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Historie eines edeln Fürsten Herzog Ernst von Bayern und von Österreich

Unbekannte Autoren: Historie eines edeln Fürsten Herzog Ernst von Bayern und von Österreich - Kapitel 12
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Wie er in einer Insel mit gar großen Vögeln stritt und die auch überwand

Mittelalterlicher Holzschnitt

Zu den Zeiten ward dem Herzogen gesagt, wie daß in einer Nähe wären etliche Leute in India, die nur zwei Ellenbogen lang wären. Und die speisten sich allein von Vogeleiern, die in dem selben Lande nisteten. Um des Willen: wenn sie der Vögel Eier gegessen, daraus sonst andre Vögel würden, daß der Vögel desto minder um sie würden. Und je minder ihrer würden, je eh und baß sie sich, durch soliche Speisung, ihrer erwehreten.

Hierum, mit gemeinem Rate seiner heimlichen Ratgeber, ließ er in seinem Lande sein großes Heer und die wunderlichen Leute, die er mit Streites Kraft gewonnen hätte. Und nahm mit sich Grafen Wetzeln und etliche kühne und treubewährte Ritter, und kam auf dem Wasser gefahren zu den kleinen Pigmäen.

Da nun die kleinen Zwerglin sahen so viel also großer Leute zu ihnen kommen, da erschraken sie von Herzen, und meinten, es wäre ihres Lebens ein Ende. Und reichten ihre Hände auf gen Himmel, und baten Friede und Fristung ihres Lebens – mit furchtsamer Demütigkeit. Da sprachen die edeln Ritter zu ihnen: »Wir sind nicht kommen, den Fried zu brechen, aber euch Friede zu machen. Und wollen euer Leben heil und sicher machen vor der schädlichen Vögel Anfechtung, ob uns GOTT das verhänget. Morgen sollet ihr aus ziehen wider die Vögel und uns zeigen ihre meiste Wohnung, so werdet ihr sehen, durch uns, die große Hilfe GOTTes über euch.«

Und als Herzog Ernst sie fraget, was sie ihnen Schaden täten, da sprang ein kleines junges Mannlin von ihnen und stund mitten ein für den Herzogen und sprach: »Lieber Herre, wenn ich anderswo etwas nötiger Sachen zu schicken habe, so muß ich mich des Nachts auf den Weg machen, und wenn es zu Morgens licht hergeht, so muß ich mich etwann heimlich verstehlen in den nächsten Berg, Hägen oder Höhlen, und also mit stillem Schweigen liegen den ganzen Tag, bis daß es wieder finster wird, so muß ich dann den andern Teil des Wegs vollbringen. Item: wir mußten unsere Äcker all zu Nachts säen und auch abschneiden, denn im Tage, vor den Vögeln, dürfen und mögen wir nichts tun. Und wird uns noch viel Übels, das alle zu lang wäre zu sagen, von den bösen Vögeln, zu unserm Unheil mehr denn andern Leuten, erboten und zugezogen. Darum bitten wir euch fleißiglich, sintemal wir uns, um unser Schwachheit und kleinen Gliedmaßen wegen, an den übeln Vögeln, unsern Feinden, nicht mögen noch können rächen, daß ihr, die da, gegen uns zu schätzen, große Riesen seied, wöllet Rachsal an den bösen Vögeln begahn, die uns bis her unrechtlich bezwungen und bekümmert haben.«

Also sah der Herzog an ihre fleißige und notdürftige Bitte; und des Morgens, als die Sonne das Erdreich erst überschien, da nahm er mit sich seine Ritter, mitsamt dem kleinen Zwergvölklin, und kamen in eine Insel, da eine große Menge der Vögel zusammen kam, und begingen einen großen Streit mit ihnen. Doch zuletzt, nach Ertötung vieler der Pigmäen kleinen Männlin von der Vögel Beißen und Stechen mit den Schnäbeln, behub Herzog Ernste aber den loblichen Sieg, und machet den Pigmäen vor den Vögeln solichen guten Frieden, der er und die Seinen zumal viel erschlugen und erschufsen, daß sie ihnen fürbaß nimmer mehr kein Leid noch Unruh täten. Und lebten mehr denn ein ganz Jahr überflüssiglich, allein von ihrer Feinde, der Vögel, Fleisch.

Nach dem nun der Herzog mit den Zwergmännlin wieder heim von der Insel kam, da saget der Pigmäen König dem Herzogen und den Seinen große Ehr und Dank um den überwindlichen Sieg der neidischen Vögel. Und trug ihm für Gold und Silber und sonders kostlich edels Gestein, und bat ihn, daß er das zu Lohn nähme. Das wollte der Herzog nicht von ihnen nehmen, aber er bat ihn wiederum fleißiglich, daß er ihm der natürlichen Pigmäen zween gäbe. Des ihn der König gewähret, und gab ihm seiner Diener zween. Also, mit des Königs und seines Volkes andächtigem Segen, zog der Herzog, mit großen Freuden, die er hätt von dem ungleichen Spielen der zwei kleinen Männlin und seines großen Riesen, den er auch mit sich hätt genommen. Und kam wieder in das Land Anmaspi, da er dann Wohnung hätte. Und er ward aber von dem selben König und dem ganzen einäugigen Volke mit fleißigen Treuen ehrlich empfangen.

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