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Historie eines edeln Fürsten Herzog Ernst von Bayern und von Österreich

Unbekannte Autoren: Historie eines edeln Fürsten Herzog Ernst von Bayern und von Österreich - Kapitel 6
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Hie reitet Herzog Ernst zu dem Fürsten, Herzog Heinrichen von Sachsen, und klaget ihm seine anliegende Not

Mittelalterlicher Holzschnitt

Darnach, unverzogenlich, ritt er zu dem Fürsten, Herzog Heinrichen von Sachsen,, von dem er, mit seinen Dienern, gar gütiglich als billig war empfangen und gehandelt ward. Zu dem er in seiner Kemnaten heimlich, mit fließenden Zähren, sprach: »O des Geschlechtes und tugendreicher Sitten durchleuchtender Fürste und liebster Herre, zumal eine große schädliche Not bezwingt mich zu bitten und zu suchen – GOTT wöll, daß ich erhört werde! – eure tugendsame, übertreffende fürstliche Gnad, um viel Unrechts und schädliches Übels, das mir von Kaiser Otten ohn alle verdiente Schuld geschieht, des Auslegung und Ursache eurer Lieb gar zu lang wäre zu hören. Des auch nicht not ist, seit es oft, nach gemeiner Landes Umrede, euere Ohren berührt hat; und auch itzt er selbst, mit großem Volke und Macht, meine Stadt Regensburg umgeben hat, und viel meiner besondern Bürger und Diener itzo erschlagen. Darum, mein edelster Herre und hochgeborener Fürste, als eurer Weisheit wissend ist, wie genehm und trostlich sei eines bewährten Arztes Rat und Hilf in schwerer leiblicher Krankheit, also ist auch einem jeglichen Herzen Freude seines Freundes hilfliches Zuspringen in ängstlichen Nöten Gutes und der Ehren. Hierum, edler Fürste, erzeiget scheinbarlich an mir in meinen unleidentlichen Nöten die Klarheit eurer übertreffenden Tugend, und reicht mir freundlich die Hand eures Rats und Hilfe, soviel, daß ich, unter gutem Schirme eurer sichern Begleitung, möge kommen in meine Stadt Regensburg und wieder heraus an meine Wahrung, zu vermahnen meine Bürger von Aufgebung der Stadt, doch daß ihnen der Kaiser, mit Lebens Fristung und Sicherung, vergünnte, mit ihnen zu nehmen, was und wieviel ihrer jeglicher einsmals Gutes und ihrer besten Kleinod tragen möge.«

Mittelalterlicher Holzschnitt

Soliche seine ängstliche Not und demütiges, fleißiges Gebet sah treulich an Herzog Heinrich von Sachsen; und von Stund an sammelt er allenthalben fünf tausend guter streitbarer Mannen. Mit denen allen er bietlich schuf, bei seinen Gnaden und Hulden, daß sie sich ließen treulich befohlen sein Herzog Ernsten, und ihn, mit Bewahrung nach allem ihrem Vermögen und mit ihrem Schirme wider des Kaisers und der Seinen, auch Jedermänniglichs Willen und Widerstreben, strenglich begleiteten und einführten gen Regensburg, und wieder heraus, und darnach an den Ort seiner sichern Bewahrung, als ob er es selbst wäre.

Er ritt auch selbst vor ihnen mit dar, und kam zu dem Kaiser Otten, von dem er, und von allen Fürsten und Herren, die um die Stadt lagen, zumal ehrlich empfangen ward. Aber da, durch gemeiner Leut Sage, der Kaiser und die Seinen vernahmen des Herzog Ernsts Zukunft, da hub sich ein übergroß Gestöber, und warf der Kaiser, mitsamt seinem Volke und Dienern, rasch ihren Harnisch an und empfingen ihre Waffen.

Als das Herzog Heinrich von Sachsen sah, da erschrak er etwas sehre, und hätt ihn nun gereuet, daß er so balde und unfürsichtiglich zu dem Kaiser war kommen. Doch verhehlet er solich sein Erschrecken und redet soliche listweisen Worte:

»Der groß Auflauf und Ungemach
des Volks ist gar ohn redlich Sach;
wir sind doch all itzt hergeritten,
zu dienen dem Kaiser nach Adels Sitten.
Wir halten gut Fried, ohn Feindschaft gar,
daß aber herkommt dieser Ritter Schar
mit trotzem Mut, die man nun sieht,
sind mein, und Herzog Ernstes nicht.

Hierum, mein gnädigster Herre, der Kaiser, von besonderer Hoffnung eurer tugendlöblichen milden Sanftmütigkeit, und von meinen viel manichen fleißigen Diensten, die ich dem Kaisertum oft erzeiget hab, so hab ich Herzog Ernsten mit Sicherheit wollen begleiten in seine eigene Stadt Regensburg, daß er seinen Bürgern und Untertanen rate, sich an eure kaiserliche Gnad zu begeben. Darnach er unter meinem Schirme wieder zöge in seine Wahrung. Und bitt demütiglich die Augen eurer kaiserlichen Klarheit, mir Soliches ohn Übel, mit eurer guten Gunst und Willigkeit, ohn Widerdruß und ohn meinen Schaden zu vergönnen.«

Wider solich sein Gebet setzten sich mit zornlicher Gebärde die stolzen Hofleute und jungen frechen Diener des Kaisers allgemeine; darum Herzog Heinrich von Sachsen zornlich von ihnen scheiden wollte. Doch gebot der Kaiser Otte ein gemein kurz Schweigen und sprach in Zornes Mute zu dem Herzogen von Sachsen: »Herzog Heinrich, soliche begleitliche Führung ist gar sehr von dir zu fürnehm und sehr zu gefährlich, und ist dem Heiligen Reiche und Uns und Unseren Dienern allzumal zuwider und unehrlich. Wann soliche Begleitung bedeutet nicht Fried und Sühne, fondern mehr streitliche Widerwärtigkeit. Denn der Schuldiger des Reichs, Herzog Ernste, als er vor meinen liebsten Freund, Heinrich Pfalzgrafen, an meiner Seiten wider kaiserliche Freiheit mordlich erwürget und erstochen hat, und dem ich durch Flucht in eine Kapelle kaum entwich, daß er mich, nach seinem Fürsatz, nicht ertötet, also meinet er auch itzo, durch Hilf so viel reitenden Gezeugs, mit dem er umgeben ist, wider mich und die Meinen zu fechten, und zu Schirme seiner Stadt streitlich Hand anzulegen.«

Das sprach er, und mit zornlichen Augen sah er um nach den Waffen, darvon ohn Verziehen kamen seine Diener mit großer Menge und freislicher Macht zu ihm. Da das der Herzog von Sachsen sah, da nahm er und seine Diener einen kurzen Urlaub vom Kaiser, und schieden in Unwillen und Widerdruß von ihm.

Als nun die freche Jugend der Bürger in der Stadt auf der Mauer sahen, daß solicher Zulauf zu dem Kaiser war seiner gewappneten Diener, als ob sie wollten streiten oder stürmen, und sahen auch Herzog Heinrichen von dem Kaiser eilen, den sie nicht bekannten, da wappneten sie sich rasch an und eilten mit strenglicher Mannheit heraus für das Stadttor mit ihrem Banner und mit kecker Großmütigkeit. Und ohn Zweifel hatten die umlegten Bürger großen Mord und Mannschlacht an des Kaisers Heere da begangen, hätt der Kaiser, von der Weisen Rate, nicht eine Frist und längern Frieden des Kriegs da angestellt. Denn ihm sagten seine Räte, geschähe, daß der Herzog von Sachsen sich gänzlich vereine mit Herzog Ernsten und mit denen von Regensburg, von solicher ihm verheißenen Begleitung wegen, die ihm der Kaiser mit zornlichem Widersprechen nicht vergönnen wollte, so würd der Kaiser und die Seinen groß schädlich Übel davon empfahen.

Mittelalterlicher Holzschnitt

Darum hieß Kaiser Otte, ohn Verziehen, bald herwieder berufen Herzog Heinrichen von Sachsen und redet, als mit gesänftem Mute, soliche hübsche Worte mit ihm und sprach: »Lieber Herzog Heinrich, all Fürsten, meine Räte und Diener, haben dich von Herzen zumal hold, und raten mir, daß ich dir zu Willen werbe und vergönne, die Begleitung und Einführung zu vollbringen, die du Herzog Ernsten, Unserm und des Reiches Feinde, verheißen hast. Darum, edler Fürste, folg nach in Tugenden deinem Vater selig, und gedenk, zu halten deine treue Freundschaft gegen Uns und dem Reiche unbeschwächt, als wir die unverfrevelt und unzerbrochen an dir wollen halten.«

Also verhieß der Herzog von Sachsen dem Kaiser mit großer Dankbarkeit und Freuden, ihm seine Treue wieder wollen zu halten. Und er hieß da die Seinen, Herzog Ernsten, ohn Furcht und mit des Kaisers Wissen, Gunst und Willen, begleiten und gen Regensburg einführen, des Herzog Ernst zumal froh ward.

Und er ward von seinen Bürgern mit genähmem Fleiße gar treulich und schön empfangen und von ihnen gefragt, wo die aufrüstliche Ritterschar wäre, die sie vor, außerhalb der Stadt um, in Glanz und Glitzen hätten gesehen. Da antwortet er mit Seufzen und sprach: »Sie gehören nicht unter meine bietliche Herrschaft, aber sie sind Untertan und Diener Herzog Heinrichs von Sachsen, der sie mir in Treuen, zu meiner hilflichen Wahrung und sichern Begleitung herein zu euch, geliehen hat, die außen meines Wiederkommens warten.«

Als sie das hörten, da ward ihnen Trauern mit Traurigkeit gemehret, dann sie hätten Hoffnung in ihre Hilf gehabt. Zum Letzten, als ihm die Bürger erzählten mannigfaltigen übeln Schaden und Todschlag ihrer Mitbürger, da beweinet der Herzog soliche ihre große Bekümmernis und Mißhandlung mit herzlichem Mitleiden. Und sprach mit jämmerlicher Reue, mit kläglicher Stimme und weinenden Augen: »O ihr meine aller treuesten Freunde, der Wille, euch zu erlösen von solicher euch anliegender Bekümmernis und erbärmlichem Wesen wär gar ein guter in mir, aber die Möglichkeit zerrinnet mir. Darum rate ich euch mit guten Treuen, daß ihr begehret von dem Kaiser Fristung euers Lebens und fahrender Habe und besten Kleinod, als viel euer Jeglicher eins getragen möge, und daß ihr ihm die Stadt aufgebet. Darmit ich euch und alles, das euch zusteht, empfehl unter den Schinn des Allmächtigen GOTTes.«

Das redet er kurzlich, und schied sich kläglich von seinen traurigen Bürgern und von hübschen, zarten und herzbetrübten weinenden Frauen. Und kam mit großem Jammer wieder für die Stadt, da die Sachsen sein warteten, und ritt, größlich betrübt, mit ihrer Hilfe und Schirme wieder in seine Wahrung.

Mittelalterlicher Holzschnitt

Und da nun der Kaiser sah, daß die Stadt, die itzo drei Monat beschlossen war, ohn Sturmzeuge und ander soliche Stiftung nicht mocht genommen werden, da hieß er, allenthalben abhauen große Wiesbäume und eichen Blöcke und Reiser. Daraus ließ er machen und bauen Gerüste, Bergfriede und ander listige Funde, die an ihrer Höhe gleichten der Stadtmauer, darauf ihre Schlingen, Geschosse und dergleichen.

Und mit großem Mute setzten das des Kaisers Diener in den Stadtgraben.

Darwider versuchten die Bürger, soliche ihnen schädliche Stiftung abzubrechen und zu verbrennen. Doch mochten sie das nicht zuwegen bringen, dann des Kaisers Helfer hätten gar viel Wehren und Gezeugs abgeworfen und zerstört, die die Bürger außerhalb der Stadtmauer hätten, ihnen zur Wehre, gesetzt und gebauet. Davon die von Regensburg großes Ungemach empfingen, des sie sehre erschraken. Und begehrten da einmütiglich, nach ihres Herrn, Herzog Ernsts, Rate, Fried und Sühne von dem Kaiser, das sie von Stund an erwurben. Und also darnach, mit Sicherheit ihres Lebens und Austragen ihrer besten Kleinod, als viel ihrer Jeglicher eines getragen mocht, ergaben sie sich ganz.

Mittelalterlicher Holzschnitt

Und übergaben dem Kaiser die Stadt mit aufgeschlossenen Toren, daraus sie auch gingen mit herzlichem Jammer. Also besetzt sie der Kaiser bald wieder mit seinen Dienern und Lehensherrn, Amtleuten und Bürgern. Und nahm mit sich die übrige Menge des Volkes, des noch gar viel war, und auch die Gezelte. Und verbrannte vor alle Gerüst, Stiftung und streitliche Wehre, die die Seinen hätten vor der Stadt von seinem Heißen gemacht. Und ritt also fürbaß in Herzog Ernsts Land mit zornlichem Mute. Und nach viel Lobpreisung und kecklicher Vermahnung, die der Kaiser tat seinem Volke, die ich hie von Kürz wegen nicht beschrieben hab, da begabt er sie alle nach kaiserlicher Mildigkeit mit besondern Gaben, und teilet das Volk alles in drei Teile.

Den einen Teil tät er untertan Einem, seinem Hauptmann, den er, mitsamt dem Heere, sendet gen Österreiche; und schickt den andern Teil mitsamt dem Andern, seinem Fürsten, an die Ende, da die Donau fließet, die dem Herzog Ernsten zugehörten, daß sie die sollten kriegen, rauben, brennen und sie mit anderm schädlichen Zugreifen zwingen und verderben. Er nahm auch selbst den Dritteil des Volks mit sich und zog an die Gegenden, die an dem Leche liegen, die er mit Orloge und mit anderm Bösen schauerlich schädigt, schwächt und verderbet. Denn die kaiserliche Vernunft hält strengliche Schwermütigkeit mit weislichem Maß.

Und geschah also, daß Herzog Ernsts Güter, väterlich Erbeigen wurden zugeeignet und gezogen in des Kaisers Gewalt und Schatzkammer, der ihm seine Städte abgewann und zerbrach, seine Dörfer verbrannte und ihn gewaltiglich seiner Schlösser und Besten beraubte, die er mit seinen Dienern besetzet. Und also, doch nicht ohn große Schädigung seines Volks und Kaisertums, verderbet er Herzog Ernsten ganz und gar. Der auch, mitsamt seinem getreuen Freunde und Grafen Wetzel und anderen seinen Dienern, die auch groblich an dem Gute waren verderbt, und die, als die freidigen Leuen, starkmütig und keck waren, dem Kaiser seine Herrschaft, Güter und Volk minderten mit Mannschlacht,Rauben und Brennen, also, daß sie ihm auch etliche Schloß und Städte abgewannen und verdarben. Und verkauften also ihre unverdiente Kümmernis und schädliche Anfechtung Leibes und Gutes um manches edeln Fürsten Tod und anderer, ihrer Feinde, Blut Vergießen.

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