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Historie eines edeln Fürsten Herzog Ernst von Bayern und von Österreich

Unbekannte Autoren: Historie eines edeln Fürsten Herzog Ernst von Bayern und von Österreich - Kapitel 8
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Hie fuhr Herzog Ernst mit seinen Rittern von dem Land und kam des ersten gen Ungern, da empfing ihn der König mit allen seinen Mitbrüdern gar schön

Mittelalterlicher Holzschnitt

Zum Letzten, nicht ohne groß Zähren Vergießen, schieden sie sich von ihrem süßen Vaterlande, und kamen also des ersten gen Ungern. Da empfing der König von Ungern den Herzogen mit allen seinen Mitbrüdern mit großer Würdigkeit. Und entbot ihnen Zucht, Ehre und treue Freundschaft, und begabet sie nach dem, als seiner königlichen Majestät wohl gezam, mit großen Gaben. Und geleitet sie, mit seiner guten Sicherheit, durch den langen Wald, der da geht durch Bulgaren Land, durch seine besondern Geleitsleute und Voten, denen der Weg wohl kund und wissend war, bis in der Griechen Land. Darnach sie schier kamen gen Constantinopolim.

Der selbe Kaiser von Griechenland empfing sie auch außermaßen würdiglich, und hieß, sie durch seine Kämmerer und Amtleute genugsamlich fürsehen in aller Notdurft. Und er hätt Herzog Ernsten zumal hold, darum, daß er dem Römischen Kaiser, der ihn des ersten unverdienter Sache durchächtet, so kecklich und ritterlich widerstund. Und er ehret ihn allermeist um soliche seine Strenglichkeit. Also blieben sie zu Constantinopolim drei Wochen, denn sie mochten nicht gehaben Kiele, die groß genug und geschickt wären, eine soliche Menge und Heer des jungen Volks und ihrer Waffen und anderer Notdurft zu führen.

Zuletzt kamen unmaßen große Kiele, die von dem Kaiser von Constantinopolim mit Waffen und andrer Notdurft und Speise, die ihnen lange Zeit mochte klecken, überflüssig beladen wurden. Und wurden auch die Schiff und ihre Gerät wohlbewährten Schiffmeistern empfohlen. Und die zwo Schiffseiten versehen und wohl angeschickt mit guten Rennschifflin. Und die Häuslin oder Unterscheid, darein man den Kaufmannschatz beschloß, und die Ruderlöcher gemacht, und die Sitzstühle, darauf die Schiffleut saßen. Da ward auch aufgericht der Mastbaum zur Aufentfaltung der Windfahnen und gar stark eingesteckt in sein Untergerüste. Darnach ward die Wetterfahn oben an die Helmstang geheft, und darzu bereitet eine Winde mit allen notdürftigen Stricken, die oben zwiefach gingen durch der Winden Löcher, und unten waren zween zusammen gefügt, darin der Windbaum umging. Auch wurden dar geschickt die Stühlruder und Steuernagel, die Haken, darmit man die Schiffstricke an dem Gestad heftet. Item: die Anker, das sein eisern Zahn oder Pfähl, darmit man das Schiff heftet in Meeres Nöten. Und sonst viel Gezeugs, darmit das Schiff geführt wird und zugeschickt zu dem Gestad. Und große Segelfahnen, der ein groß damitten in dem Kiel an das Riegelruder geheft war, und der ander, der geheft war an das Hinterteil des Schiffs, und der dritte an dem Anfang des Schiffs. Auch wurden die Seiler bereitet, darmit sich die Schiffleut behulfen in Ungewitter, und auch das Seil, darmit das Vorderteil des Schiffs wird an das Hinterteil in Nöten gebunden. Item: ein Strick, darmit das Riegelruder an den Segelbaum gebunden wird, und der Strick, darmit man das Schiff an dem Gestad an den Pfahl bindet. Auch ein leinen Seilin mit einem bleien Kügelin, mit dem man des Meeres Tiefen bewährt.

Die und viel anders Fürgezeugs, uns unbenennlich und unbekannt, wurden getragen in Herzog Ernsts und seiner Mitbrüder Schiffe. Und Griechen gesellten sich zu ihnen mit ihren Kielen, die mit brüderlicher Gesellschaft die Wallfahrt mit ihnen wollten fahren. Da band man also zuletzt das Regierfähnlein an, und da Herzog Ernst und die Seinen dem Kaiser der Griechen großen Dank sagten um viel Gutheit, Zucht, Ehre und liebliche Freundschaft, die er und die Seinen ihnen erzeigt hätten, da wurden sie aber von ihm begabet mit übergroßen Gaben.

Mittelalterlicher Holzschnitt

Also empfahlen sie sich, und was ihnen zustand, dem Allmächtigen GOTT, und lösten ab die Stricke an dem Gestad und breiteten hoch auf die Segelfahnen, und fuhren fröhlich dahin über das Meer. Aber sie hätten nicht lange Tag Freude. Denn nach fünf Tagen erhub sich zumal ein groß Ungewitter auf dem Meere, darvon die ganze Sammlung der Schiffe ward niedergezogen. Und ertrunken und verdurben da zwölf Schiffe, mit denen auch die zarte edel Jugend der Griechen, die sich dem Herzog Ernsten um seine Frömmigkeit hätten zugesellet, untergingen und ihren letzten Tag endlich so beschlossen. Aber des Herzogs Kiele und die, die sich in deutschen Landen brüderlich zu ihm vereint und gesammelt hätten, die wurden auf des grimmen Meeres Ungestümigkeit hin und her geworfen. Also, daß er, mitsamt seinen Mitbrüdern und Rittern, unaussprechenlich und unleidentlich, und von des Ungewitters Kraft, stetiglich Tag und Nacht viel Übel litt. Und zeiget das Schiff ihren Augen stetigen verderblichen Untergang. Noch war ihnen, über das alles, gemehrt ein groß erbärmlich Übel, das sie mit Trauern erfüllet: daß sie ihre treuen Gesellen und Mitbrüder, so kläglich in dem Meer ertrunken, hätten verloren. Zum andern Mal: daß sie itzo viel Bruch und Mangel hätten an Speis und Leibes Nahrung, die ihnen itzo anhub zu zerrinnen. Und als denn in solichen letzten ängstlichen und mannigfaltigen Nöten gewöhnlich ist, da riefen sie an, mit ganzer herzlichen Andacht, des Allmächtigen GOTTes Hilfe. Da sah GOTT der Herre von der Höhen der Himmel an ihr demütiges Flehen und erhöret sie mit Seiner Gnaden Hilfe in ihren ängstlichen Nöten.

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