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Hinter Pflug und Schraubstock

Max Eyth: Hinter Pflug und Schraubstock - Kapitel 30
Quellenangabe
typefiction
titleHinter Pflug und Schraubstock
authorMax Eyth
publisherDeutsche Verlagsanstalt
addressStuttgart
year1958
printrun377. - 408. Tausend
correctorhille@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
created20020512
modified20150625
firstpub1899
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Neue Hoffnung

Die »Crescent City News« waren besiegt, sogar vor dem großen Tage, auf den Lawrence seine ganze Hoffnung setzte. Wie er dies zuwege gebracht hatte, blieb ein Geheimnis. Die spaltenlangen Inserate, in denen das kommende Wettrennen zur Anzeige kam, konnten den Stimmungswechsel kaum hervorgebracht haben, dafür waren sie trotz der fetten Buchstaben nicht groß genug. Aber die spitzen Bemerkungen über die plumpen Dampfpflüge hörten plötzlich auf. Die löbliche Absicht, ein Wettrennen abzuhalten, wurde laut und dankbar anerkannt, die beiden Dampfelefanten John Bull und Jonathan in begeisterten Farben geschildert, ihre merkwürdige äußere Ähnlichkeit nicht verschwiegen, jedoch darauf hingewiesen, daß in ihrem Innern wesentliche Verschiedenheiten bestehen dürften. Das Verhältnis von Heiz- und Rostfläche, vom Zylinderraum zum Dampfraum im Kessel, eine künstliche Zugvorrichtung, ein heimlicher Expansionsschieber, kurz das eigentliche Seelenleben beider Maschinen lasse den Ausgang des Kampfes durchaus zweifelhaft erscheinen. Übrigens komme es, wie bei jedem Rennen, doch auch wesentlich auf die Jockeis an, und da Jonathan von dem berühmten Amerikaner Stone (grün und gelb), John Bull von einem nicht minder hervorragenden Engländer, Jem Parker (rot und blau), geritten werde der Berichterstatter entschuldigte sich hier, daß er beim Anblick der eleganten Dampfrenner unwillkürlich in die Sprache des Turfs verfalle, so sei der Sieg des einen oder des andern keineswegs eine leicht vorauszusehende Sache. An den Schenktischen der Hotels und Salons von St.-Charles- und Kanalstraße sei das Wetten bereits in lebhaftem Gang. Im allgemeinen sei in den Kanalstraßenrestaurants Jonathan der Favorit, während im St.-Charles-Hotel Wetten von zwei gegen eins auf John Bull, dessen Jockei man größere Erfahrung zuschreibe, bereitwillig angenommen werden.

Unser nutzloses Pflügen im Ausstellungspark wurde nicht wieder aufgenommen. Das amerikanische Fieber, das den wohlakklimatisierten Lawrence in einen jungen Mann voll Feuer und Energie verwandelt hatte, packte auch mich mit jeder Stunde mehr. Am Morgen nach unsrer Besprechung im Park, nachdem ich nicht ohne Herzbeklemmung die bekannte Anzeige in fünf Zeitungen gesehen und mich an deren Aussehen ein wenig gewöhnt hatte, schlug ich mit einer entschlossenen Aufwallung alle Bedenken in den Wind. Ein Trost blieb mir ja immer: Louisiana war viertausend Meilen vom würdevollen England entfernt. Wenn es nun einmal sein mußte und mein ernster, ehrbarer Dampfpflug auf ein paar Stunden den Narren spielen sollte, nun, dann lieber auch recht! General Longstreet fand nichts Bedenkliches in der Sache. Im Gegenteil; er lobte mich, daß ich Land und Volk so rasch begreifen lerne. Persönlich wünschte er allerdings in diesem Falle mehr in den Hintergrund zu treten. Um so tätiger waren seine jungen Geschäftsteilnehmer, die beiden Owen, die das Wetten unter ihren Freunden in einen Schwung brachten, der mich kleinen Anwandlungen von Gewissensbissen aussetzte. Lawrence lachte mich aus: »Ist es unsre Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die jungen Leute ihr Geld in der Tasche behalten?« fragte er. »Ist es für das gemeine Wohl von irgendwelcher Bedeutung, in wessen Taschen des Volkes es schließlich sitzenbleibt?« Ich mußte ihm recht geben.

Parker machte keine Schwierigkeiten. In seiner trockenen Weise sagte er: »Mister Fowler schickte mich hierher und befahl mir, zu tun, was Sie befehlen. Das sind meine Anweisungen. Wenn ich mit meiner Maschine wettrennen soll, so wettrenne ich; das ist einfach!« Ich klopfte ihm auf die Schulter und begann, etwas zögernd, von der roten Jacke zu sprechen. Aber auch hier kam mir ein unerwarteter Zwischenfall zu Hilfe. Der ruhige Jem hatte bereits die intime Bekanntschaft einer jungen Dame gemacht, der hübschen, wenn auch etwas bronzierten Tochter eines Handelsgärtners, der in der Nähe des Parks einen stattlichen Bananen- und Orangenwald pflegte. Der Engländer teilte die amerikanische Abneigung gegen leichte Farbenmischungen nicht, und die junge Dame war Feuer und Flamme für den hübschen, kräftigen, wenn auch stummen Liebhaber, dessen ehrliche Augen die besten Absichten verrieten. Fräulein Sally war begeistert für die rote Jacke, half sie anmessen und setzte Goldborten auf den Kragen. Ihr Jem sah prächtig aus, wie ein Kakadu! Jetzt erst war sie wirklich überzeugt, eine glückliche Frau zu werden. Er brummte, aber er war ein herziger Junge, ihr Jem, wenn er die Kakadujacke anhatte.

Die Ackergeräte blieben im Felde stehen, wo sie standen, verstaubt und verachtet. Beide Dampfmaschinen dagegen wurden drei Tage lang geputzt und geschmirgelt, daß sie in der Sonne blitzten. Auf der Rückseite des Tenders und auf dem Deckel der Rauchkammer ließ ich durch einen hervorragenden Künstler aus Deutschland, der drüben mehrere Malerschulen besucht hatte und dementsprechend am Hungertuch nagte, die eine mit den Worten »John Bull«, die andre mit dem Namen »Jonathan« bemalen, so daß ich nun auch selbst wußte, welches die eine und welches die andre war. Stone brachte auf eigne Kosten nationalfarbene, besternte Tücher, mit welchen er Jonathan schmückte. John Bull fand sich am Mittwoch nachmittag mit Girlanden über und über bedeckt, in denen sich reife Orangen besonders reizend ausnahmen. Das war Sallys Werk. Ich selbst sorgte dafür, daß am Tender jeder Maschine zwei Banner befestigt wurden: Parker erhielt den englischen Union-Jack, den er mit ruhigem Stolz aufsteckte, Stone die sternbesäte Flagge seiner amerikanischen Heimat. Das eigentümliche Verhältnis beider war auch nach längerem Zusammenarbeiten das gleiche geblieben. Sie sprachen nicht viel und nicht höflich, wenn sie sich etwas zu sagen hatten, aber die magnetische Antipathie, mit der sie sich betrachteten, war im Wachsen. Parker verachtete Stone, Stone ärgerte sich über Parker. Das geschah aus nationalem Instinkt. Hätten sie sich als Individuen gegenübergestanden, so wäre das umgekehrte Verhältnis natürlicher gewesen. Stone, der ältere, verhältnismäßig gebildetere Mann hätte Jem verachten, Jem sich über Stone ärgern sollen. Aber das unbewußte Rassengefühl ist meist stärker als das bewußte Empfinden des einzelnen. Zum Glück hatten sie bis jetzt nicht viel Gelegenheit gehabt, sich aneinander zu reiben. Es ist dies schwierig, wenn jeder den ganzen Tag an einem der beiden Enden eines vierhundert Meter langen Drahtseils beschäftigt ist.

Auch Delano hatte nun genügend zu tun und wurde deshalb etwas heiterer. Er ließ die Tribüne abstäuben und stützen, da sie sich gefährlich nach hinten neigte, und ein drittes Kassenhäuschen aufstellen. Man sah, meine amerikanischen Freunde glaubten an die englischen Elefanten. Ich selbst war sehr beschäftigt und warf kaum einen Blick auf die Zeitungsnotiz, die mir Lawrence, der jetzt alle Taschen voll Fahnenabzügen und Ausschnitten hatte, am Dienstag vor dem Rennen auf die Maschine heraufreichte. Einen Augenblick später sprang ich jedoch erregt zur Erde. Der Himmel klärte sich.Es regnet auch im Mississippidelta nicht immer. Dann las ich mit gespannter, aber freudiger Aufregung:

»Washington, den 1. März 1867. Der unerwartete Schluß der Sitzungen des Kongresses war in den letzten Tagen die Veranlassung, eine ganze Reihe weniger bedeutender Vorlagen, namentlich auf wirtschaftlichem Gebiete, zur Beratung zu bringen, die meist ohne längere Diskussion zur Annahme kamen. Die sichtliche, die Arbeit fördernde Ermüdung der würdigen Vertreter des souveränen Volkes mag hierbei ebenso kräftig mitgewirkt haben wie die sachlichen Interessen, die von einzelnen Mitgliedern mit Gewandtheit und Umsicht vertreten wurden. Namentlich war dies am letzten Tage der Session der Fall, an dem die folgenden neun Anträge die Zustimmung des hohen Hauses erhielten.« Dann folgte die Liste von acht mir völlig gleichgültigen Bestimmungen, die sich auf die Gewährung von Pensionen, die Bezahlung von Komitees, die Erhöhung von Beiträgen zu verschiedenen Verkehrsunternehmungen bezogen. Dem neunten Paragraphen sah man es fast an, wie hastig er im letzten Augenblick noch angehängt worden war. Er lautete:

Ferner wird beschlossen, daß Geräte und Maschinen, die zur Bearbeitung des Bodens mittels Dampfkraft bestimmt sind, zoll- und steuerfrei eingeführt werden können, und soll diese Zollbefreiung auf die Dauer von drei Jahren festgesetzt sein. Auch soll die Bestimmung rückwirkende Kraft besitzen und vom 1. Januar 1866 an Geltung haben.

›So hat mein zweifelhafter Freund Olcott doch nicht umsonst gearbeitet, und Schmettkow wird mir beschämt zugestehen müssen, daß auch im Norden noch Menschen wohnen, auf die man sich verlassen kann! rief ich innerlich hocherfreut und schickte Stone in die Stadt, um noch zwei Banner zu bestellen, mit denen ich Jonathans Schornstein schmücken wollte. Die Sterne und Streifen waren nicht so schlimm, wie ich seit einigen Wochen zu fürchten begonnen hatte.

Noch am gleichen Nachmittag, als meine zwei Renner blank und glänzend, mit Kohlen, Wasser und Öl versorgt, hinter der geschmückten Tribüne aufgestellt waren, fuhr ich nach dem Hauptzollamt und überreichte dem Generalzolldirektor von New Orleans den »Picayune« und die »Crescent City News« mit ihren Telegrammen aus Washington. Der Herr, ein dünner, schwarzgekleideter Yankee mit der Miene eines Kirchenältesten, schien in eifrigem Geschäftsgespräch mit einem seiner Unterbeamten. Beide hatten zerrissene Taschenbücher in der Hand und ließen sich durch meinen Eintritt kaum stören. Zwei gegen eins auf Jonathan; so weit wollte der Zolldirektor gehen, während der Assistent zögernd an seinem Bleistift kaute. Beide Herren empfingen mich unwirsch, als ich eintrat, und sehr höflich, als ich mich zu erkennen gab. Mit sichtlichem Widerstreben entfernte sich der Assistent auf einen energischen Wink seines Vorgesetzten. Ich zog den »Picayune« hervor und zeigte ihm den dickunterstrichenen Paragraphen.

»Sehr gut, sehr gut, Sir!« sagte er mit unerwarteter Zuvorkommenheit. »Ich gratuliere Ihnen, Herr – Herr Jed! Nebenbei: würden Sie vielleicht die Güte haben, mir den Unterschied, die wesentlichen inneren Eigenschaften von Jonathan und John Bull zu erklären. Ich verstehe nicht viel von Dampfmaschinen, interessiere mich aber doch außerordentlich für die Fortschritte der Technik. Die beiden Elefanten seien äußerlich ziemlich ähnlich, habe ich mir von sachverständiger Seite sagen lassen. Welchen ganz unter uns welchen halten Sie bei einem Viereinhalbmeilen-Rennen für den leistungsfähigeren? Sie wissen, die Bahn ist anderthalb Meilen lang.«

Hier handelte es sich offenbar um ein unerwartet glückliches Zusammentreffen von Umständen, das ich nicht ungenützt vorübergehen lassen durfte.

»Ich komme, verehrter Herr,« sagte ich, »um Sie auf den Paragraphen bezüglich der rückwirkenden Kraft dieser Zollbestimmung aufmerksam zu machen.«

»Sehr interessant!« rief der Zöllner. »Ich höre, Jonathans Feuerbüchse sei um zehn Zoll länger. Wenn dies der Fall ist, muß er ein verdammt guter Dampfer sein«

»Wie Sie wissen,« unterbrach ich ihn mit großer Ruhe, »haben wir, unsere Vertreter Longstreet, Owen & Co., in meinem Namen viertausendzweihundert Dollar Zollgebühren für den Dampfpflug bezahlt, der sich augenblicklich im Ausstellungspark befindet.«

»Gewiß, gewiß! ich erinnere mich. Dagegen habe ich gehört, daß John Bull größere Straßenräder hat. Das müßte man aber doch sehen, und mein Sohn, den ich gestern nacht hinausschickte, konnte einen Unterschied nicht mehr feststellen; es war allerdings schon dunkel. Niemand kann mich nun hierüber so gut aufklären wie Sie, mein werter Herr Jed. Ich betrachte es als eine ganz besondere Vergünstigung, daß ich die Ehre habe, Sie heute bei mir zu sehen.«

»Nun denke ich,« fuhr ich mit Beharrlichkeit fort, »werden wir wohl die viertausendzweihundert Dollar ohne weiteres zurückerhalten können. Etwas Bargeld wäre mir augenblicklich nicht unangenehm, Herr Generalzolldirektor; Jonathan frißt, wie Sie richtig vermuten, eine erstaunliche Menge Kohlen.«

»Sie glauben also auch, daß Jonathan, namentlich auf viereinhalb Meilen, die Wahrscheinlichkeit für sich hat,« drängte der Kirchenälteste.

»Ich kann natürlich nichts Bestimmtes sagen, Sir,« sagte ich zurückhaltend. »Jonathan ist ein feiner junger Dampfelefant, dem ich viel zutraue viel zutraue, Herr Direktor, und John Bull ist nicht schlecht für sein Alter. Beide sind am gleichen Tage geboren. Es wäre nicht ehrlich, wenn ich mehr plaudern wollte. Auch kann man ja nie wissen, wie es geht. Der Zustand der Bahn, das Wetter, Wasser und Kohle, die Jockeis, alles hat seinen Einfluß. Von den Elefanten als Rennern wissen wir alle nicht zu viel. Was die viertausendzweihundert Dollar betrifft-«

»Das genügt,« unterbrach mich der Direktor mit schlauem Augenblinzeln. »Jonathan ist fein und jung. Sie sagen, Jonathan kann man viel zutrauen. Mehr als einen Wink darf ich von Ihnen nicht verlangen. Ich hoffe, Sie zu verstehen.«

»Und was die viertausendzweihundert Dollar betrifft,« mahnte ich, zutraulich lächelnd, als ob wir jetzt unter einer Decke steckten.

»Ja, sehen Sie,« sagte der Kirchenälteste mit der wohlwollendsten Freundlichkeit, »das ist so eine Sache! Das Geld werden Sie ohne Zweifel bekommen, namentlich namentlich wenn Jonathan gewinnt. Aber ich muß doch erst Weisungen von Washington haben; direkte Anweisung. So geschwind wie mit Ihren Dampfelefanten geht es in den Regierungsbureaus gewöhnlich doch nicht. Besuchen Sie mich in einer Woche wieder, Herr Jed. Da soll die Summe auf dem Tisch liegen, wenn der Picayune nicht gelogen hat; mein Wort darauf! Also Jonathan? Sie denken wirklich Jonathan?«

»Wie Sie sagen: ich denke Jonathan,« bestätigte ich halblaut, sinnend, wie wenn ich meine eignen Gedanken belauschte, und dachte dabei an das Orakel von Delphi. Dann verabschiedeten wir uns mit lebhaftem Händeschütteln. Ich kann es nicht leugnen, so unerklärlich es ist: noch nach Jahren meines amerikanischen Lebens machte dieses biedere Händeschütteln einen gewissen Eindruck auf mich.

In dem dunkeln Gange vor der Türe kam der kleine, aber greisenhafte Assistent aus einer Nische hervor. Er hatte auf mich gelauert und schüttelte mir noch heftiger die Hand.

»Sie kommen wegen des Zolls auf Ihren Dampfpflug,« sagte er leise und eifrig. »Ich weiß, ich weiß! Ich las die Nachricht selbst heute früh in den Crescent City News und dachte sofort: hier gibt es etwas für mich zu tun. Ohne mich geht das nämlich nicht. Er ist zäh wie ein Hickorystock, wenn er herauszahlen soll« dabei deutete der Kleine auf die Zimmertüre des Großen. »Eine höchst wichtige Nachricht für Ihr Geschäft. Gratuliere, gratuliere! Die viertausendzweihundert Dollar werden Sie übrigens im Handumdrehen bekommen, wenn ich die Sache in die Hand nehme, und das habe ich zu tun im Sinn, Mister Eyth! Nebenbei was halten Sie von John Bull? Ich glaube nicht, daß die beiden Elefanten so verschieden sind, wie sie aussehen. Sie sehen verschieden aus, höre ich von sachverständiger Seite, aber nicht so verschieden, daß man daraus seine Schlüsse ziehen könnte. Auf die Jockeis wird es wohl ankommen unter uns«

»Die Jockeis sind allerdings auch bei wirklichen Elefanten ein wichtiges Element,« sagte ich zustimmend.

»Herr Eyth, ich heiße Smith und habe die Geldanweisungen auszuschreiben. Es wird mir das größte Vergnügen machen, Ihnen gefällig zu sein. Ich weiß, die Engländer lieben einen prompten Geschäftsgang; ich war selbst drei Wochen in England. Und da John Bulls Jockei, wie ich höre, ein Engländer ist und natürlich besser mit diesen Dampfelefanten umzugehen weiß«

»So würde ich selbst vermuten,« unterbrach ich ihn entgegenkommend, »daß John Bull die größere Wahrscheinlichkeit für sich hat, als Sieger aus dem Rennen herauszukommen.«

»Das genügt, das genügt!« rief der Kleine stürmisch. »Natürlich, es wäre unrecht, Sie zu veranlassen, weiter aus der Schule zu schwatzen. Aber kommen Sie nach dem Wettrennen wieder. Sie sollen Ihr Geld haben, ehe wir ein Schnippchen schlagen. Mein Chef?« Herr Smith machte eine unehrerbietige Grimasse »er läßt niemand in Ruhe, die alte Schraube! Er hat mir bei unsrer letzten Wette meinen halben Jahresgehalt abgeschwindelt, und ich bin ein verheirateter Mann mit einer kleinen Familie von sieben. Diesmal soll er mir einmal bluten! John Bull; natürlich! Sie werden den Amerikaner nicht gewinnen lassen; das kann ja ein Kind sehen. Diesmal soll er geschröpft werden. Besten Dank, wertester Herr Eyth!«

Er klopfte mit schneidiger Schärfe an die Zimmertüre seines Vorgesetzten. Ein freudiges Herein! der etwas krächzenden Stimme des kirchenältesten Zöllners drang bis zu mir. Ich konnte noch auf der Treppe an dem heiteren Ton ihres Gesprächs hören, wie sie beide glaubten, sich gegenseitig in der Tasche zu haben. Ein schöneres Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen konnte es doch wohl kaum geben. Und hierfür, sagte ich mir mit heimlichem Stolze, sind mir beide jetzt gleich dankbar.

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