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Historie eines edeln Fürsten Herzog Ernst von Bayern und von Österreich

Unbekannte Autoren: Historie eines edeln Fürsten Herzog Ernst von Bayern und von Österreich - Kapitel 14
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Wie Herzog Ernste wieder in Kaiser Ottens Huld und Gnade genommen ward

Mittelalterlicher Holzschnitt

Als er nun ganz in deutsche Land kam, da geschah es, daß Kaiser Otte eine gemeine Sammlung und Hof hieß verschreiben und berufen auf den heiligen Christtag zu Weihenacht gen Nürnberg, allen Fürsten und Herren, Grafen, Rittern und Knechten, von deS heiligen loblichen Tages wegen.

Darum, nach seiner getreuesten Mitgenossen williger Meinung, deren Rat er pflag, gab sich der kühne fürstliche Herre Herzog Ernste in eine gar schädliche Sorgfältig keit seines Lebens, mit großer Hoffnung, die er hätte zu seiner Mutter, der Kaiserin. Und er ließ unter den Wegen alle andern seine Mitgenossen und seltsamen Wundermenschen, ausgenommen seinen getreuen Freund, Grafen Wetzeln, den er allein mit sich nahm. Und kamen beide in die obgenannte Stadt Nürnberg, da es itzt Abend und dunkel war. Und hätten sich gar wohl verbunden, daß sie niemand mocht erkennen.

Als nun die Mettenzeit kam und die Glocken helle erklungen und Jedermänniglich, jung und alt, Mann und Frauen, von solicher Hochzeit wegen sich gaben und eilten zu dem GÖTTlichen Amte der Metten, da sprach der liebe Herzog Ernst zu seinem Grafen Wetzeln: »Ich begeb mein und dein Leben in die Hand und Gewalt des Kaisers aller Kaiser mit ganzem Fleiße; und ist, daß du das ratest, so will ich auch eilen in die Kirchen und da suchen meine liebste Mutter, die Kaiserin. Und ist, daß mir GOTT die Gnade verleiht, daß ich sie finde, so will ich ihr unser Hiewesen zu wissen tun.«

Als Graf Wetzel das Wort und Meinung höret, da gefiel es ihm gar wohl. Da bedecket der Herzog sein Antlitz, daß ihn niemand erkennet, und kam mit großer Furcht in die Kirchen. Da er viel Fürsten und Herren sah stahn, da gleisnet er sich, als ob er ein Almosener wäre, und ging mit listiger Spähe von einem Winkel zu dem andern, als ob er bettelt. Bis er die Kaiserin Adelheiden, seine Mutter, in einem Winkel ersah, die zu der selben Stunde ungefähre, als sie darnach selbst bekannte, um ihres Sohnes Gesundheit und Buß Christum, den Wahren GOTTes und des Menschen Sohn, mit lauterm andächtigem Gebet anflehet. Also nahet er sich zu ihr mit gemächlichem Zugang und sprach züchtiglich zu ihr: »O aller edelste und gnädigste Frau, ich Armer klopf an die Tür eurer Barmherzigkeit und bitt euch mit demütigem Fleiße, daß eure würdige Tugend mir, mit euerm fleißigen Bitten, Gnade und Barmherzigkeit erwerbe um den Römischen Kaiser. Denn ihr sollt ohn allen Zweifel wissen: ist, daß mich der freidige Zorn des Kaisers durch den Tod verschlinget, daß mein Tod euerm reinen Herzen einen gar unleidenlichen Schmerz würd bringen.« Da blicket ihm die Kaiserin ungefähre schnelliglich unter seine Augen und merket etlichermaß seine Gestalt und sprach zu ihm: »Du sollst dir nicht fürchten noch argwohnen, daß du keinerlei Schaden deines Lebens seiest warten von meinem Herrn, dem Kaiser. Denn was hast du Todeswürdiges begangen oder verwirkt vor des Kaisers Augen, der du doch itzt ganz alt und grau bist, als man sieht? Morgen will ich den Kaiser fleißiglich für dich bitten. Doch was deine Schuld und Verwandlung sei, das sag mir! Von wannen bist oder kommst du itzt her? Hast du nicht Märe vernommen oder gehört von Einem, mit Namen Herzog Ernst von Bayern, der über Meer ist gefahren?«

Als sie das geredt, da sprach er zu ihr: »Frau, ihr seid meine Mutter.« Da wurden ihr angehends die Augen voll Zähren, und sprach zu ihm: »Ei, wie bist du denn so grau und alt geschaffen?« Da antwortet der Herzog – als vor ist geschrieben:

»Solich grau Haar und alt Gestalt
kommt mir von Übel mannigfalt;
groß Sorg und Arbeit, die mir anleit,
machten mich grau vor rechter Zeit.«

Also fraget sie und sprach: »Liebster Sohn, ist noch im Leben dein getreuester Freund, Graf Wetzel?« Er antwortet ihr und sprach: »Ja, treue Frau Mutter, er lebt noch, durch GOTTes Gnaden, in guter Gesundheit.«

Und da wollt ihm die Kaiserin baß nahen, ihn zu fragen; da sprach er zu ihr: »Standet stille, liebste Frau Mutter, daß ich meinen Feinden durch eure Wort und Zuhaltung nicht gemeldet werde, ich müßte anders ohne Verziehen sterben. Ich will mich itzt von euch scheiden. Aber ist euch was wissend, wie ich wieder möge kaiserliche Gnad und Huld erwerben, des Rates und mütterlicher Hilfe verzieht mich nicht!« Da war die Kaiserin Übermaß erschrocken und sprach zu ihm: »Herzliebster Sohn, der Bischof von Babenberg wird morgen das würdige hochzeitliche Amt singen. Ihn und andere Nahgeborene, deine guten leiblichen Freunde, Fürsten und Herren und deine getreuen Gönner, will ich die Zeit vor unterweisen und fleißiglich von ihnen begehren, den Kaiser, mitsamt mir, für dich zu bitten. Darum, als bald man das heilige Evangelium ausgesungen, und der Bischof den Segen darnach gibt, so sollst du dem Kaiser zu Füßen fallen, und allein mit bittlicher Stimme Gnad und Barmherzigkeit flehen. Und sollst, um nichts nicht, vor Gnaden dein Antlitz aufdecken, oder, ohn Zweifel, dein Leben wird dir genommen; so will ich und der Bischof von Babenberge, mitsamt anderen Fürsten und vor unterrichten Herren, versuchen zu löschen des Kaisers brennenden Zorn wider dich.« Also ward eist der edel Fürst gesetzt zwischen die Hoffnung und Furcht und sprach:

»Ich glaub, daß des morgigen Tages Schein
aller meiner Tag ein End werd sein.«

Von Stund redet die Kaiserin mit dem Bischof und andern treuen Herren und Edeln, und bat sie alle in geheim, ihrem Sohn, Herzog Ernsten, Gnad, mitsamt ihr, zu erwerben von dem Kaiser, wenn sich das gebühre. Und ihrer Jeglicher mit treuem Rat Hilfe und Bitte verhieß, nach allem seinem Vermögen. Da offenbaret auch Herzog Ernst seinem lieben und getreuen Freunde, Graf Wetzeln, der Kaiserin Rat und Meinung, das er zumal für gut und gerecht bewähret.

Als nun die Tagröte den Himmel hätt übersprenget, da kam der liebe Herzog, mitsamt dem Grafen Wetzeln, in die Kirchen mit großer menschlicher Furcht und GÖTTlicher Andacht. Nun, da die Zeit kam, die ihm seine Mutter vorher hätt gezählt, da ließ der Graf den Herzogen allein eingahn für den Altar, furchttrauriglich; und stund hinter der Chortüre mit einem bereiten Schwerte, das er zu Händen hätt genommen, ob seinem Herrn, Herzog Ernsten, was, Gefängnis oder ander Leibes Not, begegnet, daß er dann ritterlich ihm zu Hilf herfür sprünge, und den Kaiser, ohn alle Barmherzigkeit, erstäche und töte.

Und als nun Kaiser Otte nach kaiserlicher Gewohnheit mit hochzeitlichem Kleide kostlich war angelegt, als dann der Kaiser Sitt ist an heiligen Tagen, und auf seinem Haupte trug des Römischen Reiches Krone, daß er Messe wollt hören: da ging er kostlich her, mit viel Geprängs der stolzen edeln Fürsten, Grafen, Freien, Ritter und Knechte umgeben, und saß auf einen hohen, zierlich schön bereiten Königsstuhl. Die Weil kam die Kirche voll andern edeln und gemeinen Volkes, Frauen und Männer. Es ward auch nach ihm eingeführt die zarte sorgfältige Fraue Adelheid, Kaiserin, mit außermaßen schönem kaiserlichem Kleide, sonders in einem kostlichen Mardermantel, der war, als man saget, von feinem Purpur. Daran sie trug eine kostliche gulden Spangen, die mit seltsamen und kostbarlichem edelm Gestein, von India aus dem Mohrenland dargebracht, mit einem schönen Häftlin, von schönem lauterm Golde gewirket. Davon, als man spricht, die ganze Kirch erleuchtet ward als von der Sonnen Widerglaste. Die ward nun auch ehrlich, mit viel zierlichen edeln Frauen und Jungfrauen umgeben, eingeführt in den Chor. Und lobet sie Jedermänniglich um ihren geraden stolzen Leib und adelige Gestalt, und ward auch, neben den Kaiser, auf den Königsstuhl gesetzt. Ihre zierliche Hübsche und Schöne merket der Kaiser Otte, und hätte etwas ein Wohlgefallen in ihr, und, als in schimpfweis, sprach er zu ihr: »Frau Adelheid, ihr habt euch vormals meiner Gegenwärtigkeit nie so zierlich erzeigt und entboten. Es gefällt mir, daß ihr fürbaß allzeit euch meiner Gegenwärtigkeit also schön zierlich fleißt zu entbieten.« Da sprach sie zu ihm: »Gnädiger Herre, ich bin bereit zu aller Zeit, mich nach euch zu sehnen, und gehorsamlich zu pflegen des Willens eurer kaiserlichen Majestät. Aber der König der Ewigen Glorie gebe und gieß euerm Gemüt ein, daß ihr auch willig seid meinen keuschen Begierden und gut gerechtem Willen.«

Also ward auch der Bischof von Babenberge mit heiligen Kleidern, die mit ihrer Köstlichkeit diesen heiligen Tag bezeichneten, angelegt. Und hub da an das heilige lobliche Amt, mitsamt dem fleißigen Gebete des gemeinen Volkes. Darnach sang er das Heilige Evangelium mit seiner eigenen Person mit lauthallender Stimme. Nach dem er eine nütze Predigt tat mit guter Vermahnung. Und, unter andern Worten, satzt er darzu und sprach: »Eine jegliche Tugend ohn die Liebe, die verliert ihren Namen und Nutz gänzlich; dann ohn die Wurzel der Lieb mag keine Tugend gewachsen noch bestahn.« Und sprach mehr: »Eine jegliche ander Tugend wird dem Menschen geraten, aber die Tugend der Lieben wird uns von GOTT selbst geboten, als Er spricht im Evangelio: ›Das ist Mein Gebot, daß ihr einander lieb habet.‹ Und ohn diese Tugend ist unmöglich, daß Jemand GOTT möge sehen noch Wohlgefallen. Darum kehre und reute aus, auf heut, den heiligen würdigen Tag Unsers lieben Herrn Jesu Christi, das alt Urhab oder Häftlin einer jeglichen Sünde. Ein jeglicher fromme Christenmensch werfe von sich das Gift des lange währenden Zorns und alten Neides: denn welcher Mensch, als der hochhallende werte Evangelist Sankt Johannes spricht, neidet seinen Nächsten oder Bruder, der ist ein Mordbeganger. Hierum, vergeb heut durch GOTT ein jeglicher Christenmensch seinem Nebenchristen und Schuldiger seine Schuld und Widerdrieß, daß GOTT der Herre, des Schuldiger wir alle sein, ihm auch abläßlich vergebe seine sündige Missetat, die er Ihm schuldig ist.«

Unter den Worten ging der furchtsame elende Fürste Herzog Ernste durch das Volk herfür in einem grauen Kappenkleide, dem das Volk alles zumal nachsah, darum, daß er so schnelle durch sie aus drang. Und fiel dem Kaiser da für seine Füße, mit wohlbedecktem Antlitz, daß ihn Niemand mocht erkennen. Und begehret, bittlich weinend und mit kläglicher Stimme, und schrie, lautredend: »O aller edelster Herre, der Kaiser, um den hochzeitlichen würdigen Geburtstag des obersten Kaisers, Unsers Herrn Jesu Christi, nimm und empfahe mich in Gnad deiner kaiserlichen Majestät, wann die Augen deiner Klarheit sind wider mich ohn alle mein verdiente Schuld!«

Von Stund liefen allenthalben zu die Fürsten, Herren und edeln Ritter, denen die Sach, von heimlicher Vermahnung der Kaiserin, vor kund war, mitsamt denen, die nicht wußten, was; und rieten, mit fleißigem Gebete, Kaiser Otten, daß er den seiner Gnad dürftigen Menschen, um GOTTes Ehre und Liebe, mit sühnlichem Vergeben und Sicherung aufhüb von der Erden.

Da sprach der Kaiser, mit wohlgemäßiger und züchtiger Gestalt seines Antlitzes zu ihnen: »Lieben getreuen Freunde und Diener, ich will nicht, daß ihr mir sobald ratet, ihn aufzuheben von der Erden, denn ich nicht weiß die Ursache der Übertretung und Missetat wider die Höhe der geletzten kaiserlichen Majestät.« Von Stunde war da die Kaiserin und sprach zu ihm: »Mein gnädiger liebster Herre und Gemahel, die Schuld und Übertretung sei, was das sei, das vergebt ihm barmherziglich, um die Ehre des heutigen würdigen Tages, daß der Kaiser aller Kaiser, in des heiligen Geburt Jahrtage heut alle Mutter der Christenheit loblich feiert, euere Sünden, ob ihr etliche wider Ihn begangen habt, euch auch gnädiglich vergebe!«

Also mäßiget da Kaiser Otte seine zornige Hurtigkeit um der Kaiserin fleißiges Gebete, und wußte doch noch nicht, wer er war. Und gebot ihm, mit Vergebung, von der Erden aufzustehn, und gab ihm den Kuß des Frieds. Da merket und erkannt er erst im Anschauen, wer er war: darum ward er entzündet wider ihn zu hitzigem Zorn. Die selben zornlichcn Flammen erschienen offenlich in seinem entzündten Antlitz, das er wieder verwandelt von seiner gemeinen Röten in eine Ergiblung; und sah Herzog Ernsten mit freidigen krummen Augen grimnniglich an. Das merkten aber die edelsten Fürsten und Herren und sprachen zu dem Kaiser: »O gnädigster liebster Herre, der Ablaß und Vergebung, die euer kaiserliche Majestät dem armen Bittenden verheißen hat, durch GOTTes Ehr und Liebe, sei um was großer Schuld das sei, die er wider euer Gnad begangen hat, die ist und soll sein unwiderrufenlich. Und wir bestätigen, daß soliche GÖTTliche Versöhnung billig zu halten sei, das wir alle gemeinlich von euern kaiserlichen Gnaden bittlich begehren.« Zum Letzten antwortet ihnen der Kaiser mit züchtiger Stimme und Antlitz: »Sintemal, daß solich Ablaß und Vergebung euch zu Sinne und zu Mut ist, so will ich, daß er auch mir zu Herzen sei.« Und als nun zu ihm lief der Adel, mitsamt der Gemeinde, da er den Herzogen gnadet, da fraget ihn der Kaiser, wo der Graf Wetzel wär. Da antwortet ihm der Herzog: »Mein gnädiger Herre und Vater, er ist nahe hie bei.« Da gebot ihm der Kaiser, daß er ihm selbst antworte. Also führet ihn der Herzog, gar erschrocken, mit Verwegnis seines Lebens für den Kaiser. Als er ihm geantwortet ward, da grüßet ihn der Kaiser gar gütlich, und sprach zu ihnen solichen Gruß: »Und daß ich euch in meine Gnad und Söhnung hab aufgenommen, die da sind Schuldiger und Übeltäter des Heiligen Römischen Reichs, das hat euch verliehen GOTT, der Himmlische König. Dann wenn mir Christus, des heiligen Jahrtag Seiner Geburt wir, Seine Diener, heut begehn, das nicht hätt eingesprochen und geben, so war mein endliches Urteil und Meinung, daß ich euch mit Leib und Gut bis in den Grund wollt vertilgt und vernichtet haben.«

Von solichen trostlichen Worten ward der Graf Wetzel sehr froh, und leget von sich die Furcht des Todes, die er vor empfangen hätte. Und nahm ihn die Kaiserin selbst bei ihrer Hand, und nach dem, als ihm der Kaiser auch gab den Kuß des Frieds, als dem Herzogen, da küsset ihn auch die Kaiserin mit einer rechten keuschen Lieben, darauf aller Umstand des Volkes merklich zusah. Und von Stund, von Gebot des Kaisers, wurden sie beide mit kostlichem Gewande zierlich bekleidet, als denn kaiserlicher Majestät wohl gezam. Und wurden ihrer beider Weis und Gebärde von Jedermänniglich vor andern Leuten gemerkt unter dem andern Teil der Meß.

Nach dem, da nun die Meß vollendet war und der Bischof den Segen gab, und alle andern Fürsten, Herren und Adel nach und vor dem Kaiser, nach Ordnung aus dem Chor traten, da nahm der werte Graf Wetzel Frauen Adelheid, die Kaiserin, bei ihrer Hand und führet sie auch herrlich aus der Kirchen an die Herberg, da die Tisch mit mannigfaltiger Zierlichkeit bereit waren.

Also sandte da, ohn Verziehen, Herzog Ernst einen strengen Boten, zu bringen seine wunderlich gestalten Spielleute, die in einer Nähe dabei heimlich waren. Und da sie dar wurden geführt und mitten in den Kreis, für den Kaiser und die Kaiserin, wurden gestellet, da sie vielleicht itzund mit ihren höchsten Fürsten und Herren zu Tische saßen, und als man nun solich vor ungesehen Munster sah, da rucket Jedermann die Tisch von sich. Und von Begierde, soliche ungehörte Menschen zu sehen, hätte Jedermänniglich Verdrießen und Unwillen zu kostlichem Essen und Trinken; ja, die Tisch und Bänke, auch die Stuhl wurden voll Volkes, das, je länger je mehr, zulief, zu schauen solich seltsame GOTTes Geschöpf, der sie nicht genug mochten gesehen. Da faß tder Herzog das Zwergmännlin, das nur zweier Ellenbogen lang war, für sich an den Tisch, und rief da zu sich seinen großen starken Riesen. Darnach kamen die pannochi, die mit ihren Ohren allen ihren Leib bedackten, daran alles Volk ein groß erschrockenliches Verwundern hätte. Nicht minder verwundert sich Jedermann, da die zween Menschen von Arimaspi fürgingen, deren jeder nur ein Auge vorn an der Stirn hätt. Die alle da waren, mitsamt zween überschwarzen scheußlichen Mohren.

Und als nun Jedermänniglich den edeln Fürsten Herzog Ernsten mit großem Lob erhöhet und ausrief bis zu den Sternen (also zu reden), da nahm er herfür den Stein unionem, den er mit sorglich großer Arbeit gewunnen und in Leibes Nöten erkoren hätt, als oben beschrieben ist. Und schenkt ihn dem Kaiser Otten, dem er – und allen seinen Fürsten und Herren, von denen er darum fleißiglich gebeten ward – alle seine und seiner Mitgenossen große Arbeit, Sorge, Schaden und Kümmernis, mitsamt unzählig viel Gnaden, die ihnen GOTT hätt erzeiget, klarlich, von Anfang bis an das Ende verkündet und erzählet. Darvon der Kaiser mit seinen Räten und Dienern sechs ganzer Tage in seinem consistori saß und verhört die Sachen, wie es dann der Herzog ordentlich nach einander saget, und ihnen auch alle gemeldten Stücke mit wahren Zeichen und zeuglicher Kundschaft des festen Grafen Wetzeln und auch der andern dreien Gegenwärtigen, die von diesen Landen mit ihnen waren ausgefahren, und voran mit den seltsamen wunderlichen Munstern, die er an manichen Enden mit streitbarer Hand hätt zuwegen bracht, die auch alle da vor ihnen stunden.

Und Kaiser Otte gebot da seinen Kanzlern und Schreibern, daß sie diese Historie mit fleißiger Wahrheit in Geschrift brächten aus des Herzogen Munde, das also geschah.

Nach dem allem ward er oft und dicke gebeten von dem Kaiser um die zween Menschen von Arimaspi, die nur ein Auge hätten vorne an der Stirn, die er ihm zum Letzten, wie wohl nicht gar williglich gab. Da sprach der Kaiser zu ihm: »Nun, mit Austreibung alles Zweifels, hab ich, mein aller süßester Junge und liebster Sohn, grundlich gewußt und erfahren, daß ich dich bisher unrechtlich und wider Gott ungereuet und unvelschuldet beraubt habe Österreichs und bayerischen Landes, die dir von väterlichem Erbe waren Untertan und stunden deinem Gebieten zu Versprechen. Hierum, in Gegenwärtigkeit aller Fürsten, Herren und unser und des Heiligen Reichs Dienern, geb ich dir gänzlich und gar wieder auf und in deine Gewalt alles, das dir ungutlich ist genommen und in des Reichs Gewalt und kaiserlichen Nutz vormals gezogen. Und empfehl dich fürbaß wieder in deine bietliche Herrschaft, und will dich auch fürbaß in ganzen lieblichen Treuen halten, als meinen eigen leiblichen Sohn, und begehre, dich in künftigen Zeiten mit größern Ehren und Würden zu begaben, aller strenglichster Ritter. Du sollst auch in meinem Reiche nach mir und deiner Mutter der Ander sein, und ein Ausrichter und Regierer meines ganzen Hofes und Gesindes, und sei ihnen ein treuer Mithelfer, zu regieren das ganze Römische und Christliche Reich.«

Der fürstliche Herzog danket dem Kaiser mit großem demütigem Fleiße um viel Gutheit, Gnaden und Barmherzigkeit, die er ihm erzeigt hätte, mitsamt der Kaiserin, seiner Mutter, und allen Landesherren und edeln Rittern, die all dem Kaiser, von des Herzogen Begnadung wegen, fleißiglich Dank sagten.

Und also besaß Herzog Ernst wieder alles, das ihm der Kaiser hätt verheißen, und erzeiget wiederum gegen ihm in allen Sachen, Worten und Werken seine kindliche Treue, als seinem leiblichen und natürlichen Vater. Den glücksamen Stand und Wesen des Herzogen, die sich zumal an dem Ende gar wieder hätten verkehrt, als sie einen Anfang hätten – als man billig briefen mag und glauben soll – hat GOTT, der da mannigfaltige Wunderzeichen wirket durch Seine lieben Heiligen und aus erwählten Diener, also geschicket durch das Verdienen der tugendsamen Frauen Adelheiden. Als Er denn sonst viel andere Zeichen durch sie hat erzeiget, der selben etliche hernach also geschrieben sind.

Mittelalterlicher Holzschnitt

Da die zart liebe und edel Frau und Kaiserin durch GOTTes Ehre ließ bauen das Münster und Gotteshaus in Salza, Sankt Benedikten Ordens, im Straßburger Bistum gelegen, darin sie lieblich begraben liegt, da hätte der Zimmermann die Balken all nach dem Gemäuer zu kurz abgeschnitten. Und da er forcht, ihm würde sein Leben genommen von der Kaiserin und ihren Dienern, da setzet er sich für, er wollt durch Flucht das Land räumen. Doch bedacht er sich zum Letzten, und empfing solich groß gut Getrauen in die milde Gütigkeit der tugendsamen Kaiserin Adelheiden, und verjähet ihr seine schädliche Unweisheit, und bekannte ihr auch heimlich seinen Willen und Fürsatz, wie er heimlich vom Land wollt weichen. Den tröstet sie gütlich, als sie denn allzeit sanftmütig war, und mahnet ihn, daß er um soliche seine Unfürsichtigkeit nicht hinweg schiede. Aber daß er wahrnähme, wenn etwann eines Tags die andern Arbeiter all wären abgangen, daß er ihr das verkünde. Des Trostes er zumal froh ward, und eines Tags, nach der Kaiserin Heißen, da die andern Arbeiter waren abgangen, da berief und fordert er die Frauen selbst zu dem Baue. Als nun die Kaiserin einen jeglichen Balken nahm zwischen ihre Hände an einem Ende, und das ander Ort der Zimmermann, und jedwedes an sich zog – und wie wohl, daß der Baumeister soliches Heißen der Frauen des ersten hätte für ein unsinnig Gespötte so zugen sie doch die Balken, daß sie allesamt lang genug wurden.

Mittelalterlicher Holzschnitt

Eines andern mals bot die Kaiserin einem armen lahmen Menschen, der daheim in seinem Häuslin war, einen Apfel, davon er von Stund an gerad und gesund ward, und sprang auf und ging, dahin er wollt, ohn all Hindernis.

Die selbe tugendsame Frau hätt Gewohnheit, daß sie, von großer Demütigkeit wegen, die Brosamen heimlich auf dem Tische aufklaubet und aß. Das merkten etliche böse Menschen, ihre Diener, und kehrten das zu dem Bösesten, darzu sie selbst geneiget waren, und sagten das heimlich Kaiser Otten. Eines Tags ob seinem Tisch begriff sie der Kaiser in solichen verklagten Sachen, die er selbst nun sah. Und sprach mit Zorn gar untugendlich zu ihr: »Was hast du in der Hand?« Da antwortet sie gütlich und sprach: »Lieber Herre, es sind Weinbeerlin.« Und als sie die Hand auftät, da waren die Brosamen in Weinbeerlin verwandelt worden.

Der oftgemeldte Kaiser Otte wollt einsmals bewähren, ob ihn die Kaiserin Adelheid recht von Herzen lieb hätte. Also gebot er ihr, sie sollte sich nackend vor ihm ausziehen, daß er sie mit Ruten schlüge. Und als sie, nach des Kaisers Gebote, den Mantel abtat und von sich warf durch oder in der Sonnen Schein, da behielt der Sonnenschein den Mantel ob der Erden als einen Schirm. Nun das Kaiser Otte sah, da leget er von sich alle zornliche Gebärde und Freidigkeit und bat sie um Ablaß und Vergebung.

Auch einsmals, da sie neben dem Kaiser saß, da verstund sie durch den Heiligen Geist, daß die Kirche zu Augsburg, die ihrer nächsten Freunde einer hätt angefangen zu bauen, niederfiele. Da seufzet sie gar hoch von ganzem Herzen. Und als sie, nach viel Fragen des Kaisers, warum sie also seufzet, ihm saget den Niederfall der Kirchen zu Augsburg, da merket der Kaiser durch Geschrift den Tag, Stund und Zeit, als die Frau der Kirchen Fall hätt verkündet, und sandte ohn Verziehen einen gewissen Boten schnelliglich gen Augsburg. Der fand,daß die Kirche war niedergefallen auf den Tag, Stunde, Zeit und Weile, als denn die Kaiserin hätt gesagt und verkündt. Hierum, als man sagt und auch billig war, hätt sie der Kaiser und alle die Seinen fürbaß in größern Ehren, denn vor je.

Mittelalterlicher Holzschnitt

Desgleichen möchten wir noch viel bewährter Zeichen hie beschreiben und sagen, die GOTT der Herre durch Seine würdige Dienerin gewirkt und getan hat. Und möchten das von überflüssiger Wahrheit wohl tun. Doch wollen wir das, von Verlängerung wegen, die da ist eine Mutter der Verdrossenheit, unterwegen lassen, und das Säumende dieses Werkes hie einflechten

Und sollen all bitten den milden Wiedergeber der Tugend und des Lohnes der edeln und heiligen Frauen Sankt Adelheid, daß Er uns, um ihr und andrer Seiner lieben Heiligen Verdienen, verleihe Gesundheit Leibes und voran der Seelen.

Des Dreifaltigkeit der Personen und Ewig einwaltiges
Wesen und Tugend wir glauben immer ohn Ende,
Der uns allen Seine milde Barmherzigkeit sende.
Amen.

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