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Hermann Ifinger

Adolf Wilbrandt: Hermann Ifinger - Kapitel 16
Quellenangabe
authorAdolf Wilbrandt
titleHermann Ifinger
publisherVolksverband der Bücherfreunde Wegweiser-Verlag G. m. b. H.
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170608
projectid8ddab11e
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XV

Ifinger stand auf derselben Stelle, minutenlang, ohne sich zu rühren. Er sah noch immer dem Unglücklichen nach, denn er schämte sich, nach dem Biergarten zurückzublicken; ebensosehr widerstand ihm, Kircher nachzugehen. Es war ihm, als hätte dieser sich selber öffentlich geschändet; seinem angeborenen Stolz schien es ganz unfaßbar, daß man vor einen Kritiker hintreten und ihm sagen könne: du hast etwas gegen mich drucken lassen, du hast mich beleidigt ... Nun aber gar von »Mord« zu reden, wie ein hysterisches Weib; mit dem Messer zu drohen ...

»Warum steh' ich denn noch immer hier?« fragte er sich endlich. »Warum geh' ich denn nicht nach Haus? – Was liegt mir denn noch auf der Brust? Irgend etwas ist nicht in Ordnung; sonst läg' mir das nicht auf der Brust. Ich hätte das allerdings nicht getan; Hermann Ifinger nicht; – aber, mit Erlaubnis, wer ist Hermann Ifinger? Das ist ein Mensch, dem es immer gut ging; er hat Kummer gehabt, Dummheiten gemacht, aber die eigentliche Gemeinheit der Sorge hat ihn nie gedrückt; seine paar guten Eigenschaften sind so ruhig und ungestört gewachsen, wie das Gras auf der Wiese ... Hermann Ifinger, du hast gut reden. Sei kein Pharisäer. Wenn du so mühselig und ungleich gewachsen wärst, wie der Anton Kircher, wie stünd's dann mit dir? Würdst du dann auch so vornehm auf ihn herunterschauen? Würd' dich die Verzweiflung über dein Schicksal nicht zum Narren machen? Weißt du das gewiß? – – Jetzt ist er vermutlich zu Hause, in seiner Schwanthalerstraße, wirft sich aufs Sofa, fährt sich in die Haare, aus Wut und Scham über sich selbst, gibt sich die schmählichsten Namen. Hermann Ifinger aber, der steht auf dem großen Platz, setzt sich aufs hohe Pferd, findet ihn schwächlich, gemein, erbärmlich; fühlt sich selber erhaben, angenehm, unendlich erfreulich in seiner stillen Größe ... Nein, den Teufel auch. Nein, das tut er doch nicht. In der Schwanthalerstraße ... Ich will zu ihm gehn. Vielleicht kann ich ihm helfen. Er braucht einen Menschen. Von der Vogelperspektive her hat man noch niemand aus dem Sumpf geholfen ... Also auf zum Kircher!«

Im vergangenen Winter hatte er ihn einmal mit Erhart besucht und wußte, wo er wohnte; es war in der Schwanthalerstraße eines der letzten Häuser gegen die »Theresienwiese« zu, auf die man von den Fenstern der Rückseite blickte. Damals war ihm noch unbekannt, daß mit ihm diese Schwester wohnte, diese reizende Porzelläne, diese gefährliche Milli ... Er ging mit seinen ausgreifenden Schritten, fast noch mehr vorgebeugt als sonst, über den Platz und durch die Schillerstraße, bis er in die rechte kam; stockte dann noch einmal – er wußte nicht, warum – zauderte, zögerte, gab sich endlich einen neuen Stoß, und erreichte das kleine Haus. Kirchers Zimmer lagen eine Treppe hoch; darüber war kein Stockwerk mehr. Als er oben an die Wohnungstür kam und anläuten wollte, sah er, daß die Tür nur angelehnt war und er selber sie öffnen konnte. Er tat es und trat ein. Auf einen kleinen, halbdunklen Vorplatz mündeten drei kleinere Türen; auf die letzte rechts war eine Visitenkarte mit Kirchers Namen genagelt. Ifinger ging hin und klopfte.

Niemand rief herein. Auch auf ein zweites und drittes Klopfen kam ihm keine Antwort. Dagegen quoll ein scharfer, giftiger Dunst durch die Tür hervor; er glaubte auch etwas Rauch zu sehn. Plötzlich beunruhigt rief er Kirchers Namen und versuchte zu öffnen. Die Tür war verschlossen. Es blieb tiefe Stille.

Was ist das? – Was tun? dachte er, im ersten Augenblick verwirrt, fast betäubt, und blickte um sich her. Die mittlere der drei Türen fiel ihm in die Augen; von diesem zweiten Zimmer konnte er vielleicht in das verschlossene kommen ... Er öffnete rasch, ohne anzuklopfen; es war offenbar Millis Zimmer, klein, einfach, fast dürftig, und doch nicht ohne Zierlichkeit. Links sah er, durch einen offenen Eingang, in die kleine Küche. Alles war leer und still. Aber auch hier zog der Dunstgeruch wie eine unsichtbare Wolke ihm entgegen ... Rechts war eine geschlossene Tür; er eilte hin und ergriff den Drücker; sie gab nach, sie war nicht versperrt. Nun stand er in Kirchers Zimmer und begriff alles auf einen Blick. Auf dem Bett lag der Maler, in allen Kleidern, mit geschlossenen Augen. Rauch und Kohlendunst erfüllten die Luft. Ein leises Stöhnen vermischte sich wunderlich, greulich mit den betäubenden Gerüchen.

Mit zwei Schritten war Ifinger am Fenster und riß es auf, so weit wie er konnte. Dann zum offenen Ofen stürzend, warf er die glühenden Kohlen und das brennende Holz auseinander, die in großen Haufen aufgeschichtet waren. Er öffnete die Klappe, es war ein Ofen nach alter Art. Zweckmäßige und überflüssige Bewegungen kamen ihm so ohne Wahl in die zitternden Finger; endlich wußte er nichts mehr zu tun und eilte an das Bett. Kircher, blaß, mit wildem, aber nicht verzerrtem Gesicht, hatte die Augen geöffnet und starrte ihn voll Unwillen an. »Was machen Sie da?« sagte er mit schwacher, etwas heiserer Stimme. »Können Sie mich nicht in Ruhe lassen? Lassen Sie mich sterben!«

»Ein andermal«, erwiderte Ifinger trocken; »heute noch nicht. Ich sehe noch keinen zureichenden Grund. Erlauben Sie, daß ich mich setze ... Wie haben Sie das angefangen, wie kommen Sie in dieser Jahreszeit zu den Kohlen, Mensch?«

Kircher, der sich erbittern und »tragisch« werden wollte, wurde durch diese sachliche Frage aus seiner Stimmung geworfen; er sah dem Doktor verblüfft und fast verwirrt ins Gesicht. Noch wie aus dem Traum heraus gab er zur Antwort, mit einer schweren Hand nach der Küche deutend: »Aus der Kiste da ... Da war noch ein Rest. Das wußt' ich ... Wie kommen Sie hierher? Lassen Sie mich in Ruhe, sag' ich! Lassen Sie mich sterben!«

»Sie täten das ja doch auch nicht, wenn Sie mich so fänden; aber lassen Sie das Kircher. Regen Sie sich nicht auf. Wie kamen Sie auf den Gedanken, sich so zu ersticken?«

Der Maler atmete schwer, sah ihn eine Weile an; endlich, durch die Frage geführt wie ein Kind, antwortete er matt: »Wie ich dazu kam? Durch Sie. Als Sie im Atelier zu mir sagten: ›Das ist ja hier ein dicker Dunst, in dem man nicht atmen kann‹ – – Das fiel mir wieder ein. Ich dachte – – Es wär' auch geglückt. Aber da führt Sie der Teufel her ... Wie kamen Sie denn in die Tür?«

»Sie hatten sie nur angelehnt, nicht ins Schloß geworfen. Sie waren wohl ziemlich wenig bei Sinnen, Kircher ... Kommen Sie wieder zu sich, Mann! Warum gleich aus der Welt?«

Ein Stöhnen war die Antwort, das Ifingern ins Herz schnitt. In dem Maler schien nun erst das Bewußtsein, das Gefühl seines Zustandes völlig zu erwachen; eine flüchtige Röte trat ihm auf die Wangen. »Ich kann ja doch nicht mehr leben!« stöhnte er dann heraus. »Diese Schmach. Vor Brenzel. Vor diesem Kerl mich so zu vergessen ... Das war das letzte, Doktor. Mich so wegzuwerfen ... Pfui! Pfui! Pfui! Da bin ich hierher gegangen und hab' mir gesagt: Nun mach, daß du fortkommst!«

»War doch auch noch nicht nötig«, murmelte Ifinger. »Sie haben überflüssig viel mit dem Mann gesprochen, das kann ich nicht leugnen; aber soviel ich weiß, haben Sie ihn doch nicht umgebracht. Worte tun ihm nichts. Sehn Sie, die Luft wird schon wieder gut. Sie sollten aber doch hinaus. In die Küche, Kircher. Wenn Sie aufstehn können, so tun Sie's; eh' Ihre Schwester kommt – und sieht, wie es hier steht!«

Er erhob sich, um dem Maler aus dem Bett zu helfen. In diesem Augenblick erschrak er sehr: die Schwester, von der er sprach, stand schon in der offenen Tür. Sie war geräuschlos hereingekommen, in ihr Zimmer gegangen, hatte die Stimmen gehört; nun begriff sie, wie vorhin Ifinger, auf den ersten Blick, nach dem ersten Atemzug, was sich begeben hatte.

Es entfuhr ihr ein Schrei, sie war totenblaß. Eine Weile stand sie da, wie auf die Schwelle genagelt. Dann flog sie aber herein, daß ihre Kleider rauschten, und mit einem neuen Schmerzenslaut warf sie sich neben dem Bett auf die Knie, griff nach Kirchers Händen: »Bruder! Bruder!« rief sie aus. »Anton! Anton! Was tust du!«

Der Maler lag in der Dämmerung, die zu nachten anfing, fast schon wie ein Schatten da; er bewegte sich nicht; nur sein stöhnendes Seufzen gab kund, daß er lebte. Bei der weichen Stimme der Porzelläne kehrte seine eigene Weichheit wieder: wie wohl ein kleines Kind zu weinen anfängt, weil es ein andres Kind weinen hört, so weckten Millis Klagelaute die Verzweiflung, die sie bekämpfen wollten. »Bruder!« fing sie wieder an, »was tust du! was tust du!« und begann zu flüstern. Sie hielt dabei seine Hände, streichelte sie, preßte sie mit zitterndem Druck. Endlich gab er Antwort; sein Seufzen ging in Flüstern über. Es klang freilich immer noch wie rettungslose Verzweiflung. »Ach mein Gott!« seufzte sie zuweilen dazwischen, fast ohne Stimme, wie ein klagender Windhauch. »Ach nein, nein. Ach, sei still!«

Ifinger war zurückgetreten, er stand nahe am Fenster, durch das noch immer der Dunst hinauszog. Es tat ihm fast wohl, schweigend zuzuhören; Millis leise Töne wirkten wieder auf ihn wie damals, als er sie zuerst hatte reden hören: ein süß fröstelnder Schauder lief ihm sacht über die Haut. Das letzte Tageslicht umfloß das liebe halbe Gesicht, das er sehen konnte, die gefüllte Wange, den matt schimmernden, herrlichen Lockenwald, den bang am Bruder hängenden Blick. Es rührte ihn sonderbar, sie so hingegossen knien zu sehen; es stand ihr so gut; es schien sie zu erheben ... Dann starrte er wieder auf die schön geformte Schulter, die sich so weich, so mitleidig bewegte. Modellieren; wer das modellieren könnte, fiel ihm plötzlich ein. Schönheitstrunkenheit, liebendes Verlangen, inniges Mitgefühl – wie Schneeflocken trieb es ihm alles durcheinander. Das Herz in der Brust ward ihm schmerzhaft groß; seine Augen feuchteten sich; »arme, gute Milli!« dachte es in ihm. »Süße, reizende Milli!«

»Ach, helfen Sie mir!« sagte die Porzelläne endlich, nun mit voller Stimme. Sie hatte sich zu Ifinger gewendet, immer noch auf den Knien am Bett; das rundliche Gesicht war in seiner Bangigkeit, die es leicht verzerrte, rührend anzusehen. »Er hat noch keine Vernunft. Er ist noch so – –« Sie sprach es nicht aus. – »Stehn Sie mir bei! helfen Sie mir doch!«

»Helfen«, dachte er. »O ja, ich könnte dir helfen ...«

Er wußte nicht, wie ihm geschah; er stand neben ihr am Bett. Sich zu ihr niederbeugend, wollte er sprechen; er fühlte aber Kirchers Atem, Kirchers fragende Augen waren ihm so nahe; von einem zarten Gefühl gezogen, sank er auch auf ein Knie, dem Bett zugekehrt. Er berührte das Mädchen fast. Leise sagte er über die Schulter: »Milli ... Lassen Sie mich Sie so beim Namen – – – Uns allen wäre zu helfen. Ich denke das schon lange, nicht seit heute, Milli. Werden Sie meine Frau!«

Die Porzelläne fuhr in die Höhe. Sie sagte kein Wort; sie schwankte durch das Zimmer. Dann blieb sie beim Fenster stehn. Sie waren alle drei so still, daß man Millis Atem hörte, der sich langsam und schwer und mit leisen Zuckungen bewegte.

Kircher hob den Kopf; er stützte einen Arm auf und suchte die Schwester zu sehn. »Milli!« rief er endlich, seine Stimme war wieder frei und stark geworden. »Ich hab's verstanden. Ich weiß, was er gesagt hat. Milli! Gute Milli – –!«

Er sprach nicht weiter, er blickte nur von einem auf den andern. Sie aber zitterte. Sie fühlte, was in dem »Gute Milli« lag. Gott! Mein Gott! dachte sie, ihre Hände zusammen drückend. Ich kann ja, ich kann ja nicht. Das ist nun alles vorbei ... Ich hab' ja auf alles, auf alles verzichtet; martert mich nicht mehr; laßt mich doch in Frieden!

Ihre linke Schulter fühlte sich berührt; sie zuckte. Sie wäre gern an dieser Berührung gestorben ... Es war aber nicht Ifinger; ihr Bruder stand neben ihr, er hatte sich vom Bett erhoben, sein Gesicht war noch blaß, seine Augen glühten. »Milli!« sagte er leise, gegen ihre Schulter geneigt. »Welch ein Schicksal, Milli ... Ach, wenn du es könntest – dann wär' alles gut. So ein Mann – der beste, den ich kenne. Und überhaupt – und alles ... Dann könnt' ich noch einmal versuchen, zu leben; könnte wieder hoffen! Sag, daß du willst, daß du ihm gut bist – du bist ihm ja gut – und ich seh' das an wie den Finger Gottes, Milli; ich will leben, ich gelob' es dir. Ich gelob' es dir ... Aber du sagst ja nichts. Du willst also nicht. Nun also; dann auch gut. Dann soll's also nicht sein. Dann weiß ich mir nichts, als den Tod!«

O mein Gott, mein Gott! dachte Milli, und eine schwarze Nacht lag ihr vor den Augen. Könnt' ich mich doch nur aus dem Fenster stürzen ... Sie rang schwer nach Luft; sie sah sich wieder, wie gestern abend, in des Bruders Werkstatt, als sie auf ihn wartete, und Leo Falk in die Tür trat, und ihr auch so die Luft verging. Sie hörte wieder Leos Worte, eines nach dem andern: »Gute Milli, nehmen Sie's doch wie es ist! Es war wie ein Traum; denken Sie, Sie haben geträumt! Wir waren lieb und gut miteinander, nicht wie bürgerliche Brautleute, sondern wie – nun, wie Zigeuner und Zigeunerin. Wir haben der Schönheit, der Kunst – – Darum sind Sie ja doch dieselbe, die Sie vorher waren; in meinen Augen gewiß. Sie sind ebenso reizend, Milli, ebenso gut, ebenso redlich, fleißig, menschenfreundlich, liebenswürdig, alles; oder sind Sie das etwa nicht? – Nehmen Sie's wie freie Menschen, wie Künstler; die Welt geht es nicht an, die erfährt's auch nicht. Sie aber sind und bleiben die gute Milli Kircher ...«

O nein, nein; nein, nein, dachte sie und schüttelte den Kopf. Aus dem Fenster springen ... Aber der Bruder, der Bruder. Den ich retten kann. Und sonst hilft ihm nichts. Oh, warum kommt das alles auf mich. Oh, wär' ich doch vorm Jahr gestorben, als ich krank war. Oh, wär' ich doch tot!

»Sie haben mir also nichts zu sagen, Milli?« hörte sie neben sich, aber rechts, eine andre Stimme. Ifinger stand nun auch am Fenster. Sie erbebte wieder. Leise, rasch, aber nicht mit seiner leichten Zunge, fuhr er fort: »Ich hab' ja nur gedacht – gewagt – weil's so über mich kam. Weil ein verrücktes Gefühl, daß ich helfen könnte – – Wenn Ihr Herz Ihnen nichts sagt, so brauchen Sie nicht zu reden; schütteln Sie nur den Kopf und es ist in Ordnung!«

Ein wilder, verzweifelter Gedanke fuhr ihr durch das Hirn, wie ein Blitz; ich will ihm alles sagen, dachte sie; alles ... Aber ein ebenso rasches Verzagen fuhr ihr in die Knie. Ich bin wohl verrückt, dachte sie. Das erträgt kein Mann; dann geht er ... Dann ist's vollends aus. Anton, der wieder hoffte, geht an mir zugrunde. Dann bin ich an allem schuld ... O du mein Gott, wie kannst du mich so quälen!

Sie hörte einen dumpfen Ton aus des Bruders Brust; es klang ihrer Angst wie ein Röcheln – als sei es schon der Ton, den sie hören werde, wenn er daliege und – – Sie griff nach dem Fensterbrett, um sich festzuhalten, plötzlich klammerte sie sich, wie an etwas Körperliches, an die Worte Leos: »Darum sind Sie ja doch dieselbe, die Sie vorher waren ... Ebenso gut, ebenso redlich, ebenso liebenswert« ... Nein, nein, nein, das nicht! Aber kann man nicht büßen? gutmachen? sühnen? Kann ich nicht so treu, so ergeben, so liebevoll – ach ja, liebevoll – so gut, wie noch nie eine Frau für ihren Mann – – immer sühnen, sühnen – ohne daß er's weiß, ohne daß sie's wissen – bis mir Gott doch vergibt?

»Sie haben mir also nichts zu sagen?« flüsterte Ifinger neben ihr, die Worte nun so schwer hervorstoßend, daß sie sie kaum verstand. »Sie schütteln auch nicht den Kopf. Aber – es genügt auch so. Ich werde also gehn.«

»Nein, nein, nein!« rief sie aus. Sie wandte sich herum; von der erschreckenden Blässe des Bruders getroffen, griff sie nach dessen nächster Hand und umschloß sie heftig. Dann sah sie dem andern entschlossen ins Gesicht; »nein – was reden Sie«, sagte sie mit beinahe fester Stimme. »Es hat mich nur so überrascht ... Ich – – ich bin Ihnen ja gut. Ich bin ja die Ihre ...«

Es ward ihr nun doch von neuem dunkel vor den Augen. »Entschuldigen Sie nur«, setzte sie hinzu, indem ihr war, wie wenn sie in einen Abgrund sinke. »Der Kohlendunst hat es mir doch noch angetan. Mein Kopf – ich fühle, wie alles –«

Sie versuchte noch zu lächeln und sank dem Bruder in die Arme.

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