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Historie eines edeln Fürsten Herzog Ernst von Bayern und von Österreich

Unbekannte Autoren: Historie eines edeln Fürsten Herzog Ernst von Bayern und von Österreich - Kapitel 4
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Hernach folget, wie Herzog Ernst ohn alle Schuld durch Heinrichen, einen Pfalzgrafen, falschlich gegen dem Kaiser dargeben und verraten war

Mittelalterlicher Holzschnitt

Denn es geschah, daß Einer, des Kaisers innerster Rat, mit Namen Heinrich Pfalzgraf, anzündet den Ofen seines falschen Herzens mit dem Feuer des Neides und Hasses, ohn alle Ursache und Wahrheit. Und begunnt, durch wahre Lug, arbeiten und gegen dem Kaiser falschlich verklagen den getreuen Fürsten, Herzog Ernsten. Mit solichen Worten: »O ein gemeiner Vater dieses Kaisertums«, sprach er, »an dem, nach Gott, mein größte Hoffnung liegt, ich habe etliche heimliche und wunderliche, aber gar böshaftige Übeltaten an euer kaiserlichen Majestät Fürsichtigkeit zu bringen. Der ungetreue Herzog Ernst, den ihr an eures Sohnes statt liebhabet und an euerm Hof und Reich zunächst nach eurer Majestät, vor allen andern treuen Herren und Räten, ehret, der betrachtet ohn Zweifel früh und spat, euerm süßen Leben den scharfen Tod zu tun, auf daß er ohne Mitgenossen euer kaiserlich Reich allein möge erblich besitzen. Und es sei auch denn, daß euer kaiserliche Majestät in Kürze das Geschoß seiner Böswilligkeit fleißlich aufhalte und widerwende durch den Schild eurer bescheidenen Fürsichtigkeit, sonst geschieht, daß er durch den Bogen seiner Untreue euch hinterlistig treffen wird.«

Darwider sprach Kaiser Otte: »Mein lieber Bruders Sohn, diese fürgelegten Worte von dir sind zumal schwer und hart zu hören, und wenn mirs ein anderer sagte ohn dich, von meinem allerliebsten Sohne und getreuen Fürsten, so möcht und wollt ich sie nicht glauben. Aber ich hielte sie ganz für offenbar falsch erdachte und lugenliche Worte, und gäbe auch einem keinen andern Lohn um soliches Fürbringen, denn Abschlagen seines Hauptes. Denn durch die Sache gebührt mir zwiefaltiger Schade und großes Übel. Des ersten, Mißhellung und Uneinigkeit meines liebsten Sohnes und getreuesten Fürsten, zum andern Male unwilliges Leid meiner herzliebsten Frauen, der Kaiserin, so ich etwas wider ihn tun soll. Doch ist alles Trauen nicht allzeit sicher, darmit wir oft betrogen werden. Darum will ich vernichten und erstören seine schalkhaftig böse List, die ich von keiner andern Person glaublich aufnähme noch achten wöllt, denn von dir, meinem getreuen Freunde. Und ich will das gläsern und zerbrechlich Lob und Gunst, die er von mir hat, demütigen und niedern, denn um ihn wird fröhlich hallen mein blutiges Heerhorn.« Da sprach zu ihm der unwürdige falschratende Graf mit vergifter Zungen: »Mein gnädiger Herre, so es euch ein Gefallen ist, so vernehme euer Hochwürdigkeit zur Rächung solicher großen Missetat meinen treuen Rat. Diese Sache mag weder Rates noch Macht erwarten, und mag, um große Übel zu vermeiden, nach Vernunft nicht wohl gehandelt werden. Denn darinne möchten anstellige Wege gefunden werden, die endlich euern Gnaden und dem Heiligen Reiche zu bärlichem großem Schaden gemehret würden. Und das rede ich darum, daß ich euch bewahre und sicher mache gegen unser Frauen, die Kaiserin, zu der euere herzliche Lieb allzeit treulich wachend ist, daß euer Fürsichtigkeit ihr soliche, von mir heimlich verkündte Sache nicht zu wissen tue. Denn sie würde euern Sohn wider euch warnen und darmit stärken, von großer Lieb wegen, die sie in mütterlicher Treue zu ihm hat, mehr denn zu euch, nach aller Frauen Leichtmütigkeit. Aber heißet mir, durch euer bitlliches Schaffen, einen zierlichen Zug zusammen bringen, und übet wider ihn die wohlverdiente Durchächtung. So will ich ihm, nach Maß seiner schuldigen Missetat, rechten Lohn erwidern.«

Solichem falschem Rate des Pfalzgrafen war der Kaiser unweislich folgen. Und brachte in kurzer Frist zusammen einen herrlichen Zug viel guter, streitbarlicher Ritter, mit denen er ihn, als einen Hauptmann, ohn Wissen der Kaiserin und seiner Räte, sendet, zu rächen solich falschlich dargegeben Übel an dem unschuldigen getreuen Fürsten, Herzog Ernsten. Des rühmet sich seiner schalkhaftigen Gewalt der übelmächtige Pfalzgraf, und mit Orlog, mit Rauben und mit Brennen und andern solichen Übeln wüstet er großmanigfältig das Land zu Österreich, das zu den Zeiten als rechtes Erbeigen zugehöret Herzog Ernsten. Und ohn ihres Herren Wissen berannte und besaht er auch die Stadt zu Babenberg mit großer Macht. Aber die Bürger, wiewohl sie sehr erschraken von solicher unbewarnter Besetzung, so empfingen sie ihre unbegehrten und unwerten Gäste gar unwilliglich. Und etliche, die sie vor unwissentlich beherbergt hätten in der Stadt, die itzo heimlich und offenlich wohlgewappnet, mitsamt dem äußern Heere, sie beschädigen wollten, der erschlugen sie gar viel zu Tode.

Da sie aber erkannten, daß soliche böse und unbeschuldte Übergewalt an ihnen geschah durch Heinrichen, den Pfalzgrafen, von des Kaisers Gebots wegen, da begunnten sie durch gewisse und behende Botschaft, ohn Verziehen, alle Sach ordentlich und grundlich ihrem Herrn, Herzog Ernsten, des sie waren, zu verkünden, und ihn fleißiglich bitten, daß er, als ihr Herre, treulich mit Eilen ihnen wöllt zu Hilf kommen.

Als ihn nun der Bote an viel Enden gesucht und ihn zum Letzten gefunden, und solich erschreckenliche Botschaft ihm verkündet hätt, des erschrak der Herzog mit großem Verwundern, wie oder mit was Sache er die klaren Augen kaiserlicher Majestät betrübt hätte. Und sprach mit weinenden Augen: »Nun bezeuge ichs mit GOTT, dem alle Herzen kund offenbar sind, daß ich, des Kaisers Ehre zu mehren und seines und des Reiches Frommen zu fördern, allen meinen Fleiß und ganzes Vermögen bisher hab getan, als ob er mein leiblicher Vater wäre. Und ich hätte eines Bessern von ihm gehoffet, denn ich doch meinet, daß ich verdient hätte.«

Und ohn Verziehen hätt er seine Heimlichkeit mit seinen Räten, was ihm in den Sachen zu tun wäre. Nun hätt er noch viel andere Schloß und Städte, die von des Kaisers Dienern noch nicht waren besessen noch bestritten. Zu denen sandte er nach Rat von Stund an seine Warnung und Diener, darinne er mit den Seinen, ob ihm des Not würde, Aufenthaltung und Zuflucht möchte gehaben.

Und sammelt in eines Leuen Mut
mehr denn drei tausend Ritter gut,
die furchtsam waren des Kaisers Schar
und trostlich der Stadt und kamen dar.

Und zu morgens vor Tag überrannt er die ungewarnten Feinde, und nahm ihrer keinen gefangen, sondern ohn Barmherzigkeit ertötet er sie, denn als viel ihm mit schmählicher Flucht kaum sieglos entronnen, mit denen der falsche Graf entwich. Also ward er seinen Bürgern wiedergeben, und von ihnen mit Fleiß und Treuen, doch gar kurzlich gegrüßet und empfangen.

Wenn wiewohl der Pfalzgraf Heinrich die unbegehrte Zukunft Herzog Ernsten groblich durch manichen Todschlag seiner Mitgenossen hätt empfunden, doch von Scham wegen nahm er an sich Manns Mut und sammelt die wieder, die mit Flucht dem Tod vor kaum entronnen waren. Und schicket sie ordentlich nach Streites Sitten, und gab sich wieder, großmütiglich zu streiten wider den Herzogen und die Städte. Desgleichen nahm der junge Herzog Ernst die dargebrachten Ritter, mitsamt den Bürgern zu Babenberg, die er auch zumal weislich ordnet und fürsichtlich anschicket, als sich zu Solichem gebühret. Und gar kurzlich, aber mit weiser Fürsichtigkeit, mahnet er die Seinen, kecklich zu fechten. Und zog mit ihnen aus der Stadt, dem Pfalzgrafen entgegen, als der ander fürstlich Judas Machabäus; und als ich sagen soll, so lag der Sieg zu beiden Seiten lange auf der Zweifelung. Doch zum Letzten, als sich das von Göttlicher Gerechtigkeit gebühret, behub Herzog Ernst mannlich den Sieg, doch nicht gar ohn große Schädigung seines Volkes: davon er und die Seinen, um soliche behabte Überwindung, zumal und billiglich gar froh waren, auch wohl belohnet von der Beute.

Und also kam aber der Pfalzgraf gar mit wenig seiner Diener zum andern Mal darvon mit schandlichem Leben, das er durch schmähliche Flucht gefristet hält. Und kam zu Kaiser Otten, und fiel ihm zu Füßen, und er mocht ihm seine Lasterklage vor weinendem Seufzen kaum und hart erzählen. Darwider der Kaiser ward gröblich entzündt mit freislichem Zorn, und drohet Herzog Ernsten und allen den Seinen den bittern Tod und Vertreibung des Landes. Und verhieß mit Gelöbnis, würde ihm das Leben verliehen, so wollt er solich ihm zugezogenen Schaden und unehrlich schändliche Sachen nicht ungerochen lassen.

Und da Herzog Ernst sah soviel Übels und Schädigung, die ihm an seinen Städten, Schlössern, Dörfern und Straßen durch kaiserliche Gewalt geschehen, und etliche ihm ohn Widersagen abgenommen und itzt von des Kaisers Dienern besetzt waren, da sandte er seinen strengen und fürsichtigen Boten zu dem Kaiser, der ihm weislich, mit seiner Entschuldigung, fürleget solich seine unverdiente Widerwärtigkeit.

Der Bot kam kurzlich dar gerannt,
da er den Kaiser Otten fand;
als das der Kaisrin ward bekannt,
daß ihn ihr Sohn hätt dar gesandt,
ein'n solchen Rat ihr Herz erfand:
Sie entbot dem Boten je zuhand,
daß er nicht ritte aus dem Land,
bis sie des Kaisers Meinung kannt'.

Also verhehlet die Kaiserin durch ihr fröhliches Antlitz ihre groß ängstliche Betrübnis und ging ein zu dem Kaiser. Und nach viel anderer Umrede fand sie Hübschlich Ursach, von ihrem Sohn, Herzog Ernsten, zu reden. Und hub also mit kläglichen Worten an und sprach: »Mein allerliebster Herre, der Kaiser, durch die Liebe GOTTes, des obersten Kaisers, und meiner Huld, begehre ich von eurer hochwürdigen Majestät demütiglich zu wissen, mit was freventlichen Sachen und Schuld mein liebster eingeborner Sohn die Augen euerer klaren Majestät betrübt und geletzt habe, daß ihr das selb, des ersten um GOTTes Lieb und Ehre, und darnach um meiner herzlichen Gebitte willen, ihm wollt vergeben. Oder daß ihr doch, nach Inhalt weltlicher Rechte, eine gemeine Sammlung derFürsten und Herren, mitsamt meinem Sohne, berufet. Habe denn eure mächtige Gnad was billiger Sache wider ihn in klagweis fürzubringen, derselben er sich nach allen Rechten nicht genugsamlich nach Notdurft möge versprechen und entschuldigen, daß ihr denn, nach strenger Gerechtigkeit und gemeinem Urteil der Fürsten und Herren, wider ihn Rachsal und Genugtun gänzlich von ihm fordert.« Der Kaiser, mit scheußlichem Antlitz, das er etliche Zeit gegen der Erden neiget, sprach zu ihr mit scharfem Zorne: »O Frau Kaiserin, ich habe dich zumal hold, aber deiner Gebitte widersprech ich gänzlich; denn ich han festiglich und endlich in mein Herz gesetzt, daß dein Sohn an mir nimmer mehr kein gute Gnad noch Willigkeit erfinden soll, seit daß er, als ich von Einem, meinem innersten Freund und Rat, in Treuen vernommen hab, um Besitzung des Reichs meinem Leib und Leben ein unvorsichtiges Ende vermeint zu geben, dem ich mich, als ein treuer Vater, in allen Sachen mit Fleiß erzeiget habe.« Da nun die Kaiserin vernahm so großen unmäßlichen Zorn des Kaisers, da schied sie mit Leide von ihm.

Und ging bald in eine Kammer, und fiel ganz zu der Erden, und rief an mit ganzer herzlichen Reue und inniglicher Andacht GOTT, der aller Betrübten Helfer ist in allen Nöten und Bekümmernis, und sprach also: »O du Kaiser aller Kaiser, den Zacharias, der alte Prophet, mit lieben Augen bezeichnet hat, in dem sein beschlossen die sieben Gaben des Heiligen Geistes, wiewohl ich eine Sünderin bin, doch bitt ich dich, tu mir zu wissen, wer meinen lieben Sohn gen dem Kaiser hab verklaget!« Eh daß die Kaiserin ihr Wort vollendet, da rief eine Stimme vom Himmel: »Heinrich Pfalzgraf, Kaiser Otten Rat, ist ein Ursach und Anfang des Verrates.« Von dem ward die Kaiserin traurig und mit innigem Weinen beweget; und sie eilet ein für dem Kaiser, neben dem sie den Pfalzgrafen sitzen sah. Und sprach mit sehr bitterm Weinen also: »O du aller gerechtester Richter Lebendiger und Toter, du Allmächtiger GOTT, siehe treulich an meine Trübsal, und räche sie, mit Verhängnis leiblichen Todes zur Buß über den, der mein Herze so schwerlich versehret hat mit unleidentlichen Schmerzen, in dem, daß er meinen liebsten Sohn durch lugenhaft und sündliches Versagen beraubt hat des Kaisers freundlicher Treue und Gnaden. O weh, Graf Heinrich, mein lieber eingeborener Sohn, Herzog Ernst, hat nichts Übels wider euch getan, darum euch not wäre, ihn so falschlich zu vertreiben von allem seinem väterlichen Erbe. Doch wißt fürwahr, ihr werdet fallen in die Grube, die ihr ihm gegraben habt.«

Mittelalterlicher Holzschnitt

Darnach ging die Kaiserin, trat von dem Kaiser in ihre Kemnate, denn um solicher weissaglichen Worte empfing sie große Unwirschheit und Zorn des Kaisers. Und sandte heimlich nach dem obgemeldten Boten ihres Sohnes, und tät ihm kund nach Notdurft mit herzlichem Leide des Kaisers unversöhnlichen Zorn wider ihren Sohn, Herzog Ernsten, und daß ein mit Eilen in das inwendige Schloß des kaiserlichen Palasts, darinne itzt der Kaiser besonder Heimlichkeit seines Rates allein mit Heinrichen, dem Pfalzgrafen, hätte. Da stießen die Zween die unverriegelte Kammertür gar freventlich und ungestümlich auf und kamen unversichtiglich über den Kaiser Otten und den Pfalzgrafen, mit bloßen Schwerten; und mit allem freislichen Zorn und scharfmütiger Gierigkeit würgten und erstachen sie den Pfalzgrafen. Desgleichen sie auch vermeinten, dem Kaiser zu tun, war er nicht so behend mit Eilen über eine Bank in eine Kapelle darbei gesprungen, sonst hätten sie ihn des Lebens mit dem Reiche beraubt. Als nun Herzog Ernsten der lang begehrten Sache, des Pfalzgrafen Todes, nach Wunsche wohl gelungen war, da redet er soliche Worte:

»Nun sag ichs dem Kaiser keinen Dank,
daß er fliehend ist gesprungen über die Bank;

des ganzen Übels alleinige Ursach nur sein falscher Dargeber wäre, Heinrich Pfalzgraf. Mit dem schied der Bot von der Kaiserin, nicht ohn große Gabe.

Und kam mit Schnelligkeit gen Bayern gerannt,
da er seinen Herrn, Herzog Ernsten, fand

in einem seiner Schlösser. Dem tät er grundlich zu wissen des Kaisers unabwendbaren Zorn wider ihn, und daß ihm des Ursach und Mehrer wäre der Pfalzgraf Heinrich. Als der fromme fürstliche Herre, Herzog Ernst, das mit Schrecken höret, da antwortet er darzu demütiglich und sprach: »Sintemal uns der irdische Kaiser unverdienten Übels nicht verwiesen, noch schädlicher Sache vertragen will, so ist und ziemt uns, billig und bittlich anzurufen den Himmlischen Kaiser, Gott den Herrn, daß Er uns und die Unsern durch Seine Barmherzigkeit empfahe unter die Flügel Seines Schirmes.«

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