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Historia von den Lalenbürgern

Ludwig Aurbacher: Historia von den Lalenbürgern - Kapitel 36
Quellenangabe
typesatire
booktitleHistoria von den Lalenbürgern und anderes Volkstümliches
authorLudwig Aurbacher
year1897
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleHistoria von den Lalenbürgern
pages3-11
created20040304
sendergerd.bouillon
firstpub1889
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Epilog. Aus dem Nachlaß.

                Nun hört, wie Lalenburg, die Stadt,
Ein klägliches End' genommen hat. –
Es mehrten sich in unendlicher Zahl
Die Läuse und Mäuse und Ratzen zumal.
Sie thäten allen Vorrat verzehren,
Man konnte sich ihrer nimmer erwehren.
Die Bürger, sie waren drum und dran
Mit Sack und Pack die Stadt zu verlan. –
Da kam eins Tags ein fremder Mann,
Der bot ihnen Schutz und Hilfe an.
Ein Maushund – anderswo Katz genannt,
In Lalenburg aber noch unbekannt –
Ward als eine Seltenheit produziert,
Und dessen Geschicklichkeit approbiert.
Er fing die Mäuse wohl haufenweis;
Drum kauften sie ihn um teuren Preis.
Auch that er sofort sein Schuldigkeit,
Doch kam er mit aller Arbeit nicht weit. –
Da wurde ein Plenum angesagt,
Und jeder um seinen Rat gefragt.
Der meinte: Man geb ihm nichts zu essen,
So wird er vor Hunger die Mäus auffressen.
Der andre: Mit nichten! Man füll' ihm den Magen,
So wird er desto lieber jagen.
Der dritte: Man stelle ihn nur zum Speck,
Dann sind die Ratzen bald alle weg.
Der vierte: Man hänge ihm Schellen an,
Auf daß er die Mäuse verschrecken kann.
Der fünfte: Er kennt sich bei uns nicht aus,
Drum führt ihn am Strick von Haus zu Haus.
So redeten sie umeinander fort;
Zulegt der Schultheiß nahm das Wort:
Wir müssen des Übels Grund nachspüren,
Das wird uns zum rechten Mittel führen
Wo haben die Ratzen ihr Gemunkel?
In Kellern. Da aber ist es dunkel.
Soll der Maushund nun seine Beute fahn,
So muß er wohl Licht und Helle han.
Drum woll'n wir ihm ein' Kienbrand anbinden,
Da wird er leicht seine Wege finden. –
Der Maushund fühlt kaum das Feuer am Schwanz,
So rennet er fort in wildem Tanz.
Er dringet und springet von Dach zu Dach,
Und pustert und knustert von Fach zu Fach.
Bald brennen die Dächer bedeckt mit Stroh,
Bald brennen all Häuser lichterloh.
Die ganze Stadt ward der Flammen Raub,
Bald lag sie verödet in Schutt und Staub.
»Nun sind doch die Ratzen alle verbrunnen;
Doch wir Gottlob sind glücklich entrunnen.«
Die Bürger zerstreueten sich durchs Land,
Wie die Juden, und nahmen überhand.
So ist denn die Thorheit nicht all verdorben,
Und der Thoren Geschlecht nicht ausgestorben.
Die Streiche sie blühen noch fort und fort,
In Schilda und manch' anderm Ort:
Wie wir es bereits gemeldet haben
In unsrer Geschichte der sieben Schwaben.
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