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Gutenberg > Ludwig Fulda >

Herr und Diener

Ludwig Fulda: Herr und Diener - Kapitel 4
Quellenangabe
typedrama
booktitleHerr und Diener
authorLudwig Fulda
year1910
firstpub1910
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
addressStuttgart und Berlin
isbn
titleHerr und Diener
pages153
created20091107
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritter Aufzug

Schauplatz wie im ersten Aufzug

Der Vorhang vor der Galerie ist zugezogen

Erster Auftritt

(Morgengrauen.) Bahram (liegt auf den Stufen und schläft). Sapor (kommt durch den Vorhang)

Sapor He, holla, Bahram, auf!

Bahram (schlaftrunken)             Was gibt es?

Sapor                                                         Reib
Den Schlaf dir aus den Augen. Vor dem Tor
Selbander stehn der Morgen und der König.

Bahram (sich erhebend)
Du, Sapor, bist's? Der König, sagtest du . . .
Seid ihr nicht auf der Jagd? 119

Sapor                                       Wir sind zurück
Und haben ein gar edles Wild gefangen.

Bahram (ängstlich)
Denk' nicht, ich sei zu alt zum Wächterdienst.
Mißdeutung wär' es, wenn du glauben wolltest,
Ich hätte nicht gewacht.

Sapor                                 Mach' hurtig, wecke
Den schlummernden Palast und heiß den Schall
Sich breiten bis zum Ohr der Königin.
Der König will alsbald sie sehn.

Bahram                                         Sogleich.

(Ab links vorn)

Zweiter Auftritt

Sapor. Juba, Mansor (kommen durch den Vorhang, halten ihn offen und lassen den) König (eintreten. Dann) Artaban (und) Bewaffnete. (Tagesanbruch)

König (unstet und fahrig)
Noch alles ruhig?

Sapor                         Dein Befehl erging.

König (sich umschauend)
Gleich einem Fremdling kehr' ich bei mir ein.
So wird vielleicht einmal mein letzter Erbe 120
Durch seiner Väter ausgestorbne Hallen
Hinwandeln, fröstelnd in der Dämmerung.

Sapor Schon hebt sich, um vor andern dich zu grüßen,
Der Sonnenball, von dem du stammst.

König (zu Juba und Mansor)                         Ihr wart
Zur Seite dem Gefangnen unterwegs?

Juba Ja, Herr.

König             Habt ihr ihn ausgehorcht?

Mansor                                                 Wir hielten
Das nicht für unsres Amtes.

König (nickend)                           Gut. – Und er?
Was etwa hat er euch gesagt?

Juba                                           Er schwieg
Beharrlich.

König (halb für sich) Wiederum! –

Mansor                                     Da bringt man ihn.

(Bewaffnete sind durch den Vorhang aufgetreten, Artaban führend, der in unverändert fester Haltung einhergeht) 121

König (zu den Bewaffneten)
Führt euren Häftling in das Vorgemach
Des Thronsaals und bewacht ihn streng.
        (Zu Sapor, während Artaban durch die Tür links hinten abgeführt wird)
                                                            Er würdigt
Mich keines Blicks.

Sapor                           Verstocktheit.

König (murmelnd)                               Kann wohl sein.
        (Zu Juba und Mansor)
Ihr aber – geht, versammelt unverzüglich
Mir das Gericht: neun Große meines Reichs.
Ich selbst als Oberrichter sitz' ihm vor.

(Juba, Mansor ab links hinten)

Dritter Auftritt

König. Sapor. (Dann) Bahram

Sapor Erhabner, hegst an Artabans Verschulden
Du Zweifel?

König (ihn scharf ansehend)
                    Ich? Wieso?

Sapor                                     Dir ist's erwiesen.
Ein Wink von deiner Hand, so fällt sein Haupt.
Wozu noch das Gericht? 122

König                                   Brav; äußerst brav.
Du redest pfiffig, Sapor.

Sapor                                 Herr, ich rede,
Wie mir's dein Vorteil anbefiehlt.

König                                               Mein Vorteil?
Meinst du, mir könne schaden, was er schwatzt,
Sich reinzuwaschen? Möchtest, wenn das Volk
Um seinen Götzen murrt, auf mich allein
Des Mißmuts Bürde laden? (Bewegung Sapors) Oder bangt
Es dir vorm Freispruch deines Nebenbuhlers,
Weil er noch immer dir gefährlich dünkt?

Sapor Mein König, du verkennst mich.

König                                                 Unbesorgt!
Erleichterst du mir doch durch Eigenlob
Des Tauschs Bewertung.

Bahram (kommt von links vorn, verneigt sich)
                                      Friede sei mit dir,
O Herr. (Anmeldend) Die Königin.

König (hastig, zu Sapor)                       Es bleibt bei dem,
Was ich verfügt.

(Sapor nach zustimmender Verneigung ab links hinten. Der König geht der Königin entgegen, nach deren Auftreten Bahram, durch den Vorhang abgehend, sich zurückzieht) 123

Vierter Auftritt

König. Königin (begleitet von) Nadira, Thamar (kommt von links vorn)

Königin                     Hier bin ich, mein Gemahl.

König (unsicher)
Ich habe deine Morgenrast geschmälert . . .

Königin Du tatest wohl daran. Wie käme mir
Die Stunde, die dich heimführt, je zu früh?
Kaum gab mein Staunen meiner Freude nach,
Da so viel dringender als jüngst beim Abschied
Mein Gruß von dir geheischt ward zum Empfang.

König Vermehrte Nahrung beut sich deinem Staunen,
Wenn dir der Anlaß kund.

Königin                                 Was trug sich zu?

König Ergiebig war die Jagd. Mein ärgster Feind
Ging in das Netz, das er für mich geknüpft.
        (Nach links deutend)
Und dort, in sichrer Haft, vor seinen Richtern
Zu stehn gewärtigt er, des Hochverrats
Von mir verklagt. 124

Königin                     Wer ist es?

König                                         Artaban.

Königin Nein, nein, unmöglich.

König                                       Mehr noch, überführt.

Königin Er hätte dich verraten? Er?

König                                             Kein andrer
Als er, von dessen Leuchtkraft meinem Stern
Verdunklung irgendwann geweissagt ward.

Königin Was tat er?

König                       Meuchelmord hat er geplant,
Als einsam von den Meinen abgeirrt
Ich eine Freistatt gegen Wetternot
Vertrauensvoll in seinem Schloß erbeten.

Königin In seinem Schloß?

König                                 Der Stahl war schon gezückt . . . 125

Königin Um dich zu treffen?

König                                   Ja.

Königin                                     Du selber sahst es?

König (ausweichend)
Ein Glücksfall nur hat mich vorm Tod bewahrt.

Königin (jubelt auf)
O Balsam für mein Ohr! O Tag des Heils
Für dich und mich zugleich! Du bist gerettet
Und ich erlöst. Mit dieser Botschaft springt
Ein Band entzwei, das bleiern meine Brust
Umkettet hielt; nach Monden der Beklemmung
Schöpf' ich den ersten freien Atemzug.

König (befangen)
Odatis . . .

Königin           Viel hab' ich dir abzubitten.

König Wie das?

Königin             Doch glaube mir, wenn mich seither
Ein Wahn umfing – ich litt von ihm am meisten.
Mit Koboldzungen grausam zischelten
Ohn' Unterlaß mir innre Stimmen zu,
Daß der Gefallne noch, daß der Verbannte, 126
Den Fürstenmantel angeborner Würde
Statt nur geborgter um die Schultern schlagend,
Unwandelbar dein Überwinder blieb.
Jetzt aber, wie bei Sonnenaufgang sich
Ein Nebelmeer zerteilt, verflog die Täuschung.
Was mir Gemütskraft, Mannheit, Heldentum,
Erhabner Gleichmut schien, war Gaukelei,
War das Versteckspiel einer Sklavenseele.
Vergeltung sann er, recht nach Sklavenart,
Lag ruhig, ein getretner Skorpion,
Nur passend auf Gelegenheit, zu stechen.

König Du sagst es; und mich freut, zu beßrer Einsicht
Von Grund auf dich bekehrt zu sehn.

Königin                                                 Fürwahr,
Ich bin bekehrt! Unangefochten wieder
Stehst du vor mir auf jenem goldnen Gipfel,
Den, ach, so gern mein Herz dir vorbehält.

König (abwehrend)
Nichts mehr davon.

Königin                       Genug, wenn du verzeihst.

König Nun sei mein Erstes, über ihn Gericht
Zu halten.

Königin           Ihm geschehe nach Verdienst.

(König ab links hinten) 127

Fünfter Auftritt

Königin. Thamar. Nadira. (Dann) Bahram

Königin (in leidenschaftlicher Freude)
Sieg, Sieg, ihr Mädchen! Hört, ich jauchze Sieg.
Ihr müßt mir nicht wie damals Krücken reichen,
Damit ich aufwärts schreiten kann zum Fest.
Wer heut am Boden liegt, steht nicht mehr auf
Zu neuem Streich; das Kampfspiel ist beendigt.

Bahram (kommt durch den Vorhang)
Erhabenste . . .

Königin                 Was bringst du, guter Bahram?

Bahram Soeben angelangt nach weitem Ritt
Fleht gar beweglich eine Perserin –
Erles'nen Rangs, wie mich der Anschein lehrt –
Um die Gewährung, vor dich hinzutreten
In dieser Stunde noch.

Königin                           Sie wählte klug
Die rechte Zeit. Von Segen überträufend
Mahnt mich der Tag, aus meinem Freudenborn
Die Schale jedem Bittenden zu füllen. –
Sie möge kommen. (Bahram ab. – Zu Nadira und Thamar)
                              Sputet euch und nehmt
Aus meinen Truh'n die köstlichsten Gewänder;
Holt all mein funkelndes Geschmeid hervor. 128
Ihr sollt hernach mich zieren und euch selbst,
Als ob noch einmal ich den Thron bestiege.
Die Spange, die dir so gefiel, Nadira,
Sei dein, und, Thamar, dein das Ohrgehäng.

Nadira O welches Glück!

Thamar                           Dank dir, Gebieterin!

(Beide schnell ab links vorn)

Sechster Auftritt

Königin. (Durch den von Bahram gelüfteten Vorhang ist) Gülsade (verschleiert, erschienen. – Bahram bleibt im Hintergrund abwartend stehen)

Königin (zu Gülsade)
Tritt näher. – Was ist dein Begehr?

Gülsade (nach vorn kommend, verneigt sich) Mit dir
Zu sprechen, Herrin.

Königin                         Sprich getrost; ich höre.
Jedoch warum verhüllst du mir dein Antlitz?

Gülsade Mein Antlitz ist verhüllt von dichtem Jammer,
Verhüllt von Rabenfittichen des Grams.
Auch möcht' ich jetzt nur eine Stimme sein, 129
Doch eine, die mit ehernen Gewalten
An deinem Herzen reißt.

Königin                               Wie nennst du dich?

Gülsade Gülsade.

Königin               Diesen Namen sollt' ich kennen . . .
Du bist . . . O, nun begreif' ich!

Gülsade                                         Nein, noch nicht;
Noch nicht begreifst du.

Königin (gibt Bahram einen Wink, worauf er sich zurückzieht. Dann voll Genugtuung)
                                      Frau des Artaban,
Du kommst als Flehende. So laß zuvor
Mich doch die vielgepries'nen Züge schaun,
Die zaubrisch diesem siebenfach Gefeiten
Die Rüstung abgeschmelzt.

Gülsade (sich entschleiernd)         Sie sind entstellt.

Königin Nicht doch. Die Sorge deiner Eitelkeit
Ist unnütz; denn die herbe Leidensmiene
Steht ihnen vorteilhaft. Ich muß bekennen,
Man hat nicht fälschlich Lärm davon gemacht.
Kein überzeugenderes Urbild fände,
Wer die Verführung malen will. 130

Gülsade                                         O Herrin . . .

Königin Wozu noch Worte? Was dich hergezwungen,
Einleuchtend ist es ohnehin. Du möchtest
Ihn retten, der dich liebt, und hoffst, ich werde
Durch Fürsprach dir dazu behilflich sein.

Gülsade Das hoff' ich nicht.

Königin                               Ei, sieh doch.

Gülsade                                                     Denn ich weiß,
Du hassest ihn.

Königin (rasch)       Hat er dir einen Grund
Für meinen Haß bedeutet?

Gülsade                                   Nein. Jedoch
Ich weiß, wie Frauen hassen, Königin.
Auch deiner ist von allzu hartem Stoff,
Als daß dein Mitleid ihn erweichen könnte.

Königin Was hoffst du dann von mir?

Gülsade                                             Gerechtigkeit. 131

Königin Weh deinem Schifflein, wenn als letzter Anker
Ihm die nur bleibt. Mein Mitleid allenfalls
Könnt' ich dir zollen – ja, sogar auch ihm.
Sein tiefer Sturz hat meinen Haß gekühlt.
Gerechtigkeit indessen, die du forderst,
Schreit laut nach Züchtigung für den Verruchten,
Der seinen König, seinen Gast bedrohte
Mit mörderischer Faust.

Gülsade                               Nie tat er das!

Königin Du willst es leugnen?

Gülsade                                 Ja, dies ist nicht wahr;
So wenig wahr, daß es die Wahrheit schändet,
In Ruß erstickend ihre Flammenschrift.
Nie hat in ihm ein leisester Gedanke
Die Treue gegen seinen Herrn verletzt.
Erniedrigt noch, mißhandelt, weggeworfen
Hing er an ihm unlöslich, unverbrüchlich
Und hätte lieber jeden Martertod
Erduldet, als ein Haar ihm nur gekrümmt.

Königin Du wagst, mir vorzuspiegeln, daß der König
Mit Unrecht ihn bezichtigt hat? 132

Gülsade                                         Mit Unrecht
Ergriff er ihn, der schuldlos ist, und schonte
Den Schuldigen.

Königin                   Ein andrer wär's gewesen?
So stell' ihn doch!

Gülsade                     Ich hab' ihn dir gestellt.

Königin (ungläubig)
Du?!

Gülsade   Ja.

Königin         Du hättest . . .

Gülsade                               Ich allein beging,
Womit man ihn belastet, und verlange,
Daß mich die Strafe trifft an seiner Statt.

Königin Dein Plan ist edel, leider nur zu dünn
Von Einschlag; mühlos dringt ein fester Blick
Hindurch. Mit deinem Leben willst du seins,
Der über alles dich geliebt, erkaufen . . .

Gülsade O nein, den König hat er mehr geliebt
Als mich – und soll dran sterben, daß ich ihn
Mehr als den König liebte. 133

Königin (mit dämmerndem Verständnis) Was . . . was soll
Dies heißen?

Gülsade               Fragst du, Königin?

Königin                                             Der König . . .

Gülsade Ich habe, dünkt mich, dir genug gesagt.

Königin (sie wild anstarrend)
Das also! – Weib, ich will dich Lügen strafen;
Ich muß es. – Nur mit deinen Augen glänze
Mich so nicht an; nur birg dein Antlitz wieder –
Sonst kann ich's nicht.

Gülsade                             Wenn ich geahnt, welch Unheil
Bestimmt sei, von ihm auszuströmen, wahrlich,
Mit diesen Nägeln hätt' ich es zerkrallt.

Königin (in zornigem Schmerz aufflammend)
O Schmach! –

Gülsade (nach einer kleinen Pause)
                        Nun wirst du wohl mir zugestehn,
Daß mein die Schuld. Wirst vielmal glühender,
Als je du glühend Artaban gehaßt,
Mich fürder hassen, mich, um derentwillen
Dich dein Gemahl vergaß. Und wenn zu spärlich 134
Der Scheiterhaufen deines Hasses loht,
So hab' ich neue Feuerbrände noch
Bereit, um ihn zu schüren. Dich vergessen
Hätt' er um mich? Das war Beschönigung!
Nein, dich verfehmt, verleugnet, preisgegeben,
Mir angelobt, ich sollt' als Königin
An seiner Seite thronen auf dem Platz,
Von dem er dich verstoßen . . .

Königin                                         Rasende,
Halt ein! Ins Ungeheure dich versteigend,
Holst du vom Wahnsinn mich zurück. Wer bürgt mir,
Bevor ich glaube, daß die Sonne droben
Ein Windstoß löschen, eine Knabenschleuder
Das Himmelszelt in Scherben schmettern kann,
Ja, daß aus wildbewegten Meereswellen
Man sichrer fußt als auf der Erde Grund –
Wer bürgt, ob nicht vom Anfang bis zum Ende
Du mir ein Ammenmärchen aufgetischt?
Gib mir Beweise!

Gülsade (zieht den Dolch des Königs hervor)
                            Kennst du diesen Dolch?

Königin (ihn nehmend)
Ich kenn' ihn gut. Einst war er meines Vaters;
Der sandt' ihn seinem Eidam mit der Braut. –
Wie kam er dir zur Hand?

Gülsade                                 Ihn steckte mir
Der König zu, damit ich Artaban
Verstummen machte. 135

Königin                           Und zur Antwort wandtest
Die Spitze du nach seiner eignen Brust?

Gülsade Ich wollt' es tun.

Königin (ausbrechend)       Und hättest recht getan! –

Gülsade Entbürde mich nicht vorschnell. Auf die Wage
Legt' ich dir erst zur Hälfte mein Vergehn;
Wäg' ab zuvor den andern, schwerern Teil.
Die stärkste Waffe, die dem Weib verliehn
Zu seinem Schutz, war mir bereits entglitten,
Als ich vom König diese Wehr empfing;
Und was mich trieb, sie gegen ihn zu kehren,
War das Gefühl der äußersten Gefährdung
Nicht nur durch ihn, fast mehr noch durch mich selbst.
Ja, wenig fehlte, daß ich unterlag,
Und alles eher als die sanfte Rücksicht
Auf dein Geschick hat mich davor bewahrt.
Nun weißt du's.

Königin (murmelnd)   Ja, nun weiß ich, wem Verdammung
Gebührt!

Gülsade         Und mußt mich ungesäumt verderben! 136

Königin Nein, dich umschlingen. – Komm. – Dein Gram und meiner
Sind nah verwandt, und eng verschwistert uns
Des Frauenloses bittere Gemeinschaft.
        (Sie zieht die Stutzende und leicht widerstrebende an sich)
Komm, hege keinen Argwohn mehr. Ich spreche
Von deiner Selbstbeschuldigung dich los.
Wer sagt mir denn, ob ich an deiner Stelle
Die Kraft wie du besessen?

Gülsade                                   Königin . . .

Königin O, nenne jetzt mich nicht bei diesem Namen!

Gülsade Und Artaban?

Königin                       Du hast Gerechtigkeit
Von mir gefordert. Meinen Schwur zum Pfand,
Sie soll dir werden!
        (Sie sieht Juba und Mansor eintreten. – Mit gedämpfter Stimme)
                              Still! – Ich führe dich
Ins Fraungemach. Dort harre mein, Gülsade.
Dein Tagwerk ist vollendet; meins beginnt.

(Beide ab links vorn) 137

Siebenter Auftritt

Juba, Mansor (sind von links hinten aufgetreten. Ihnen folgt der) König (in vollem Ornat. Dann) Königin

König Ich wünsche keinen Aufschub noch Verzug.
Beruft mich, wenn die Richtstatt zugerüstet.

Juba, Mansor verneigen sich zustimmend. Er wendet sich um, bemerkt die Königin, die auf der Schwelle der Tür links vorn wieder erschienen ist)

Odatis, laß von diesen dir den Wahrspruch
Verkündigen, der eben ward gefällt.

Mansor Einstimmig über den Beklagten wurde
Der Tod verhängt.

Juba                           Und eh' zum zweitenmal
Die Sanduhr abläuft, büßt er unterm Beil.

(Juba, Mansor ab durch den Vorhang)

Achter Auftritt

König. Königin

König Bist du zufrieden?

Königin (verhalten)           Noch nicht ganz.

König                                                       Was mehr,
Als daß er stirbt? 138

Königin                     Bestelle nur von neuem
Zur Ratsversammlung dein Gericht!

König                                                   Weshalb?

Königin Die Reihe des Verklagens ist an mir.

König An dir?

Königin           Ich ebenfalls will rasche Sühnung.

König Und deine Klage lautet?

Königin                                 Gleich der deinen
Auf Hochverrat.

König                     Wen zeihst du dessen?

Königin                                                   Oder
Wie sonst wird es benannt, wenn sich am Haupte
Der Königin geheimer Frevelmut
Vergreifen will, das Diadem herunter
Ihr von der Stirne zerren und sie selbst
Von ihrem Thron? 139

König                         Wer hätte das versucht?

Königin Wirst du, sobald mein Finger auf ihn weist,
Auch ihn dem Arm des Rechtes überliefern,
Auch ihn, der mich bedroht hat?

König                                             Zeig' ihn mir.
Ist seine Schuld so klar wie jenes andern,
Vor deinen Augen dann mit eigner Hand
Streck' ich zu Boden ihn.

Königin                                 So merk' ich wohl,
Daß einst mein Vater den geschmückten Dolch,
Den ich bei meinem bräutlichen Erscheinen
Als Angebinde dir von ihm gebracht,
Nicht fruchtlos weihen ließ von Priestermund.
Mit seiner Klinge solltest ja dein Weib
Du schirmen in der Stunde der Bedrängnis.
Wohlauf denn, heut ist's an der Zeit. Erfaß ihn
Und schirme mich. – Du säumst? Warum? Ich dächte,
Daß niemals du dich von ihm trennst. Wo ist er?

König (stockend)
Ich –

Königin     Ging er dir verloren? 140

König                                       Keineswegs.
Jedoch . . .

Königin             Erspare dir, danach zu forschen.
        (Sie nimmt ihn hervor)
Hier hab' ich ihn.

König (verblüfft)         Wer hat ihn dir gegeben?

Königin Frag' doch nur dich, wer ihn von dir bekam. –
Du botst ihn feil – und gabest bei dem Handel
Mich in den Kauf zugleich, wie Trödelware,
Die man veräußert, weil ihr Wert entschwand.
Schließ ab nunmehr die Rechnung: nimm ihn wieder
Und laß ihn tauchen tief in dieses Herz!

König (mühsam)
Man hat mich bei dir angeschwärzt; und du
Brichst über mich den Stab, eh' falsch von wahr
Du dich bemüht zu sondern . . .

Königin (den Dolch auf den Schachtisch legend)
                                                Sonderten
Denn falsch von wahr die Richter Artabans,
Eh' sie den Stab gebrochen über ihn?
War alles ihnen kund, was ich erkundet? –
Wie, wenn in ihre Mitte kurz entschlossen
Ich treten würd', um's ihnen darzutun? 141

König (braust auf)
Nicht über dies noch jenes – was auch immer
Geschehn sein mag – schuld' ich dir Rechenschaft.
Nicht Frauen sitzen zu Gericht . . .

Königin                                             Du willst
Doch nicht behaupten, daß es Männer waren,
Die dieses Urteil sprachen ihm, der schwieg?
Ja, meine Hand will ich ins Feuer legen.
Er schwieg! Was hätt' ihm auch Beredsamkeit
Geholfen? Wußt' er doch, vor wem er stand!
Die lassen keinen frei, den du verklagt,
Auch wenn er zehnmal dich verklagen könnte!
Ein Mann, ein echter, der von eitel Memmen
Und Neidlingen verdammt wird auf Befehl –
Das wär' Gericht? Sag' lieber Possenspiel!

König Ich traue meinen Ohren kaum. Du nimmst
Partei mit einmal für den nämlichen,
Den unablässig, unerbittlich du
Verfolgt mit wilder Feindlichkeit, nicht ruhend,
Bis du mit ihrem Gift mich angesteckt?

Königin Nur lag, dir unauffindbar, ihre Wurzel
In mir verscharrt – auf ewig, wie mir schien.
Heut aber will ich sie vor dir entblößen;
Und das, merk' auf, soll meine Rache sein!
Ja, hör', so nehm' ich Rache für den Treubruch,
So für den Schimpf, den ich von dir erlitt: 142
Bevor ich dein war, hab' ich ihn geliebt
Und ward von ihm verschmäht.

König (zurückfahrend)                       Nein, nein! – Du fieberst . . .

Königin Von ihm verschmäht. Ich will, wenn's dich befremdet,
Abrichten einen Star, damit er's stündlich
Dir wiederholt. Verschmäht, verschmäht von ihm!

König (faßt sich an den Hals)
Es würgt mich jemand. Luft!

Königin                                     Nicht wahr, das schmerzt?

König (keuchend)
Erkläre mir . . .!

Königin                   O gern, und höchst genau.
Damals, auf jener ausgedehnten Wandrung,
Als er zur Hochzeit mich geleitete
Von meinem Vaterland hierher – was war
Mir damals König Kosru? Nur ein Schall,
Nur ein Gewölk am Horizont, ein Rätsel,
Dem bang und wahllos ich entgegenschritt.
Er aber, mein Gefährte Tag für Tag,
Mein Halt auf schroffen Pfaden, im Gefecht
Mit Schelmenvolk mein markiger Beschützer,
Er war mir eines Helden erstes Bild, 143
Ein Mann, wie seinesgleichen keiner je
Mir noch genaht . . .

König                             Und du? So foltre doch
Mich länger nicht!

Königin                       Und ich? Aus Zutraun ward
Bewundrung, aus Bewundrung Leidenschaft.
Im Sturm der Sehnsucht brandete mein Blut,
Ihm zu gehören; und in einer Nacht,
In der von keinem andern Auge wir
Belauert wurden als von dem der Sterne,
Gestand ich's ihm. Doch er, die starre Richtschnur
Des Dienstes wahrend unerschütterlich,
Blieb spröd und kalt wie Marmor, scheinbar selbst
In Stein verwandelt, rührte nicht einmal
Die Spitze meines kleinen Fingers an
Und legte, da wir uns im gleichen Horst
Gemeinsam lagerten, sein blankes Schwert
Als Trennungszeichen zwischen uns.

König (in wütender Verzweiflung)               Weh mir!
Auch du bist sein Geschenk – auch du – auch du! –

Königin Von dieser Nacht an hab' ich ihn gehaßt.

König (innerlich zusammenbrechend)
Weh mir! 144

Königin         Und zwiefach, als er mich am Ziel
Dir ausgehändigt.

König                       Eine Lügnerin
Hat mich umarmt im Brautbett!

Königin                                           Nein, das nicht.
Denn meinem Haß entkeimte meine Liebe
Zu dir wie süße Frucht aus herbem Kern.
Damit er schauen sollte, daß ein andrer,
Ein Größrer mich begehrenswürdig fand,
Hab' ich mit meiner ganzen Zärtlichkeit
Um dich gebuhlt. Mein trotziges Verlangen,
Von dir geliebt zu sein, sobald erfüllt,
Ging über in Erwidrung. Solcherart
Lernt' ich gemach dich lieben, lernt' es besser,
Je deutlicher ich deine Mängel sah.
Nun klang's in mir wie göttliche Verheißung,
Zu deines Wachstums voller Scheitelhöhe
Seist du bedürftig meiner Liebeskraft.
Ich wollte dich als Ersten deines Reichs,
Bestätigt so durch eigne Pracht und Hoheit,
Wie durch des Purpurs angeerbten Glanz.
Ich trieb und spornte dich empor; ich wachte
Voll Eifersucht ob deines Ruhmes Aufstieg,
Wie eine Mutter wacht ob ihrem Kind –
Und eines Tages, da mein sorgsam Bauwerk
Mir endlich, endlich gilt für giebelreif,
Da – wer beschreibt mein Grausen, meine Pein –
Werd' ich gewahr, daß deiner Taten Brut 145
Nicht dir, nicht mir entstammt ist, sondern ihm!
Von jetzt ab haßt' ich ihn um deinetwillen,
Bekämpft' ihn, weil er dir im Lichte stand,
Bracht' ihn zu Fall, verwünscht' ihn dann wo möglich
Noch mehr beim Blick auf die gebliebne Lücke,
Das Denkmal seiner Unersetzlichkeit.
So ward, so war ich ihm von Herzen feind,
Bis du mit einem Schlage mich gewaltsam
Auf seine Seite drängtest.

König                                   Ich?

Königin                                       Ja, du.
Der Faustschlag, den du kränkend wider ihn
Diesmal gedacht zu führen, richtete
Sich mit derselben Wucht auch gegen mich.
Bei diesem Siege, wenn er dir geglückt,
Wär' ich mit ihm zusammen unterlegen.
Nicht er beging Verrat an dir; nur du
Begingst ihn an uns beiden. Drum vernimm.
Er darf nicht sterben.

König (sich aufraffend)       Hätt' er tausend Leben,
Mit tausend Toden müßt' er mir's bezahlen,
Daß er dich schwach gesehn.

Königin                                     Und wieviel Tode
Bestimmst du mir, vor der an tausendmal 146
Du schwächer standst als weiland ich vor ihm,
Und heut am schwächsten?

König                                       So zerreiß doch nur
Das letzte dünne Schleiertuch der Scham!
Sag' unverhohlen, daß du von jeher
Ihn über mich gestellt; sag', daß die Liebe
Zu ihm, bislang in Feindschaft bloß verpuppt,
Erneute Schwingen regt!

Königin                               O nein, du irrst.
In jeglichem Gedanken, den mir Wut
Und Kummer eingeflößt; in jeder Silbe,
Die Furcht und Hoffnung, Rachsucht und Verzeihn
Mir auf die Lippe legen, bin ich noch
Gerade wie zuvor dein liebend Weib
Und mehr als du besorgt um deine Größe.
Wüßt' ich, daß du durch seinen Tod gewännst,
Ich spräche: Töt' ihn, ob mit Unrecht auch.
Jedoch er würde dir in seinem Sarg
Beschwerlicher als je. Den Lebenden
Kannst du vielleicht noch überwinden lernen,
Den Toten nicht. Sein Schatten, wachsend, wachsend
Im ungewissen Duftgeweb der Sage,
Wird riesenhaft sich recken aus dem Grab
Und dich erdrücken.

König                             O, wie meisterhaft
Zu wühlen du verstehst in meiner Wunde! 147

Königin Dann freilich könnt' es auch sich leicht begeben,
Daß meine Liebe, von dir abgewandt,
Sich rückwärts wieder lenken würd' auf ihn.

König (beinahe flehend)
Mach' mich nicht toll! Ich kann es nicht ertragen,
Von dir geringgeschätzt zu werden. Alles
Entsprang daraus.

Königin (bedeutsam)     Du bist am Scheideweg.

König (mit Überwindung)
Nun wohl, noch einmal prüfe denn! Ich will
Mit meinem todgeweihten Widersacher,
Will hier vor deinem Angesicht im Wettstreit
Noch einmal mit ihm ringen Brust an Brust.
        (Er geht in die Nähe der Tür links hinten, ruft laut)
Heda! Die Wache vor! –

(Zwei Bewaffnete erscheinen in der Tür)

                                        Bringt Artaban
Hierher. (Die Bewaffneten ab) Sei wieder du die Richterin
Dem grimmigen Ernst, wie dazumal dem Spiel.
Noch bin ich König. Alles trau' mir zu,
Nur nicht, daß ich mit einer zweiten Stelle
Vorlieb zu nehmen willens bin. Entweder
Du siehst ihn heute vor mir hingekrümmt,
Zum Wurm verwandelt . . .

Königin                                     Oder? 148

Neunter Auftritt

Vorige. Artaban (wird von den Bewaffneten durch die Tür links hinten hereingeführt. – Die Königin zieht sich auf den Altan zurück und läßt sich dort beobachtend nieder)

König (zu den Bewaffneten)                       Tretet ab.
        (Sie gehorchen. – Zu Artaban)
Ich lasse dich für eines Atems Länge
Noch innehalten auf dem schmalen Saum,
Der dich vom Rande der Vernichtung trennt –
Aus Wißbegier, ob dein verwirktes Leben
Dir einen Fußfall wert ist. – Zögre nicht.
Das schon geschliffne Beil ist ungeduldig.
Hier wirf dich in den Staub und bitte mich
Um Gnade. – – – Wie? Dein Herr, dein Schicksal hält
Ein Rettungstau dir hin – und du besinnst dich,
Danach zu haschen? – Willst nicht, willst nicht bitten?
Nicht einmal jetzt?

Artaban                       Ein Bettler war ich nie.

König Und wenn's mich lüstet, ihn aus dir zu machen,
Mit krummem Rücken und mit hohler Hand?
Wenn ich um diesen Preis und nur um diesen
Dein Leben schonen mag?

Artaban                                 Ich acht' ein Leben,
Das nur zerlumpt sich noch bewahren läßt,
Wie Spreu. 149

König (schnaubend) Nun, dann, bei meinem Diadem . . .
        (Er wirft einen scheuen Blick auf die Königin, mäßigt sich)
Dann . . . gibt's ein ander Mittel, dich zur Demut
Zu nötigen, dich in die Knie zu pressen –
Und dir sogar verdank' ich's. Nimm dein Leben;
Raff's auf und trag's in einem Bündel heim.
Ich schenk' es dir.

Artaban                     Das Urteil heiß vollstrecken!

König (fassungslos)
Was?

Artaban   Denn ich nehme dein Geschenk nicht an.

König Nimmst nicht . . .

Artaban                         So wenig, wie du gestern meins.

König Von deinem König kein Geschenk?

Artaban                                                 Jetzt nicht mehr.

König (außer sich)
Und ich? Und ich, dem du wer weiß was alles
Schon vorlängst an Geschenken zugesteckt?
So zahlreich, so behutsam, daß ich nichts 150
Von meinem Eigensten mehr anzurühren
Imstand bin ohne Scheu vor der Entdeckung,
Es hab' ursprünglich dir gehört? Und ich?
Was du nicht sein willst, ich, nicht wahr, ich durft' es,
Und bleiben soll ich's auch fortan – ein Bettler,
Der sich vom Abhub deiner Tafel nährt,
Wenngleich in seinem Hals ihm jeder Bissen
Verpestet wird vom Ekel an ihm selbst?
Wer bin ich noch, wenn meine Macht nicht reicht,
Nicht einmal reicht, um deine sämtlichen
Almosen vor die Füße dir zu schleudern?
Wenn halb erdrosselt ich vergebens keuche,
Die Bergeslasten, die du tückevoll
Auf mich getürmt hast, fürchterlicher Alb,
Von mir zu wälzen – ich, der Weltgebieter?!

Artaban Glaub' nicht, o Herr, ich hätt' es nicht gefühlt,
Daß mich, der bloß dein Diener wollte sein,
Du mehr und mehr – gleichviel aus welchem Grund –
Als Hemmnis angesehn auf deinem Weg.
Den Vorwand, den du wähltest, mich beiseit
Zu schaffen, hab' ich drum durch keinen Hauch
Erschüttert. Kann mein Ende dich befrein
Vom Druck der Einbildung, das heitre Gleichmaß
Dir wiederbringen, das der Thron erheischt,
Dann für dein Wohl und der unzähligen
Mit ihm Verknüpften war und bin ich noch
Zum Tod bereit auch ohne Henkerzwang.
Gewähre, Herr, dem Opfer seinen Lauf
Und laß mich dies als letzten Dienst betrachten,
Den ich dem Königtum erweisen darf. 151

König (mit dem Lachen des Wahnsinns)
Haha, vortrefflich! Diese Finte hat
Gefehlt zur Krönung deiner Fechterkunst!
Dich opfern! Ja, warum auch nicht, Verschlagner?
Nicht tief genug entwürdigt schein' ich dir.
Dein Vorrat war noch nicht erschöpft; es blieb
Dein Tod noch übrig, und du legst ihn mir
Freigebig obenauf, damit ich vollends
Verblut' am Widerhaken, den er birgt!
Dein Angedenken soll die Lanze sein,
Die mich auf immer aus dem Sattel hebt
Und dich zum Sieger macht für alle Zeiten.
So war's gemeint! Mit diesem Schachzug erst
Schließt sich der Ring der eisernen Umschnürung
Allseitig zu; nicht eine Ritze mehr,
Draus der umstellte Gegner schlüpfen kann,
Und einerlei, was der noch unternimmt,
Du hältst – ob in Verbannung, ob im Amt,
Fern oder nah, lebendig oder tot –
Ihn an der Kehle fest, um dir den Vorrang
In jedem Fall zu sichern: Schach dem König!

Königin (ist aufgestanden und nähert sich)
Bedenk' . . .

König                 Ha, blinzelt ihr einander zu?
Verständigt schon euch hinter meinem Rücken,
Daß ihm, nur ihm der goldne Kranz gebührt?
Verlacht ihr mich als Überwundnen? Wähnt,
Ich selber müsse kleinlaut mich ergeben?
Ihr rechnet falsch! Das tut kein Sonnenerbe!
Unüberwindlicher, frohlocke nicht 152
Zu früh! Noch hab' ich einen Ausweg frei.
Schau her, wie dich dein Herrscher überwindet!

(Er hat blitzschnell den Dolch vom Schachtisch aufgegriffen und stößt ihn sich in die Brust. Wankend)

Wer . . . siegte nun . . . Odatis?

Königin (entsetzt herzueilend)             Mein Gemahl!

Artaban (ihn auffangend)
Mein König!

Königin               Hilfe!

Artaban (läßt ihn sanft auf einen Diwan niedergleiten)
                              Keine Hilfe mehr.

Königin Du hast ihn mir zerbrochen; du!

Artaban                                                 Nicht ich.
Er starb an dir. Du störtest meine Pflanzung,
Unseligen Zwiespalt senkend in sein Herz.
Wozu der Wettkampf, dessen die Geburt
Ihn überhob? An mir, dem Untergebnen,
Hätt' er sich nimmermehr zu messen brauchen,
Dieweil ein Großer seine Größe steigert,
Wenn er auf seines Dieners Schultern steht.
Von dir gestachelt über sich hinaus,
Verlor er seinen blinden Königsglauben.
Der Sasanide Kosru starb daran. 153

Zehnter Auftritt

Vorige. (Der Vorhang zur Galerie wird von außen zurückgezogen. Oben stehen) Sapor, Juba, Mansor, Bewaffnete

Juba Der Richtplatz ist bereitet.

Königin (erstarrt)                       Räumt ihn wieder.
Ein Opfer fiel. Das Reich verträgt kein zweites.

 


 

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