Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Friedrich Lienhard: Helden - Kapitel 16
Quellenangabe
typelegend
authorFriedrich Lienhard
titleHelden
publisherGreiner und Pfeiffer
printrunZehnte Auflage
editorVerlag von Greiner und Pfeiffer
year1920
firstpub1900
illustratorKurt Jäckel
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150124
projectid6f7b6ee2
Schließen

Navigation:

Tafelgespräch in Sanssouci

Das folgende Gespräch, eine freie Erfindung, muß man sich zwischen 1750 und 1753, unter den nahenden Schatten des Siebenjährigen Krieges gehalten denken. Infolge eines Pamphlets Voltaires gegen Maupertuis, nebst bösem Nachspiel, hatte sich Friedrichs Begeisterung für jenen geistvollen Schriftsteller vollends gekühlt. Man darf sich Menzels bekanntes Bild zu diesem Tafelgespräch vorstellen; nur sind etliche der dortigen Gäste um diese Zeit bereits gestorben: Graf Rothenburg und General v. Stille; ein anderer, Lord Marishal George Keith, geborener Schotte, Bruder des gleichnamigen Feldmarschalls, ist als preußischer Gesandter in Paris; der wichtige Maupertuis ist auf dem Menzelschen Bilde nicht vorhanden: ihn denke man sich an der Stelle des Marquis d'Argens, der – bei Menzel – im Vordergrund mit Lamettrie plaudert. Auch dieser ist zwar um dieselbe Zeit wie Rothenburg und Stille gestorben (1751) – infolge des übermäßigen Genusses von Trüffelpasteten, wie Voltaire boshaft behauptet –, durfte aber hier nicht fehlen; denn es handelt sich hier um einen Extrakt jener drei Voltaire-Jahre. Für Rothenburg und Stille treten Keith und Fouqué ein, beides Kämpfer im Siebenjährigen Kriege; ersterer fiel bei Hochkirch, letzterer wurde bei Landeshut verwundet und gefangen.

Es sitzen um die Tafel: der König, rechts von ihm General de la Motte Fouqué, um jene Zeit Kommandant von Glatz; links vom König Feldmarschall Keith; rechts von Fouqué Voltaire; rechts von Voltaire zwei andere Gäste, wovon der rechts sitzende (bei Menzel dem Zuschauer den Rücken zukehrend) Marquis d'Argens ist; dann Maupertuis, Präsident Der Königlichen Akademie, im Gespräch mit dem Freigeist de la Mettrie; dann noch Graf Algarotti und ein anderer Gast.

Im Hintergrund des bekannten Speisesaals steht Dienerschaft. Die Haltung der Tafelrunde stimmt zu Anfang des Gespräches genau mit dem Menzelschen Gemälde überein.

Jene Gespräche wurden natürlich französisch geführt; ich habe daher vermieden, des Königs Sprache, wie sonst üblich, durch Überladung mit französischen Wörtern zu kennzeichnen.

* * *

Friedrich. Nun, mein lieber Voltaire?

Voltaire (vorgeneigt). Sire, ich bitte um Sukkurs für Marquis d'Argens –

Marquis d'Argens (einfallend). Auch ich, Sire, bitte um Hilfstruppen gegen –

Friedrich (lachend). Gegen unsren flinken, gottlosen Herrn von Voltaire? O, ich werde mich schön davor hüten!

Voltaire (vorgeneigt). Eilen Sie, Sire, eilen Sie dem Gascogner Adel mit einem Regiment Ihres weltberühmten Heeres zu Hilfe, ich bitte untertänigst, ich bitte für meinen Gegner und bin also christlich. Meine eigenen Truppen meutern – meutern, Sire: sie weigern sich, auf ein so dürftig Häuflein Witz zu schießen. (Gelächter.)

Friedrich. O, Sie spielen unsrem kranken Freunde übel mit!

Voltaire. Krank? Ah, mein lieber Marquis, das hab' ich doch gleich vermutet!

Friedrich. Wissen Sie nicht, daß sich unser geschätzter Hypochonder den Schnupfen holte, als er in unbekleidetem Zustand auf die Welt kam? (Gelächter.)

Voltaire (zu d'Argens). Aber, mein Bester, warum waren Sie so unvorsichtig, sich dem –

Marquis d'Argens (rasch einfallend) – sich dem Wind auszusetzen, Herr von Voltaire? (Lachen.) Aus Liebe zum König von Preußen!

Friedrich. Aha, unser Marquis attackiert!

Voltaire (achselzuckend). O, o, mehr Beleidigung als Grazie, mehr Bär als Biene –mit einem Wort: echt Marquis d'Argens!

Marquis (fröstelnd). Im übrigen zieht es hier wirklich ...

( Der König winkt, die Flügeltür wird geschlossen; das Gespräch nimmt wieder gruppenweise seinen Fortgang. Diener gehen ab und zu.)

Keith. Der Marquis friert, und ich ersticke vor Hitze ...

Friedrich. Sie kommen aus Schottland und aus dem Reich der Zarin, mein lieber Feldmarschall, unser frierender Freund aus der Provence ... Im übrigen schmeckt mir diese Sauce schlecht ... Der Kerl, mein Koch, wird salopp ... Ich habe Ihrem Bruder, dem Lord Marishal, nach Fontainebleau geschrieben, ob er mir nicht einen Koch verschaffen kann, der mit Braten und Sauce zu hantieren versteht und womöglich etwas Philosophie im Leibe hat ... Übrigens: Herr von Maupertuis!

Fouqué (da Maupertuis im erregten Gespräch mit de la Mettrie den Anruf überhört). Er ist vertieft, der Herr Präsident ...

Friedrich. Verbissen mit dem lockren Lamettrie, Infanterie mit Pandurenvolk – – und schaut übrigens nur deshalb nicht her, um Ihr mokantes Lächeln nicht erdulden zu müssen, Herr von Voltaire.

Voltaire. Mokant? Sire, das Gefühl, daß ich heut' abend auf lange Zeit zum letztenmal in Ihrer Nähe sitze, erschüttert mich ernstlich. Mokant? Dann ist das eine üble Gewohnheit, die meine rebellische Miene angenommen hat, ohne daß mein Herz etwas davon weiß. Etwa wie der schlecht instruierte Claqueur, der im Trauerspiel lacht. Oder wie jener Prediger, dessen Gesichtsmuskeln seinen Empfindungen nicht mehr gehorchten: der arme Schelm grinste bei Leichenpredigten und schaute weinerlich, wenn er von den Wonnen des Paradieses sprach.

Friedrich (lachend). Ich fürchte sehr, in diesem Dilemma befindet sich ständig Ihre Zunge, mein lieber Meister Arouet: sie revoltiert beständig, sie hat ihr eigenes Reglement oder vielmehr gar keins, sie ist eine diabolisch-göttliche Souveränin für sich. Sie bindet sich daher nicht an Bagatellen wie etwa – Versprechungen und dergleichen lästige Dinge, selbst Königen gegenüber, sie schont nicht Freund noch Feind. Unter uns: Ich wollte den infamen Streich, den der Dichter der entzückenden »Henriade« und des erhabenen »Cäsar« mir, Maupertuis, uns allen gespielt hat, heut' abend nicht erwähnen – ich meine Ihr empörendes Pamphlet wider die Meriten unsres würdigen Herrn Präsidenten der Akademie –

Voltaire. Ah, Sire, nehmen Sie plötzlich diese närrische Welt moralisch? O, ich schätze die Tugend, indes – – ich denke, es ist ein Vorrecht von Genie und Esprit, die Welt zu belehren, wie man mit Geist über ihre Schwere lacht, auch über ihre Dogmen, Theorien, steife Würde und fast regelmäßig veraltete Moral. Und übrigens ist es mir zu Sinn, als hätte ein wahrhaft freier und philosophischer König über die Schrift »Doktor Akakia« gelacht –

Friedrich. St! Sprechen Sie den Namen Ihres ruchlosen Machwerks hier nicht aus! Ich will in meinem Refektorium keinen gallischen Hahnenkampf! Schon spitzt unser Maupertuis die Ohren –

Voltaire. Ei – und hat er nicht eben gewagt, einen Anruf Eurer Majestät zu überhören? Sie wissen nun, Sire, wie man den Präsidenten der Berliner Akademie zum Aufhorchen bringt!

Maupertuis (ernst, fast verdrossen, zu Lamettrie). Lassen Sie uns Seine Majestät um Entscheidung bitten –

Lamettrie (hitzig). Hornissen? Wespen? Wir Literaten wären nur giftige, schädliche Insekten? O! (zum König). Sire, ich behaupte, der Herr Präsident unterschätzt aus der Höhe seiner feierlichen Wissenschaft unsre leichte Aufklärungsarbeit. (Zu Maupertuis). Wir erst haben Leben nach Europa gebracht, nie und nimmer Ihre akademische Perückenweisheit, nicht Leibniz noch sonst ein Frachtwagen – wir, l'homme machine, überhaupt das Pamphlet, wie Sie das zu nennen belieben! Das stachelt, das brennt! Wir sind auf zweierlei Terrains zu Hause: erstens in der Philosophie und Wissenschaft, wie Sie – aber außerdem in der praktischen Gourmandise des Lebens! (Schlürft schmatzend ein Glas, das ein Diener einschenkt.)

Maupertuis (würdig, etwas steif, zum König). Sire, geruhen Sie zu entscheiden. Ich nenne die Herren, die ihr Talent vergeuden mit boshaften oder gar vergifteten Pasquillen, kurz, mit Pamphletschreiberei, womit sie uns, der ernsteren Wissenschaft, das Leben sauer machen und uns ebenso wie den christlichen Aberglauben dem Gelächter der Menge preisgeben – ich nenne sie die Wespen und Hornissen der Literatur, die man ausräuchern sollte, weil sie dem arbeitenden Landmann lästig fallen.

Lamettrie. Ihr königlicher Herr gibt Ihnen ein freieres Beispiel: – er zieht diese Wespen an seinen Hof!

Friedrich. Meine Herren, ich habe zwar die Türen schließen lassen, es geht aber hier ein verteufelt scharfer Wind! Im übrigen (ernst) gebe ich dem Herrn Präsidenten meiner Akademie recht: es ist eines echten philosophischen Kopfes unwürdig, seinen Ruhm dadurch zu erhöhen, daß er einen andren mit Esprit herabsetzt. Die Ränke der Schriftsteller sind die Schmach der Literatur. Man hat mir gesagt, daß sich der oder jener berühmte Schöngeist über die Verse des Königs von Preußen lustig gemacht habe – es sind mir sogar ein paar Briefe darüber in die Hände gespielt worden – – pah, meine Herren, ich weiß Könige, die sich mit miserableren Affären die Zeit vertreiben. Und – es ist mir längst keine Ehre mehr, mit dem Namen eines Poeten geziert zu werden, seit ich diese verfluchte Rasse näher kennen gelernt habe.

Voltaire (seufzt). Leider, Majestät! Wir sind hienieden im Reiche des Satanas – und Satanas hat keine Freude an der Tugend, wohl aber Freude am Genie. Verzeihen Sie, Sire, daß wir so gute Untertanen sind!

Friedrich. Für Ihre Werke verdienen Sie Statuen, Herr von Voltaire, für anderes – Ketten.

Voltaire (geschmeidig). Aus Gold?

Marquis d'Argens. Am Fuß! Wie bei uns die Pa – – (Trinkt.)

Friedrich (rasch, um den formlosen Ausfall zu verdecken). Wie Sie mit Ketten an Ihre imaginäre Krankheit gefesselt sind, mein weichlicher Marquis. Und nebenbei auch mit Ketten der Treue an meinen Hof. Denn wenn Sie auch einmal nach Ihrer Provence durchbrennen, Sie kehren wenigstens wieder zurück. Aber unser Adler Arouet, dies Genie von Satans Gnaden, entfliegt uns nun in die Bäder von Plombières, da ich es verabsäumt habe, ihn für seine reichlichen Schandtaten beizeiten in Ketten zu legen.

Voltaire. Der freieste König Europas weiß zu gut, daß sich Vernunft nicht an Ketten legen läßt.

Friedrich. Ist sie echte Vernunft, so ist sie auch Moral, so setzt sie sich also selber in Ketten.

Voltaire. Vernunft? Geist? (Seufzt.) Leider sind wir freien Geister aus Vernunft auch hierin – unvernünftig. Wir setzen uns leider keine Schranken, da wir wissen, daß es dem Wesen des Witzes, des Esprit, des Genies eigentümlich ist, absolut freie Bahn um sich zu sehen. Das ist ihre Natur, da läßt sich nichts ändern. Wer möchte sich in eine Rennbahn stürzen, wenn er ein Endziel sähe, nahe, greifbar, nicht der Mühe wert? Ziel? Schranke? Vorschrift? Befehl? Dogma? O, o! Ein Witz, der im Geleise laufen muß – Sire, darf man das Witz nennen? Die freie Vernunft ist König und Staat zugleich, hat unbedingtes Bewegungsrecht, Tempelrecht, Papstrecht – und ich hoffe zu erleben, daß man in der gescheitesten Nation Europas endlich einmal den Anfang damit mache, einen Tempel der aufgeklärten Vernunft zu errichten und die anderen Tempel – zu zermalmen.

Friedrich (nunmehr ganz ernst, während sich über die Tafel tiefe Stille verbreitet). Und wer ist in Ihrem freien Vernunftstaat König?

Voltaire. Der Vernünftigste. Nein, da es ein Freistaat wird wie Rom: die Vernünftigsten.

Friedrich. Wer bestimmt die Vernünftigsten?

Voltaire. Sire, soll ich mich im Zirkel drehen und abermals antworten: die Vernünftigsten? Schon seh' ich aus Eurer Majestät geistvollem Antlitz die sardonische Frage: Und wer bestimmt diese? Nun wohl, das sind –

Friedrich. Das sind Illusionen, mein lieber Voltaire! Das sind Tiraden der Büchermenschen, die nicht mit der Realität der Dinge zu rechnen gelernt haben, die nicht wie wir Militärs von Kind an in eine harte, wohltätige, eiserne Zucht genommen worden sind! Sie mischen Vernunft, Genie, Witz, Esprit – pêle-mêle! Vernunft? Wohlan, untersuchen wir einmal Ihren Staat! Ihr Staat der Vernunft, mein Herr Poet, ist ein Gemälde von Watteau oder Lancret, hängt an der Wand, schwebt in der Luft – erhaben über diese so wohlweislich unvernünftige, widerspruchsvolle, nie unter ein Gesetz zu bändigende Schelmen-, Narren- und Tugend-Welt. Ich möchte Ihnen, meine Herren von der Literatur, deren Esprit ich schätze, folgendes wünschen: Sie hätten einmal ein Jahr lang etwa 4000 Prozesse durchzuarbeiten; Sie wären ein Jahr hindurch Regimentschef und hätten für jede Patronentasche, für Durchführung jedes Punktes des Exerzier-Reglements exakt zu sorgen und ohne viel Werbegeld Ihre 1500 Mann vollzählig zu halten; Sie bereisten ein Jahr lang unsre östlichen Domänen und Vorwerke und beschäftigten sich mit Pachtanschlägen, Bodenausnützung, Glashütten, Sumpftrocknung und den Diffikultäten der Oderschiffahrt – obzwar ich ja manchem von Ihnen ein merkantilistisches Genie zutraue –; dazu die Quertreibereien der Diplomatie, Empfänge, Feste, Haushalt eines großen Heeres und eines ganzen Staates; dann erst die Trösterin Musik mit ihren technischen Feinheiten, und nebenher Geschichte, Philosophie und eine Anzahl schlechter Verse – – meine Herren, ich zähle Ihnen mein Material nur unvollkommen auf. Ich muß mit diesem Material kämpfen mein Leben lang –

Voltaire (rasch). Und haben durch diese Kraft und Ausdauer Ihres Geistes das Königtum der Vernunft glänzend bewiesen!

Friedrich (ebenso rasch). Nur weil Unvernunft die Minorität der Vernünftigen zu solcher Arbeit zwingt! Wären alle vernünftig, so würde sich die Arbeit teilen – Arbeit? So bedürft' es ja keiner Arbeit, um mit der Unvernunft zu bataillieren – kurz, Herr von Voltaire, so löst sich Ihr Vernunftstaat in Luft auf! (Beifall, besonders der Offiziere.)

Friedrich (steht auf, alle erheben sich; er gibt Voltaire verbindlich die Hand).

Mein kluger Meister und Lehrer, ich fechte lieber mit einem Ihrer Feldmarschälle als mit Ihnen – besonders nicht über das subtilste Problem der menschlichen Gesellschaft, über die rechte Verteilung von Vernunft und Nicht-Vernunft. Wir sind darin einig, meine Herren vom Korps der Aufklärung, es kommt alles in der Welt darauf an, daß der rechte Mann an rechter Stelle stehe. Hier ist der Punkt, worin leider auch oft die Vernunft fehlgreift, denn es gibt noch etwas, was selbst den Vernünftigsten zuzeiten unvernünftig macht: Neigung und Abneigung. Das Herz, meine Herren! Am übrigen, mein teurer Voltaire, sind Sie ein Genie – ich nur ein König. Als solcher habe ich Ketten und bin wie Prometheus an meinen Staat gebunden. Doch ich liebe meine Ketten, denn sie üben meine Kraft.

Voltaire (entzückt). Nur ein König! Der König! (Zu d'Argens). Friedrich der Einzige hat gesprochen, mein kostbarer Marquis – also Friedensschluß! (Sie entfernen sich plaudernd nach hinten.)

Friedrich (Im Vordergrund, zu Keith und Fouqué, knapp und sachlich). Kurz und sans façon, meine Herren, Sie finden mich heut' abend in einer Attacken-Stimmung; ich habe nun sichere Dokumente: – – Brühl – das geheime Komplott wider Preußen besteht!

Fouqué. Sehr gut, so halten wir unser Pulver trocken!

Keith. Es ist meines Wissens altpreußische Manier, nicht zu fragen: Wieviel? sondern: Wo?

Friedrich. Ja, das Prävenire ist in der Tat die beste Partie. Zwar kann sich das noch hinziehen. Doch seh' ich, daß der Krieg zum drittenmal kommen muß. Entweder Preußen dokumentiert sich wirklich als ein Staat von Kraft und Nerv – oder die alten Staaten und despotischen Anschauungen teilen sich das Erbe des »Marquis von Brandenburg«. Ich batailliere für Geistesfreiheit und – nebenbei gegen drei gekränkte Weiber, besonders die Pompadour. Man hat ihr etliche bon mots von Sanssouci nach Paris kolportiert und auf den reinlichen Toilettentisch gelegt.

Fouqué. Erlauben mir Ew. Majestät: Wer hat kolportiert? Doch wohl nur diese Pariser Freunde, mit denen sich Ew. Majestät –

Friedrich. Freunde? Fouqué, Er ist ein bißchen Pietist und sollte diese ehemaligen Landsleute nicht Seines Königs Freunde nennen! An den Höfen der alten Könige waren Spaßmacher – meine Hofnarren haben nebenbei Genie. Und einer von ihnen dichtet wie Racine und schreibt eine brillante Prosa. Mein Lieber, ich muß mich ja wohl an Franzosen halten, da nun einmal die Deutschen für Literatur kein Genie haben. Freunde? Da ist der Marquis d'Argens, ja, der ist mir durch seine sämtlichen Erkältungen hindurch ehrlich treu. Aber die andren? Ein Gardist ohne Esprit, aber mit Disziplin, oder ein resolutes Hökerweib von Potsdam, das seine Kinder redlich in die Höhe füttert – mein Kompliment, sie stehen meiner Seele näher. Denn der Nerv der Welt heißt Tat, nicht Geschwätz. – Obwohl ... Fouqué, es gibt anmutige Schwätzer! ... Ein philosophischer Kopf beurteilt alles nach seiner Façon und mit den Mitteln, die für jeden Fall passen. Die höhere Moral, die Arbeit für das Ganze wird dadurch nicht tangiert. Betrachten Sie sich als meine wertvollsten Teile, meine Herren Offiziers, wie auch ich mich als dienenden Teil betrachte – doch lassen Sie mir auch diese Pariser Teilchen gelten! (Indem er mit den beiden Offizieren nach hinten geht). Sie sind übrigens an meiner Tafel ein seltener Gast geworden, mein lieber Fouqué! ... Der Krieg wird diesen Soiréen ein Ende machen ... Auch mein Winterfeldt muß her, und Zieten, und unser unverwüstlicher Kavalier Schwerin ... (bleibt stehen.) Wie viele meiner Freunde sind dahin! (Zählt an den Fingern auf.) Jordan, Keyserlingk, Rothenburg, Stille, Borcke, Leopold von Dessau, von der Goltz, Holstein Beck, mein alter Lehrer Duvan – o Himmel, wie hält der Tod Generalmusterung! (Leise, sehr ernst.) Und, meine Herren, mir ist manchmal, als wäre das alles erst die Ouvertüre ...

 << Kapitel 15  Kapitel 17 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.