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Gutenberg > Konrad von Würzburg >

Heinrich von Kempten

Konrad von Würzburg: Heinrich von Kempten - Kapitel 1
Quellenangabe
typepoem
authorKonrad von Würzburg
titleHeinrich von Kempten
publisherReclam Verlag
editorEdward Schröder
year1968
isbn3150028558
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderClaudia Hopf
created20080522
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Konrad von Würzburg

Heinrich von Kempten

Ein keiser Otte was genannt,
des magencrefte manic lant
mit vorhten undertænic wart.
schœn unde lanc was im der bart,
wand er in zôch viel zarte,
und swaz er bî dem barte
geswuor, daz liez er allez wâr.
er hete rœtelehtez hâr
und was mitalle ein übel man.
sîn herze in argem muote bran
daz er bewârte an maneger stete:
swer iht wider in getete,
der muoste hân den lîp verlorn.
über swen der eit gesworn
von des keisers munde wart:
"du garnest ez, sam mir mîn bart!"
der muoste ligen tôt zehant,
wand er dekeine milte vant
an sîner hende danne.
sus hete er manegem manne
daz leben und den lîp benomen,
der von sînen gnâden komen
was durch hôher schulde werc.
Nu hæte er dâ ze Bâbenberc
in der schœnen veste wît
gemachet eine hôchgezît,
und was diu zeinen ôstern.
des quâmen ûzer clôstern
vil hôher ebbete in den hof
und manic werder bischof,
der mit êren îlte dar.
ouch quâmen dar in liehter schar
grâven, frîen, dienestman,
die daz rîche hôrten an
und den keiserlichen voget,
die quâmen alle dar gezoget
in wünneclicher presse.
nu daz gesungen messe
was an dem ôsterlichen tage,
dô wâren sunder leides clage
al die tische dâ bereit,
und het man brôt dar ûf geleit
und manic schœne trincvaz
dar ûf gesetzet umbe daz,
sô der keiser Otte
mit sîner fürsten rotte
von deme münster quæme,
daz er dâ wazzer næme
und er enbizze sâ zehant.
Nu was durch hovezuht gesant
ein werder juncherre dar,
der edel unde wünnevar
an herzen und an lîbe schein.
die liute im alle sunder mein
vil hôhen prîs dâ gâben.
sîn vater was von Swâben
herzoge vil gewaltec,
des gülte manicvaltec
solt erben dirre aleine.
der selbe knabe reine
des tages dâ ze hove gie
vor den tischen unde lie
dar ûf die blanken hende sîn:
ein lindez brôt nam er dar în,
des brach der hôchgeborne knabe
ein lützel unde ein wênic abe
und wolte ez ezzen sam diu kint,
diu des sites elliu sint
und in der wille stât dar zuo
daz si gerne enbîzent fruo.
Der junge fürste wünnesam,
als er daz brôt an sich genam
und ein teil gebrach dar abe,
dô gienc aldâ mit sîme stabe
des keisers truhsæze
und schihte daz man æze,
sô man gesungen hæte gar.
der selbe der wart des gewar,
daz der juncherre wert
des brôtes hæte dâ gegert.
des wart er zornic sâ zehant:
der site sîn was sô gewant
daz in muote ein cleine dinc.
des lief er an den jungelinc
mit eime stabe den er truoc,
dâ mite er ûf daz houbet sluoc
den knaben edel unde clâr,
daz im diu scheitel und daz hâr
von rôtem bluote wurden naz.
des viel er nider unde saz
und weinde manegen heizen trahen,
daz in der truhsæze slahen,
getorste. daz ersach ein helt,
der was ein riter ûzerwelt
und hiez von Kempten Heinrich;
sîn edel muot der hæte sich
rîlicher manheit an genomen.
er was mit deme kinde komen
von Swâben dar, als ich ez las,
wand er sîn zuhtmeister was
und in nâch ganzer wirde zôch.
daz man den juncherren hôch
als unerbermelichen sluoc,
daz muote in sêre und übel gnuoc
und was im leit und ungemach.
zuo dem truhsæzen sprach
der unverzagte ritter dô
harte zorniclîche alsô:
"waz habent ir gerochen
Daz ir nu hânt zebrochen
iuwer ritterlichen zuht,
daz ir eins edeln fürsten fruht
als übellîche habet geslagen?
ich will iu nemelichen sagen:
ir werbent anders danne ir sult,
sît daz ir sunder alle schult
geslagen hânt den herren mîn."
"daz lânt iu gar unmære sîn!"
sprach der truhsæze
"mir ist daz wol gemæze
deich ungefüegen schelken were
und einen iegelichen bere
der hie ze hove unzühtic ist.
lânt iuwer rede an dirre frist
belîben algemeine:
ich fürhte iuch alsô cleine
als der habich tuot daz huon.
waz welt ir nû dar umbe tuon
daz ich den herzogen sluoc?"
"daz wirt bekant iu schiere gnuoc",
sprach von Kempten Heinrich,
"daz ir den fürsten edellich
sô vaste kunnet bliuwen,
daz sol iuch hie geriuwen,
wand ich vertrag es langer niht.
ir tugentlôser bœsewiht,
nu wie getorstet ir geleben
daz ir dem kinde hânt gegeben
als ungefüege biusche?
daz iuwer hant unkiusche
sô gar unedellîche tuot,
des muoz begiezen iuwer bluot
den sal und disen flecken."
dô greif er einen stecken
als einen grôzen reitel:
er sluog in daz diu scheitel
im zerclahte sam ein ei,
und im der gebel spielt enzwei
reht als ein havenschirben,
daz er begunde zwirben
alumbe und umbe sam ein topf;
daz hirne wart im und der kopf
erschellet harte, dünket mich.
des viel er ûf den esterich
und lac dâ jâmerlichen tôt.
der sal wart sînes bluotes rôt.
dâ von huop sich en michel dôz
unde ein lûtgebrehte grôz.
Nû was ouch der keiser komen
und hæte wazzer dâ genomen
und waz gesezzen über tisch.
daz bluot begunde er alsô frisch
ûf dem esteriche sehen;
er sprach: "waz ist alhie geschehen?
wer hât den sal entreinet
und die getât erscheinet
daz er sô bluotic worden ist?"
zehant begunde im an der frist
sîn werdez ingesinde sagen,
daz im sîn truhsæze erslagen
waere bî der zît alsô.
mit zorne sprach der keiser dô:
"wer hât an im beswæret mich?"
"daz tet von Kempten Heinrich"
riefens algelîche.
"jâ", sprach der keiser rîche,
"hât im der sînen lîp benomen,
sô ist er uns ze früeje komen
von Swâben her in ditze lant.
er werde schiere nû besant
für mîn antlitze her;
ich will in frâgen war umb er
mir habe sô vaste an im geschadet."
Sus wart der ritter dô geladet
für den keiser freissam.
und als er für sîn ougen quam
unde er in von êrste ersach,
mit zorne er wider in dô sprach:
"wie hânt ir, herre, alsus getobet,
daz mîn truhsæze hôchgelobet
von iu lît ermordet?
ir hânt ûf iuch gehordet
mîn ungenâde manicvalt;
iu sol mîn keiserlîch gewalt
erzeiget werden sêre;
ir hânt mîns hoves êre
und mînen prîs zebrochen;
daz wirt an iu gerochen;
der hôhe mein und diu geschiht
daz man den truhsæzen siht
von iu ze tôde erlempten.
"nein, herre!" sprach von Kempten
der unverzagte Heinrich:
"lânt hie genâde vinden mich
und iuwer stæte hulde.
geruochent mîne unschulde
vernemen hie und mîne schult.
hab ich mit rehter ungedult
verdienet iuwer vîentschaft,
sô lâzent iuwer magencraft
mich vellen unde veigen.
müg aber ich erzeigen
daz niht sî diu schulde mîn,
sô ruochent mir genædic sîn
daz ir mir niht übels tuont.
durch den got der hiute erstuont
an disem ôsterlichem tage,
sô gunnet mir daz ich bejage
iuwer keisterlîche gunst.
sît daz ir habent die vernunst
daz ir von art bescheiden sît,
sô êrent diese hôchgezît
an mir vil armen hiute,
lânt mich der werden liute
geniezen die man schouwet hie.
kein schulde wart s ô michel nie
dan hœre zuo genâden teil:
dur daz sô lâzent mich daz heil
hie vinden unde erwerben
daz ich niht müeze ersterben.
Der keiser übel unde rôt
der rede im antwürte bôt
ûz eime grimmen herzen,
er sprach: "des tôdes smerzen
den hie mîn truhsæze treit,
lîd ich mit solher arebeit
daz ich niht muotes hân dar zuo
daz ich iu keine gnâde tuo
umb iuwer hôhe schulde.
mîn keiserlîchiu hulde
muoz iemer sîn vor iu verspart.
ir garnet ez, sam mir mîn bart,
daz mîn truhsæze tôt
lît von iu alsunder nôt."
Der werde ritter Heinrich
verstuont wol bî dem eide sich
den der übel keiser tete,
daz er benamen an der stete
daz leben müeste hân verlorn.
des wart im alsô rehte zorn
daz er sich gerne wollte wern
und daz leben sîn genern
mit willecliches herzen ger,
wand er bekande wol, swaz er
bî dem barte sîn gehiez,
daz er daz allez stæte liez.
Dâ von sprach er: "nu merke ich wol
daz ich benamen sterben sol;
nû ist zît daz ich mich wer
und daz leben mîn gener
al die wîle daz ich kan."
hie mit der ûzerwelte man
geswinde für den keiser spranc,
er greif in bî dem barte lanc,
und zuhte in über sînen tisch:
ez wære fleisch oder visch
daz man dâ für in hæte brâht,
daz wart gevellet in ein bâht;
als er in bî dem barte dans,
daz kinne wart im und der flans
vil hâres dâ beroubet:
sîn keiserlichez houbet
wart sêre entschumphieret,
diu krône wol gezieret
diu dar ûf gesetzet was,
viel nider in den palas
und al sîn rîchiu zierheit.
er hæte in under sich geleit
geswinde bî den zîten.
er zuhte von der sîten
ein mezzer wol gewetzet,
daz hæte er im gesetzet
vil schiere an sîne kelen hin.
mit der hant begunde er in
vast umb den kragen würgen.
er sprach: "nu lânt mich bürgen
emphâhen unde sicherheit,
daz iuwer gnâde mir bereit
und iuwer hulde werde,
ir muozent ûf der erde
daz leben anders hân verlorn.
den eit den ir nu hânt gesworn,
den velschet ob ir welt genesen,
oder ez mouz iuwer ende wesen."
Sus lag er ûf im an der zît
und roufte in sêre widerstrît
bî sînem langen barte,
er wurgte in alsô harte
daz er niht mohte sprechen.
die werden und die frechen
fürsten alle ûf sprungen,
si liefen unde drungen
algemeiniclichen dar
dâ der keiser tôtgevar
lag under dem von Kempten:
an kreften den erlempten
hætens an den stunden
von im vil gerne enbunden.
Dô sprach der ritter Heinrich:
"ist iemen der nu rüere mich,
sô muoz der keiser ligen tôt:
dar nâch sô bringe ich den in nôt
der mich zem êrsten grîfet an.
sît daz ich niht genesen kan,
sô kumt der wirt ze freisen,
ich stiche im ab den weisen
mit disem mezzer veste.
ouch müezen sîn die geste
engelten die mich wellen slahen:
ich giuze ir bluotes manegen trahen
ê daz ich müge verderben.
nu her! swer welle sterben,
der kêre her und rüere mich!"
dô trâtens alle hinderisch,
als in diu wâre schult gebôt.
der keiser ouch mit maneger nôt
vil sêre winken dâ began,
daz si giengen alhindan.
Daz wart getân und diz geschach.
zou dem keiser aber sprach
der unverzagte Heinrich:
"lânt hie niht lange ligen mich,
ob ir daz leben wellent hân:
mir werde sicherheit getân
daz ich genese, ich lâze iuch leben.
wirt mir gewisheit nicht gegeben
umb den lîp, est iuwer tôt!"
hie mite ûf sîne vinger bôt
der keiser unde lobte sâ
bî keiserlîchen êren dâ,
daz er in lieze bî der stunt
von dannen kêren wol gesunt.
Nu daz diu sicherheit ergie,
den keiser Otten er dô lie
geswinde von im ufe stân,
er hæte im schiere dâ verlân
den bart ûz sînen handen.
und als er ûf gestanden
was von dem esteriche wider,
dô gieng er aber sitzen nider
ûf sînen stuol von rîcher art;
daz hâr begunde er und den bart
streichen unde sprach alsô
zu dem von Kempten aber dô:
"ich hân iu sicherheit gegeben
daz ich iu lîp unde leben
unverderbet lâze.
nu strîchent iuwer strâze
alsô daz ir mich iemer
vermîdet, unde ich niemer
mit mînen ougen iuch gesehe.
ich prüeve daz wol unde spehe
daz ir zeim ingesinde mir
ze swære sît. joch habent ir
vil harte an mir gunfuoget
swer blicket unde luoget
an mînen bart, der kiuset wol
daz ich iemer gerne sol
iuwer heimlîch enbern.
mir mouz ein ander meister schern
dann ir, daz wizzent âne spot,
mîn bart mouz iemer, sam mir got,
iuwer scharsach mîden:
ez kan unsanfte snîden
hût unde hâr den künegen abe.
vil wol ich des emphunden habe
daz ir ein übel scherer sît.
ir sult bî dirre tageszît
uns rûmen hof unde lant."
Sus nam der ritter alzehant
zuo des keisers mannen
urloup und îlte dannen.
Er kêrte gegen Swâben wider
und lie sich dâ ze lande nider
ûf ein rîchez lêhengelt.
acker, wisen unde velt
het er ze Kempten, als ich las:
dar ûf er sich, wande er was
ein dienstman der selben stift.
uns seit von im diu wâre schrift
daz er sich schône gar betruoc,
wande er hæte gülte gnuoc
und was an êren offenbâr.
Dar nâch wol über zehen jâr
quam es von geschihte alsô
daz der keiser Otte dô
eins grôzen urliuges pflac
und enhalp des gebirges lac
vor einer stat vil wünneclich.
er und die sîne hæten sich
dar ûf geflizzen manege zît,
daz si der veste gæben strît
mit steinen und mit phîlen.
doch was er bî den wîlen
an liuten alsô nôthaft
daz er nâch tiutscher ritterschaft
her zû begunde senden.
er hiez in allen enden
den herren künden unde sagen:
swer iht hæte bî den tagen
ze lêhen von dem rîche,
daz im der snelliclîche
ze helfe quæme bî der stunt.
dâ bî tet er den fürsten kunt:
swer im wære dienesthaft
und lêhen unde manschaft
hæte emphangen under in,
daz er balde kêrte hin
ze Pülle bî den zîten
und im dâ hülfe strîten.
swer des niht entæte,
daz er sîn lêhen hæte
verwürket unde ez solte lân.
Nu daz diu botschaft getân
wart in elliu tiutschiu lant
dô wart ze Kempten gesant
dem abbet ouch ein bote sâ,
der im diu mære seite dâ.
Dô der fürste lobesam
des keisers botschaft vernam,
dô wart er ûf die vart bereit;
ouch wurden schiere, sô man seit,
al sîne dienstman besant
und ûf die reise dô gemant
bî triuwen und bî eiden.
den ritter wol bescheiden
vom Kempten liez er für sich komen,
er sprach: "ir hânt daz wol vernomen,
daz der keiser hât gesant
nâch liuten her in tiutschiu lant,
und ich der fürsten einer bin
der im ze helfe komen hin
über daz gebirge sol.
dar zuo bedarf ich iuwer wol
und iuwer dienestliute:
die man ich alle hiute,
und iuch ze vorderst, daz ir vart
und die reise niht enspart
diu mir und iu geboten ist.
dâ von sult ir an dirre frist
werden ûf die vart bereit."
"Ach herre, waz hânt ir geseit!"
sprach von Kempten Heinrich:
"nu wizzent ir doch wol daz ich
für den keiser niht getar
ze hove komen, wande ich gar
verwürket sîne hulde hân.
ir sult der reise mich erlân
iemer durch den dienest mîn.
der keiser hât die hulde sîn
vil gar von mir geleitet
und über mich gespreitet
sîner ungenâden büne.
ich hân erzogen zwêne süne,
die sende ich, herre, mit iu dar;
ê daz ich alters eine var,
sô füerent ir si beide samt:
gezieret wol ûf strîtes amt
kêrent si mit iu dâ hin."
"Nein", sprach der abbet, "ich enbin
des muotes niht daz ich ir ger
und iuwer durch si beide enber,
wand ir mir nützer eine sît.
mîn trôst und al mîn êre lît
an iu bî disen zîten:
jâ kunnet ir ze strîten
gerâten ûzer mâzen wol,
und swaz man hôher dinge sol
ze hove schicken alle wege,
daz mac verrihten iuwer phlege
vil baz dann anders iemen:
sô nütze enist mir niemen
an dirre hineverte als ir.
dâ von sô bite ich daz ir mir
rât mit wîser lêre gebent.
ist daz ir dâ wider strebent
und ir mir dienstes abe gânt,
swaz ir von mir ze lêhen hânt,
weizgot daz lîhe ich anderswar,
dâ manz verdienen wol getar."
"Entriuwen", sprach der ritter dô,
"und ist der rede denne alsô
daz ir mîn lêhen lîhent hin,
ob ich iu niht gehôrsam bin,
ich var ê mit iu, wizze Crist,
swie mir diu reise an dirre frist
ze grôzen sorgen sî gewant.
ê daz ich lâze ûz mîner hant
mîn lêhen und mîn êre,
ê rîte ich unde kêre
mit iu benamen in den tôt.
mîn helfe sol ze rehter nôt
iu bereit von schulden sîn,
wande ir sît der herre mîn,
den ich dienstes muoz gewern;
sît ir sîn niht welt enbern,
sô werde erfüllet iuwer muot.
swaz mir der keiser übels tuot,
daz will ich gerne dulden,
durch daz ich iu ze hulden
gedienen müge an dirre vart."
Hie mite ûf sîne reise wart
bereit der ellenthafte man,
er fuor mit sîme herren dan
über daz gebirge enwec.
er was sô küene und ouch sô quec
daz er durch vorhte wênic liez:
er tet swaz in sîn herre hiez
und wart im undertænic gar.
si wâren beide schiere dar
für die selben stat gezoget
dâ der rœmische voget
lac mit sîme her vil starc.
von Kempten Heinrich allez barc
sich vor des keisers angesiht
und quam für in ze liehte niht,
wand er in durch den halten haz
und durch die schulde sîn entsaz.
Sô flôch in der vil küene man:
ein lützel von dem her hin dan
het er die hütten sîn geslagen.
ein bat was im dar in getragen
an eime tage, als ich ez las,
wand im nâch sîner verte was
gemaches durft: dô badet er
in eime zuber der im her
was von eime dorfe brâht.
und dô der ritter wol bedâht
was gesezzen in daz bat,
dô sach er komen ûz der stat
ein teil der burgære,
und ouch den keiser mære
stapfen gegen in dort hin:
umb die stat wolt er mit in
teidingen unde kôsen.
dâ von die triuwelôsen
burgære hæten ûf geleit
mit parât und mit kündekeit,
daz sîn ze tôde slüegen;
si wolten gerne füegen,
sô er mit in sprâchen wolde,
daz man in slahen solde
und morden âne widersagen.
Nu hæte schiere sich getragen
diu zît alsô, des bin ich wer,
daz er geriten quam dort her,
gewæfens îtel unde bar.
ein tougenlîchiu harmschar
was im ze lâge dâ geleit,
dar în er ungewarnet reit
und wart mit frechen handen
eins strîtes dâ bestanden,
wan diu triuwelôse diet,
diu tougen sînden schaden riet,
diu quam ûf in geriuschet dar
mit blôzen swerten liehtgevar
und wolte im briuwen ungemach.
und dô der ritter dez ersach
von Kempten in dem bade dort,
daz man dâ mein unde mort
alsus begunde briuwen,
und daz man an den triuwen
den keiser Otten wolte slahen,
dô liez er baden unde twahen
vil gar belîben under wegen:
reht als ein ûzerwelter degen
sprang er uz dem zuber tief,
ze sîme schilte er balde lief,
der hieng an einer wende,
den nam er zuo der hende
unde ein swert gar ûzerwelt.
dâ mite quam der blôze helt
geloufen zuo dem keiser hin.
von den burgæren lôste er in
und werte in alsô nacket:
zerhouwen und zerhacket
wart von im der vînde gnuoc.
der liute er vil ze tôde sluoc
die den keiser wolten slahen,
er gôz ir bluotes manegen trahen
mit ellenthafter hende.
ze bitterlîch em ende
mit starken slegen er si treip,
und swaz ir lebendic beleip,
die mahte er alle flühtec.
und dô der ritter zühtec
den keiser hæte enbunden,
dô lief er an den stunden
nacket in daz bat hin wider.
dar în gesaz er drâte nider,
als ob er umbe die geschiht
weste in dirre werlte niht,
und badet als er tet dâ vor.
Der keiser ûf der flühte spor
quam gerennet in daz her.
wer in mit manlicher wer
hæte erlœset bî der stunt,
daz was im harte cleine kunt,
wand er sîn niht erkande.
für sîn gezelt er rande,
dâ erbeizte er balde nider
und saz ûf sîn gestüele wider
vil zorniclichen bî der zît.
die fürsten quâmen alle sît
für in gedrungen schiere dar.
er sprach: "ir herren, nement war
wie nâch ich was verrâten:
wan daz mir helfe tâten
zwô ritterlîche hende schîn,
sô müeste ich gar verderbet sîn
und den lîp verlorn hân.
und weste ich wer mir kunt getân
het alsô baltlichen trôst,
daz er mich nacket hât erlôst,
ich wolde im lîhen unde geben.
den lîp han ich und daz leben
von sîner helfe stiure:
nie ritter wart sô tiure
noch sô frech ân allen spot.
erkennet ieman in, durch got,
der bringe in für mîn ougen her
ich bin des offenlîchen wer
daz er emphâhet rîchen solt.
mîn herze ist im in triuwen holt
und mouz im iemer günstic wesen.
kein ritter sô gar uzerlesen
lebt weder hie noch anderswâ."
Nu stounden sumelîche dâ
die wol westen under in
daz Heinrich deme keiser
geholfen hæte bî der zît.
die sprâchen alle widerstrît:
"wir wizzen, herre, wol den helt
der iuwer leben ûzerwelt
von dem tôde erlœset hât.
nu vert ez leider unde stât
umb in alsô bî dirre zît
daz iuwer ungenâde lît
ze vaste ûf sînem rücke.
er hât daz ungelücke
daz er dur sîne schulde
vermîdet iuwer hulde.
würd im diu sælde nû getân
daz er die möhte wider hân,
wir liezen, herre, iuch in gesehen."
Der keiser dô begunde jehen:
"hæt er den vater mîn erslagen,
ich lieze in mîne gunst bejagen
und tæte im mîne gnâde schîn;
daz nim ich ûf die triuwe mîn
und ûf mîn êre keiserlich."
Dô war der ritter Heinrich
von Kempten im genennet.
der keiser wîte erkennet
sprach dâ wider sâ zehant:
"und ist er komen in diz lant,
daz weiz ich gerne sunder wân,
war hæte ouch anders diz getân
daz er nacket hiute streit?
wand er ouch die getürstekeit
truog in sîme herzen hôch
daz er bî dem barte zôch
einen keiser über tisch.
sîn mout ist frevel und frisch,
des enkilt er niemer;
mîn helfe muoz in iemer
genædeclichen decken.
doch will ich in erschrecken
und übellîche emphâhen."
Dô hiez er balde gâhen
und in ze hove bringen;
mit zorniclichen dingen
wart er für in gefüeret hin.
seht dô gebârte er wider in
als er gehaz in wære.
"nu sagent", sprach der mære
keiser, "wie getorstent ir
ie gestrîchen her ze mir
oder iemer für mîn ougen kommen?
nu habent ir doch wol vernomen
war umbe ich iuwer vîent wart:
ir sît ez doch der mir den bart
âne scharsach hât geschorn,
und iuwer grimmeclicher zorn
vil hâres in beroubet hât,
daz er noch âne locke stât,
daz hât gefrumet iuwer hant.
daz ir getorstent in diz lant
ie komen, dar an wirt wol schîn
daz ir hôchvertic wellet sîn
und übermuotes künnet phlegen."
"genâde, herre!" sprach der degen,
"ich quam betwungenlichen her.
dâ von sô bite ich unde ger
daz ir verkieset die getât.
mîn herre, ein fürste der hie stât,
bî sîner hulde mir gebôt,
daz ich durch keiner slahte nôt
liez ich enfüere her mit ime.
ich setze daz hiut unde nime
ûf alle mîne sælekeit,
daz ich die vart ungerne reit,
wan daz ich muoste, sam mir got,
erfüllen gar sîn hôch gebot.
wær ich niht ûz mit ime komen,
mîn lêhen hæt er mir benomen,
wære ich an den stunden
an der verte erwunden."
Der keiser lachen dô began:
er sprach: "ir ûzerwerlter man,
ir sît unschuldic, hœre ich wol:
dâ von ich gerne lâzen sol
gegen iu den zorn mîn.
mir und gote sult ir sîn
wol tûsent warbe willekomen.
ir hânt mir swærer vil genomen
und daz leben mîn genert.
den lîp müeste ich hân verzert
wan iuwer helfe, sælic man!"
sus sprang er ûf und lief in an
und kuste im ougen unde lide,
ein soune lûter unde ein fride
wart gemachet under in,
ir zweier vîntschaft was dâhin,
wan der keiser hôchgeborn
und sîn grimmeclicher zorn
was dem ritter niht gevêch.
ein gelt gab er im unde lêch
daz jâres galt zweihundert marc,
sîn manheit frevel unde starc
brâht in in hôhen rîchtuom
unde in ganzer wirde ruom,
daz man sîn noch gedenket wol.
Dar umbe ein ieslich ritter sol
gerne sîn des muotes quec,
werf alle zageheit enwec
und üebe sînes lîbes kraft.
wan manheit unde ritterschaft
diu zwei diu tiurent sêre:
si bringent lob und êre
noch einem iegelichen man
der si wol gehalten kann
unde in beiden mag geleben.
Hie sol diez mære ein ende geben
und dirre kurzen rede werc,
daz ich dur den von Tiersberc
in rîme hân gerihtet
unde in tiutsch getihtet
von latîne, als er mich bat.
ze Strâzburc in der guoten stat,
dâ er inne zuo dem tuome
ist prôbest unde ein bluome
dâ schînet maneger êren.
Got welle im sælde mêren,
wand er sô vil der tugende hât.
von Wirzeburc ich Cuonrât
muoz im iemer heiles biten.
er hât der êren strît gestriten
mit gerne gebender hende.
hie hât daz buoch ein ende.








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