebend, die Landschaft, als ob sie den Zutritt zu ihr verwehren wollten.

Der Schnee hatte in diesem Jahre ziemlich lange auf sich warten lassen, lag aber jetzt, am Anfang des Christmonats, schwer auf Föhre und Fichte, so daß sich deren Äste unter seiner Last tief herabbogen. Die Birken standen sozusagen bis an die Hüften im Schnee, und die schiefergedeckten Häuschen des Dorfes waren fast darunter begraben. Den Zugang zu den Höfen bildeten tiefe ausgeschaufelte Hohlwege, und rechts und links davon ragten hier und da die Thürpfosten und Zaunpfähle aus dem Schnee hervor.

Auf der Landstraße hatte der Schneepflug vor kurzem Bahn geschaffen, und auf dem roten Ziegeldache des Hauptmannshofes waren Leute damit beschäftigt, die gefahrdrohend über die Dachrinne hängenden Schneemassen herabzuwerfen.

Das Hauptmannsgehöft war das bedeutendste des Ortes. Seine Gebäude waren zwar ohne Anstrich, aber in sauberer Ordnung aufgeführt, wie das vor einem Menschenalter Brauch war. Auf dem Zaune lag der Schnee in einer hart gefrorenen Kruste, und auch der Hof war tief damit bedeckt, so daß er fast bis zu den niedrigen Fensterbänken reichte.

Es war derselbe unbehagliche Nordwind, der, wenn immer die Gangthür geöffnet wurde, auch die Küchenthür aufstieß, und wurde sie dann nicht alsbald wieder geschlossen, so öffnete sich gewiß noch eine andre Thür im Hause – und dann kam der Hauptmann mit rotem, wütendem Gesicht aus seiner Amtsstube gestürzt und verhörte ärgerlich das ganze Haus, wer zuletzt hinausgegangen sei. Er konnte nicht begreifen, weshalb die Thüren nicht recht schließen wollten, obgleich es das natürlichste Ding von der Welt war: die Schlösser waren alt und klapperig, und der Hauptmann wollte das Geld für neue nicht herausrücken.

Unten in der Wohnstube saß die Frau Hauptmann zwischen Sofa und Ofen in einem alten braunen, von hausgewebtem Stoffe gemachten Kleide und schneiderte. Sie war groß und steif, und ihr hageres Antlitz zeigte scharfgeschnittene Züge, die im Augenblick in bekümmerte Falten gelegt waren, denn sie war mit einer schwierigen Aufgabe beschäftigt: es handelte sich um die Frage, ob es der Mühe wert sei, noch einmal einen neuen Flicken in das Hinterteil von Jürgens Hosen zu setzen; er scheuerte sie immer durch, so daß es wirklich zum Verzweifeln war.

Sie hatte sich vorgenommen, die Zeit dazu zu benützen, während Hauptmann Jäger, ihr Mann, in seiner Amtsstube beschäftigt und die Kinder nach der Post gegangen waren; denn sonst war sie den ganzen Tag im Hause abgehetzt.

Ihr mit Perlmutter und ausländischen Holzarten eingelegtes Nähtischchen stand offen vor ihr. Es mochte wohl ein Familienerbstück sein, das ziemlich altmodisch war und dadurch etwas an sie erinnerte und jedenfalls gar nicht, weder zu dem hochlehnigen, ledergepolsterten Armstuhl, worauf sie saß, noch zu dem langen, mit grünem, hausgemachten Wollstoff bezogenen Sofa von Birkenholz paßte, das wie eine einsame Insel an der Wand stand und gewissermaßen sehnsüchtig nach dem braunen Klapptisch hinübersah, dem, wie er da zwischen den beiden Fenstern stand, seine wie Flügel herabhängenden Klappen ein niedergeschlagenes Ansehen gaben.

Dort an der unteren Wand der braune Kasten mit den vier dünnen Beinen und dem Haufen Papier und Büchern darauf, zu denen sich einige Mützen und ein Fernglas gesellten, war das alte Klavier. Frau Jäger hatte es aus der Hinterlassenschaft ihrer Eltern in ihr Hochlandsheim bringen lassen, und übte nun gewissenhaft mit ihren Kindern dieselben Stücke, die sie in ihrer Jugend gelernt hatte.

Die geräumige Stube mit ihren kahlen Holzwänden, dem ungestrichenen, aber saubern Fußboden, den mit kleinen Scheiben versehenen Fenstern, vor denen in der Mitte hochgesteckte Vorhänge hingen, war im Verhältnis zu ihrer Größe, besonders ihrer Länge, sehr spärlich ausgestattet. Von einem Stuhle zum andern war eine halbe Meile, und alles war sehr einfach, wie es in den vierziger Jahren in den Beamtenwohnungen im Hochland durchweg der Fall war. Der mittlere Teil der inneren Längswand war von Steinen aufgeführt und getüncht, und vor dieser hohen Brandmauer stand der altmodische Ofen. Er ragte wie ein gewaltiger Riese ins Zimmer hinein, aber es waren auch solche Eisenmassen und so knorrige Holzscheite, wie daneben lagen, notwendig, um den großen Raum zu erwärmen, und Holz gab es ja genug auf dem Hauptmannshofe.

Die Frau Hauptmann hatte endlich mit Preisgabe aller feineren Auswege für die Unaussprechlichen einen mächtigen Lappen auf den beschädigten Teil aufgelegt und nähte nun eifrig drauf los. Die Nachmittagssonne warf noch einen schwachen Schimmer auf die Fensterbrüstung. Es war so stille im Zimmer, daß das durch die Berührung der Nadel mit dem Fingerhute verursachte leise Klappern deutlich hörbar war, und als eine Zwirnrolle zufällig zu Boden fiel, weckte sie einen förmlichen Wiederhall.

Mit einemmal nahm die Frau eine aufrechte Haltung an, wie ein Soldat beim Apell. Sie hörte ihres Gatten rasche, schwere Tritte auf der Treppe.

War es wieder die Gangthür?

Hauptmann Jäger, ein roter, rundlicher Herr in einem abgetragenen Uniformrock, trat hastig und pustend mit einer noch nassen Gänsefeder zwischen den Zähnen ein und ging ohne weiteres ans Fenster. Seine Frau nähte nur um so schneller, denn sie mußte die Zeit ausnützen und hielt es auch für weise, sich gegenüber dem, was kommen konnte, auf die Verteidigung vorzubereiten.

Inzwischen versuchte der Hauptmann den durchsichtigen Teil einer Fensterscheibe durch Anhauchen zu vergrößern.

»Du sollst 'mal sehen,« sprach er dabei, »die Kinder bringen etwas von der Post. Sie springen da unten um die Wette und haben Jörgen und seinen Schlitten schon überholt.«

Die Nadel flog nur noch hastiger durch den Stoff.

»Nein, aber wie sie laufen! ... Thinka und Thea, und nun gar Inger-Johanna. Komm doch 'mal her, Ma, und sieh, wie das Mädchen die Füße setzt. Sieht's nicht gerade aus, als ob sie tanzte? Sie hat sich vorgenommen, die erste zu sein, und wird's auch werden. Es ist keine Lüge, das kann ich dich versichern, daß das Mädel hübsch ist, Ma! Das sagt aber auch jedermann. Nein, nein, komm nur 'mal her und sieh, wie sie Thinka zurückdrängt. ... So komm doch, Ma!«

Aber »Ma« rührte sich nicht. Ihre Nadel arbeitete mit nervöser Hast. Sie nähte mit den Ereignissen um die Wette, denn es war immer noch möglich, daß sie mit dem Aufsetzen des Lappens fertig wurde, ehe die Kinder heimkehrten und die Sonne hinter dem Bergkamme verschwand, denn die Tage, die diese ihnen hier oben bescherte, waren gar kurz.

Die Stufen vor dem Hause wurden in zwei, drei Sprüngen genommen, und die Thür ging auf.

Richtig – Inger-Johanna!

Sie kam mit aufgehaktem Mantel hereingestürzt, die Bänder ihrer Mütze hatte sie schon unterwegs auf der Treppe gelöst, so daß ihr das üppige schwarze Haar wirr über das erhitzte Antlitz siel. Die bunten wollenen Handschuhe warf sie atemlos auf den nächsten Stuhl, dann stand sie einen Augenblick stille, denn die Luft zum Sprechen fehlte ihr, und strich sich das Haar zurück.

»Unten auf der Post,« stotterte sie endlich, »liegt ein Bestellzettel von Hauptmann Rönnow und Lieutenant Mein. Sie wollen Fuhrwerk haben. Das Pferd soll morgen früh um sechs Uhr hier auf Gilje sein, steht darin; sie kommen also hierher.«

»Rönnow, Ma!« rief der Hauptmann aufgeregt. Das war einer von seinen Jugendkameraden.

Jetzt kamen auch die andern mit derselben Nachricht ins Zimmer gestürmt.

Das bleiche, scharf geschnittene Angesicht der Frau mit dem schlichten schwarzen Haar, das ihr in einfachen Flechten bis auf die Wangen fiel, nahm einen besorgten Ausdruck an. Sollte sie die schöne Kalbskeule hergeben, die sie eigentlich für den in Aussicht stehenden Besuch des Probstes bestimmt hatte, oder genügte das Ferkel? Dieses hatte sie oben im Norden in den Bergen gekauft, und es war fürchterlich mager.

»Sieh 'mal einer an, Rönnow! Paß auf, der wird nach Stockholm versetzt,« meinte der Hauptmann nachdenklich. »Vielleicht Adjutant. ... So'n Menschen darf man ja auch nicht hier im Westen verbauern lassen. Weißt du was, Ma? Ich habe es damals gleich gesagt, als ihn der Prinz bei der Uebung auf der Heide so sehr auszeichnete. ›Deine Geschichten, Rönnow, deine furchtbaren Räubergeschichten, die machen dein Glück,‹ sagte ich, ›aber– aber, nimm dich vor dem General in acht, der versteht den Rummel.‹ – ›Ach was,‹ meinte er, ›die schlucken's, wie Pferde den Hafer.‹ Und er scheint wirklich recht gehabt zu haben. ... Der jüngste Hauptmann! Es ist unerhört!«

»Der Prinz!« Die Frau war endlich mit den Unaussprechlichen fertig geworden und stand schnell auf. Ihr braunes, mageres Antlitz nahm einen entschlossenen Ausdruck an: sie hatte sich für den Kalbsbraten entschieden.

»Inger-Johanna! Paß auf, daß Vater seine Sonntagsperücke aufsetzt,« rief sie und begab sich eilig in die Küche.

Der Ofen in der guten Stube war bald voll Holz gepackt und glühte. Seit dem Frühjahr, wo er gereinigt und mit Elsenschwärze geglänzt worden war, hatte er unbenutzt gestanden, und nun rauchte er natürlich so, daß man trotz der siebzehn Grad Kälte Fenster und Thüren aufreißen mußte.

Stor-Ola, der Knecht, schleppte lange Holzscheite in die Küche, und dann bearbeitete er draußen auf dem Beischlag des Hauptmanns alten Uniformrock mit Schnee und Bürste, denn es sollte nicht so aussehen, als ob Jäger sich für die Gelegenheit besonders fein angezogen hätte.

Das Fremdenzimmer wurde hergerichtet und ein Feuer angezündet, so daß es in dem dünnen Ofen knisterte und prasselte, die Fliegen an der Decke aus ihrem Winterschlafe erwachten, summend umherflogen und sich die Täfelung vor der Brandmauer bräunte. Jörgen bürstete sich seine Haare mit Wasser, und die kleinen Mädchen nahmen reine Schürzen vor, denn die Kinder sollten herunterkommen, die Gäste ebenfalls begrüßen und darauf achten, daß es am Spieltisch nicht an Fidibussen fehle.

Solange es das Zwielicht gestattete, spähten eifrige Augen aus den Fenstern hinaus, und Stor-OIa bahnte mit Schaufel und Besen einen Weg von der Einfahrt nach der Treppe durch den Schnee.

Inzwischen war es ganz dunkel geworden, und die Kinder lauschten mit laut klopfendem Herzen auf das kleinste Geräusch, das von der Heerstraße zu ihnen herausdrang. Ein Besuch war ein Ereignis für sie! Kam er doch aus der fernen, fremden Welt, worauf sich all ihr Denken und Sehnen richtete, von der sie so vieles hörten, was ihnen groß und abenteuerlich klang.

Horch! Schellengeläute!

Nein, Thinka hatte sich getäuscht.

Sie hatten sich gerade über diese Thatsache verständigt, als Inger-Johanna, die im Dunkeln am Fenster stand, dessen einen Flügel sie ein klein wenig geöffnet hatte, ausrief: »Aber jetzt kommen sie!«

Ganz recht, man konnte das Schlittengeläute jetzt deutlich hören.

Nun öffnete sich auch die Hausthür, und Stor-Ola stellte sich mit der Stalllaterne an der Treppe auf, um die Ankommenden zu empfangen.

Noch ein kleines Weilchen, und man hörte auch das Knirschen der Schlittenkufen.

Der Hauptmann setzte den Leuchter auf den Tisch im Gange und trat auf die Vortreppe hinaus, während die Kinder, die Köpfe dicht aneinander gedrängt, aus der halbgeöffneten Küchenthür guckten und den hinter ihnen knurrenden und winselnden Paßauf hinderten, hinauszustürzen und die Gäste anzubellen.

»Guten Abend, Rönnow, guten Abend, Herr Lieutenant – herzlich willkommen auf Gilje!« ertönte des Hauptmanns kräftige, muntere Stimme, während der Schlitten in den letzten Teil der Fahrbahn einbog und auf dem Hof vor der Haustreppe vorfuhr. »Seid herzlich willkommen, sage ich noch einmal.«

»Das ist ja eine Hundekälte, Peter, eine reine Hundekälte!« schalt eine hohe in Pelze gehüllte Gestalt, während sich das schwitzende Pferd im Geschirr schüttelte, daß die Schellen laut rasselten. Rönnow ließ die Zügel fahren und kletterte mit etwas steifen Beinen aus dem Schlitten. »Wir sind bis aufs Mark durchfroren, und die kleine Ratte, die sie uns statt eines Pferdes vorgespannt haben, wollte gar nicht vom Fleck – ich glaube, es ist ein Teckel, den sie uns gegeben haben, damit er uns durch die Schneewehen graben sollte. – Na, guten Tag auch, Peter! Deine warme Stube wird uns wohl thun. Wie geht's, wie steht's?« schloß er oben auf der Treppe und schüttelte dem Hauptmann die Hand. »Vergessen Sie den Flaschenkorb nicht, Herr Lieutenant!«

Während die Herren im Flur ablegten, den Kutscher bezahlten und Stor-Ola die Koffer hinauftrug, verbreitete sich aus der Stube ein Duft von Königsräucherpulver und rief dem Hauptmann Rönnow die Frau ins Gedächtnis zurück, deren Dasein er in der Freude des Wiedersehens seines alten Kameraden einen Augenblick vergessen hatte. Seine hohe, stattliche Gestalt blieb an der Thür stehen, und er zupfte sich die Halsbinde zurecht.

»Seh' ich denn anständig aus, Peter? So, daß ich mich vor deiner Frau sehen lassen kann?« sprach er und fuhr sich mit den Fingern durch das kurze, krause Haar.

»Gewiß, gewiß, du bist schön genug. Ein verflucht strammer Kerl, Herr Lieutenant! – Seien Sie so gut, meine Herren! – Hauptmann von Rönnow und Lieutenant Mein, Ma,« sprach er vorstellend, nachdem sie eingetreten waren.

Frau Jäger erhob sich von ihrem Platze am Tische, wo sie jetzt mit einem sauberen weißen Strickzeug saß. Den Hauptmann Rönnow bewillkommnete sie so herzlich, als es ihre steife Gestalt nur zuließ, während ihre Begrüßung des Lieutenants etwas weniger entgegenkommend ausfiel. Es war die Schwester des Stiftsamtmanns, der die Gäste ihren – »Saalam« gemacht hatten, wie Hauptmann Rönnow sich nachher ausdrückte – alte, vornehme Familie.

Die Hausfrau verschwand bald darauf, um für »ein kleines Abendbrot« zu sorgen.

Hauptmann Rönnow rieb sich die erfrorenen Hände, drehte sich ein paarmal auf einem Beine um sich selbst und pflanzte sich dann mit dem Rücken vor dem Ofen auf.

»Ich versichere dich, wir sind bis auf die Knochen durchfroren, Peter, aber ... ach, Herr Lieutenant, bitte, holen Sie doch den Flaschenkorb herein!«

Als der Lieutenant mit dem Korbe wieder eintrat, zog Rönnow eine versiegelte Flasche daraus hervor, ergriff sie mit zwei Fingern am Halse und ließ sie vor Hauptmann Jägers Augen hin und her schwingen.

»Das sieh dir 'mal an, Peter Jäger! Ganz genau, und dann erwarte ich, daß du deinem alten Kameraden gerührt um den Hals fällst. Echter Arrak aus Atschin in Vorder-, Hinter-, Ost- oder Westindien! Hiermit überreiche ich sie dir feierlich. Möge sie dein Herz schmelzen, Peter Jäger!«

»Heißes Wasser und Zucker, Ma!« rief der Hauptmann in die Küche. »Nun werden wir ja sehen, ob du uns Landleute mit deinen Geschichten aufziehen willst! Und dann an den Spieltisch – wir müssen Whist mit einem Strohmann spielen.«

»Brr, zum Donnerwetter! Was hast du denn da für Zeug im Tabakskasten, Jäger?« polterte Rönnow, der an den Rauchtisch getreten war, um sich eine Pfeife zu stopfen. »Das ist wohl Schnupftabak! Sehen Sie nur 'mal, Lieutenant, setzt uns der Mensch Wurmsamen aus der Kinderstube vor!«

»Was? Das ist Tidmands mit drei Kronen, alter Freund. Wir hier oben in den Bergen rauchen euren Virginia nicht,« entgegnete Jäger, während er den Spieltisch herrichtete. »Wenn du Blattkanaster und Bremer Rollentabak suchst, dann sieh nur ins andre Fach, da findest du alles. Die Sorte können wir hier oben nur den Böcken anbieten.«

Jetzt öffnete sich die Thür, die drei Töchter des Hauses traten mit ihrem kleinen Bruder ein und brachten Theebretter mit Gläsern und Kannen, worin sich das heiße Wasser befand.

Zuerst kam die große blonde Kathinka mit einem Theebrett voll Gläser, worin Theelöffel standen und leise klirrten. Sie versuchte das Kunststück, sich grüßend zu verneigen, während sie das Brett hielt, und wurde dunkelrot, als dieses bedenklich ins Schwanken geriet und der Lieutenant die Hand ausstrecken mußte, um es im Gleichgewicht zu halten.

Seine Aufmerksamkeit lenkte sich aber sofort auf die zweitälteste mit den dunkeln Augen und den langen Wimpern, die mit einer dampfenden Wasserkanne auf einem Tellerchen folgte, während sich die jüngste, Thea, mit der Zuckerschale schüchtern hinter ihr versteckte.

»Aber, lieber Jäger!« rief Rönnow überrascht aus, als er seines Freundes fast erwachsene Töchter erblickte. »Wo kommen denn die her? Du hast mir wohl einmal von ein paar kleinen Mädchen geschrieben und von einem Jungen, den du taufen lassen wolltest ...«

In diesem Augenblick kam Jörgen mit sehr entschlossenen Schritten durchs Zimmer stolziert, machte die schönste Verbeugung, die er zu stande bringen konnte, und riß sich dabei mangels einer Mütze an seiner gelben Stirnlocke.

»Wie heißest du?«

»Jörgen Winnecken von Zittow-Jäger.«

»Das ist aber schwierig. Du bist wohl ein richtiger Hochlandsjunge, he? Nun laß mich 'mal sehen, ob du ebenso hoch springen kannst, wie dein Name lang ist.«

»Nein, aber so hoch, wie meine eigene Kappe,« versicherte Jörgen, trat ins Zimmer zurück und zeigte seine Fertigkeit.

»Ein forscher Junge, der Jörgen!« – und damit hatte Jörgen sich genügend gezeigt und ward nicht weiter beachtet, aber während sich die Herren ihren Arrakpunsch brauten, hielt er seine Augen unverwandt auf Lieutenant Mein gerichtet. Dieser trug einen über den Lippen kurz gehaltenen Schnurrbart, der Jörgens Meinung nach aussah, wie ein nicht richtig in den Mund gelegtes Trensengebiß.

»Und nun, meine Kleine,« redete Hauptmann Rönnow diejenige der Töchter an, die an seiner Seite stand, »wie heißest du denn?«

»Inger-Johanna.«

»Nun hör einmal« – er sprach dies, ohne die Augen von ihrem Arme zu erheben, den er freundlich klopfte. »Ach, hör doch 'mal, meine kleine Inger-Johanna, in der Brusttasche meines Pelzes, der draußen im Gange hängt, stecken ein paar Citronen – ich dachte mir wohl, daß diese Frucht hier oben im Hochlande nicht wächst, Jäger – zwei Citronen ...«

»O, nicht doch,« rief der Lieutenant, aufspringend, »ich bitte, lassen Sie mich –«

Hauptmann Rönnow sah verwundert empor. Das dunkle, magere Mädchen, das aus dem ihm ziemlich kurz um die Beine hängenden Kleide herausgewachsen war, stand jetzt im vollen Scheine der Lichter vor ihm. Ihr fein geformter, blendend weißer Hals wurde durch das blaue, hausgemachte, etwas ausgeschnittene Kleid prächtig gehoben und trug das Köpfchen stolz mit einer schwanenartigen Biegung, und dem Hauptmann ging plötzlich ein Licht auf, weshalb der Lieutenant so zuvorkommend war.

»Bomben und Granaten, Peter!« rief er.

»Hast du das gehört, Ma?« fragte Hauptmann Jäger mit einem befriedigten Schmunzeln.

»Hier in dieser einsamen Gegend wachsen die Kinder leider sehr wild auf und lernen ihr Benehmen von den Dienstboten,« entgegnete Frau Jäger. ... »So mach doch nicht so 'n krummen Rücken, Thinka, halt dich gerade!«

Thinka reckte ihre lange Gestalt in die Höhe und versuchte zu lächeln. Sie war vorgestern in der Küche durch die Kellerluke gefallen und hatte nun die schwierige Aufgabe, das Pflaster zu verbergen, das eine Seite ihres Kinns bedeckte.

Bald saßen die Herren rauchend und jeder mit einem Glase dampfenden Arrakpunsches an der Seite bei ihren Karten. Auf dem Spieltische standen zwei Talglichter in hohen Messingleuchtern, zwei andre auf dem Klapptische. Sie gaben gerade genug Licht, daß man den Kalender, der unter dem Spiegel hing und einen Teil der hohen Gestalt der Hausfrau sehen konnte, wie sie mit ihrer fein getollten Haube dasaß und strickte. Die entfernter stehenden Stühle waren bei der im Zimmer herrschenden Dunkelheit kaum zu erkennen, ebensowenig der Ofen und die Küchenthür, aus der das Brodeln des Bratens hervordrang.

»Drei Trick, so wahr ich lebe! Drei Trick, und mit solchen Karten!« rief Hauptmann Rönnow im Eifer des Spieles. »Danke, danke,« fuhr er, zu Inger-Johanna gewandt, fort, die ihm einen brennenden Fidibus auf die ausgegangene Pfeife hielt. Er paffte dichte Rauchwolken in die Luft, während sein Auge wieder prüfend auf ihr haften blieb. Ihr Ausdruck war so lebendig, und die großen schwarzen Augen funkelten unter den langen Wimpern wie zwei dunkle Tropfen, während sie dastand und dem Spiele folgte.

»Wie heißest du doch gleich, meine Kleine?« fragte er zerstreut.

»Inger-Johanna,« wiederholte sie mit einem unterdrückten Lachen.

»Ach ja, gewiß – nun bin ich an der Reihe zu geben ... Ihre Tochter macht mir den Kopf warm, Frau Hauptmann! Ich hätte wirklich die größte Lust, sie mit mir nach Christiania zu nehmen. Die Frau Stiftsamtmann müßte sie 'mal sehen. Wir hätten rasendes Glück mit ihr, das versichere ich Sie. ... Na, endlich richtig gegeben – spiel aus!«

Mit der Hand auf ihres Vaters Stuhllehne gestützt, sah Inger-Johanna unverwandt in die Karten, aber in ihrem Antlitz stieg ein höheres Rot empor, und Rönnow blickte sie verstohlen von der Seite an.

»Ein Anblick für Götter – ein Anblick für Götter!« rief er aus, schob die Karten, die er eben geordnet hatte, zusammen und warf sie auf den Tisch. »Ich meine natürlich, wie der Lieutenant mit dem Strohmann umgeht. ... Sie verstehen mich doch, gnädige Frau?« Er nickte ihr bedeutungsvoll zu. »Donnerwetter, Peter! Das ist die richtige Karte zum Ausspielen. Nun sollt ihr 'mal sehen, was 'ne Sache ist,« fuhr er fort. »Trumpf, Trumpf, Trumpf und nochmal Trumpf!« Er warf eifrig vier hohe Treffs auf den Tisch, ohne darauf zu warten, daß die andern nachspielten.

Die Miene der Hausfrau, die dasaß und ihre geheimsten Gedanken so unbefangen aussprechen hörte, blieb unbeweglich.

»Es ist die höchste Zeit, Kinder,« sprach sie in gleichgültigem Tone, »daß ihr gute Nacht sagt, es ist Schlafenszeit für euch.«

Bei dem Befehl flog etwas wie Enttäuschung über die kindlichen Gesichter, aber der Gedanke an Widerspruch kam ihnen gar nicht in den Sinn. Sie gingen um den Tisch herum, machten ihren Knicks und reichten den Gästen die Hand. Mit dem letzten Blick sah Jörgen, wie der Lieutenant sich umwandte, einen langen Hals machte und den Mund aufsperrte, gerade wie es der »Schwarze« machte, wenn er aus der Stallthür guckte.

Frau Jäger mit ihrem Strickzeug richtete sich auf.

»Sie haben ja seinerzeit im Hause meines Bruders, des Stiftsamtmanns, verkehrt, Herr Hauptmann Rönnow,« sprach sie. »Die sind kinderlos und können wohl gastfrei sein. Gehen Sie auch jetzt noch zuweilen hin?«

»Ob ich noch zuweilen hingehe, gnädige Frau? O, gewiß, es wäre ja ein Verbrechen, wenn ich das unterließe. Haben Sie noch nie daran gedacht, eine Ihrer Töchter hinzuschicken? Die Frau Stiftsamtmann ist gerade die richtige Frau dazu, eine heranwachsende junge Dame in die Welt einzuführen ... und nun gar Fräulein Inger-Johanna!«

»Das wäre in der That ein unverhofftes Glück,« erwiderte Frau Jäger langsam, »aber wie können wir bescheidenen Landleute wohl so etwas von unsrer vornehmen, großartigen Schwägerin erwarten? Kleinliche Verhältnisse machen die Leute kleinlich, in großen ist das natürlich etwas andres oder sollte wenigstens etwas andres sein. Mein Bruder hat sie sehr glücklich gemacht.«

»Gut,« versetzte Hauptmann Rönnow. »Wollen Sie Ihrem alten Freunde gestatten, etwas für Ihre anziehende kleine Inger zu thun?«

»Nun, ich sollte meinen, Ma würde dir sehr dankbar sein, nicht wahr, gelt, Gilta? Uebrigens hat Inger-Johanna ihre Schönheit nicht von uns beiden geerbt, Ma!« meinte Hauptmann Jäger. »Aber Rasse steckt doch in ihr,« beeilte er sich hinzuzusetzen, als ihn ein strafender Blick seiner Gattin traf. »Ihre Urgroßmutter ist von der Königin von Dänemark nach Norwegen verheiratet worden, weil sie für den Kopenhagener Hof zu schön war. Das war deine Großmutter, Ma, Fräulein von ...«

»Aber, lieber Mann!« bat Frau Jäger.

»Ach was, Ma: mit der Zeit ist mancher Scheffel Sand über die Sache gestreut worden.«

Das bei dem vorstehenden Gespräche ins Stocken geratene Spiel kam jetzt wieder in Gang, bis die Hausfrau mit dem Strickzeug in der Hand an den Spieltisch trat, die Lichter schneuzte und ihrem Manne etwas ins Ohr flüsterte.

»Ja, gewiß, Ma! Freilich!« rief der Hauptmann und sah überrascht auf. »›Mein Kamel für dein Dromedar,‹ sagte Per Vangensten, da vertauschte er seinen alten, spatlahmen Gaul gegen ein Vollblutfohlen. ... Wenn du mir deinen Arrak von Holland und Hinterindien vorhältst, dann komme ich mit meinem Rotwein direkt aus Frankreich! Zwei Dutzend Flaschen hat mir mein Schwager, der Stiftsamtmann, damals im Herbst, als Jörgen getauft wurde, heraufgeschickt. ... Die zwei obersten links, Ma; am besten wäre es, wenn du Marit mit einer Laterne mitgehen ließest – und dann kannst du der Stiftsamtmännin erzählen, wir hätten hier oben tief im Schnee ihre Gesundheit getrunken.«

»Ja, Peter Jäger, für derartige Aufmerksamkeiten hat sie eine kleine Schwäche.«

Frau Jäger, die das Zimmer verlassen hatte, trat jetzt mit einem steif gestärkten Damasttuch auf dem Arme wieder ein. Hinter ihr kam eine der Mägde, die ihr helfen sollte, den Klapptisch in die Mitte des Zimmers zu rücken und zum Abendessen zu decken, und während dieser Zeit mußte der Spieltisch über den Gang in die gute Stube getragen werden, die jetzt warm geworden war.

»Hat das nicht Zeit, Ma, bis unser Robber zu Ende ist?«

Ma schien die Frage überhört zu haben, allein ihr Schweigen übte doch einen gewissen Druck auf die Gesellschaft aus; man fühlte, daß es ihre Ehre galt – den Kalbsbraten. Schweigend, aber mit einer gewissen Hast, spielten die Herren weiter.

»Na ja, Rönnow,« sprach Hauptmann Jäger endlich, als Ma mit dem Tischtuch stumm und unbeweglich mitten im Zimmer stehen blieb, »denn hilft das nun nichts; wir werden wohl aufstehen müssen.«


Im Schlafzimmer oben klopften ungeduldige Herzen.

Jörgen schlief bald ein und nahm das Bild seines Lieutenants in seine Träume mit hinüber, wie er, gerade wie der Rappe, das Maul aufriß, wenn dieser aus der Stallthür ins Tageslicht trat, aber die Schwestern schlichen auf den großen, kalten, finstern Gang hinaus, beugten sich übers Treppengeländer und starrten auf die Pelze und Tücher, die unten an der Wand hingen, und auf die Peitsche, die beiden Säbelscheiden und den Flaschenkorb, der von der auf dem Gangtisch stehenden Stalllaterne schwach beleuchtet wurde.

Der wohlbekannte Bratenduft stieg ihnen warm in die Nase, und sie sahen, wie die Gäste mit den Punschgläsern in der Hand und den flackernden Lichtern in die gute Stube gingen, sie hörten, wie der Klapptisch aufgestellt und gedeckt wurde, und dann drangen Gläserklingen, Lachen und lustige Stimmen zu ihnen empor.

Ueber jeden Laut tauschten sie ihre Meinung aus und suchten seine Bedeutung zu ergründen, und jedes abgerissene Wort wuchs sich in ihrer durstigen Einbildungskraft zu einer Geschichte aus.

Da standen sie in der Kälte, bis sie mit den Zähnen klapperten und ihre bebenden Glieder gegen das Treppengeländer stießen, so daß sie endlich wieder ins Bett krochen, um sich aufzutauen.

Das Geräusch der gerückten Stühle, als die Gesellschaft sich vom Tisch erhob, lockte Inger-Johanna und Thinka wieder auf den Gang hinaus.

Thinka hielt stand, weil Inger-Johanna stand hielt, aber endlich mußte sie klein beigeben, denn sie fühlte ihre Beine nicht mehr, und nun hing Inger-Johanna allein auf dem Treppengeländer, und wenn die Thür unten geöffnet wurde, dann hörte sie Offiziersnamen nennen, abgerissenes Lachen, kräftige Flüche und donnernde Beteuerungen und dazwischen ihres Vaters lustige Stimme – alles bruchstücksweise, denn jedesmal kam das Zufallen der Stubenthür dazwischen.

Als Inger-Johanna endlich auch wieder zu Bett ging, lag sie noch lange wach und dachte darüber nach, daß Hauptmann Rönnow sie zweimal nach ihrem Namen gefragt und dann am Spieltische gesagt hatte: »Ich hätte wirklich Lust, sie mit mir nach Christiania zur Frau Stiftsamtmann zu nehmen. Wir hatten rasendes Glück mit ihr!« Und dann hatte er nach einer Weile hinzugefügt: »Ein Anblick für Götter! Ich meine natürlich, wie der Lieutenant mit dem Strohmann umgeht.« Bildeten sie sich etwa ein, sie hätte nicht verstanden, was er gemeint hatte?

Der Wind stürmte und heulte um den Giebel des Hauses, er sauste und brummte durch den großen getünchten Schornstein draußen auf dem Gange, und sie hörte schon halb im Traume Hauptmann Rönnows: »Trumpf, Trumpf, Trumpf und nochmal Trumpf!«


Am nächsten Tage ging Ma freilich wie gewöhnlich mit dem Schlüsselbunde im Hause umher – sie hatte aber so gut wie gar nicht geschlafen.

Sie war in ihren Haushaltungssorgen vor der Zeit alt geworden, wie so viele andre »Mas«, alt vom Ertragen kleinlicher Nörgeleien, alt von Mühen und Beschwerden, alt durch die ewigen Versuche, mit wenig Geld viel auszurichten, alt vom sich beugen und krümmen, vom beständigen Bestreben, unbekümmert auszusehen, wo sie doch der einzige eigentlich sorgende Gedanke im Hause war.

Allein – »man lebt ja nur für die Kinder!«

Das war der Seufzer, worin Ma immer wieder Trost fand. Und die Zeit war noch nicht gekommen, wo die »Mas« sich die Frage vorlegten, ob sie es sich nicht selbst schuldig seien, ihr eigenes, persönliches Leben zu verwirklichen.

Für die Kinder war jedoch heute ein freier Tag, und gleich nach dem Frühstück kamen sie in die gute Stube gestürzt.

Da stand der Spieltisch wieder an der Wand, und die Karten lagen in einem unordentlichen Haufen auf dem zum Anschreiben benutzten Papier. Daneben lagen die drei Pfeifen, wie sie bei der vorläufigen Reinigung des Zimmers beiseite geschoben worden waren. Das eine Fenster stand noch offen, ungeachtet der Wind hereinblies, so daß es am Sturmhaken schütterte.

Etwas Eigentümliches schwebte über dem Raume, ein Duft, der an den Wänden zu hängen schien – angenehm war er gerade nicht – aber doch lag etwas darin, etwas, das von einem Ereignis sprach.

Draußen vor dem Fenster stand Stor-Ola und hörte Marits Erzählung zu, daß der Hauptmann Rönnow einen blanken halben Thaler als Trinkgeld oben in der Gaststube auf den Tisch gelegt habe und der Lieutenant zwei Schillingstücke unter die Lichtputzschere, und wie Frau Jäger das Geld unter die Mägde verteilt habe. »Der Lieutenant war nun gerade nicht sehr freigebig,« meinte Marit.

»Was du schwätzest! Weißt du denn nicht, daß ein Lieutenant gleich tot geschossen wird, wenn er ebensoviel gibt wie sein Hauptmann, Mädchen?« rief Stor-Ola hinter ihr her, als sie mit dem Mehltönnchen und dem Schlüssel zur Vorratskammer ins Haus eilte.

Den ganzen Vormittag konnte man aus dem Schlafzimmer des Hauptmanns lautes Schnarchen hören. Die Gäste waren gar nicht zu Bett gegangen, denn bereits um sechs Uhr morgens war der Schlitten vorgefahren. Nachdem die zweite Flasche indischen Arraks geleert war und sie sich mit einem kräftigen Frühstück für ihre Tagereise gestärkt hatten, waren sie abgereist.

Nun galt es aber, sich den freien Tag zu nutze zu machen! Die Schwestern lärmten mit ihren Schneeschuhen im Hausflur, und Jörgen versuchte das kühne Kunststück, die Flurtreppe hinabzuspringen. Hierauf ging es den steilen Abhang hinter dem Kuhstall hinunter, während die Shawls bei der lustigen Fahrt im Nacken flatterten. Einmal kam Inger-Johanna beim Springen bedenklich ins Schwanken und – nein, es gelang ihr, sich aufrecht zu halten.

Das kam davon, daß sie nicht auf ihre Füße, sondern zum Schlafstubenfenster hinaufgeblickt hatte, um zu sehen, ob ihr Vater sie bewundere. Er stand auch dort und zog sich an. Ma hatte endlich gegen Mittag den Mut gefunden, ihn zu wecken.

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