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Hexerei oder Blinder Lärm

Ludvig Holberg: Hexerei oder Blinder Lärm - Kapitel 1
Quellenangabe
typecomedy
booktitleHolbergs ausgewählte Komödien. Zweiter Band
authorLudvig Holberg
translatorRobert Prutz
year1872
firstpub1748
publisherBibliographisches Institut
addressLeipzig und Wien
isbn
titleHexerei oder Blinder Lärm
pages76
created20090930
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Ludwig Holberg

Hexerei
oder
Blinder Lärm.

Komödie in fünf Akten.

Aus dem Dänischen von Robert Prutz.

 


 

Leipzig und Wien
Bibliographisches Institut
[1872]

 

Die Veranlassung zu diesem Stücke – dem achtzehnten in der jetzt üblichen Reihenfolge der Holbergschen Lustspiele – hat der Dichter größtentheils einem Ereigniß entnommen, das sich kurz zuvor in dem Städtchen Thisted in Jütland zugetragen. Dem Prediger dieses Städtchens nämlich war von einer reichen Bürgersfrau der Stadt die Hand ihrer Tochter verweigert worden. Um sich für diese Zurücksetzung zu rächen, hatte er die Frau als Hexe ins Geschrei gebracht, und zwar mit solchem Erfolge, daß auch verschiedene andere Frauen der Stadt sich freiwillig für besessen ausgaben, bis zuletzt die halbe weibliche Einwohnerschaft von Geistern und Erscheinungen geplagt war. Ein paar muthwillige Studenten, die an dem tollen Treiben ihren Spaß hatten, vermehrten dasselbe noch durch listige Veranstaltungen und brachten es auf die Art endlich dahin, daß die Gerichte, den Bischof Bircherod in Aalborg an der Spitze, sich gemüßigt fanden einzuschreiten. Wirklich wurde eine der unglücklichen Frauen als Hexe zum Feuertode verurtheilt; sie appellirte jedoch, und König Friedrich IV. war einsichtig und vorurtheilsfrei genug, nicht nur das Urtheil zu kassiren, sondern auch die unverständigen Richter, die es gefällt hatten, zur Verantwortung zu ziehen. Dasselbe geschah auch dem Bischof, der sich infolge dessen »eine Commission darüber ausbat«. So kam die Sache schließlich an die medicinische Facultät zu Kopenhagen, die eine »ausstudirte Betrügerei« darin erkannte, worauf die Urheber derselben gehörig bestraft, die Akten des übrigen Processes aber beiseite gelegt wurden. – Außer diesem Erlebniß wurde auch Scarrons berühmter »Roman comique« ein Lieblingsbuch der damaligen Zeit, benutzt; die Doctormaschine, die solche großen verhängnißvollen Rollen in dem Stücke spielt, ist aus »La fille de bon sens« im IV. Band des Théâtre Italien entnommen.

Um übrigens die Bedeutung des Stückes recht zu würdigen, muß man sich erinnern, daß zur Zeit seiner Abfassung der Glaube an Hexen noch keineswegs völlig ausgerottet und beseitigt war. Allerdings hatte Balthaser Bekker seine berühmte »Betoverde Weereld«, die auch Holberg offenbar nicht unbekannt gewesen, bereits 1691 erscheinen lassen, und auch Thomasius hatte dem Hexenunwesen bereits mit Erfolg den Krieg erklärt; doch fehlte noch viel, daß diese aufgeklärten und geläuterten Ansichten bereits die Masse des Publikums durchdrungen, und gehörte somit ein mehr als gewöhnlicher Muth dazu, einem Lieblingswahn desselben so entschieden und mit so scharfen Waffen entgegenzutreten, wie es in diesem Stücke geschieht.

Gleichwol hat dasselbe auf der Bühne niemals besonderes Glück gemacht; in den 21 Jahren von 1748 bis 1769 wurde es nur neunmal aufgeführt, und auch als es später, zu Ende des Jahrhunderts, aufs neue auf die Bühne gebracht ward, vermochte es sich nicht zu behaupten.

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