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Historie eines edeln Fürsten Herzog Ernst von Bayern und von Österreich

Unbekannte Autoren: Historie eines edeln Fürsten Herzog Ernst von Bayern und von Österreich - Kapitel 11
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Wie Herzog Ernst stritt mit den Cananei, den großen Riesen, und sie überwand

Mittelalterlicher Holzschnitt

Bei der selben Gegend zunächst wohnten Cananei, das waren aber über alle Maß große Riesen; und um solich ihre Größe und Stärke täten sie viel Landen großen Schaden, und sonders dem Königreich Arimaspi, das sie mit emsiger Droh und Orlog bekümmerten. Und sandten zu dem König Arimaspi einen Boten, der war ein großer Riese, und war nur fünfzehen Jahr alt, und reichet mit seiner Länge über hohe Bäum. Der trug in seinen Händen, für seine Wehre, einen großen Heubaum; und kam mit hoffärtigem jähem Mute für den König, und drohet ihm und den Seinen Beraubung alles ihres Gutes und darzu ihres Lebens, er schicke dann, ohn Verziehen, den Riesen nach ihrem Willen den Sold, den sie ihm trotzlich und unbilliglich hätten aufgesetzt.

Da geschah es, vielleicht von ungefähr, daß Herzog Ernst von seinem ergebenen Lande zu dem Könige dar kommen war. Und als er soliche freventliche, trotzliche und unbillige Botschaft höret, da sprach er zu dem Könige: »Sintemal, daß solicher geheischter Zins unredlich und allein von der Riesen Mutwillen und Bezwängnis ist aufgesetzt, dunkt mich billig, daß er ihnen mit dem Schwert zu geben sei.«

Um das selbe Wort ward der Ries zumal gar zornig, und kam zu seinen Landsleuten und saget ihnen ordentlich wiederum seine Botschaft. Und satzt das darzu: »Ich hab auch,« sprach er, »daselbst gesehn ein Menschlin, das überhochfärtige Worte da für Jedermänniglich redt; und da auch der König uns den Zins wollt geben haben, da widersprach es das selbe Männlin dem König. Und meinet, auch wider uns zu streiten. Dann es des Königs innerster Rat und Diener ist.«

Also, auf diese Worte sammelten die Riesen eine große Menge in ihrem Lande, und zogen heraus in des Herzogen Land, das zunächst daran lag. Und auch in des Königs Land zu Arimaspi, daß sie die mit starkem Gezeuge und Macht verwüsteten. Als Herzog Ernst das höret und ihren Willen verstund, da tat er das durch seine gewisse Botschaft dem König von Arimaspi zu wissen. Der König erschrak solicher Botschaft gar sehre, und sammelt alles sein streitbares Volk in seinem Land, mit denen er selbst zu dem Herzogen ritt. Und gebot allem seinem Volke, gemeinlich des Herzogen Gebieten und Schaffen gehorsam zu sein.

Und da der Herzog vernahm, daß die großen Riesen kommen wären in den dicken Wald, durch den sie dann mußten ziehen, da gebot er allem Heere, an sie zu ziehen und zu fechten, eh daß sie aus dem Walde kämen. Denn sie sich darinne, vor den hohen Bäumen, nicht mochten rühren nach ihrer Leibes Notdurft und Eigenschaft des Streites. Das geschah also; denn da die wilden, ungestümen Riesen kamen in den dicken Wald mit großer Macht und wütender Unsinnigkeit, da hub sich der Herzog auf und Graf Wetzet und ihre Helfer, mitsamt des Königs Heere von Arimaspi, die, mit List und gewahrter Stille, in dem Holze lagen. Und gaben ihr kecklich Streitzeichen mit Trommeten, oder wie das sein sollte, und fochten mannlich an die scheußlichen Riesen, die solicher Sachen vor gar ungewohnet waren. Und ohn alle Barmherzigkeit stachen sie von unten auf an sie, daß sie zu der Erden fielen, des sie sich, nach des Herzogen Willen und Meinung, nicht mochten erwehren. Und also wurden sie nahe alle erstochen. Da zogen sie etliche aus dem Walde auf das weite Feld, und lief alles Heer hinzu, und Herzog Ernst kam auch dargeritten, zu besehen die Größe der Riesen Leichname.

Da merket der Herzog, von andrer Leut Sage, wie daß ihrer noch Etliche hinter ihnen auf dem Wege, dannen sie kamen, wieder flüchtig wären. Also gebot er, ohn Verziehen ihnen nach zu eilen; aber sie funden und ergriffen nicht mehr dann einen, der war sehre wund, daß er den andern nicht mocht gefolgen. Den führet der Herzog gefangen mit sich wieder ein in sein ergebenes Land. Über den selben, nahe gestorbenen Menschen hätt er groß Erbärmde, und nahet zu ihm mit den Fußtritten menschlicher Versehung nach aller Notdurft. Und durch einen weisen Arzet verband er ihm seine Wunden, und hätt, nach dem Heiligen Evangelio, alle Sorgfältigkeit um ihn, als sein wahrer Nächster. Durch soliche fleißige Auswartung ward der Riese bald gesund, und gewann den Herzogen von Herzen lieb. Und verhieß ihm mit verdachtem Mute, daß er in ganzen Treuen sein Lebtag bei ihm wollt bleiben. Dem Verheißen er auch mit scheinbarlichen Werken nach kam, als hernach stehet.

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